mini|Erzherzog Karl in der Schlacht bei Aspern, Gemälde von Johann Peter Krafft, 1812, Heeresgeschichtliches Museum Wien. Unterschrift Erzherzog Karls: rahmenlos|zentriert|150px|klasse=skin-invert-image
Karl Ludwig Johann Joseph Laurenz von Habsburg-Lothringen, Erzherzog von Österreich, Herzog von Teschen, bekannt als Erzherzog Karl (* 5. September 1771 in Florenz; † 30. April 1847 in Wien), war ein österreichischer Feldmarschall. Er wurde durch den Sieg in der Schlacht bei Aspern während des Fünften Koalitionskriegs berühmt. Erzherzog Karl gilt als einer der bedeutendsten Feldherren des 19. Jahrhunderts.
Frühes Leben Karl Ludwig Johann Joseph Laurenzvgl. BLKÖ kam als dritter Sohn des Großherzogs der Toskana und späteren Kaisers Leopold II. und der Maria Ludovica von Spanien zur Welt und war der jüngere Bruder von Kaiser Franz II. (I.). Vor allem wegen einer seit dem Säuglingsalter bei ihm bestehenden Epilepsie und den daraus resultierenden körperlichen und seelischen BeeinträchtigungenWinfried M. Romberg: Die Epilepsie des Erzherzog Carl von Österreich (1771–1827). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 12, 1994, S. 245–253. war der Viertgeborene zuerst von seinem Vater für den geistlichen Stand bestimmt worden, interessierte sich aber viel mehr für alles Militärische. Karl verließ Florenz, nachdem sein Vater Kaiser geworden war und nahm am 9. Oktober 1790 in Frankfurt am Main an dessen Krönung teil. Mit Einverständnis des Vaters wurde er im Jänner 1791 von seiner kinderlos gebliebenen Tante Erzherzogin Marie Christine und deren Mann Albert von Sachsen-Teschen adoptiert und war damit Erbe von deren bedeutendem Landbesitz. Am 1. Oktober 1791 erschien er bei seinen Adoptiveltern in Brüssel und erhielt im Palais Royal eine eigene Hofhaltung. Im März 1792 starb sein kaiserlicher Vater in Wien, im Mai folgte ihm Karls Mutter, Maria Ludovika, ins Grab.
Militärische Laufbahn mini|hochkant|Erzherzog Karl von Österreich, idealisiertes Gemälde von Thomas Lawrence, 1819
Im April 1792 brach der Krieg gegen die Französische Republik aus. Karl begab sich sofort nach Mons in das Hauptquartier seines Ziehvaters, des Prinzen Albert von Sachsen-Teschen und erhielt am 11. Juni 1792 seine Feuertaufe bei La Grisuelle. Er wurde am 5. September 1792 zum Generalmajor befördert und nahm am 6. November an der Schlacht bei Jemappes teil. Im Jänner 1793 übernahm er in Köln eine eigene Brigade und führte sie im März 1793 der Armee des Reichsmarschalls Prinz Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld nach Aldenhoven zu. Bereits am 18. März zeichnete sich Karl in der Schlacht bei Neerwinden (1793) aus und zog am 25. März 1793 als neu ernannter Generalgouverneur der österreichischen Niederlande in das zurückeroberte Brüssel ein. Am 29. Dezember 1793 folgte seine Rangerhöhung zum Feldmarschallleutnant und am 22. April 1794 wurde er zum Feldzeugmeister ernannt. Nachdem am 26. Juni 1794 die Schlacht bei Fleurus verlorengegangen war, verlor Österreich die belgischen Gebiete endgültig, Karl musste dadurch seine Amtsführung vorzeitig beenden. Im Jänner 1795 verließ Karl die Armee und begab sich als Militärberater seines Bruders Franz II. nach Laxenburg. Damals begannen seine jahrelangen Gegensätze mit dem Wiener Kabinett unter dem Minister Thugut.
Im Februar 1796 wurde der erst 24-jährige Karl zum Reichsfeldmarschall ernannt und übernahm als Nachfolger des Feldmarschalls Graf von Clerfayt den Oberbefehl über sämtliche Reichstruppen an der Rheinfront. Mit der Schlacht bei Wetzlar am 15. und 16. Juni 1796 begann er seinen Versuch, die Franzosen vom östlichen Rheinufer fernzuhalten. In der zweitägigen Schlacht manövrierte er die französischen Kräfte aus und umging ihre Flanken. Dies zwang General Jourdan, den Oberbefehlshaber der französischen Sambre-Maas-Armee, schließlich zum Rückzug, welcher Teile des französischen Heeres in die Schlacht bei Kircheib führte. Jedoch war der eigentliche Plan der Franzosen aufgegangen und der Erzherzog musste seine den südlichen Rhein schützende Position aufgeben. Weitere Siege in der Schlacht bei Amberg (24. August) und der Schlacht um Würzburg (3. September) und die Zurückdrängung der französischen Rhein-Mosel-Armee unter General Moreau über den Rhein nach der Schlacht bei Emmendingen verschafften Erzherzog Karl große Popularität in Deutschland. Nachdem Karl nun auch die verlorene Position in Italien retten sollte, musste er im März 1797 die geschlagene Italienarmee in die Steiermark zurückführen, dort erreichte er in Verhandlungen mit Napoleon Bonaparte den für Österreich erträglichen Vorfrieden von Leoben.
Im Zweiten Koalitionskrieg befehligte Karl 1799 die kaiserlichen Truppen in Süddeutschland. Bei Ostrach (21. März) und Stockach (25. März) besiegte er die französische Donauarmee unter General Jourdan. Auch leitete er zu Beginn die austro-russische Invasion der Schweiz und zwang, unterstützt von dem gebürtigen Schweizer Feldmarschallleutnant Hotze, Jourdans Nachfolger Massena zum taktischen Rückzug über die Limmat (Erste Schlacht bei Zürich, 5. Juni). Dagegen misslang ihm eine potentiell kriegsentscheidende Überquerung der Aare zusammen mit den Russen unter Generalleutnant Korsakow (Waffenstillstand bei Döttingen mit General Ney, 17. August). Obwohl Minister Thugut unterdessen durch Cobenzl ersetzt worden war, kam es zu zunehmenden Spannungen mit dem Wiener Hof. Im März 1800 legte Karl sein Kommando nieder.
Hofkriegsrat und Generalissimus mini|hochkant|Erzherzog Karl, Gemälde von Anton Einsle, 1845
Am 9. Jänner 1801 wurde Karl zum kaiserlichen Feldmarschall und zum Präsidenten des Hofkriegsrates ernannt, am 12. September wurde er zusätzlich als Kriegs- und Marineminister berufen. Er versuchte schnell eine neue Organisation des kaiserlichen Heeres einzuleiten, aber starke Widerstände des Hofes ließen seine erste Heeresreformen versanden. Im Juli 1801 war Karl Erzherzog Maximilian Franz als 54. Hochmeister des Deutschen Ordens nachgefolgt, verzichtete aber 1804 auf diese Stellung. 1803/04 erlitt der bis dahin auch immer wieder von epileptischen Anfällen geplagte Karl von Österreich eine ausgeprägte Depression. Sein Gesundheitszustand begann sich jedoch Ende 1804 zu verbessern. Ab März 1805 traten keine Epilepsiesymptome mehr auf und die Depressionen wichen einer neuen, vor allem in der Militärpolitik Karls sich zeigenden Tatkraft.Winfried M. Romberg, S. 249 f.
Im Dritten Koalitionskrieg war Karl Befehlshaber der Armee in Italien. Er konnte dort 1805 in der Schlacht von Caldiero einen Abwehrsieg gegen Marschall Massena, den er bereits 1799 bei Zürich geschlagen hatte, erringen. Nach dem Krieg begann er seinen zweiten Militärreformversuch. Er schaffte die lebenslange Militärdienstzeit ab. Nach dem Vorbild der Napoleonischen Armee richtete er Armeekorps ein und forcierte die Aufstellung der österreichischen Landwehr. Dabei wurde er vor allem von seinem jüngeren Bruder Erzherzog Johann unterstützt.
Im Fünften Koalitionskrieg versuchte Österreich mit seinem reformierten Heer seine alte Machtstellung, die es nach dem Frieden von Preßburg (26. Dezember 1805) verloren hatte, wiederzugewinnen. Erzherzog Karl kommandierte als Generalissimus die Angriffstruppen in Süddeutschland. Er wurde aber von den Franzosen am 20. April 1809 bei Abensberg und am 22. April bei Eggmühl geschlagen, darauf musste er seine umfassten Stellungen bei Regensburg aufgeben und an der Donau zurückgehen. Der siegreiche Napoleon Bonaparte konnte am 19. Mai Wien besetzen. Erzherzog Karl konnte ihn aber am 21./22. Mai beim Donauübergang in der Schlacht bei Aspern zurückschlagen. Diese Schlacht gilt als erste Niederlage Napoleons auf dem Schlachtfeld. Kurz darauf unterlag Karl am 5./6. Juli 1809 jedoch in der Schlacht bei Wagram. Er schloss mit Napoleon eigenmächtig den Waffenstillstand von Znaim, wofür er von Franz I. am 23. Juli suspendiert wurde.
Privatleben mini|hochkant|Stammbaum Karls von Österreich-Teschen mini|hochkant|Das Wappen Karl von Österreich-Teschen
Karl befasste sich danach mit seinen Memoiren und wurde einer der bedeutendsten Militärschriftsteller des 19. Jahrhunderts. Ab 1815 war er Gouverneur der Festung Mainz. Diese Stadt liebte er, da er dort seine spätere Gattin, die Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg kennengelernt hatte. Nach dem Wiener Kongress heiratete der 44-jährige Erzherzog Karl am 17. September 1815 die 18-jährige Prinzessin. Bemerkenswert ist, dass sie evangelisch war und auch nach der Hochzeit nicht konvertierte. Er fasste kurz darauf den Entschluss, Schloss Weilburg bei Baden als Sommersitz zu errichten und seiner jungen Frau zu schenken. Nach der Fertigstellung zog sich das Paar dorthin ins Privatleben zurück.
Nach dem Tode seines Adoptivvaters Albert von Sachsen-Teschen 1822 erbte Karl dessen Güter Teschener Kammer, die Herrschaften Ungarisch-Altenburg (Komitat Wieselburg) und Belye, das Palais Herzog Alberts in Wien (das spätere Palais Erzherzog Albrecht) sowie die reiche Kunstsammlung Albertina. Er ließ sich das Jagdschloss Teschen erbauen.
Karls Frau Henriette starb am 29. Dezember 1829 im Alter von 32 Jahren an Scharlach, nachdem sie sich bei ihren Kindern angesteckt hatte. Sie wurde als einzige Protestantin aus der weitverzweigten Habsburger-Familie in der Kapuzinergruft beigesetzt. Kaiser Franz II./I. sagte dazu: Erzherzog Karl selbst ist ebenfalls in der Kapuzinergruft beigesetzt. Er starb im 76. Lebensjahr an einer Rippenfellentzündung. Sein Herz wurde getrennt bestattet und befindet sich in der Herzgruft der Habsburger in der Loretokapelle der Wiener Augustinerkirche.
Rezeption Kulturell mini|hochkant|Apotheose des Erzherzog Karl, Gemälde von Heinrich Friedrich Füger, HGM
Bereits unmittelbar nach dem Sieg bei Würzburg 1796 setzte eine Verherrlichung und Mythologisierung der Person des Erzherzog Karl ein. Schon 1802 wurde ihm zu Ehren ein Denkmal in Augsburg errichtet. Nach der Niederlage bei Wagram wurde Karl seines Kommandos enthoben und war fortan weder militärisch noch politisch aktiv, dennoch strebte diese Verherrlichung gerade unmittelbar nach 1809 ihrem Höhepunkt zu. Noch unter dem unmittelbaren Eindruck des Sieges bei Aspern widmete Heinrich von Kleist dem Erzherzog ein Gedicht:
In der Einleitung, die Kleist für die Zeitschrift „Germania“ schrieb, manifestiert sich die Verherrlichung noch mehr:
Museal mini|Erzherzog Karl und sein Stab in der Schlacht bei Aspern, Gemälde von Johann Peter Krafft, HGM (1819)
Durch die kaiserliche Entschließung von Franz Joseph I. vom 28. Februar 1863 wurde Erzherzog Karl in die Liste der „berühmtesten, zur immerwährenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ aufgenommen, zu deren Ehren und Andenken auch eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k.k. Hofwaffenmuseums (heute: Heeresgeschichtliches Museum Wien) errichtet wurde. Die Statue wurde 1871 vom Bildhauer Franz Pönninger aus Carrara-Marmor geschaffen, gewidmet wurde sie von Kaiser Franz Joseph selbst.Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume. Kiesel Verlag, Salzburg 1981, ISBN 3-7023-0113-5, S. 37