Die Rhodospirillales bilden eine Ordnung innerhalb der Alphaproteobacteria. Sie bestehen aus den Familien Rhodospirillaceae, Azospirillaceae und Acetobacteraceae. Ökologie, Morphologie und Stoffwechsel der Bakterien dieser Ordnung sind sehr vielfältig. Hier sind chemotrophe, photoheterotrophe aber auch photoautotrophe und chemolithotrophe Bakterien aufgrund von 16S-rRNA-Analysen zusammengefasst. Viele Rhodospirillales verfügen über eine typische, korkenzieherartig gewundene Zellmorphologie. Sie sind hauptsächlich in Gewässern und Sedimenten verbreitet.
Rhodospirillaceae Die Arten dieser zu den Nichtschwefelpurpurbakterien gestellten Familie sind zum größten Teil photoheterotroph, d. h. sie benötigen organische Stoffe als Elektronendonor. Ihre Photosynthese ist anoxygen, sie setzt also keinen Sauerstoff frei. Die Arten leben anaerob oder tolerieren mikroaerobe Bedingungen. Wenn kein Licht vorhanden ist, wachsen die Bakterien chemotroph. Arten, die nicht zur Photosynthese fähig sind, wachsen obligat chemoorganotroph (z. B. Skermanella). Viele Bakterien dieser Familie sind polar begeißelt.
Unter den Rhodospirillaceae findet man einige Arten, die intrazellulär Magnetit-Kristalle bilden und diese in Ketten entlang der Zellachse anordnen. So richtet sich die Bewegung der Zellen entlang des Erdmagnetfeldes aus (Magnetotaxis). Beispiele für magnetotaktische Arten sind Magnetospirillum gryphiswaldense, Magnetospirillum magnetotacticum und Magnetospirillum magneticum. Die Magnetitkristallbildung ist ein komplexer, noch nicht verstandener Vorgang, der genetisch gesteuert wird und als spezielle Form der Biomineralisation derzeit intensiv erforscht wird.
Systematik Die Systematik der Ordnung (Familien und einige Gattungen) ist gemäß der LPSN mit stand 17. August 2026 wie folgt:LPSN: Orde Rhodospirillales Pfennig and Trüper 1971 (Approved Lists 1980).
Ordnung Rhodospirillales Familie Acetobacteraceae (ex 1939) 1980 [Acidocellaceae et al. 2024, Elioraeaceae et al. 2020, Roseomonadaceae et al. 2024] Familie Aestuariispiraceae et al. 2025 Familie Allostellaceae 2025 Familie Azospirillaceae et al. 2020 [Elsteraceae et al. 2024, Inquilinaceae et al. 2024, „Niveispirillaceae“ et al. 2023] Gattung Skermanella 1999 Familie Geminicoccaceae et al. 2018 [„Defluviicoccaceae“ 2022, Tistrellaceae et al. 2024] Familie Kiloniellaceae et al. 2009 Familie Oleispirillaceae et al. 2024 Familie Reyranellaceae et al. 2020 Familie Rhodospirillaceae 1971 (Approved Lists 1980) [Dongiaceae et al. 2023, Magnetospirillaceae et al. 2023, Novispirillaceae et al. 2023] Gattung Magnetospirillum et al. 1992 mit<br /> M. gryphiswaldense, M. magnetotacticum, M. magneticum Gattung Phaeospirillum et al. 1998 Gattung Rhodospira et al. 1998 Gattung Rhodospirillum 1907 (Approved Lists 1980) Gattung Telmatospirillum et al. 2007 Familie Rhodovibrionaceae et al. 2020 [Fodinicurvataceae et al. 2023] Gattung Rhodovibrio (ex et al. 1998 Familie Roseiterribacteraceae et al. 2024 Familie Shumkoniaceae et al. 2025 Familie Terasakiellaceae et al. 2020 Familie Thalassobaculaceae et al. 2020 [Nisaeaceae et al. 2024, Oceanibaculaceae et al. 2023] Familie Thalassospiraceae et al. 2020 [Magnetospiraceae et al. 2023, Magnetovibrionaceae et al. 2023] Familie Zavarziniaceae et al. 2020
Acetobacteraceae Im Gegensatz zu den Rhodospirillaceae sind in dieser auch als Essigsäurebakterien (englisch: acetic acid bacteria) bezeichneten Familie hauptsächlich aerobe Bakterienarten die keine Photosynthese durchführen zusammengefasst, sie benötigen organische Kohlenstoffquellen zur Ernährung (chemoorganotroph) und oxidieren Ethanol zur Essigsäure. Aufgrund genetischer Untersuchungen unterlag in letzter Zeit die Systematik dieser Familie auf Gattungsebene einiger Veränderungen. So wurden unter anderem viele Arten der Gattung Acetobacter zu der Gattung Gluconacetobacter gestellt.
Weitere Vertreter dieser Familie: Acidicaldus, Acidiphilium, Asaia, Granulibacter, Kozakia, Stella und Teichococcus.
Literatur George M. Garrity (Hrsg.): Bergey’s Manual of Systematic Bacteriology. 2. Auflage, Band 2: The Proteobacteria. Part C: The Alpha-, Beta-, Delta-, and Epsilonproteabacteria. Springer, New York 2005, ISBN 0-387-24145-0.
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