mini|300px|Zentrum von Uslar. Lange Straße mit dem historischen Rathaus und der St.-Johannis-Kirche in der Bildmitte im Hintergrund.

Uslar ist eine Kleinstadt und ein Mittelzentrum am südwestlichen Rand des Sollings im niedersächsischen Landkreis Northeim. Der staatlich anerkannte Erholungsort hat rund 14.000 Einwohner.eigene Fortschreibung: 14.321 (30. Juni 2022) Einwohner, amtliche Fortschreibung: 14.062 Einwohner (31. Dezember 2021). Quelle Ortschaften | Stadt Uslar Infos auf Website der Stadt Uslar.Niedersächsischer Landtag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/3359: Kleine Anfrage Welchen Stellenwert haben Prädikate wie „staatlich anerkannter Luftkurort“ speziell für den Heidetourismus und die Tourismuswirtschaft in Niedersachsen? (PDF). Abgerufen am 22. März 2011.

Namensherkunft Zur Etymologie des Ortsnamens wird vermutet, dass in der jüngeren Steinzeit die nach den charakteristischen Verzierungen ihrer keramischen Gefäße benannten Bandkeramiker den Uslarer Raum besiedelten. Fluss- und Bachläufe hatten nach heutigem Wissen bei ihnen die Endung „-ar“ oder „-er“, wobei „a“ möglicherweise für Wasser steht. Genaueres ist bis heute nicht bekannt. Aus den Endungen leitete sich vielleicht auch der damalige Name „Üssel“ für den Italsbach ab, der angeblich „kaltes Wasser“ bedeutet (noch heute reden Senioren auf plattdeutsch von der Üsselbeke). Im Laufe der Zeit wandelte sich die Bedeutung von „-ar“ bzw. „-ari“ dann eventuell in „(Lager- oder Weide-)Platz am Wasser“.

Frühere Schreibweisen waren unter anderem Husleri, Huslere, Uslere, Usseler, Usler, Uslir, Üsler und Uslaria. Zwischenzeitlich hieß Uslar auch für kurze Zeit Freudenthal.

Alte Bezeichnungen: 1006–1007 Huslere, 1141 Ernestus de Vslare, 1142–1153 Eluericus de Uslere, 1189 Eluericus de Uslere, vor 1199 Huslere, 1202 Hermannus de Uslere, 1205–1216 Hildebrandus de Uslaria

„-lar“ bedeutet „Weide“, „Wald“; „us-“ ist wohl von „es-“, „wasal“, „ooze“, „waso“, „wase“, abzuleiten und bedeutet „feucht“, „nass“, „Regen“, „Rasen“, „Erdscholle“, „Grube“, „Feuchtigkeit“, „Schlamm“ oder „feuchter Erdgrund“.

Uslar kann als „Wald, Waldstück in feuchter, sumpfiger Lage“ gedeutet werden. Die Lage Uslars in einem Gebiet, welches von Ahle, Rehbach, Martinsbach und Mühlengraben um- und durchflossen wird, unterstützt diese Deutung.

Uslar hatte früher den Beinamen „Stadt der Ilsemöbel“ (siehe Wirtschaftsgeschichte) und beansprucht – wie viele Nachbarstädte auch – das „Tor zum Solling“ zu sein.

Geografie Geologie Die Kernstadt Uslar liegt in dem in das Buntsandsteingewölbe des südlichen Sollings eingesenkten Sedimentfall und 8,28 Quadratkilometer großen, waldreichen Naturraum Uslarer Becken (Nr.: 370.2; Haupteinheit Nr. 370: Solling, Haupteinheitengruppe Nr. 37: Weser-Leine-Bergland) im mitteldeutschen Gebirgsland.J. Hövermann: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 99 Göttingen. Bad Godesberg 1963. Weblink: http://geographie.giersbeck.de/karten/099.pdf. Abgerufen am 19. April 2019.

Die Beckenlandschaft rund um die Kernstadt ist dank der Lößböden sehr fruchtbar und hat einen hügeligen, sehr ländlichen Charakter mit vielen Laub- und Nadelwaldflächen und Bachläufen.

Einige der Wasserläufe in und um Uslar sind die Schwülme, die Ahle, der Martinsbach, der Katzbach, der Mühlen- und Hüttengraben sowie der Rehbach.

Vom Westen über den Norden bis in den Osten ist Uslar umsäumt vom Waldgebiet des Sollings. Im Südosten liegt der Bramwald und im Südwesten der Reinhardswald. Fichten und Buchen dominieren die Wälder.

Geografische Lage mini|hochkant|Meilenstein am Neustädter Platz in Uslar

Uslar liegt im südlichen Weserbergland, im südwestlichen Teil des südniedersächsischen Landkreises Northeim.

Größere Städte im Umkreis sind das Oberzentrum Göttingen im Südosten (34 Kilometer per Straße, zirka 26 Kilometer Luftlinie), Kassel im Süden, Holzminden sowie Höxter im Nordwesten. Uslar grenzt im Norden an den Solling als Teil des Naturparks Solling-Vogler, der zweitgrößten zusammenhängenden Waldfläche des Mittelgebirges Niedersachsens. Das Dreiländereck Niedersachsen/Hessen/Nordrhein-Westfalen (Hannoversche Klippen mit Weser-Skywalk) am äußersten nordwestlichen Ortsrand von Bad Karlshafen ist zirka 25 Kilometer in westlicher Richtung entfernt und der Oberlauf des Flusses Weser in der Nachbargemeinde Bodenfelde zirka neun Kilometer ebenfalls westlich.

Bis zur Kreisstadt Northeim im Nordosten sind es zirka 36 Kilometer per Straße (zirka 26 Kilometer Luftlinie), bis zur Landeshauptstadt Hannover im Norden zirka 120 Kilometer und bis zur Bundeshauptstadt Berlin im Nordosten zirka 350 Kilometer.

Uslar hat im Westen des Landkreises Northeim die Funktion eines Mittelzentrums. Bezüglich ihrer Fläche und Einwohnerzahl ist Uslar drittgrößte Einheitsgemeinde im Landkreis.

Von den 113,4 Quadratkilometern Fläche entfallen 13,11 auf Siedlungen und 32,81 auf Naturflächen. 67,48 Quadratkilometer sind frei (Stand: 1997). 1999 gab es für die 16.385 Einwohner 7.238 Wohnungen.

Klima Bioklimatisch herrscht im Uslarer Raum ein Belastungs- und Übergangsklima zwischen See- und Kontinentalklima vor.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind im Uhrzeigersinn die Städte Moringen und Hardegsen (beide Landkreis Northeim) sowie der Flecken Adelebsen und – mit nur knapp 500 Metern Grenzlinie zur Uslarer Exklave Fürstenhagen – die Stadt Hann. Münden (beide Landkreis Göttingen). Im Süden grenzt Uslar an die Gemeinde Wesertal im hessischen Landkreis Kassel.

Im Norden und Westen ist Uslar von dem gemeindefreien Gebiet Solling (Landkreis Northeim) umgeben. Dadurch grenzt Uslar indirekt an die Stadt Dassel und den Flecken Bodenfelde (beide Landkreis Northeim), die Stadt Bad Karlshafen (Landkreis Kassel), den Ortsteil Würgassen der Stadt Beverungen (Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen), den Flecken Lauenförde und die Gemeinde Derental, die Ortsteile Neuhaus im Solling und Silberborn der Stadt Holzminden sowie die Gemeinde Heinade (alle Landkreis Holzminden).

Obwohl man auch direkte Grenzen zur Stadt Einbeck (Landkreis Northeim) oder zur Gemeinde Niemetal (Landkreis Göttingen) vermuten könnte, existieren diese nicht.

Stadtgliederung Die Stadt Uslar ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus den folgenden 19 Ortsteilen:

Name Einwohner(31. Dezember 2015) Abgerufen am 29. Mai 2016 Vorwahl 20px|Wappen Ahlbershausen Ahlbershausen 139 05571 20px|Wappen Allershausen Allershausen 589 05571 20px|Wappen Bollensen Bollensen 485 05571 20px|Wappen Delliehausen Delliehausen 484 05573 20px|Wappen Dinkelhausen Dinkelhausen 327 05571 20px|Wappen Eschershausen Eschershausen 491 05571 20px|Wappen Fuerstenhagen Fürstenhagen 345 05574 20px|Wappen Gierswalde Gierswalde 283 05573 20px|Wappen Kammerborn Kammerborn 239 05571 20px|Wappen Offensen Offensen 289 05506 20px|Wappen Schlarpe Schlarpe 425 05573 20px|Wappen Schönhagen Schönhagen 1003 05571 20px|Wappen Schoningen Schoningen 852 05571 20px|Wappen Sohlingen Sohlingen 589 05571 20px|Wappen Uslar Uslar (Kernstadt) 5530 05571 20px|Wappen Vahle Vahle 244 05571 20px|Wappen Verliehausen Verliehausen 380 05571 20px|Wappen Volpriehausen Volpriehausen 1231 05573 20px|Wappen Wiensen Wiensen 566 05571

mini|Blick auf Uslars Kernstadt und das Wohngebiet „Eichhagen“ (Foto: Archiv / „So Move e. V.“, 2002)

Eine Besonderheit stellt das südlich gelegene und zu Uslar gehörende Dorf Fürstenhagen dar. Es ist zu zirka ¾ vom hessischen Landkreis Kassel und zu zirka ¼ vom niedersächsischen Landkreis Göttingen umschlossen. Fürstenhagen ist somit eine Exklave des Landkreises Northeim und der Stadt Uslar. Regulär ist das Dorf nur über das hessische Dorf Heisebeck zu erreichen. Vom Landkreis Göttingen führen des Weiteren einige für den öffentlichen Verkehr gesperrte Waldwege nach Fürstenhagen.

Die Kernstadt ist offiziell nicht in Stadtteile gegliedert. Einheimische unterscheiden jedoch zwischen „Auschnippe“, „Bella Clava“, „Eichhagen“, „Ilsesiedlung“, „Industriegebiet“, „Innenstadt“, „Kanzlerviertel“, „Kinderdorf“, „Kleines Feld“, „Kupferhammer“, „Unterhütte“ und „Oberhütte“, „Postberg“, „Rotenberg“, „Schwarze Erde“, „Wiesenstraße“ und „Ziegenbusch“. Die Namen resultieren meist aus den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten oder aus Straßennamen und sind in Uslar und auch in den umliegenden Dörfern gebräuchliche Bezeichnungen.

Zu nennen wären ferner noch das „Rittergut Reitliehausen“ (im Westen der Kernstadt), „Donnershagen“ (zu Eschershausen), „Haje“ (zu Delliehausen), „Grimmerfeld“ (Delliehausen), der „Knobben“, das Gut „Steimke“ mit wüster Dunieburg (zu Wiensen), „Meinte“ (Ostteil Eschershausens), „Langental“ (zu Dinkelhausen), „Warneckenfeld“ (zu Wiensen), sowie „Steinborn“ (zu Schönhagen) als mehr oder weniger abgegrenzte Siedlungen.

Noch im letzten Jahrhundert gab es die „Forstsiedlung Grimmerfeld“ nördlich von Delliehausen. Bereits wesentlich früher untergegangen sind die Siedlungen „Wangensen“ (bei Wiensen) und „Schmachtshagen“ (bei Schönhagen).

Geschichte Frühzeit und Mittelalter Eine erste Besiedlung des Uslarer Gebietes erfolgte in der Jungsteinzeit durch frühe Ackerbaukulturen.

Uslar gab es unter der Bezeichnung „Husleri“ bereits im 9. Jahrhundert. Die Bezeichnung leitet sich von „Yssellär“ ab, was „Lager am kalten Wasser“ bedeutete. Ortsgründer war vermutlich ein Stamm der Chatten. Schriftlich wurde Uslar erstmals um 1006/1007 als „Huslere“ in den Corveyer Traditionen Nr. 499 im Rahmen einer Schenkung von 30 Morgen Land von Luthardus, einem vermutlich adeligen Grundherrn, erwähnt.

Im 13. Jahrhundert, als Uslar bereits zum Herzogtum Sachsen gehörte und im Grenzgebiet zwischen Engern und Ostfalen lag, wechselten sich verschiedene Lehnsherren (z. B. die Grafen von Northeim und die Grafen von Dassel) in der Herrschaft über Uslar ab. Zwischen 1129 und 1135 benannten sich zwei Ministeriale des Siegfried IV. von Boyneburg, Hildebrandus und Alvericus, nach dem Ort Huslere. Dann folgt die Erwähnung einer (Wasser-)Burg, nach der sich die dortigen Burgmänner, die Ritter von Uslar nannten, kein fürstliches, aber vermutlich ein edelfreies Geschlecht.

1263 wurden Uslar von Herzog Albrecht I. von Braunschweig die Stadtrechte verliehen. Die Herren von Uslar wurden von ihm 1269 durch das Einsetzen von Stadträten verdrängt, wobei sie ihre Ländereien in Uslar gegen solche im heutigen Gleichen tauschten und in die Höhenburgen von Neuen- und Altengleichen wechselten. 1262 setzte Herzog Albrecht die Ritter Hermann III. und Ernst IV. von Uslar, Vögte von Corvey, als Burgmänner auf seiner Burg Gleichen ein; aus dieser Linie ging dann das noch heute bestehende Geschlecht der Freiherren von Uslar-Gleichen hervor. Daneben gibt es ein möglicherweise stammesgleiches, später geadeltes Goslarer Ratsgeschlecht von Uslar. Auch andere bürgerliche Familien benannten sich später herkunftshalber nach der Stadt. Der Familienname existiert in der Gegend um Göttingen, in ganz Deutschland und auch im spanischsprachigen Teil Südamerikas bis heute.

Für die an die Weser vordringenden Welfen war die dort später und vermutlich Anfang des 14. Jahrhunderts errichtete Burg sehr wichtig und es wurde dort auch residiert sowie Jagd betrieben. Für diese Burg wurde 1428 von Otto Cocles (der Einäugige), der hier auch aufwendig Hof hielt und Uslar später (1476) zu seinem Ruhesitz auserkor, eine Fürstenkapelle samt Wehrturm errichtet, aus der später dann die heutige St.-Johannis-Kirche hervorging (1277 wurde erstmals ein christlicher Pfarrer in Uslar erwähnt). Der Kirchturm war hierbei sicherlich der zugehörige Wehrturm der Burg.

Nach der Zerschlagung Sachsens gehörte Uslar dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, genauer dessen zugehörigem Fürstentum Göttingen bzw. Fürstentum Calenberg, an. Zwischen 1485 und 1490 sowie auch 1585 war Uslar von der Pest betroffen. Von 1624 bis 1642 grassierten ferner Ruhr-, Typhus-, Blattern- und Pocken-Epidemien.

Frühe Neuzeit und 19. Jahrhundert