mini|Stammbaum der Umaiyaden-Familie mit den beiden Zweigen der Sufyāniden (gelb) und Marwāniden (blau)
Die Umayyaden oder Omajjaden ( oder ) – auch Omayyaden, Omaijaden, Omajaden, Omejjaden und Umajjaden – waren ein Familienclan des arabischen Stammes der Quraisch aus Mekka, des Stammes, dem auch der Religionsgründer Mohammed entstammte. Angehörige der Familie herrschten von circa 661 bis 750 n. Chr. als Kalifen (Bezeichnung auch: Umayyaden-Kalifat) von Damaskus aus über das damals noch junge islamische Imperium (siehe auch Liste der Kalifen) und begründeten damit die erste dynastische Herrscherfolge der islamischen Geschichte (siehe Zeittafel islamischer Dynastien). Zuvor herrschte aus der Familie der Umayyaden der dritte Kalif Uthman ibn Affan. Bei den Umayyaden von Damaskus wird zwischen zwei Linien unterschieden, den Sufyāniden, die sich auf Abū Sufyān ibn Harb zurückführen, und den ab 685 herrschenden Marwāniden, den Nachkommen von Marwān ibn al-Hakam.
Die Ermordung des dritten Kalifen Uthman führte zum ersten Bürgerkrieg der Muslime, in welchem verschiedene Gruppierungen gegen den vierten Kalifen Ali ibn Abi Talib kämpften. Als Sieger ging aus den Auseinandersetzungen der Kalif Muawiya, ein Verwandter Uthmans, hervor. Dieser stabilisierte das Reich und regierte es für 20 Jahre. Unter seiner Herrschaft kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Oströmischen Reich. Muawiya designierte seinen Sohn Yazid als Nachfolger, der sich gegen Alis Sohn Husain durchsetzen konnte; nach dem frühen Tod von Yazids Sohn Muawiya II. brach jedoch der zweite Bürgerkrieg aus, aus dem die umayyadische Nebenlinie der Marwaniden siegreich hervorging. 750 wurden die Umayyaden schließlich nach einem weiteren Bürgerkrieg durch die Abbasiden von der Macht verdrängt, konnten sich allerdings im Emirat von Córdoba noch länger behaupten.
Politische Geschichte Ursprünge der Dynastie Die Dynastie der Umayyaden entstammte der weiteren Verwandtschaft des Propheten Mohammed. Wie die Banū Hāschim, der Clan des Propheten Mohammed, gehörten die Umayyaden zu den Nachkommen des Quraischiten ʿAbd Manāf ibn Qusaiy. Beide Familien führten sich jeweils auf einen von ʿAbd Manāfs Söhnen zurück, die Haschimiten auf Haschim und die Umayyaden auf ʿAbd Schams. Namensgeber der Umayyaden war ʿAbd Schams’ Sohn Umayya (Umayya ibn ʿAbd Scham).
Zu Beginn des 7. Jahrhunderts n. Chr. waren die Nachkommen Umayyas eine der einflussreichsten Familien Mekkas. In dieser Zeit begann Mohammed damit, seine neue Religion in der Stadt zu verkünden. Nachdem er im Jahr 622 mit seinen Anhängern nach Medina auswandern musste und es in der Folge zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den geflohenen Muslimen und Mekka kam, nahmen Mitglieder der Umayyadenfamilie führende Positionen auf Seiten der Mekkaner ein. Im späteren Verlauf der Kämpfe stand mit Abū Sufyān ibn Harb das Oberhaupt des Klans an der Spitze der mekkanischen Politik. Schlussendlich musste dieser sich jedoch Mohammed geschlagen geben und konvertierte noch kurz vor der Einnahme Mekkas durch die muslimischen Truppen im Jahr 630 selbst zum Islam.
Dieser Seitenwechsel gereichte den Umayyaden letztlich zum Vorteil, da sie auch in dem nun entstandenen islamischen Staat eine wichtige Rolle spielten. So diente beispielsweise Muʿāwiya, ein Sohn Abu Sufyans, einige Jahre als Mohammeds Sekretär. Nach dem Tod des Propheten nahm er an den Feldzügen gegen das Oströmische Reich teil, die das Ende der Spätantike im östlichen Mittelmeerraum einleiteten. Er wurde im Jahr 639 mit dem Posten des Statthalters von Syrien belohnt. Im Jahr 644 wurde mit Uthman ibn Affan sogar ein Mitglied des Umayyadenklans zum Kalifen gewählt. Uthman zählte im Gegensatz zum Rest seiner Familie zu den ersten Unterstützern Mohammeds und war bereits 622 bei der Auswanderung von Mekka dabei gewesen. Bei der Vergabe einflussreicher Posten im Reich begünstigte er offenbar in hohem Maße seine eigenen Verwandten, sodass sich bald eine Opposition gegen seine Herrschaft bildete. Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten, hatte seine Wahl ohnehin nie akzeptiert.
Herrschaft der Sufyāniden (660–683) Früh entwickelte sich daher ein Machtkampf zwischen den Aliden, die als nächste Blutsverwandte des Propheten das Kalifat beanspruchten, und ihren Gegnern, unter denen die Umayyaden die prominentesten waren. Im Jahr 656 wurde Uthman in Medina ermordet und Ali zum neuen Kalifen erhoben. Allerdings wurde auch er nicht von allen Muslimen anerkannt. Die Herrschaft streitig machte ihm neben weiteren Prophetengefährten auch Uthmans Verwandter Muʿāwiya, der sich im Jahr 660 im syrischen Damaskus ebenfalls zum Kalifen ausrufen ließ. Damit war die muslimische Gemeinschaft (die Umma) erstmals gespalten. Die Folge war die erste Fitna, der erste Bürgerkrieg des islamischen Staates. Muʿāwiya konnte sich während der ersten Fitna vor allem auf die Loyalität der syrischen, ihm ergebenen arabischen Stämme stützen, die den Umayyaden auch in den folgenden Jahrzehnten treu blieben.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 80. Gemäß Tabari trat Muʿāwiya in Damaskus als Bluträcher Uthmans hervor, indem er dessen von Blut getränktes Oberteil öffentlich gezeigt und die Aliden für den Mord verantwortlich gemacht habe. Er verbündete sich mit ‘Amr b. al-‘As, dem Statthalter Ägyptens, und zog gegen Ali. Es kam zur Schlacht von Siffin, welche unentschieden ausging, und einem anschließenden Schiedsgericht. Letzteres bewirkte, dass viele Anhänger von Ali abfielen (Charidschiten).Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 90 f. Muʿāwiya konnte nach Alis Ermordung durch die Charidschiten (661) seine Herrschaft unter den Muslimen durchsetzen, indem er Alis Sohn Hasan den Verzicht auf die Herrschaft abkaufte, und das Kalifat der Umayyaden begründen.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 92.
Zunächst verlegte Muʿāwiya die Hauptstadt von Kufa, wo Ali sein Hauptquartier genommen hatte, nach Damaskus. Damit wurde Arabien politisch zur Peripherie, der Schwerpunkt verlagerte sich in die reichen Gebiete Syrien und Ägypten, die man kurz zuvor erobert hatte. Die Bedeutung für den Islam konnte Arabien nur noch durch die Heiligen Stätten Mekka und Medina behaupten. Muʿāwiya stütze sich bei seiner Herrschaft auf die syrischen Stämme, insbesondere den Stamm der Kalb, und Personen aus dem ehemaligen Umfeld der Ghassaniden.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 92–93. Muʿāwiyas Herrschaft stand zu Beginn im Zeichen des wieder aufflammenden Konflikts mit den Oströmern (Byzantinern). Einer Gegenoffensive letzterer in Nordafrika begegnete Muʿāwiya mit der Anordnung von Kriegszügen gegen die dortigen Römer. Ebenfalls ließ er die Städte Tyros und Akko befestigen. Zur Mitte der 660er Jahre hin unternahmen die Muslime Plünderungszüge nach Kleinasien; Muʿāwiyas Sohn Yazid erreichte 668 die Stadt Chalcedon. In den 670er Jahren unternahmen die Muslime See- und Landzüge gegen die oströmischen Besitzungen, die sie teils erneut wieder in die Nähe Konstantinopels führten. Eine Seekampagne scheiterte aber an der Verwendung des griechischen Feuers durch die Römer,Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 96–97 und auch in Kleinasien konnten die Muslime angesichts des erbitterten Widerstands der kaiserlichen Truppen nicht Fuß fassen. Einen Aufstand in Syrien, der wahrscheinlich von maronitischen Christen ausging, konnte Muʿāwiya 677 oder 678 niederschlagen.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 97.
Muʿāwiya verließ sich bei der Beherrschung der Provinzen auf mächtige Statthalterpersonen. Diese regierten teilweise lebenslang.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 97–100. Muʿāwiya schaffte auch die Wahl des Kalifen ab und ersetzte sie durch das Prinzip der Erbfolge, indem er seinen Sohn Yazid I. öffentlich zum Nachfolger erklärte. Yazid entstammte Muʿāwiyas Ehe mit einer Frau aus dem Kalb-Stamm und brachte so die Unterstützung der Kalb für die Umayyaden mit. Ebenfalls schwächte Muʿāwiya die alidische Opposition, indem er wichtige Parteigänger der Aliden verbannen oder hinrichten ließ, so z. B. Hudschr ibn Adi.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 101
Nach dem Tod Muʿāwiyas brachen unter seinem Nachfolger Yazid I. (680–683) mehrere Aufstände gegen die Umayyaden aus. Husain, der zweite Sohn Alis und Enkel Mohammeds, nutzte die Situation und zog gegen Yazid zu Felde. Er wurde jedoch in der Schlacht von Kerbela (680) besiegt und erschlagen, ebenso wurden viele weitere Aliden getötet. Diese Niederlage wurde Anlass für das schiitische Trauerfest Aschura. Trotz dieses umayyadischen Sieges konnte sich die Opposition vor allem im Hedschas um Mekka weiter behaupten, wo Abdallah b. az-Zubair, der Sohn des in der Kamelschlacht getöteten Gegners Alis, ein eigenständiges Kalifat ausrief.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 102–103
Umayyadischer Existenzkampf und Thronfolgewirren (683–685) Im Jahr 682 vertrieb ʿAbdallāh ibn az-Zubair die Umayyaden aus dem Hedschas. Yazid sandte im Folgejahr eine Armee aus, um die verlorengegangenen Gebiete zurückzuerobern. Diese besiegte die Aufständischen und belagerte Mekka. Nach dem Tod Yazids im selben Jahr zog sich diese Armee jedoch nach Syrien zurück. Nachdem 684 auch Yazids Sohn und Nachfolger Muʿāwiya II. gestorben war, erhielt Ibn az-Zubair unter den Muslimen immer mehr Unterstützung, auch mehrere Stammesfürsten in Syrien und Palästina stellten sich auf seine Seite, darunter Zufar ibn al-Hārith, der Führer des Stammesverband der Qais im Militärbezirk von Qinnasrīn, der den dortigen umayyadischen Statthalter vertrieb.Vgl. Rotter, S. 135 f. Mehrere Umayyaden, darunter Marwān ibn al-Hakam, die nicht mehr daran glaubten, dass ihre Familie ihre Macht erhalten könnte, machten sich auf den Weg in den Hedschas, um ebenfalls Ibn az-Zubair zu huldigen.Vgl. Rotter, S. 140. Az-Zubayr gelang es jedoch angesichts von Auflösungserscheinungen an den Rändern des islamischen Machtbereichs nicht, seine Herrschaft vollständig zu konsolidieren.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 103–105.
Allein durch die Intervention des früheren umayyadischen Statthalters im Irak, ʿUbaidullāh ibn Ziyād, sowie des kalbitischen Stammesführers Hassān ibn Mālik Ibn Bahdal, der mit den Umayyaden verwandt war, wurde die Machtposition der Umayyaden gerettet. ʿUbaidullāh drängte Marwān, sich selbst um das Kalifat zu bewerben, da er als Sayyid aus der Nachkommenschaft des ʿAbd Manāf mehr Anspruch darauf habe als Ibn az-Zubair. Er kehrte daraufhin wieder um. Ibn Bahdal rief einige Wochen später in al-Dschābiya einen Kongress der syrischen Militärführer zusammen, bei dem Marwān zum neuen Kalifen ausgerufen wurde.Andrew Marsham: The Umayyad Empire. Edinburgh 2024, S. 108–109.
Herrschaft der Marwāniden (685–750) mini|hochkant=1.35|Das Reich der Umayyaden in seiner größten Ausdehnung (ca. 740) mini|Die Umayyaden-Moschee von Damaskus. zuvor ein ehemaliger Tempel des Hadad, ein Tempel des Jupiter und in der Spätantike die Johannes-Basilika. Marwān starb schon ein Jahr nach seiner Herrschaftsübernahme an der Pest. Sein Sohn Abd al-Malik (685–705), der nach seinem Tod zum Kalifen erhoben wurde, konnte in den nächsten Jahren jedoch fast alle Gegner der Umayyaden in Syrien und im Irak beseitigen und 692 auch den Kampf mit ʿAbdallāh ibn az-Zubair erfolgreich für sich entscheiden. Fast alle der nachfolgenden umayyadischen Kalifen waren Söhne bzw. Nachkommen von ʿAbd al-Malik.