Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ist eine international tätige Entwicklungsorganisation. Ziel der Stiftung ist es, zu einer nachhaltigen Bevölkerungsentwicklung beizutragen, das Menschenrecht auf Familienplanung zu stärken und insbesondere in Ostafrika junge Menschen dabei zu unterstützen, selbstbestimmte Entscheidungen über ihre Sexualität und Verhütung zu treffen. Außerdem bringt sich die DSW auf nationaler sowie internationaler Ebene in politische Entscheidungsprozesse in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung und Gleichstellung der Geschlechter ein. Der Hauptsitz der DSW ist in Hannover. In Berlin und Brüssel befinden sich Verbindungsbüros, zudem gibt es Länderbüros in Äthiopien und Tansania. In Uganda arbeitet die DSW mit der lokalen NRO Action for Health Uganda (A4HU) zusammen, in Kenia mit Youth For A Sustainable World (YSW), die jeweils aus Länderbüros der DSW hervorgegangen sind.

In Hannover, Berlin und Brüssel sind 42 Mitarbeiter beschäftigt, in den Länderbüros von Tansania und Äthiopien 88 Mitarbeiter und bei den Partnerorganisationen in Uganda und Kenia 60 Mitarbeiter (Stand Juni 2026).

Entwicklung Die DSW wurde am 12. Dezember 1991 von den Unternehmern Erhard Schreiber und Dirk Roßmann in Hannover gegründet, mit dem Ziel, das Menschenrecht auf selbstbestimmte Familienplanung umzusetzen und damit einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Bevölkerungsentwicklung zu leisten.

Bereits 1991 wurde auch das erste Länderbüro in Äthiopien eröffnet. Bis zum Jahr 2000 folgten Länderbüros in Kenia, Tansania und Uganda.

2003 wurde auf Initiative der DSW von Bundestagsabgeordneten der parlamentarische Beirat für Bevölkerung und Entwicklung als informelles, fraktions- und ausschussübergreifendes Gremium, ins Leben gerufen. Das Ziel des Beirates ist es eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit zu fördern und die Finanzierung dafür zu sichern.

2005 wurde ein Verbindungsbüro für die politische Arbeit in Brüssel eröffnet, 2010 eines in Berlin.

Seit 2007 vergibt die DSW außerdem jährlich den „Medienpreis Weltbevölkerung“ zur Finanzierung journalistischer Recherchereisen nach Afrika südlich der Sahara.

2018 ist das Länderbüro in Uganda in eine selbstständige Organisation überführt worden und agiert seitdem unter dem Namen „Action 4 Health Uganda“. 2024 folgte das Länderbüro in Kenia, das als „Youth for a Sustainable World“ (YSW) eigenständig arbeitet. Beide Organisationen bleiben der DSW als Partner verbunden.

Organisation

Der hauptamtliche Vorstand ist dem Stiftungsrat verantwortlich und berichtet über die laufenden Geschäfte, Projekte, Aktivitäten und die Finanzen. Er besteht aus Sebastian Tripp (CEO) und Angela Bähr (CPO). Der ehrenamtlich arbeitende Stiftungsrat beruft, berät, unterstützt und überwacht den Vorstand. Die Mitglieder des Stiftungsrates sind: Helmut Heinen (Vorsitzender), Elmar Bingel (stellv. Vorsitzender), Barbara Kloss-Quiroga, Barbara Lenz, Tobias Kahler, Ernst U. v. Weizsäcker und Dirk Roßmann. Der hauptamtlichen Vorstand.

Finanzierung Für die Durchführung ihrer Projekte ist die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung auf Spenden und finanzielle Unterstützung durch Organisationen angewiesen. Die DSW erhielt im Geschäftsjahr 2025 Spenden und Zuwendungen in Höhe von 6.788.645 Euro, davon 1.914.970 Euro aus Geldspenden und 106.300 Euro aus Nachlässen. Der Großteil des Geldes floss in die aktuellen Projekte sowie Bildungs- und Aufklärungsarbeit (84,6 Prozent).

Finanziell gefördert werden die Projekte und Programme der DSW unter anderem von der EU, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung und von US-amerikanischen Stiftungen sowie zahlreichen privaten Gebern.

Die Stiftung ist Träger des Spendensiegels des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen.

Politische Arbeit Neben einzelnen Projekten arbeitet die DSW auch auf politischer Ebene, um mehr finanzielle Mittel im Bereich globale Gesundheit und sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte einzuwerben oder konkrete Verbesserungen weltweit zu erreichen – etwa die Eröffnung neuer Gesundheitseinrichtungen oder einen vereinfachten Zugang zu Verhütungsmitteln. Dazu steht die DSW in ständigem Dialog mit politischen Entscheidungsträgern in Deutschland, in der EU, in den Schwerpunktländern in Ostafrika und auf internationaler Ebene. Die DSW ist Mitglied in nationalen und internationalen Bündnissen, etwa dem Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO), dem Aktionsbündnis gegen AIDS und dem Bundesverband Deutscher Stiftungen. Durch gemeinsame Aktionen soll erreicht werden, dass globale gesundheitspolitische Themen bei politischen Entscheidungsträgern stärker wahrgenommen und so der Handlungsdruck erhöht wird.

Parlamentarischer Beirat Der Parlamentarische Beirat für Bevölkerung und Entwicklung wurde 2003 auf Initiative der DSW von Bundestagsabgeordneten als informelles, fraktions- und ausschussübergreifendes Gremium gegründet. Die DSW übernimmt die Sekretariatsfunktion für den Beirat. Dieser setzt sich mit den Zusammenhängen nachhaltiger Entwicklung, globaler Gesundheit, sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten sowie Geschlechtergerechtigkeit auseinander. Außerdem beschäftigt er sich mit den Herausforderungen und Chancen von Bevölkerungsdynamiken.

Projektarbeit In den vier ostafrikanischen Ländern Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda fördert die DSW verschiedene Projekte, die von den jeweiligen Länderbüros und den Partnerorganisationen A4HU und YSW umgesetzt werden. Sie arbeiten dabei eng mit einem Netzwerk aus sogenannten Youth-Empowerment-Zentren und Jugendklubs zusammen. Hier werden Jugendliche im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRGR) zu Jugendberatern geschult, die dann wiederum ihr Wissen an Gleichaltrige weitergeben. Es werden außerdem Informationsveranstaltungen in den Gemeinden durchgeführt, auch in entlegenen Gebieten.

Die Stiftung versucht, Jugendlichen einen jugendfreundlichen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln zu ermöglichen. Daher wurden in Äthiopien spezielle Kliniken eingerichtet, die den Jugendlichen direkten Zugang zu modernen Verhütungsmitteln und zu gesundheitlicher Versorgung verschafft. Außerdem bieten von der DSW geschulte „Flying Nurses“ (mobile Krankenschwestern) Familienplanungsdienste direkt in den Haushalten in ihren Gemeinden an. Die DSW berät HIV-positive Mütter und wendet sich mit Hilfsangeboten an minderjährige Arbeiterinnen auf industrialisierten Großfarmen.

Neben der sexuellen Aufklärung und der gesundheitlichen Versorgung wird den Jugendlichen geholfen, durch Ausbildung und Training ein eigenes Einkommen zu erzielen, finanziell unabhängig zu werden und selbstbestimmt leben zu können. Durch die Ausbildung sogenannter Youth Champions unterstützt die DSW Jugendliche gesellschaftlicher und politischer Mitsprache zu erlangen.

In Kooperationsprojekten, etwa mit der der Hanns R. Neumann Stiftung (HRNS), der Siemens Stiftung und der Kühne-Stiftung, setzt sich die DSW für die Belange von Jugendlichen ein.

Publikationen Die DSW ist deutscher Partner des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) und gibt in dieser Funktion jährlich die deutsche Ausgabe des UN-Weltbevölkerungsberichtes heraus. Der ebenfalls jährlich erscheinende Datenreport der DSW liefert aktuelle demografische, sozioökonomische und Gesundheitsdaten zur Bevölkerungsentwicklung für alle Länder und Regionen.

Medienpreis Seit 2007 lobt die DSW den Medienpreis „Weltbevölkerung“ aus und finanziert Recherchereisen nach Afrika südlich der Sahara. Damit soll es Medienschaffenden ermöglicht werden, Beiträge über Bevölkerungsentwicklung, globale Gesundheit und Geschlechtergerechtigkeit zu veröffentlichen. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali Radovan. Nach einer mehrjährigen Pause zwischen 2020 und 2022 während der Covid-19-Pandemie wurde die Vergabe des Preises 2023 wieder aufgenommen. Preise erhielten

2025 Anne Ackermann und Veronica Frenzel mit ihrem Text Sie war auf dem Weg vom Mann zur Frau – dann kam Trump, Clara Hellner mit dem Thema Traditionelle Medizin im kenianischen Gesundheitssystem, Lara Voelter mit dem Thema Granny-Fightclub in Nairobis Slum und Jan Rübel mit Nicht mit mir. Der Nachwuchspreis ging an Rebecca Stegmann Der giftige Wind von Kabwe. 2024 Brigitte Wenger mit ihrem Beitrag Spielend gegen Widerstände, Tobias Asmuth und Anne Ackermann mit Femizide in Kenia sowie Bettina Rühl und Arndt Peltner mit Homosexuellen-Verfolgung in Afrika und der Einfluss von US-Missionaren. Der Nachwuchspreis ging an Miri Watson und Isabella Finholdt mit ihrem Artikel zum Thema Gambia: Verstümmelte Rechte. 2023 Jana Gioia Baurmann mit dem Artikel Das kranke Paradies, Andrea Wojtkowiak und Katrin Gänsler mit dem Beitrag Let’s talk about sex, Nadija Drlic mit Tabuthema Menstruation: Wie ein Sozialhilfeunternehmen Frauen in Senegal helfen will, sowie Lisa Rauschenberger und Jonas Reese mit dem Thema Telemedizin in Ruanda. Den Nachwuchspreis erhielt Rebecca Wolfer mit dem Text Mit bunten Stoffen in die Unabhängigkeit.

Stiftungsfonds Alfred Biolek gründete im Oktober 2005 die Alfred Biolek Stiftung – Hilfe für Afrika als eine treuhänderische Stiftung, die von der Stiftung Weltbevölkerung verwaltet wird. Im Juli 2015 wurde seine Stiftung in einen Stiftungsfonds umgewandelt.

Siehe auch Familienplanung Liste der Länder nach Bevölkerungswachstumsrate Liste von Staaten und Territorien nach Bevölkerungsentwicklung

Weblinks Eigene Webpräsenz DSW-Länderdatenbank

Einzelnachweise

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