Schallmoos ist ein Stadtteil der österreichischen Statutarstadt Salzburg. Er liegt nordöstlich der historischen Altstadt und nördlich des Kapuzinerbergs. Schallmoos ist trotz der nahen Lage zum Zentrum einer der jüngeren Stadtteile Salzburgs. Das ursprüngliche Moorgebiet wurde im 17. Jahrhundert kultiviert und zu landwirtschaftlichen Nutzflächen gemacht. Heute dominieren Handels- und Gewerbeunternehmen sowie Wohngebiete.

Geographie Schallmoos liegt nördlich der Salzburger Altstadt, direkt nördlich des Kapuzinerbergs.

Südwestlich grenzt Schallmoos an die Neustadt, die Grenze zwischen den beiden Stadtteilen verläuft dabei im Raum Lasserstraße. Im Westen, Norden und Nordosten ist Schallmoos klar von den angrenzenden Stadtteilen Elisabeth-Vorstadt, Itzling und Gnigl getrennt: Rings um das Gebiet von Schallmoos verläuft hier die Trasse der Westbahn und der Salzburg-Tiroler Bahn (Giselabahn). Ganz im Südosten grenzt an der Anton-Graf-Straße bzw. FürbergstraßeDie heutige Anton-Graf-Straße ist die ehemalige Neuhauserfeldstraße von Gnigl, die durch die Giselabahn unterbrochen wurde. Sie stellt die historische Grenze dar und findet sich so als Grenze der Katastralgemeinden Gnigl und Aigen I (mit dem Haus Fürbergstraße 41 noch zu Aigen gehörig). Dem folgt auch die moderne Stadtteilgliederung. Die Grenze der Zählsprengel 467 des Zählbezirks Schallmoos (46) und 562 des Zählbezirks Parsch-West/Aigen (53) verläuft aber entlang der Fürbergstraße zur Giselabahn, sodass der Stadtteil im Sinne der Stadtgliederung nicht ganz exakt gezählt wird. Im Straßenblock befinden sich etwa ein Dutzend Adressen. Angaben nach Statistische Zählbezirke und Zählsprengel, stadt-salzburg.at (pdfs) und SAGIS, Layer Grenzen → Katastralgemeinden und Adressen Schallmoos auch an den Stadtteil Parsch. Die restliche Südgrenze bildet der Bergfuß des Kapuzinerbergs.

Schallmoos ist ein heterogener Stadtteil ohne zentralen Ort; die Bebauungsstruktur reicht von Innenstadthäusern im Übergangsbereich zur Neustadt (alte Vorstadtareale) über große neue Bürogebäude vor allem an der Sterneckstraße bis hin zu Wohnblocks und Gewerbegebieten. Der Zählsprengel Schallmoos hatte laut Volkszählung 2001 etwa 950 Gebäude mit knapp 9.000 Einwohnern. Im Stadtteil Schallmoos mit seinen 199,5 ha leben heute etwa 11.000 Bewohner. mini|Im Baron-Schwarz-Park, im Stadtteil Schallmoos

Stadtteilgliederung Der Stadtteil gliedert sich entlang der Vogelweiderstraße in zwei Siedlungsgebiete: das stadtnähere Schallmoos West das stadtfernere Schallmoos Ost Diese beiden Teile haben primär stadtplanerische Zwecke und sind sonst kaum in Gebrauch, Schallmoos wird im Allgemeinen als eine Einheit gesehen.

Der Stadtteil verteilt sich auf drei Katastralgemeinden: Salzburg in Schallmoos-West und am Kapuzinerbergfuß (Linie Röcklbrunnstraße – Robinigstraße – Schallmooser Hauptstraße – Fürbergstraße) Gnigl im Gutteil von Schallmoos-Ost Itzling im Norden (Linie etwa bei Bürgerstraße – Vogelweiderstraße – Vilniusstraße – Schwarzparkstraße)

Nachbarstadtteile und -ortslagen mini|hochkant=1.4|Jakob Alt: Blick auf Salzburg, 1844 (von Maria Plain, vor dem Kapuzinerberg die Allee des Fürstenwegs)

Geschichte mini|hochkant|Robinighof mini|Rauchenbichlerhof Der Ortsname Schallmoos verweist mit dem Wortteil Moos auf eine ursprünglich feuchte Landschaft: Bis ins frühe 17. Jahrhundert blieben die weiten Moorflächen südöstlich des damaligen Kleinbauern- und Fischerweilers Itzling auch weitgehend unberührt. Als 1625 die Pest ausgebrochen war, sah man dies „als Folge der bösen Ausdünstung dieses unmittelbar vor den Stadttoren gelegenen Moores“.Hans Schreiber (Hrsg.): Die Moore Salzburgs in naturwissenschaftlicher, geschichtlicher, landwirtschaftlicher und technischer Beziehung. Verlag des Deutsch-Österreichischen Moorvereins in Staab (Böhmen), Staab 1913, S. 166. Fürsterzbischof Paris Lodron veranlasste daraufhin die Kultivierung des Moores und errichtete 1632 bis 1644 ein Entwässerungsnetz. Nach einer ersten Phase wurde das Areal Gnigler und Itzlinger Bewohnern unentgeltlich zur Verfügung gestellt unter der Auflage, die Kultivierungsarbeit fortzusetzen. Das Angebot fand aber keinen Anklang, und so setzte man die Arbeit mit Hilfe der hier zahlreichen stationierten Soldaten (es herrschte der Dreißigjährige Krieg) fort. Die Leitung wurde im Urbarmachen von Land erfahrenen holländischen Ingenieuren übergeben. So ließ Paris Lodron auch den Fürstenweg, die heutige Vogelweiderstraße, als zentrale Entwässerungsachse (analog der Achse der Moosstraße quer durch das Leopoldskroner Moos) anlegen. Einen weiteren Entwässerungsgraben bildete der vermutlich ebenfalls während des Dreißigjährigen Krieges angelegte Lämmerbach (früher LemerbachHans Schreiber (Hrsg.): Die Moore Salzburgs in naturwissenschaftlicher, geschichtlicher, landwirtschaftlicher und technischer Beziehung. Verlag des Deutsch-Österreichischen Moorvereins in Staab (Böhmen), Staab 1913, S. 167., heute auch Lämmererbach genannt). Nach der Trockenlegung wurde das gesamte Areal des Schallmooses und des Itzlinger Mooses „1 Fuß hoch mit guter, aus weiter Entfernung gesammelter Erde überkarrt“.Hans Schreiber (Hrsg.): Die Moore Salzburgs in naturwissenschaftlicher, geschichtlicher, landwirtschaftlicher und technischer Beziehung. Verlag des Deutsch-Österreichischen Moorvereins in Staab (Böhmen), Staab 1913, S. 167. Auch wurden Trinkwasserzuleitungen errichtet. Der größte Teil des Moorgebiets wurde zu Grasland, der Rest zu Äckern gemacht. Ein verschwindend kleiner Teil blieb noch lange Zeit im Wildzustand erhalten und der hier vorhandene Torf wurde zu Heizzwecken verwendet. Zuletzt wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Torf auch unter landwirtschaftlich nicht genutztem Boden gestochen. Er diente in erster Linie zur Kesselbefeuerung im Salzburger Gaswerk und für eine im Schallmoos angesiedelte Ziegelbrennerei. Auch wurde Torf privat von Anwohnern unmittelbar neben den Häusern gewonnen, vereinzelt sogar noch nach 1960.

Am Fürstenweg siedelten sich allmählich einzelne größere Höfe an, vor allem Wirtschaftshöfe im Eigentum des Domkapitels, der Dompropstei sowie der Grafen Lodron und Lüzow (von Süd nach Nord): Strasserhof, Höllbräuhof, Nicoladonihof, Hofwirtshof, Graf-Lüzow-Hof, Mitterhof, Weiserhof, Schallmoos- oder Stadlhof.Franziszäischer Kataster 1817–1861 (Layer online bei SAGIS) Am Rand des Lämmerbaches wurde vor 1648 das Barockschloss Robinighof errichtet. In einem Brief von 1803 schildert Friedrich von Spaur die Gegend folgendermaßen:

Nächst der Linzerstraße lagen neben dem Robinighof zudem der Schillinghof (im Zuge des Bahnausbaus abgerissen) und Schloss Röcklbrunn (1944 durch Bomben zerstört). Heute noch erhaltene historische Bauten dieser Art sind der Robinighof und der Rauchenbichlerhof. Dabei gehörten die Gründe teils zur Stadt Salzburg, teils zur Gemeinde Gnigl und deren Ortschaft Itzling (Schaffung der Ortsgemeinden um 1848/49). „Schallmoos“ selbst war noch im früheren 19. Jahrhundert nur ein Flurname für ein Areal, wo heute die Rupertgasse in die Vogelweiderstraße mündet.

Durch den Bau der Westbahn und der Giselabahn 1860 (Hauptbahnhof 1860, Rangierbahnhof 1908) wurde ein ganzes Stadtareal in einen Schienenzug eingefasst, und der Raum nahm seither eine gewisse eigenständige Entwicklung zum Stadtteil.Die Begrifflichkeit des Stadtteils Schallmoos ist aber so jung, dass sie keinen Eingang in die Österreichische Karte gefunden hat. Noch in den aktuellen Versionen der ÖK200 und ÖK50 ist die Beschriftung „Gnigl“ im Raum Schallmoos-Ost zu finden. Gnigl wird heute aber ganz im Osten der Stadt um die Gnigler Kirche gesehen. 1935 kam Gnigl mit Itzling dann zu Salzburg.

Um 1920 waren erst der Raum am Hauptbahnhof und die beiden Straßenachsen beidseitig besiedelt, um 1950 verdichtete sich die Besiedlung, aber noch immer waren etwa die Hälfte der Gründe unverbaut.Historische Karten: Zone 14 Col. VIII. Salzburg der Generalstabskarte 1:75.000, vor 1925, Blatt 63/4 Salzburg der Österreichischen Karte 1:25.000, Kartenberichtigung 1954 Durch die lockere Verbauung war Schallmoos im Zweiten Weltkrieg – trotz der Lage zwischen zwei bedeutenden Bahnhöfen – bei den schweren Bombenangriffen nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen worden.Reinhard Rudolf Heinisch, Erich Marx, Harald Waitzbauer: Bomben auf Salzburg: die „Gauhauptstadt“ im „totalen Krieg“. Ausgabe 6 der Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg, 3. Auflage, Verlag Informationszentrum der Landeshauptstadt Salzburg, 1995, ISBN 978-3-901014-39-0.

Verkehr und Infrastruktur Straßenverkehr mini|Fürstenwegbrücke (Baron-Schwarz-Brücke), Blick stadteinwärts zum Kapuzinerberg und Untersberg Geprägt ist Schallmoos vom Durchzugsverkehr in Richtung Innenstadt, der vor allem auf drei Achsen verläuft.

In Ost-West-Richtung sind dies: die Schallmooser Hauptstraße als Verlängerung der Linzer Gasse in der Neustadt, die direkt unterhalb des nördlichen Abhangs des Kapuzinerbergs verläuft; die Sterneckstraße, die weiter nördlich parallel dazu verläuft und mit der Gabelsbergerstraße einen Teil der Wiener Straße (B1) bildet, die quer durch die Stadt zum Walserberg führt.

In Nord-Süd-Richtung verläuft die Vogelweiderstraße, die im Norden Schallmoos über die Fürstenwegbrücke (auch Baron-Schwarz-Park-Brücke genannt, das „Tor“ von Schallmoos nordwärts) verlässt und in weiterer Folge wichtigster Zubringer des Autobahnanschlusses Salzburg-Nord zur Westautobahn (A1) ist. Sie ist Teil der B 150 Salzburger Straße, die Salzburg in Nord-Süd-Richtung durchzieht und über Schallmooser Hauptstraße – Fürbergstraße zur Alpenstraße führt.

Der Verlauf der Vogelweiderstraße legt auch seit Jahrzehnten das Projekt des Kapuzinerbergtunnels nahe. Ein Tunnel durch den Berg würde – so die Befürworter – im Nord–Süd-Verkehr der Stadt die beiden Nadelöhre Staatsbrücke im Stadtzentrum und Fürbergstraße in Parsch umgehen.

Wirtschaft und Bildung mini|links|Verschiebebahnhof Schallmoos/Gnigl Wirtschaftlich bedeutend sind der Lastenbahnhof, die Schallmoosseite des Hauptbahnhofs, wie auch der Verschiebe-/Rangierbahnhof, um die sich zahlreiche Unternehmen des Handels und Gewerbes angesiedelt haben. Zu den wichtigeren Gebäuden des Stadtteils zählen auch die äußerst großzügig angelegte Zentrale der Salzburg AG an der Bayerhamerstraße und, am östlichen Ende des Kapuzinerbergs gelegen in der Nähe der verkehrsreichen Sterneckkreuzung, das Einkaufszentrum Zentrum im Berg (ZiB). In diesem Einkaufszentrum waren bis 2006 auch einige Teile der Kunstuniversität Mozarteum untergebracht, nachdem das Hauptgebäude wegen gesundheitsschädlicher Baumängel geschlossen worden war. Bekannt ist auch die Zentrale von Porsche Austria mit ihrer modernen Baugestaltung.

Im Baron-Schwarz-Park am Nordende von Schallmoos liegt als einzige Schule des Stadtteils eine Volksschule.

Parkanlagen mini|Im Dr.-Hans-Lechner-Park Baron-Schwarz-Park: Erzbischof Paris Lodron übergab 1634 größere Teile von Schallmoos zur Kultivierung an seinen Bruder Christoph Graf Lodron. Aber schon 1648 ging der Schallmoos- oder Stadlhof samt dem dortigen Park an das Domkapitel. Hier erbaute schließlich Freiherr von Schwarz ab 1859 in drei unterschiedlichen Bauphasen eine gründerzeitliche Villa mit Garten und Park. Die Villa beherbergte unter anderem den Perseus von Antonio Canova, der seit 1967 im Metropolitan Museum von New York steht. Die Schwarzvilla wurde 1932 von der Stadt Salzburg zur Errichtung eines neuen Schlachthofes gekauft, der jedoch nicht an diesem Ort realisiert wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie durch amerikanische Fliegerbomben beschädigt, war aber weiterhin bewohnbar. Das gesamte gründerzeitliche Ensemble wurde 1958 abgerissen. Erhalten blieb bis heute ein kleiner Teil des Parks als „Baron-Schwarz-Park“.