Ukrsalisnyzja (; Langbezeichnung: ; Abkürzung , UZ) ist die ukrainische Eisenbahngesellschaft. In ihr sind Eisenbahninfrastruktur- und Eisenbahnverkehrsunternehmen integriert. Der Gesellschaft wurde von der UIC der Länder-Code 22 zugeteilt.

Geschichte Vor 2022 Die Ukrsalisnyzja entstand nach der Auflösung der Sowjetunion als Rechtsnachfolger der Sowjetischen Eisenbahnen auf dem nun ukrainischen Staatsgebiet. Das Verkehrsnetz war zunächst historisch bedingt hauptsächlich in Nord-Süd- oder Nordost-Südwest-Richtung ausgerichtet. Im März 2014 besetzte und annektierte Russland die Krim. Im Zuge der Kampfhandlungen im Osten der Ukraine und der Annexion der Krim durch Russland 2014 kam es zu starken Einschränkungen im Schienenverkehr der betroffenen Regionen. Teilweise wurde Infrastruktur zerstört; der Schienenverkehr zwischen der Krim und dem ukrainischen Kerngebiet wurde unterbrochen. Die Verbindungen in die Nachbarstaaten im Westen und Südwesten gewannen an Bedeutung; die Verbindungen nach Belarus und Russland verloren an Bedeutung und wurden teilweise komplett eingestellt.

Russischer Überfall mini|Bahnhofsvorplatz von Kramatorsk nach einem Luftangriff

Ereignisse Am 24. Februar 2022 begannen russische Streitkräfte auf Befehl des russischen Staatspräsidenten Putin den völkerrechtswidrigen Überfall auf die Ukraine. Die UZ brachte in den ersten beiden Monaten etwa vier Millionen Menschen, das sind etwa 10 % der Bevölkerung der Ukraine, aus den östlichen in westliche Landesteile. Zu Beginn des Kriegs wurde die Pflicht, für eine Zugfahrt eine entsprechende Fahrkarte zu besitzen, aufgehoben, um Flüchtlingen die Fahrt aus den Gefahrenzonen zu erleichtern. Diese Befreiung von der Fahrkartenpflicht wurde Ende März 2022 wieder aufgehoben.bei/ineu/schr: Ukraine-Krieg: Mannigfache Auswirkungen auf die Eisenbahn. In: Eisenbahn-Revue International 5/2022, S. 358–360.

Die Eisenbahn ist von großer Bedeutung für Hilfstransporte und auch im internationalen Personenverkehr mit dem Westen. Eine Reihe westlicher Spitzenpolitiker, die zu Solidaritätsbesuchen nach Kiew reisten, nutzen die Bahn, gewöhnlich mit einem Sonderzug. Die erste Fahrt fand am 15. März 2022 für die Ministerpräsidenten von Polen, Slowenien und Tschechien statt. Sie startete am Grenzbahnhof Przemyśl in Polen, der an das ukrainische Breitspurnetz angebunden ist. Es folgten am 7. April 2022 die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, am 9. April 2022 der britische Premierminister Boris Johnsonschr/kad/jst/ho/sbb/an: Ukraine-Krieg bringt neue Herausforderungen für die Eisenbahn. In: Eisenbahn-Revue International 5/2022, S. 237–243 (240). und am 19. Februar 2023 auch US-Präsident Joe Biden.Jh/ineu/sram/pw: Ukraine-Krieg: Kamyschin-Abschied, Biden-Besuch, Putin-Bahnhöfe. In: Eisenbahn-Revue International 4/2023, S. 174–176 (175).

Die russische Armeeführung änderte zwei Monate nach Kriegsbeginn ihre Kriegsziele. Sie griff die Eisenbahninfrastruktur an, um die ukrainischen Streitkräfte und Waffenlieferungen aus dem Westen zu behindern.sda/ineu/jst/schr: Die Eisenbahn in Zeiten des Ukraine-Krieges. In: Eisenbahn-Revue International 6/2022, S. 294–297. Bei einem russischen Angriff auf den Bahnhof von Kramatorsk am 8. April 2022 starben auf dem Bahnhofsvorplatz 57 Zivilisten, die mit dem Zug evakuiert werden sollten. Die enormen Schäden der ukrainischen Bahninfrastruktur betreffen Gebäude, Dächer und Glasscheiben mehr als die Gleisanlagen.jh: Die Ukraine im achten Kriegsmonat. In: Eisenbahn-Revue International 11/2022, S. 582–583. Ein russischer Luftangriff auf den Beskid-Tunnel an der strategisch wichtigen Bahnstrecke Lwiw–Stryj–Tschop in der Westukraine behinderte den Bahnverkehr dagegen nur unwesentlich, weil die angeblich hochpräzisen russischen Raketen ihr Ziel verfehlten.„Raketenangriff auf die Westukraine“ auf Tagesschau.de vom 2. Juni 2022 Bei der wochenlangen Belagerung von Mariupol wurden die Bahninfrastruktur und zahlreiche Fahrzeuge stark beschädigt.

Am 25. April 2022 fanden gezielte Angriffe auf Unterwerke in den zentral- und westukrainischen Bahnhöfen Berdytschiw, Korosten, Kowel, Krasne, Schmerynka und Sdolbuniw statt. Etwa 30 % der gesamten ukrainischen Infrastruktur soll in den beiden ersten Monaten des Krieges zerstört worden und Schäden im Umfang von 100 Mrd. Euro entstanden sein. Ukrainische Streitkräfte sprengten kurz nach dem Beginn des Überfalls einige Eisenbahnbrücken, an Stellen, an denen ein Vormarsch russischer Truppen befürchtet wurde. Planmäßiger Bahnbetrieb war unter diesen Umständen schwierig; improvisierter Betrieb fand aber in großem Umfang statt. Am 3. Mai 2023 wurden bei einem russischen Angriff auf Cherson zwei Wagen eines bereitgestellten Zugs nach Lwiw schwer beschädigt. Die Reisenden hatten sich noch nicht im Zug befunden. Bis Anfang Mai 2023 sollen bei den Angriffen 381 Bahnmitarbeiter getötet und 929 verletzt worden sein.jh/jst: Entwicklungen im Ukraine-Krieg. In: Eisenbahn-Revue International 6/2023, S. 264.

Am 22. August 2022 wurde die 23,2 km lange, seit 1999 stillgelegte, grenzüberschreitende Bahnstrecke Basarabeasca (Republik Moldau)–Beresyne (Ukraine)–(Arzys) wieder in Betrieb genommen, um die Transportkapazität in die Europäische Union zu erhöhen.jh/bac//ineu: Ukrainekrieg und Energiekrise: Auswirkungen auf den Bahnbetrieb. In: Eisenbahn-Revue International 10/2022, S. 514f (514). Am 9. November 2022 wurde zudem der grenzüberschreitende Eisenbahnverkehr zwischen Rachiw (Ukraine) und Valea Vișeului (Rumänien) auf der Bahnstrecke Sighetu Marmației–Iwano-Frankiwsk wieder aufgenommen. Der seit 2007 geschlossene Eisenbahn-Grenzübergang wurde wieder geöffnet. Die auf ukrainischem Gebiet verlaufende 21,7 km lange Strecke in Breitspur nach Rachiw wurde dafür instand gesetzt. Sie trifft im Bahnhof Valea Vișeului auf das normalspurige rumänische Netz.jh/bac: Weitere Strecke nach Rumänien wieder in Betrieb. In: Eisenbahn-Revue International 1/2023, S. 30. Am 19. November 2022 fuhr erstmals wieder ein Zug des öffentlichen Verkehrs in das von russischen Truppen geräumte Cherson.jh/bac: Wieder Züge nach Cherson. In: Eisenbahn-Revue International 1/2023, S. 30. Die UZ kündigte mehrmals an, im Exportverkehr auch in EU-Ländern auf Normalspur aktiv zu werden.jh: Ukrainische Hersteller bauen Normalspurwagen. In: Eisenbahn-Revue International 2/2024, S. 68.

Am 21. Februar 2023 teilte die Bahn mit, ein auf drei Jahre angelegtes Programm durchzuführen, das darauf zielt, alle Spuren der russischen und sowjetischen Zeit im Bereich der Eisenbahn zu beseitigen. Dazu gehört, alle Beschriftungen in russischer Sprache zu tilgen (auf Fahrkarten soll sie durch Englisch ersetzt werden), alle an Institutionen oder Personen der russischen und sowjetischen Zeit erinnernden Bezeichnungen auszutauschen und die Streckenkilometrierung, die immer noch auf Moskau bezogen ist, durch eine mit dem Nullpunkt in Kiew zu ersetzen.Jh/ineu/sram/pw: Ukraine-Krieg: Kamyschin-Abschied, Biden-Besuch, Putin-Bahnhöfe. In: Eisenbahn-Revue International 4/2023, S. 174–176 (175). Die – aus Moskauer Sicht – Südliche Eisenbahn wurde in Charkiwer Eisenbahn (Charkiwskaja Schelesnaja Doroga), die Südwestliche Eisenbahn in Zentrale Eisenbahn (Zentralnaja Schelesnaja Doroga) umbenannt.jh/hörs/bac: Ukraine: neuer Bahnchef, Fahrzeugspenden, neue Trams. In: Eisenbahn-Revue International 5/2023, S. 217.

Am 27. Februar 2023 trat der Bahnchef Oleksandr Kamyschin zurückJh/ineu/sram/pw: Ukraine-Krieg: Kamyschin-Abschied, Biden-Besuch, Putin-Bahnhöfe. In: Eisenbahn-Revue International 4/2023, S. 174–176 (174).; er wurde am 21. März 2023 zum Minister für strategische Industrie ernannt.Валентина Романенко: Верховна Рада призначила двох міністрів і віцепрем'єра (ukrainisch). In: Ukrajinska Prawda vom 21. März 2023; abgerufen am 6. April 2023. Sein Nachfolger wurde der bisherige Finanzvorstand der UZ, Jewgen Ljaschtschenko.jh/hörs/bac: Ukraine: neuer Bahnchef, Fahrzeugspenden, neue Trams. In: Eisenbahn-Revue International 5/2023, S. 217.

Im November 2025 wurde der Betrieb im Bahnhof Kramatorsk aufgrund des wachsenden russischen militärischen Drucks eingestellt.Joana Rettig: Der „Liebes-Zug“ fährt nicht mehr. Auf web.de vom 25. November 2025; abgerufen am 25. November 2025.

Folgen Folgen des Krieges waren oder sind, dass zahlreiche ausländische Staatsgäste aufgrund des gesperrten Luftraums über der Ukraine für die An- und Abreise die Eisenbahn nutzen. Dabei werden auch Salonwagen eingesetzt. Ende 2022 wählte der ukrainische Präsident diesen Weg für seine erste Auslandsreise seit dem Beginn des russischen Überfalls.jh/ineu/scram: Folgen des Ukrainekriegs für die Eisenbahn. In: Eisenbahn-Revue International. 2/2003, S. 82. die UZ und die ukrainische Post zwischen ausgewählten Großstädten den Bahnpostbetrieb am 9. April 2022 wieder aufnahm, der 2001 eingestellt worden war. Dazu wurden 14 Bahnpostwagen reaktiviert, die 21 Jahre lang abgestellt waren. dass russische Kriegsschiffe zeitweise ukrainische Seehäfen blockierten. Der nach Westen laufende Güterverkehr, insbesondere mit ukrainischen Agrarprodukten, nahm stark zu; es kam zu großen Rückstaus vor der EU-Außengrenze.bei/ineu/schr: Ukraine-Krieg: Mannigfache Auswirkungen auf die Eisenbahn. In: Eisenbahn-Revue International. 7/2022, S. 358–360 (358 f.). Später gelang es den ukrainischen Streitkräften, russische Schiffe so weit zurückzudrängen, dass sie den Export von Getreide, Sonnenblumenkernen und anderen Massengütern auf dem Seeweg nicht mehr verhindern können. dass nach einem Gesetz vom Juli 2022 die rund 15.000 russischen Eisenbahnwaggons auf dem Territorium der Ukraine beschlagnahmt wurden. die Ukrsalisnyzja ihre Gütertarife zum 22. Juni 2022 um 70 % angehoben hat; die Preise zum Anmieten von Güterwagen stiegen zum Teil bis zum zehnfachen des Vorkriegs-Niveaus.jh: Krieg in der Ukraine: Folgen für den Bahnbetrieb. In: Eisenbahn-Revue International 8-9/2022, S. 418–420, S. 419. Verschiedene Maßnahmen wurden ergriffen, um den Eisenbahnverkehr Richtung Westeuropa zu verbessern, was vor allem dem Getreideexport dienen soll: Am 30. Juni 2023 wurde eine Ukrainian Railways Cargo Poland LLC gegründet, die grenzüberschreitenden Verkehr aus einer Hand anbieten will.jh: Ukraine: Verbesserungen im internationalen Güterverkehr. In: Eisenbahn-Revue International 10/2023, S. 468. Am 28. August 2023 haben die PKP und die UZ ein Abkommen über vereinfachte Grenzabfertigung geschlossen. Während bisher immer der empfangende Staat für Umspurung oder das Umladen zuständig war, soll das jetzt flexibel gehandhabt werden.jh: Ukraine: Verbesserungen im internationalen Güterverkehr. In: Eisenbahn-Revue International 10/2023, S. 468. Im Verkehr mit der Republik Moldau wurde für die Bahnstrecke Bender–Galați, deren Verlauf mehrmals zwischen beiden Staaten wechselt, im Transitverkehr auf die Zollkontrolle in Reni verzichtet.jh: Ukraine: Verbesserungen im internationalen Güterverkehr. In: Eisenbahn-Revue International 10/2023, S. 468. Waggonbau Krjukiw aus Krementschuk hat Ende 2023 als erstes Unternehmen in der Ukraine eine Bescheinigung der Eisenbahnagentur der Europäischen Union für Güterwagen in Normalspur erhalten, die in der EU zulassungsfähig sind. Es handelt sich um sechsachsige Doppel-Containertragewagen. Die UZ hat am 15. Dezember 2023 den Prototyp eines in ihren eigenen Werkstätten entwickelten, umspurfähigen Getreidewagens für den Verkehr ins europäische Normalspurnetz vorgestellt.jh: Ukrainischer Hersteller bauen Normalspurwagen. In: Eisenbahn-Revue International 2/2024, S. 68. bis Oktober 2025 kamen 947 Angestellte der Eisenbahn ums Leben. Die meisten davon bei Missionen der ukrainischen Streitkräfte, einige aber auch im Dienst durch russischen Beschuss.

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