Die Russischen Eisenbahnen (; Abk. РЖД RŽD) sind das staatliche Eisenbahnunternehmen der Russischen Föderation.
Organisation mini|Die wichtigsten Strecken der RŽD mini|Nahverkehrszug ED4M des Herstellers Transmaschholding, an dem die RŽD beteiligt sind
Die RŽD sind als offene Aktiengesellschaft (russisch , Abkürzung PAO) organisiert.
Vorstandsmitglieder sind u. a. Dmitri Tschernyschenko (Gazprom-Media), der Minister für Bau- und Wohnungswesen Irek Faisullin und der Verkehrsminister Witali Saweljew. Sie wurden von der Europäischen Union sanktioniert, da sowohl Militärangehörige als auch militärische Ausrüstung der russischen Streitkräfte mit den russischen Eisenbahnen für den russischen Überfall auf die Ukraine in die Gebiete in der Nähe der ukrainischen Grenze transportiert wurden.
Die Aktiengesellschaft ist in regionale Eisenbahnbetriebe unterteilt; diese betreiben ein Streckennetz mit einer Gesamtlänge von etwa 85.200 Kilometern mit der Spurweite 1520 mm.The Company Davon sind 22.000 Kilometer mit Wechselspannung 25.000 V (50 Hz) und 18.800 Kilometer mit Gleichspannung 3000 V elektrifiziert. Der Hauptsitz der Gesellschaft befindet sich in Moskau. Sie betreibt außerdem das Allrussische Forschungsinstitut für Schienenverkehr mit der Teststrecke bei Schtscherbinka südlich von Moskau.
Weiter betreiben die RŽD seit dem 1. Juni 2008 für zunächst 30 Jahre die Eisenbahn in Armenien unter dem Namen Südkaukasus-Eisenbahn (Russisch: ), nachdem sie eine entsprechende Ausschreibung gewonnen hatten. Während dieses Zeitraums sollen mindestens 570 Millionen USD investiert werden, 70 Prozent davon in die Infrastruktur.
Die Fahrpläne der RŽD gaben vor dem 1. August 2018, gleichgültig in welcher der elf Zeitzonen des Landes, immer die Moskauer Zeit an.
Geschichte mini|Sapsan in Sankt Petersburg Die am 18. September 2003 auf Beschluss der Regierung der Russischen Föderation gegründeten RŽD übernahmen den in Russland gelegenen Teil der Eisenbahninfrastruktur und der Fahrzeuge der Sowjetischen Eisenbahnen.
Die Verflechtung staatlicher und unternehmerischer Aufgaben, die Quersubventionierung defizitärer Unternehmensbereiche sowie die niedrige technische Qualität und der geringe Komfort für Fahrgäste waren Anlass für eine Eisenbahnstrukturreform. In der ersten Etappe 2001 bis 2002 wurden staatliche und unternehmerische Aufgaben getrennt. Am 1. Oktober 2003 wurde die Umwandlung der Bahngesellschaft in eine Aktiengesellschaft eingeleitet. Dabei gingen die unternehmerischen Aufgaben in einer sogenannten offenen Aktiengesellschaft auf. Sie wurde aus dem ehemaligen Eisenbahnministerium ausgegliedert. Dabei übernahm die Aktiengesellschaft das gesamte Eisenbahnvermögen.
Die zweite Etappe 2003 bis 2005 hatte die Förderung des Wettbewerbs im Güterverkehr, die Effizienzsteigerung in der Verwaltung und die Verringerung der Quersubventionierung des Personenverkehrs zum Ziel. Zahlreiche Tochtergesellschaften wurden gegründet und ein neues Tarifsystem eingeführt. Seit 2004 bilanziert jeder Geschäftsbereich separat.
In der dritten Etappe 2006 bis 2010 (Investitionsphase) wurde eine Holding für zwei Güterverkehrs- und eine Personenverkehrsgesellschaft gebildet.Vgl. Der damalige Ministerpräsident von Russland, Wladimir Putin, kündigte 2008 ein umfangreiches Eisenbahnentwicklungsprogramm bis 2030 mit Investitionen von 380 Milliarden Euro an. Mit diesen Mitteln sollen neue Lokomotiven und Wagen angeschafft sowie 20.000 km Bahnstrecke gebaut werden. Damit sollen auch abgelegene Regionen einen Bahnanschluss erhalten.Eurailpress: „Große Investitionen bei der Russischen Eisenbahn“
2020 wies Präsident Putin den Kauf von jährlich 500 neuen Lokomotiven an.https://www.interfax.ru/russia/743648 Ende 2024 war die Rede in 10 Jahren 10.000 Lokomotiven zu ersetzen.https://www.kommersant.ru/doc/6892811
Angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine und der daraufhin beschlossenen Wirtschaftssanktionen hat die UIC Anfang März 2022 die Mitgliedschaft der Russischen Eisenbahn einschließlich ihrer Tochtergesellschaften suspendiert. Eisenbahntechnik darf aufgrund der EU-Sanktionen von dort nicht mehr nach Russland ausgeführt werden, weil die RZD eine tragende Rolle in der russischen Militärlogistik einnimmt. Von den Sanktionen betroffen waren unter anderem die Auslieferung weiterer Sapsan-Hochgeschwindigkeitszüge und die Wartung der Strizh-Züge (Talgo). Durch den Krieg gab es knappes Personal und höhere Löhne. 2025 stiegen die Güterpreise und es gab weniger Fracht.https://novayagazeta.eu/articles/2025/06/11/sbilis-s-putei Die Güterverladungen waren im April und Mai rund 9 Prozent rückläufig.https://www.interfax.ru/business/1029522
Regionale Gliederung Die RŽD bestehen aus 16 regionalen Eisenbahnen: Fernost-Eisenbahn; Sitz: Chabarowsk Region Primorje, Region Chabarowsk, Jüdische Autonome Oblast, Oblast Amur (teilweise), Jakutien, Sachalin Gorkier Eisenbahn; Sitz: Nischni Nowgorod Oblast Wladimir, Oblast Nischni Nowgorod, Oblast Kirow, Mari El, Tschuwaschien, Udmurtien, Tatarstan (teilweise), Mordwinien (teilweise), Baschkortostan (teilweise), Region Perm (teilweise), Oblast Swerdlowsk (teilweise) Südost-Eisenbahn; Sitz: Woronesch Südural-Eisenbahn; Sitz: Tscheljabinsk Kaliningrader Eisenbahn; Sitz: Kaliningrad Oblast Kaliningrad Krasnojarsker Eisenbahn; Sitz: Krasnojarsk Region Krasnojarsk, Oblast Irkutsk (teilweise), Oblast Kemerowo (teilweise) Kuibyschewer Eisenbahn; Sitz: Samara Moskauer Eisenbahn; Sitz: Moskau Oktober-Eisenbahn; Sitz: Sankt Petersburg Wolga-Eisenbahn; Sitz: Saratow Transbaikal-Eisenbahn; Sitz: Tschita Region Transbaikalien, Oblast Amur (teilweise) Westsibirische Eisenbahn; Sitz: Nowosibirsk Oblast Omsk, Oblast Tomsk, Oblast Nowosibirsk, Region Altai, Oblast Kemerowo (teilweise) Nordeisenbahn; Sitz: Jaroslawl Nordkaukasus-Eisenbahn; Sitz: Rostow am Don Swerdlowsker Eisenbahn; Sitz: Jekaterinburg Ostsibirische Eisenbahn; Sitz: Irkutsk Burjatien, Oblast Irkutsk, Region Transbaikalien (teilweise) mini|RŽD-Elektrotriebzug ED4MKM mini|Elektrische Gleichstromlokomotive WL10 der Regionalabteilung Süd-Ural
Geplante oder in Bau befindliche Strecken Oblast Woronesch/Oblast Rostow: Bahnstrecke Schurawka (bei Kantemirowka)–Millerowo: Umgehung der Ostukraine Oblast Murmansk: Wiederaufbau der Bahnstrecke Laurila–Kandalakscha zwischen Alakurtti und Salla (Finnland) Region Stawropol/Kalmückien: Strecke Budjonnowsk–Neftekumsk–Artesian Republik Komi: Strecke Timan–Tschinjaworyk Oblast Archangelsk/Republik Komi: Strecke Karpogory–Wendinga (Fertigstellung der Verbindung Archangelsk–Syktywkar, Nordabschnitt der sogenannten „Belkomur“)BELKOMUR Project Republik Komi/Region Perm: Neubaustrecke Syktywkar–Perm (Südabschnitt der sogenannten „Belkomur“) Nordossetien-Alanien: Strecke Wladikawkas–Zchinwali (Südossetien) Republik Sacha (Jakutien): Strecke Aldan–Jakutsk (Anbindung der Stadt Jakutsk an das Schienennetz) Region Chabarowsk/Oblast Sachalin: Strecke Jagodny–Nogliki (Querung des Tatarensunds, Anbindung der Insel Sachalin an das Streckennetz)
Statistik Das Anlagevermögen der RŽD lag 2019 bei 2,9 Mrd. Euro. Mit 720.000 Mitarbeitern (was etwa 1 % aller abhängig Beschäftigten und einem Viertel aller im Transport-Bereich in Russland Tätigen entspricht) ist die Russische Eisenbahn einer der größten Logistikkonzerne weltweit. Sie trägt mit 5,5 % zum russischen Bruttoinlandsprodukt bei.
Personenverkehr
2019 nutzten 1,2 Mrd. Fahrgäste die RŽD.RZD: Russian Railways: Present and Future. In: OSJD Bulletin 2/2020, S. 1–8 (1). Dafür standen 20.600 Personenwagen (2016) zur Verfügung.Nikitin: Activities, S. 10. Die Beförderungszahlen im Personenverkehr sinken weiterhin, ebenso der Anteil in diesem Segment des Verkehrsmarktes. 2017 hatte die Bahn hier einen Anteil von 25 %, ein Minus von 2 % gegenüber dem Vorjahr.Pegov: Passenger Transportation, S. 20. Dabei stieg die Zahl der Reisenden 2017 um 7,8 % gegenüber dem Vorjahr auf 1.118 Millionen. Höchste Wachstumsraten erzielte dabei der Hochgeschwindigkeitsverkehr (31,6 %), der allerdings mit 12,4 Mio. Reisenden nur etwa 1 % des gesamten Personenverkehrs ausmacht (übriger Fernverkehr: 8 % / 90 Mio. Reisende, Vorortverkehr: 91 % / 1016 Mio. Reisende).Pegov: Passenger Transportation, S. 21. Allein 10 % der Reisenden wurden auf und innerhalb des inneren Moskauer Eisenbahnrings befördert.Pegov: Passenger Transportation, S. 26. Bedingt durch die COVID-19-Pandemie war der Rückgang bei den Fahrgastzahlen 2020 drastisch: Die Zahl der Reisenden sank um 28,9 %, die von ihnen zurückgelegten Zugkilometer um 41,4 %.NN: Russian Railways: on the way of Further Developement. In: OSJD Bulletin 2/2021, S. 1–7 (3).
Fahrgastzüge werden in der Regel von den regionalen Eisenbahngesellschaften betrieben. Ausgenommen hiervon sind Fernreisezüge von nationaler Bedeutung (wie die Schlafwagenkurse auf der Transsibirischen Eisenbahn). Deren Betrieb erfolgt direkt durch die föderale Passagiergesellschaft (), die auch die landesweiten Buchungs- und Fahrscheinsysteme betreibt.https://fpc.ru/ Die Lokomotiven werden jeweils von den örtlichen Gesellschaften gestellt und bei längeren Strecken aufgrund der unterschiedlichen Stromsysteme oft mehrmals gewechselt.
Güterverkehr 2003 betrug der Anteil der RŽD am Gütertransport in Russland etwa 40 %.NN: Russian Railways: on the way of Further Developement. In: OSJD Bulletin 2/2021, S. 1–7 (2)., 2019 waren es 46 %, wobei 1,3 Mrd. Tonnen Fracht transportiert wurden. 2020 konnte der Anteil der RŽD am Gütertransport auf 47,3 % gesteigert werden. Diese Zahlen errechnen sich, wenn der Transport durch Pipelines eingeschlossen wird. Ohne den Gütertransport durch Pipelines hatte die russische Eisenbahn 2020 einen Anteil von 87 % am Gütertransport im Land.
Die Zahl der transportierten Container-Einheiten (TEU) lag 2019 bei etwas über 5 Mio., 2020 stieg die Zahl auf 5,8 Mio. Im Schnitt verkehrten täglich 500 Container-Ganzzüge. Der Zuwachs ist auch darauf zurückzuführen, dass inzwischen selbst Schüttgut, etwa Kohle, in entsprechenden offenen Containern transportiert wird. 800.000 TEU entfielen dabei auf den Transitverkehr und davon wiederum 561.000 TEU zwischen der Volksrepublik China und der Europäischen Union.
Personenverkehr Inland Die RŽD sind das größte Verkehrsunternehmen in Russland.RZD: Russian Railways: Present and Future. In: OSJD Bulletin 2/2020, S. 1–8 (4). Im Binnenverkehr ist und war Russland, ebenso wie die Sowjetunion, aufgrund der großen Entfernungen zwischen den Siedlungszentren im Fernverkehr, ein klassisches Land der Nacht- und Schlafwagenzüge. Dies ist nach wie vor auch der überwiegende Teil des Angebots im Personenfernverkehr. Die verwendeten Wagen werden nach und nach durch Neubauten ersetzt, darunter auch Doppelstock-Schlafwagen.Nikitin: Results , S. 34.
Nach Modernisierung der Infrastruktur und der Beschaffung neuer Fahrzeuge, die es ermöglichen, höhere Geschwindigkeiten zu fahren, werden zunehmend aber auch „Schnelle Tagzüge“ im Fernverkehr angeboten. Sie bieten überwiegend Sitzplätze. Dies geschieht auf Entfernungen von 500 bis 700 Kilometer. Das System wurde 2010 eingeführt. 2017 nutzten 12,1 Mio. Reisende diese Verbindungen.Nikitin: Results , S. 33f. 2019 verkehrten Tageszüge im Fernverkehr unter anderem auf den StreckenAndrej Nikolajewitsch Jagowkin (Andrey Nikolayevich Yagovkin): Prospects for the Developement of Fast-Speed and High-Speed Railway Traffic in the Russian Federation. In: OSJD Bulletin 5–6/2019, S. 30–34.: mini|Im Betriebswerk Metallostroy, südöstlich von Sankt Petersburg Moskau– St. Petersburg Saransk St. Petersburg– Wyborg(–Helsinki) Petrosawodsk Moskau Wolgograd– Krasnodar Astrachan Nowgorod–Kirow Kasan–Ischewsk Jekaterinburg– Perm Kamensk-Uralski–Kurgan Kamensk-Uralski–Tscheljabinsk Tscheljabinsk–Kurgan Tjumen–Omsk Chabarowsk–Wladiwostok