Die Glaskräuter (Parietaria) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae).

Beschreibung mini|120px|links|Illustration des Aufrechten Glaskraut (Parietaria officinalis) mini|Aufrechtes Glaskraut (Parietaria officinalis)

Vegetative Merkmale Bei Parietaria-Arten handelt es sich um einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, die meist Wuchshöhen von 20 bis 50 Zentimetern erreichen. Die Stängel sind aufrecht oder aufsteigend.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Arten der Familie stehen die Blätter wechselständig am Stängel und haben einen glatten Blattrand. Brennhaare fehlen bei den Glaskraut-Arten. Ihre Blätter und Stängel sind lediglich mit kurzen Haaren besetzt. Nebenblätter haben sie nicht. Die Form der Laubblätter ist meist eiförmig oder rhombisch; ihre Größe ist aber von Art zu Art sehr unterschiedlich.

Generative Merkmale Die unscheinbaren grünen oder rötlich-grünen Blüten stehen in Knäueln oder kurzen Wickeln in den Blattachseln. Die Tragblätter innerhalb dieser Knäuel ähneln den Kelchblättern. Es gibt in der Gattung Parietaria sowohl zwittrige als auch getrenntgeschlechtige Blüten. Die Staubfäden der männlichen Blüten sind in die Blüte hineingekrümmt, dadurch können die Staubbeutel aber plötzlich nach außen geschleudert werden.

Als Früchte werden eiförmige Achänen gebildet.

Vorkommen Die Gattung Parietaria kommt in den gemäßigten bis subtropischen Gebieten der Nordhemisphäre vor.

Die meisten Parietaria-Arten wachsen an mehr oder weniger frischen, gerne etwas schattigen Ruderalstellen. Mehrere Parietaria-Arten findet man häufig in alten Gemäuern.

Trivialnamen Der deutsche Trivialname Glaskraut (vor allem für Aufrechtes Glaskraut und Ausgebreitetes Glaskraut) stammt daher, dass man die Asche dieser Pflanzen früher zur Glasreinigung benutzt hat.

Als Trivialnamen der (herba) parietaria sind auch Mauerkraut, Wandkraut und Rebhühnerkraut belegt; ein alter lateinischer Name für Glaskräuter, insbesondere das Aufrechte Glaskraut, war auchOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 211 (Paritaria – trophworz oder tag und nacht, vitreola). vitreola.

Eine alte deutsche Bezeichnung für Glaskraut war auch Tag und Nacht.De simplici medicina. Kräuterbuch-Handschrift aus dem 14. Jahrhundert. Nach dem im Besitz der Basler Universitätsbibliothek befindlichen Original als Faksimile mit Begleittext hrsg. von Arnold Pfister, (Sandoz AG) Basel 1960; 2. Auflage ebenda 1961, Blatt 24v.Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. (unter Mitwirkung von Wilhelm Wissmann und Wolfgang Pfeifer): Band I–V, Leipzig, Stuttgart und Wiesbaden 1943–1979, Band III (ab Spalte 481) und IV hrsg. von Heinz Paul, Band V (Registerband) 1958 mit Wilhelm Wissmann; Neudruck Köln 2000. ISBN 3-88059-982-3; Band III, S. 573.Robert Damme: Das Stralsunder Vokabular. Edition und Untersuchung einer mittelniederdeutsch-lateinischen Vokabularhandschrift des 15. Jahrhunderts. Köln/Wien 1989 (= Niederdeutsche Studien. Band 34), S. 178 und 180.

Den weiteren Trivialnamen Sankt-Peters-Kraut (teils synonym mit „Tag und Nacht“)Pedacii Dioscoridis Anazarbaei Kraeuterbuch [...]. Ins Deutsche übersetzt von Johannes Danzius, Frankfurt am Main (Petrus Uffenbach) 1610; Neudruck Grünwald bei München 1964, S. 292 f. haben Parietaria-Arten mit Pflanzen auch anderer Gattungen gemeinsam.Brigitte Hoppe: Das Kräuterbuch des Hieronymus Bock. Wissenschaftshistorische Untersuchung, mit einem Verzeichnis sämtlicher Pflanzen des Werkes, der literarischen Quellen der Heilanzeigen und der Anwendungen der Pflanzen. Hiersemann, Stuttgart 1969, S. 148 f.

Systematik und Verbreitung Die Gattung Parietaria wurde durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, 1753, Seite 1052 und Genera Plantarum, 5. Auflage 1754, Seite 471 aufgestellt. Der wissenschaftliche Gattungsname Parietaria stammt vom lateinischen Wort paries für „Mauer“, parietarius für „von der Mauer“. Er bezieht sich auf den bevorzugten Wuchsort einiger europäischer Arten, insbesondere des Ausgebreiteten Glaskrauts (Parietaria judaica). Synonyme für Parietaria sind: Freirea , Helxine , Nesobium , Thaumuria

In Mitteleuropa kommen drei Glaskraut-Arten vor: Ausgebreitetes Glaskraut (Parietaria judaica), Aufrechtes Glaskraut (Parietaria officinalis), Pennsylvanisches Glaskraut (Parietaria pensylvanica).

Die Gattung Parietaria enthält 20 bis 30 Arten. Es gibt für einige Arten eine Reihe von Synonymen, die gleichermaßen in Gebrauch sind:

Parietaria alsinefolia : Sie gedeiht von der zentralen bis zur östlichen Sahara und bis Pakistan. Parietaria cardiostegia : Sie kommt in Australien in New South Wales, Northern Territory, South Australia sowie Western Australia vor. Parietaria cretica (Syn.: Parietaria bracteata ): Sie kommt in Griechenland, auf Zypern, Kreta, auf Inseln in der östlichen Ägäis, auf Sizilien, in Libyen, Tunesien und in der Türkei vor. Parietaria debilis (Syn.: Parietaria appendiculata , Parietaria australis , Parietaria australis var. glandulifera , Parietaria carnosula , Parietaria coreana , Parietaria debilis var. australis , Parietaria debilis var. gracilis , Parietaria debilis var. micrantha , Parietaria debilis var. squalida , Parietaria fernandeziana , Parietaria gracilis , Parietaria humifusa , Parietaria laxiflora , Parietaria micrantha , Parietaria ruwenzoriensis , Parietaria ruwenzoriensis subsp. keniensis , Parietaria scandens , Parietaria squalida ): Sie ist in Afrika, Asien und Australien weitverbreitet. Es gibt Fundortangaben für die Kanarischen Inseln, Madeira, die Kapverdischen Inseln, Südafrika, Lesotho, Namibia, Tschad, Chatham Island, Taiwan, China, die Innere Mongolei, Tibet, Vietnam, Chita, Djibouti, den osteuropäischen Teil Russlands, den Himalaja, Eritrea, Äthiopien, Inseln im Golf von Guinea, Altai, Amurgebiet, Irkutsk, Kasachstan, Westsibirien, Burjatien, Jakutien, Khabarovsk, Krasnojarsk, Primorje, Kirgisistan, Korea, Madagaskar, Nepal, Australien, Neuseeland, die Norfolk Inseln, Oman, Burundi, Kamerun, Ruanda, Socotra, Somalia, Sudan, Usbekistan, Tadschikistan, Tansania, Turkmenistan, Tuwa, Uganda, Jemen, Republik Kongo, Kenia und die Kermadecinseln. Parietaria decoris : Sie kommt im nordöstlichen Mexiko vor. Parietaria elliptica (Syn.: Parietaria cryptorum , Parietaria kemulariae ): Sie kommt im Kaukasusraum vor. Parietaria erronea : Sie kommt nur in Bulgarien vor. Parietaria feliciana : Dieser Endemit kommt nur auf den Desventuradas-Inseln vor. Parietaria filamentosa : Sie kommt nur auf Teneriffa und La Palma vor. Parietaria floridana (Syn.: Parietaria debilis var. floridana , Parietaria globulifera , Parietaria nummularia , Parietaria pensylvanica var. floridana , Parietaria pensylvanica var. obtusa , Parietaria rotundifolia , Parietaria suffruticosa ): Sie ist von den südlichen Vereinigten Staaten über Zentralamerika bis ins tropische Südamerika weitverbreitet. Es gibt Fundortangaben für Mississippi, Alabama, Delaware, Georgia, North Carolina, South Carolina, Texas, Louisiana, Florida, Mexiko, Guatemala, Costa Rica, Bermudas, Kuba, Kolumbien, Bolivien, Venezuela, Uruguay, Brasilien, Ecuador, Galapagosinseln, Juan-Fernández-Inseln, Paraguay, Peru, Argentinien sowie Chile. Parietaria hespera : Die zwei Unterarten kommen von den südwestlichen Vereinigten Staaten und New Mexico bis ins nordwestliche Mexiko vor. Ausgebreitetes Glaskraut (Parietaria judaica , Syn.: Parietaria diffusa , Parietaria jaxartica , Parietaria littoralis , Parietaria maderensis , Parietaria multicaulis , Parietaria pilosa , Parietaria punctata , Parietaria ramiflora , Parietaria thymifolia , Parietaria tibethana , Parietaria velutina , Parietaria vulgaris ): Die etwa vier Unterarten kommen in Makaronesien, Nordafrika, Europa bis Zentralasien und in Pakistan vor. Eine Unterart ist in einigen Gebieten der Welt ein Neophyt. Parietaria lusitanica Es gibt etwa drei Unterarten: Parietaria lusitanica subsp. lusitanica: Sie kommt vom Mittelmeerraum bis zum Irak und der Arabischen Halbinsel vor. Parietaria lusitanica subsp. chersonensis (Syn.: Parietaria chersonensis , Parietaria micrantha , Parietaria coreana ): Sie kommt von der Ukraine bis Pakistan vor. Parietaria lusitanica subsp. serbica (Pančić) (Syn.: Parietaria serbica ): Sie kommt auf der Balkanhalbinsel, Rumänien und in Zentralasien vor. Parietaria macrophylla : Sie kommt in Mexiko vor. Parietaria mauritanica : Sie kommt in Portugal, Spanien, auf den Balearen, in Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen vor. Aufrechtes Glaskraut (Parietaria officinalis , Syn.: Parietaria erecta ) Parietaria pensylvanica (Syn.: Parietaria obtusa , Parietaria occidentalis ): Sie kommt ursprünglich in Nordamerika vor und ist in Tschechien sowie Deutschland ein Neophyt. Parietaria praetermissa : Sie kommt in den südöstlichen Vereinigten Staaten vor. Parietaria rechingeri : Sie kommt nur im nordwestlichen Irak vor. Parietaria rhodopaea : Sie kommt in Bulgarien vor. Parietaria roschanica : Sie kommt in Usbekistan vor. Parietaria semispeluncaria : Sie kommt in der Türkei vor. Parietaria umbricola : Sie kommt im nördlichen Jemen und in Saudi-Arabien vor.

Quellen Literatur David E. Boufford: Parietaria. In: , online. Chen Jiarui, Ib Friis, C. Melanie Wilmot-Dear: Parietaria. In: , online. Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. (unter Mitwirkung von Wilhelm Wissmann und Wolfgang Pfeifer): Band I–V, Leipzig, Stuttgart und Wiesbaden 1943–1979, Band III (ab Spalte 481) und IV hrsg. von Heinz Paul, Band V (Registerband) 1958 mit Wilhelm Wissmann; Neudruck Köln 2000. ISBN 3-88059-982-3; Band III, S. 571–574.

Einzelnachweise Pertti Uotila: Urticaceae. Datenblatt Parietaria In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011. Datenblatt Parietaria bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.

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Kategorie:Brennnesselgewächse