mini|Models beim Schminken mini|Gisele Bündchen auf dem Laufsteg. Bündchen war von 2003 bis 2016 das höchstbezahlte Model der Welt. 2017 wurde sie von Kendall Jenner abgelöst.
Ein Model oder Mannequin [] ist eine Person, die sich aus künstlerischen oder kommerziellen Gründen abbilden oder filmen lässt oder etwas präsentiert, ohne durch ihre Handlungen eine besondere Schöpfungshöhe zu erfüllen.
Aussprache und Etymologie Der Begriff Model () kommt aus dem Englischen und wird mit kurzem, offenem „o“ und ohne „e“ ausgesprochen. Die noch bis in die 1960er Jahre übliche deutsche Bezeichnung „Modell“ [] wird heute in der Modebranche kaum noch benutzt.
Die Aussprache von Mannequin (und ebenso von Mannekin) ist [] oder []. Er entstammt dem Französischen und heißt wörtlich „Gliederpuppe, Schaufensterpuppe“, was wiederum auf das mittelniederländische mannekijn (auf Deutsch „Männchen“) zurückgeht.
Ein veraltetes Synonym ist Vorführdame beziehungsweise Vorführherr. Es wurde 2020 aus dem gedruckten Duden entfernt, da es nicht mehr verwendet wird.t-online.de, abgerufen am 19. August 2024.
mini|Büste der Dama de Elche, um 500 v. Chr. mini|Darstellung der ägyptischen Göttin Bastet mit geschmücktem Katzenhalsband mini|Twiggy (1973)
Kulturgeschichte Die Beliebtheit der optischen Vorbildfunktion gesellschaftlich hoch angesehener Persönlichkeiten ist weltweit bis in die Frühzeit der Menschheitsgeschichte belegt und betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer, Kinder und sogar Tiere.
Gottheiten und Herrscher als frühe Identifikationsfiguren Das Volk trug und schmückte sich und seine Haustiere mit dem, was ihnen die weltlichen oder religiösen Führungspersönlichkeiten vorgaben, um sich auf diese Weise mit ihnen zu identifizieren. So hatten Mode, Schmuck, Frisur, Schminke und Accessoires eine (bis heute) hohe sozialpolitische Einigungs-, aber auch Abgrenzungsfunktion, die sich mit jedem neuen Herrscher oder geistlichen Führer wieder ändern konnte.
Entstehung von zugehörigen Wirtschaftszweigen Entstehung und Aufstieg eines flankierenden Wirtschaftszweigs für dekorative Produkte, der naturgemäß sehr daran interessiert war, die passende Körper-, Kopf- und Fußbekleidung, Waffen, Rüstungen, Sättel, Trensen, Hundeleinen, Katzenhalsbänder, Kuhglocken oder was sich sonst noch so an Beliebtheit erfreute, möglichst gewinnbringend und breit unters Volk zu bringen, ist ebenfalls parallel in sämtlichen Kulturen belegt und bildete früh weitreichende Handelsnetze. Viele Handelsrouten sind heute noch aktiv. Die Seidenstraße ist eine der ältesten und bekanntesten.
Frühe Medien, die über das Aussehen von hochstehenden oder anderweitig interessanten Personen berichteten, waren entweder mündlicher Natur in Form von Sagen und Märchen, wo das Aussehen der Helden oder Göttinnen ausführlich beschrieben und ausgeschmückt wurde, oder Abbilder in Form von Statuen, Reliefs und Bildern, später auch Münzen, die detailliert ausgearbeitet wurden, um den persönlichen Status auch noch vor der Nachwelt zur Schau stellen zu können.
Model als (un-)professionelle Tätigkeit Der Einsatz von professionellen Modellen ohne besondere, vorausgehende Prominenz der Person ist, wenn überhaupt, nur indirekt nachzuweisen. In nahezu allen Kulturen war die Berufstätigkeit von Frauen strengen Regeln unterworfen. Frauen, die ihre Schönheit kommerziell nutzten oder gar vermarkteten, drohte ein schlechter Ruf und ein damit verbundener Ausschluss aus der Gesellschaft. Männern wäre eine Arbeit als beruflicher Vorführer von Modewaren oder Schmuck aufgrund ihres traditionellen Rollenverständnisses wohl ebenso gesellschaftlich sanktioniert worden.
Gleichzeitig aber war die dekorative Industrie zwingend abhängig von der Präsentation ihrer Produkte. Vermutlich wurden Sklaven, Hausangestellte, Lehrlinge, Verwandte und Bekannte zum Vorführen verpflichtet. Erst seit den 1920er Jahren sind berufliche Models als professionelle Arbeitnehmerinnen, ab den 1960er Jahren auch als Arbeitnehmer belegt.
Nach dem Ersten Weltkrieg veränderte die Modeschöpferin Coco Chanel nachhaltig die Modelandschaft. Mit ihr setzt die Ära der beruflichen Models ein, da sie die Modepräsentationen aus den Privaträumen von reichen Kundinnen herausholte und daraus große Veranstaltungen machte, zu denen sie auch die Presse einlud.
Beispiele Noch in den 1920er Jahren war die Bezeichnung „Probierdamen“ für die bei Modenschauen vorführenden Models gebräuchlich.Bruno Beyer: Organisation und Technik des Rauchwarenhandels unter besonderer Berücksichtigung des Leipziger Rauchwarenhandels. 25. Januar 1921.
1930er bis 1950er Jahre Eines der ersten berühmten Mannequins war Lisa Fonssagrives mit einer erstaunlich langen Karriere von den 1930er bis in die 1950er Jahre, oft fotografiert von Horst P. Horst in Paris. Sehr erfolgreich waren in den 1940er und 1950er Jahren auch Dovima, Sunny Harnett, Dorian Leigh, Suzy Parker und Jean Patchett. Christa Päffgen schaffte als erstes deutsches Mannequin den Sprung ins Ausland und schuf so die Basis für ihre spätere Karriere als Sängerin und Schauspielerin.
1960er und 1970er Jahre In den 1960er Jahren etablierte sich der Londoner mit Jean Shrimpton, Edie Sedgwick, Twiggy und Penelope Tree als dessen bekannteste Vertreterinnen.Bernadine Morris: Dovima, a Regal Model of the 50’s, Is Dead at 63. In: The New York Times, 5. Mai 1990, S. 31. Weitere bekannte Models der 1960er Jahre waren Benedetta Barzini, Marisa Berenson, Pattie Boyd, Wilhelmina Cooper, Linda Keith, Peggy Moffitt, Suki Potier, Paulene Stone, Sharon Tate und Veruschka.
Prominente Models der 1970er Jahre waren Iman Abdulmajid, Barbara Bach, Gia Carangi, Jerry Hall und Patti Hansen.
1980er und 1990er Jahre: Aufkommen der „Supermodels“ In den 1980er Jahren kam der Ausdruck Supermodel auf für Models, die über ihre Vertragsfunktionen hinaus eine große eigenständige, internationale Prominenz und Medienpräsenz entwickelten. Beispiele für früh als Supermodels bezeichnete Models sind Paulina Porizkova, Kathy Ireland, Grace Jones, Christie Brinkley, Carol Alt und Stephanie Seymour.
Die 1990er Jahre wurden zum Durchbruch der Supermodels, die teils eine Prominenz wie die Superstars aus Film und Musik erreichten. Eine große Rolle dabei spielte eine Fotoserie des deutschen Fotografen Peter Lindbergh mit den fünf damals bekanntesten Fotomodellen Christy Turlington, Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz und Cindy Crawford auf den Straßen von New York City, erstellt im Januar 1990 für die britische Ausgabe der Vogue.The Inside Story: The Vogue Supermodel Cover. In: Vogue, abgerufen am 10. Dezember 2017 (englisch)vgl. Gruppenbild in: Mach den Mund zu. In: Der Spiegel, Nr. 31, 2. August 2010, S. 114 und S. 116. Mit dieser Fotoserie setzte sich das Phänomen der Supermodels durch.Lauren Milligan: In: Vogue, 16. November 2009:„The era of the supermodel officially began when Vogue ran its iconic January 1990 cover starring the five original supermodels – Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Christy Turlington and Cindy Crawford – shot by Peter Lindbergh.“ Weitere 1990er-Supermodels waren Nadja Auermann, Carla Bruni, Laetitia Casta, Helena Christensen, Sophie Dahl, Shalom Harlow, Eva Herzigová, Milla Jovovich, Yasmin Le Bon, Karen Mulder, Rebecca Romijn, Isabella Rossellini, Claudia Schiffer, Stella Tennant, Amber Valletta und Marcus Schenkenberg.
Darüber hinaus gelten vor allem die frühen 1990er Jahre als die Zeit des sogenannten Heroin Chic, dessen Entstehung stark durch den Grunge beeinflusst wurde. Androgyne, teils stark untergewichtige Models mit dunklen bzw. dunkel geschminkten Augenringen und strähnigem Haar wurden zum Ideal erklärt. Gia Carangi gilt als das erste Model, das diesen Typus verkörperte. Die Modefotografien von Davide Sorrenti und Vincent Gallos Arbeiten für Calvin Klein haben diese Ästhetik entscheidend geprägt. Ikonisch gilt insbesondere der Werbespot für den Duft Obsession mit Kate Moss aus dem Jahr 1993.
Männliche Models sind ein vergleichsweise junges Phänomen und kamen erstmals in den 1990er Jahren auf mit bspw. Marcus Schenkenberg, Werner Schreyer oder Mark Vanderloo. In den 2000er Jahren kamen unter anderem Baptiste Giabiconi, Nico Schwanz und Lars Burmeister hinzu.Regina Niallah: International Modeling Guide. 5. Auflage. FTC Publications, Atlante 2007, ISBN 0-9774771-2-6, S. 11. Auszug bei Google Bücher.
2000er und 2010er Jahre mini|Cara Delevingne (2016)
Ab den 2000er Jahren wurden im Privatfernsehen sogenannte „Castingshows“ produziert, die noch einmal dieses Phänomen verstärkten. Bekannte Beispiele sind America’s Next Top Model, America’s Most Smartest Model und im deutschsprachigen Raum Germany’s Next Topmodel, Austria’s Next Topmodel. Weitere Präsenz in den anderen Medien popularisierte zusätzlich das Phänomen der „Supermodels“. Zu den Supermodels der 00er Jahre gehörten Gisele Bündchen, Tyra Banks, Heidi Klum, Adriana Lima, Alessandra Ambrosio und Karolína Kurková.
Soziale Medien spielen seit etwa 2010 für die persönliche Vermarktung eine immer größer werdende Rolle. Hierbei sind vor allem „bilderlastige“ (sowie videolastige) Plattformen zentral, besonders Instagram. Beispiele für Supermodels der neuen Generation sind Cara Delevingne, Karlie Kloss, Kendall Jenner, Gigi Hadid, Bella Hadid, Anok Yai und Alex Consani.
Formen
Mannequins Bis in die 1980er Jahre wurde zwischen Mannequins, die vorrangig auf dem Laufsteg arbeiten, und Fotomodellen unterschieden. Hauptgrund war, dass die Größe, die erforderlich war, um auf dem Laufsteg die nötige Präsenz zu erhalten, beim Fotografieren oft hinderlich war oder dass die Fotomodelle häufig zu klein waren.
Das Wort „Mannequin“ stammt vom Mittelniederländischen „Männchen“ ab und stand ursprünglich für „Gliederpuppe“, also ein anatomisches Modell für Maler oder Schneider. Im Französischen kann es auch „willenloser Mensch“ („Waschlappen“) bedeuten. Auch im Englischen steht (auch ) für „Schaufensterpuppe“. In slawischen Ländern wie Serbien, Kroatien, Bosnien, Slowakei wird das Wort Maneken (Plural: Manekeni) ähnlich wie in Deutschland Mannequin mit der Bedeutung Model gebraucht.
Georg Büchmann führt den Begriff „Mannequin“ auf eine Erfindung des florentinischen Malers Fra Bartolommeo zurück, der alle Gegenstände nach der Natur zeichnete und sich deshalb eine Holzfigur (italienisch: ; französisch: ) in Lebensgröße mit biegsamen Gliedern und Kleidern anfertigen ließ. Erst der britische Seidenhändler und Modeschöpfer Charles Frederick Worth verwendete 1858 Personen statt Wachspuppen, um seine neuesten Kreationen vorzuführen.
Mascha Kaléko schrieb 1933 ein Gedicht mit dem Titel Mannequins.
Dressman Die männliche Form wird seit den 1980er Jahren ebenfalls als „Model“ bezeichnet. Der Begriff Dressman ist ein Scheinanglizismus, der im Englischen überhaupt nicht verstanden wird (im Englischen wird dafür der Begriff „“ verwendet).
In besonderen Fällen bezeichnen sich männliche Models selbst als „Dressman“, wenn sie damit betonen wollen, dass sie ausschließlich für die Präsentation von Herrenoberbekleidung in konservativem Rahmen und Stil zur Verfügung stehen. Teilgruppen von Models, die sich in den 1960er und 1970er Jahren bereits Dressman nannten, halten an diesem Begriff als elitäre Selbstbezeichnung fest. Zwischen beiden Gruppen besteht jedoch eine große Schnittmenge. Des Weiteren nutzen Models und Agenturen im deutschsprachigen Raum den Begriff Dressman als Stichwort, um in Websuchmaschinen und in Netzwerken besser gefunden zu werden. In Bezug auf Präsentationen wird das Wort aber nicht weiterverwendet, es sei denn, man gehört zu den genannten Gruppen oder beabsichtigt die entsprechende Konnotation. Gelegentlich wird in Texten einleitend die Vokabel Dressman verwendet, um den als wenig elegant empfundenen Ausdruck „männliches Model“ zu vermeiden. Sobald der Kontext und insbesondere das Geschlecht geklärt sind, wird im weiteren Verlauf nur noch Model verwendet.