mini|hochkant=0.9|Stadtansicht mini|hochkant|Wittlich – Stadtmitte (Schlossberg)
Wittlich an der Lieser ist die Kreisstadt des rheinland-pfälzischen Landkreises Bernkastel-Wittlich und Sitz der Verbandsgemeinde Wittlich-Land. Wittlich hat Einwohner und ist ein Mittelzentrum. Die Stadt geht auf eine keltische Siedlung zurück, die vermutlich zu Ehren des römischen Kaisers Vitellius Vitelliacum genannt wurde.
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt zwischen der Südeifel und der Mosel an der Lieser in einem Seitental der Mosel am nördlichen Rand der Wittlicher Senke. Dieser Landschaftsraum wird im Westen von der Moseleifel und im Osten vom Moseltal begrenzt.
Die Höhenlage von Wittlich erstreckt sich von an der Lieser bei Altrich und Platten bis auf beim Distrikt Staudt im Wittlicher Stadtwald. Die Höhe der Innenstadt, gemessen am Marktplatz, beträgt .
Größere Zuflüsse der Lieser sind der Rommelsbach, der Sterenbach mit dem Sterenbachsee und der Bieberbach mit dem Schattenbach im Osten der Stadt.
Stadt- bzw. Gemeindeteile OrtsbezirkHauptsatzung der Stadt Wittlich vom 4. Juli 2024 Gemeindeteile Fläche (km²)geoindex.io – Geoindex Aktiengesellschaft Bombogen Weierhof 4,15 Dorf 2,65 Lüxem Finnbachhof 4,61 Neuerburg Nikolaushof, Scheuerhof, Seitertshof, Ulmenhof 8,27 Wengerohr Missionshaus St. Paul, Wahlholz, Hof Braunenstein 4,74 Wittlich, Kernstadt Abachsmühle, Bastenmühle, Gut Blumenscheid, Bohlensmühle, Hof Breit, Brückenmühle, Hof Failz, Landhaus Felsenburg, Fintenhof, Forsthaus Failz, Grünewald, Hasenmühle, Haus Kaster, Helenenhof, Hinter der Breit, Haus Huwer, Haus Kunk, Mariahof, Neumühle, Quellenhof, Rotmühle, Walburgishof, Zweibächen, Layenhof, Weinhof Portnersberg 25,21 Summe Stadt Wittlich 49,62
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Greimerath, Flußbach, Bausendorf, Zeltingen-Rachtig, Platten, Altrich, Dreis, Bergweiler, Hupperath, Minderlittgen und Plein.
Klima Für die Beschreibung des aktuellen Klimas wird die Klimanormalperiode 1991 bis 2020 zugrunde gelegt. Für die Ortsmitte von Wittlich ergibt sich aus dem 1-km-Klimaraster des Deutschen Wetterdienstes für diesen Zeitraum eine Jahresmitteltemperatur von 10,5 °C. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt 689 mm, die mittlere jährliche Sonnenscheindauer 1583 Stunden. Der Juli ist mit einer Mitteltemperatur von 19,4 °C der wärmste Monat, während der Dezember mit durchschnittlich 78 mm der niederschlagsreichste Monat ist.
Geschichte mini|Römische Villa mini|Skizze von Schloss Philippsfreude Die ältesten bekannten Überreste menschlicher Siedlungstätigkeit stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. In römischer Zeit bestand direkt an der Lieser, unter der heutigen Autobahnbrücke eine stattliche Villa rustica.
Die erste schriftliche Nennung Wittlichs stammt aus dem Jahr 1065, die lateinische Urkunde erwähnt „in marca villiacensi super fluvium Lesuarm“, also die Mark (Gemarkung) Wittlich am Fluss Lieser. Im Jahre 1114 ist die Namensform Witelicho belegt.
Wittlich gehörte nicht – wie in der älteren Literatur immer wieder zu lesen – zu den 1291 von König Rudolf von Habsburg mit Stadtrecht versehenen Orten, sondern erhielt sein Stadtrecht erst im November 1300 durch den Trierer Erzbischof Dieter von Nassau.Winfried Reichert: „Zur Besserung des Standes unserer Untertanen und auch zur Mehrung unserer und unseres Stiftes Rechte und Freiheiten“. Die Privilegierung der Stadt Wittlich an der Wende zum 14. Jahrhundert. In: Kurtrierisches Jahrbuch 34, 1994, S. 25–45.
Der Bau des erzbischöflichen Schlosses Ottenstein am heutigen Schlossplatz wurde 1428 vollendet. In der Folgezeit entwickelte sich die repräsentative Burganlage zu einer Nebenresidenz der Trierer Kurfürsten auf dem Weg zwischen Trier und Koblenz, in der beispielsweise mehrfach Urkunden ausgestellt wurden. 1531 starb Erzbischof Richard von Greiffenklau in den Räumen des Schlosses. Nach verschiedenen Umbauten im 16. und 17. Jahrhundert ließ Kurfürst Johann Philipp die Anlage 1763 zu einem barocken Lustschloss umbauen, Philippsfreude genannt.
Im Kurfürstentum Trier, das bis 1803 existierte, bildete das Amt Wittlich einen Verwaltungsbezirk. In französischer Zeit existierte der Kanton Wittlich im Saardepartement. Danach wurde Wittlich Sitz der preußischen Bürgermeisterei Wittlich und des Kreises Wittlich.
1857 schied Wittlich gemäß der Städteordnung für die Rheinprovinz vom 15. Mai 1856, durch die die Trennung von Stadt- und Landgemeinden verfassungsrechtlich festgelegt wurde, aus dem Verband der Landbürgermeisterei Wittlich aus und erhielt daraufhin, ihrem Antrag gemäß, vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Stadtrechte nach der Städteordnung verliehen (Bürgermeisterei Wittlich-Stadt).Stadtgeschichte Wittlich
Im Zuge der Industrialisierung siedelten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts Großunternehmen in der bis dahin agrarisch geprägten Stadt an: 1897 wurde die Wittlicher Ton- und Dampfziegelei errichtet. 1898 wurde das Unternehmen Weinpressenbau Merrem & Knötgen gegründet. 1913/1914 folgte die Sperrholzfabrik Kümmel & Co. und 1921 die Schuhcremefabrik Ermann-Bach. Der Weinanbau erhielt um die Jahrhundertwende durch den Zuzug von Winzern aus der Mittelmoselregion neue Impulse.
1912 wurde in Wittlich das erste deutsche Jugendgefängnis errichtet, das auch heute an die Justizvollzugsanstalt Wittlich angrenzt.
1938 wurde Wittlich Garnisonsstadt. Die Kasernengebäude wurden nach 1945 von der französischen Besatzungsmacht übernommen. Im Zweiten Weltkrieg wurden 30 Prozent der Wohnungen stark oder völlig zerstört. In der Stadt kommen 70 Wittlicher Bürger sowie 34 Kriegsgefangene während des Krieges ums Leben. Außerdem fallen 322 Soldaten. Mindestens 86 Wittlicher Juden wurden in Konzentrationslagern ermordet.
1950 rief Bürgermeister Mehs die Säubrennerkirmes ins Leben. 1969 wurden die Orte Bombogen, Dorf, Lüxem, Neuerburg und Wengerohr nach Wittlich eingemeindet. 1970 wird die Autobahn A 48 von Koblenz bis Wittlich fertiggestellt und 1975 nach Trier verlängert. Der Innenstadtverkehr wurde 1993/1994 durch den Bau der Südtangente entlastet.
Am 9. November 1974 starb der RAF-Terrorist Holger Meins in der Wittlicher Justizvollzugsanstalt an den Folgen eines Hungerstreiks.
Im Jahr 2009 wurde die Stadt Wittlich in das Programm Aktive Stadtzentren des Landes Rheinland-Pfalz aufgenommen. Neugestaltung des Geländes rund um das Missionshaus St. Paul: Bau eines Generationendorfes sowie Seniorenheim, Pfadfinderunterkunft, Ärztehaus, Ausflugslokal und Hotel.
Einwohnerstatistik Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahlen auf dem Gebiet der Stadt.
Nach dem Melderegister waren zum 31. Juli 2026 in Wittlich 20.160 Einwohner mit Hauptwohnung gemeldet. Davon waren 4.714 beziehungsweise 23,4 % Ausländer.
Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 64,1 % römisch-katholisch, 16,0 % evangelisch und 19,9 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Stadt Wittlich Stand 30. Juni 2005 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem beträchtlich gesunken. Mit Stand Juli 2026 lag der Anteil der katholischen Bürger bei 37,8 %, der evangelischen bei 10,4 % und der Sonstigen bei 51,8 %.Gemeindestatistik Stadt Wittlich, abgerufen am 21. August 2026
Industrialisierung Soziale und wirtschaftliche Entwicklung im 19. Jh. Die soziale und wirtschaftliche Entwicklung vor und während der Industrialisierung in Wittlich war geprägt von Bevölkerungswachstum, Auswanderung und Sozialfürsorge aufgrund wachsender Armut.
Sozialfürsorge und Auswanderung Die gewachsene Bevölkerung bestand zu einem Großteil aus armen Leuten. Daher wurde zur Bekämpfung der Hungersnot der „Verein von Wittlich“ (1817) gegründet. Die erste institutionalisierte Umsetzung der Armenunterstützung in der Stadt Wittlich ging von einer Wittlicher Frauenbewegung aus, die den Armen Hilfe bot, indem sie ihnen Nahrung und Geld spendete. Am 17. Januar 1832 entstand in Wittlich eine „Armen-Koch-Anstalt“ (vergleichbar mit der Wittlicher Tafel).
Aufgrund von Missernten (1846/47), zwingendem Militärdienst, schlechten Lebensbedingungen und Zukunftsaussichten, Mangel an Arbeit, hohen Steuern und Benachteiligung vieler Moselwinzer nahm seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Auswanderung von Wittlich aus zu. Auswanderungsziele waren Amerika, Russland, Rumänien oder Nordafrika (Algerien). Es konnte sich fast ausschließlich der Mittelstand eine Auswanderung leisten, da diese mit hohen Kosten und einer Absicherung verbunden war. In den Jahren 1840–1871 wurden 2133 Übersee-Auswanderer notiert.
Bevölkerungswachstum und Wirtschaft Das Bevölkerungswachstum nahm zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgrund der hohen Wirtschaftsaktivität überproportional zu. Zwischen den Jahren 1820 und 1900 stieg die Bevölkerungszahl Wittlich von 2002 auf 4066 Bewohner an. Im 20. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung in nur 8 Jahren vergleichsweise schnell um 2000 Bewohner an.
Außerdem gab eine Vielzahl an Verwirklichungen von Großprojekten, wie beispielsweise dem Kreiskrankenhaus (1900) und der Strafanstalt (1902).
Während des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Wittlich durch die Märkte der ackerbaubetreibenden und ländlichen Bevölkerung geprägt. Somit wurden weitestgehend lokale Interessen gedeckt. Im folgenden Verlauf des Eintrags werden die bedeutsamsten und die international sowie regional anerkanntesten Unternehmen Wittlich vorgestellt.
Eisenbahnbau Im Zuge des deutschlandweit aufkommenden Eisenbahnbaus wurde seit den 1850er Jahren über eine Moselbahn (Moselstrecke) von Koblenz nach Trier und eine damit einhergehende erhoffte Eisenbahnanbindung der Stadt Wittlich diskutiert.
Während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 wurde das Fehlen dieser Verbindung als gravierend wahrgenommen und die Planungen konkretisiert. Die im August 1871 vorgestellten Pläne wurden in Wittlich als negative Überraschung wahrgenommen, da die Moselbahn an Wittlich vorbei zwischen dem damals selbstständigen Dorf Wengerohr und Platten geführt werden sollte.
In der Folge verfasste die Wittlicher Stadtverordnetenversammlung eine Vielzahl von Petitionen und Einlassungen an Reichsregierung und Reichstag, um die direkte Anbindung der Stadt an die Moselstrecke zu erreichen. Mit Verweis auf damit verbundene höhere Kosten durch die Überwindung eines größeren Höhenunterschieds blieben diese jedoch erfolglos.
Im Jahr 1879 wurde die Moselstrecke Koblenz-Trier eröffnet, der nächstgelegene Bahnhof für Wittlich befand sich wie auch heute noch am Rand von Wengerohr.
Unter anderem als Ergebnis der hartnäckigen Lobbyarbeit für eine Wittlicher Direktanbindung wurden in den folgenden Jahren folgende Teilstücke einer von Wengerohr ausgehenden Stichbahn eröffnet (seit den 1980ern stillgelegt): Wengerohr – Kues 1883 Wengerohr – Wittlich 1885 Wittlich – Daun 1909/10
Industrialisierung im 20. Jh. Kelterfabrik Merrem & Knötgen mini|hochkant=0.7|Historische Kelter von Merrem & Knötgen, ausgestellt am Bahnhof von Treis-Karden Die Kelterfabrik Merrem & Knötgen wurde 1898 von den Gesellschaftern Joseph Merrem und Matthias Knötgen in Wittlich gegründet und befasste sich zu Beginn mit der Herstellung von Dampfsägewerken und der Anfertigung von Horizontalgattersägen. Zudem versuchte sich das Unternehmen an der Gliederung des öffentlichen Stromnetzes und versorgte einige Privathaushalte, bis die Stadt Wittlich diesen Betriebszweig als Konkurrenz ansah. Daraufhin legte das Unternehmen seinen Schwerpunkt auf die Anfertigung von Wein- und Obstpressen, Maschinen, Dampfmaschinen sowie Heuwendern, Jauchepumpen und ihre Reparatur.
Ihren größten Erfolg hatten die Unternehmer durch Herstellung von Keltern, mit denen sie auch die größten Exporterfolge erzielten.