Die Selbstfahrlafette ZSU-23-4 „Schilka“ (, ЗСУ = зенитная самоходная установка, Transkription: SSU = senitnaja samochodnaja ustanowka, deutsch Flugabwehr-Selbstfahrlafette) ist ein in der Sowjetunion entwickelter Flakpanzer zur Bekämpfung niedrig fliegender Kampfflugzeuge und Hubschrauber sowie leicht gepanzerter Bodenziele. Auch vom Einsatz gegen Drohnen wurde berichtet.

Sie ist seit 1965 bei den sowjetischen bzw. russischen Streitkräften im Dienst, seit Beginn der 1970er-Jahre auch bei allen anderen Armeen der Warschauer Vertragsstaaten und einer Anzahl weiterer Armeen. Das Fahrzeug ist nach dem Fluss Schilka in Ostsibirien benannt.

Entwicklungsgeschichte mini|links|Der Vorgänger, die Fla-Sfl ZSU-57-2 im Vordergrund, dahinter die Fla-Sfl 23-4 Bereits der Zweite Weltkrieg hatte gezeigt, dass motorisierte Infanterie- sowie genuine Panzerverbände Fla-Unterstützungswaffen benötigten, die ihnen auf dem Gefechtsfeld folgen und ein Mindestmaß an Schutz gegen Tiefflieger bieten konnten. Während des Krieges konzentrierte sich die UdSSR jedoch auf den Bau von Kampfpanzern, Sturmgeschützen und Jagdpanzern. Selbstfahrende Fliegerabwehrwaffen wie die SU-72 oder die ZSU-37 auf Basis der 37-mm-Flak M1939 wurden zwar entwickelt, kamen jedoch nicht in großen Stückzahlen zum Einsatz.

Im Kalten Krieg begann Mitte der 1950er-Jahre die Serienproduktion der Fla-Sfl ZSU-57-2. Vorteilhaft waren Schutz und Beweglichkeit im Vergleich zur bisher genutzten gezogenen Fla-Artillerie, die auf dem relativ großen Kaliber beruhende Reichweite sowie die Wirkung im Ziel. Als Nachteil erwies sich die geringe Kadenz von 100 bis 120 Schuss je Minuteje Rohr, siehe unter anderem Kopenhagen, die ein Bekämpfen schnell- und tieffliegender Ziele erschwerte, sowie die fehlende Möglichkeit zur elektronischen Aufklärung und Feuerleitung. Ein Einsatz bei Nacht und schlechter Sicht war daher nicht möglich, Entdeckung und Bekämpfung von Zielen wurden auch bei Tag erschwert und hingen vom Ausbildungsstand der Besatzung ab. Mit dem Einsatz der in den 1950er-Jahren eingeführten NATO-Kampfflugzeuge mit Strahlantrieb waren die Eigenschaften dieses Waffensystems nicht mehr ausreichend. Da die Mängel frühzeitig deutlich wurden, wies der Ministerrat der UdSSR am 17. April 1957, also kurz nach dem Produktionsbeginn der ZSU-57-2, die Entwicklung von zwei neuen Fla-Sfl an.siehe А. Широкорад

Mittlerweile hatte die Entwicklung elektronischer Bauelemente einen Stand erreicht, der die Integration von Radar- und Feuerleitsystemen in ein Gefechtsfahrzeug ermöglichte, statt sie wie bisher in eigenen Fahrzeugen unterbringen zu müssen. Daher sollte die neue Fla-Sfl die Möglichkeit zur elektronischen Aufklärung und Feuerleitung bieten.

Auf Grundlage der Weisung entstanden die Fla-Sfl ZSU-37-2 Jenissei und die ZSU-23-4 Schilka. Die ZSU-37-2 besaß zwei 37-mm-Kanonen 500P und basierte auf dem Fahrgestell der Artillerie-Selbstfahrlafette SU-100P, sie ging jedoch nicht in Serienproduktion. Die ZSU-23-4 besaß vier 23-mm-Kanonen 2A7 und nutzte ein auf Basis des PT-76 entwickeltes Fahrgestell. Auch die elektronische Ausrüstung beider Waffensysteme unterschied sich. Die ZSU-37-2 Jenissei erhielt den Waffenleitkomplex RPK Baikal, die ZSU-23-4 Schilka den RPK Tobol. Beide Waffenleitsysteme ermöglichten Aufklärung, Zielbegleitung und Berechnung der Zieldaten für die Waffenanlagen. Die ursprünglich vorgesehenen Einsatzprofile beider Flakpanzer unterschieden sich leicht. Während die ZSU-37-2 bei Panzerverbänden eingesetzt werden sollte, war die ZSU-23-4 zum Schutz mechanisierter und motorisierter Infanterieverbände vorgesehen.

Die Prototypen beider Flakpanzer wurden 1960 fertiggestellt, die anschließende staatliche Erprobung zog sich bis zum Oktober 1961 hin. Konstruktionsbedingt wiesen beide Waffensysteme unterschiedliche Eigenschaften auf. Während die Effektivität der Schilka beim Kampf gegen Luftziele in einer Höhe von 200 bis 500 m anderthalb bis zweimal höher war als die der Jenissei, lag bei letzterer die wirksame Reichweite der Waffen deutlich höher. Die Vorteile der Schilka wurden hauptsächlich durch die kleinkalibrigen Waffen erreicht, die eine hohe Kadenz und größere Richtgeschwindigkeiten ermöglichten. Das größere Kaliber der Jenissei ermöglichte dagegen eine wirksame Bekämpfung von Luftzielen bis zu einer Höhe von 3000 m, während eine effektive Bekämpfung mit der Schilka nur bis 1500 m Höhe möglich war. Die Jenissei war mit rund 28 t Gewicht auch deutlich schwerer als die Schilka. Die Herstellungskosten beider Flakpanzer unterschieden sich praktisch nicht. Die staatliche Kommission empfahl die Übernahme beider Waffensysteme, da keines der beiden entscheidende Vorteile aufwies. Letztendlich erschienen Reichweite und Waffenwirkung der Schilka ausreichend, die außerdem noch auf einem in der Sowjetarmee weit verbreiteten Chassis aufbaute, während das Fahrgestell der ZSU-37-2 eine gesonderte Konstruktion war. Die geringere Masse der ZSU-23-4 erhöhte außerdem die Beweglichkeit und erleichterte den Transport. Daher wurde am 5. September 1962 durch den Ministerrat die Serienproduktion der ZSU-23-4 Schilka beschlossen, während das Projekt Jenissei eingestellt wurde.zur Fla-Sfl ZSU-37-2 Jenissei siehe ЗЕНИТНАЯ САМОХОДНАЯ УСТАНОВКА ЗСУ-37-2 „ЕНИСЕЙ“ auf Вестник ПВО (russisch)

Technik Aufbau des Waffensystems Die ZSU-23-4 ist für einen weitgehend autonomen Einsatz konzipiert. Normalerweise im Bestand einer Flugabwehrbatterie eingesetzt, ist auch der Einsatz abgesetzter Fahrzeuge möglich. Üblich ist in regulären Streitkräften der geschlossene Einsatz der Batterie. Die Batterie ist für Aufklärung des Luftraumes und die Bekämpfung der Luftziele verantwortlich. Weiterhin obliegt ihr Transport und Zuführung der Munition sowie die Wartung und Instandsetzung der Flakpanzer der Batterie. Eine Fla-Artilleriebatterie bzw. der Fla-Artilleriezug einer Fla-Raketen-Artilleriebatterie besteht aus:dargestellt ist exemplarisch die Struktur der NVA, in anderen Staaten und in anderen Zeiträumen kann diese abweichen der beweglichen Führungsstelle 9S486 (PU-12)Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Führungsstelle 9S486 (PU-12) vier Flakpanzern ZSU-23-4 der Lkw-basierten Funkmesswerkstatt KRAS-1RSch bzw. Funkmesswerkstatt KRAS-1RSchMRaketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Funkmeßwerkstatt KRAS-1RSch mit einem Elektroaggregat ÄSD-20Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, Elektroaggregat ÄSD-20 einem Fahrzeug zum Transport von Ersatzteilen, Werkzeugen und Zubehör vier Transport- und Ladefahrzeugen zum Transport von Munition

Grundsätzliches Zusammenwirken der Elemente des Waffensystems Die Führungsstelle 9S486 dient der automatisierten Darstellung, Bearbeitung und Übermittlung von Angaben der Luftlage sowie zur Führung und Feuerleitung der Flugabwehrbatterie. Die von verschiedenen Radargeräten bzw. Gefechtsständen gewonnenen Luftlageinformationen werden automatisch an die Führungsstelle 9S486 übermittelt und dort für den Batteriechef dargestellt. Eine weitere automatisierte Übertragung dieser Informationen an die Flakpanzer ist jedoch nicht möglich und aufgrund der Verzögerungszeit und der eigenen Ungenauigkeit des Systems auch nicht sinnvoll. Aufträge zur Aufklärung des Luftraumes und Zieldaten werden an die ZSU-23-4 mit Sprechfunk übermittelt. In der Führungsstelle PU-12 können gleichzeitig zwölf, in der Version PU-12M neunundneunzig Luftziele dargestellt werden.

Die Radaranlage der ZSU-23-4 ermöglicht die elektronische Aufklärung auf Entfernungen bis zu 12.000 m.je nach Version bis zu 20 km, siehe Вестник ПВО Dabei kann entweder eine Rundum- oder eine Sektorsuche durchgeführt werden. Ab einer Entfernung von 10.000 m ist eine automatische Begleitung des aufgefassten Ziels möglich. Die Zieldaten des aufgefassten Ziels werden automatisch an die Feuerleitanlage übergeben. Dort erfolgt in Abhängigkeit von Lage, Kurs und Geschwindigkeit des Luftzieles die Berechnung des Vorhaltepunktes für die Waffenanlage. Das zu bekämpfende Luftziel muss bei Bedarf visuell identifiziert werden, ein Freund-Feind-Erkennungssystem ist nicht vorhanden. Radargeräte und Feuerleitanlage ermöglichen verschiedene Betriebsarten. Die Bekämpfung des Luftzieles ist auf eine Schrägentfernung von 2.500 m und eine Höhe von 1.500 m möglich. Der Einsatz der Waffenanlage kann im Stand oder aus der Fahrt bis zu Geschwindigkeiten von 25 km/h erfolgen.

Die Fahrzeuge zum Transport von Munition folgen der Batterie im Abstand von 1,5 bis 2 km und führen dem Flakpanzer im Bedarfsfall die Ergänzung für die verschossene Munition zu. Die Munition auf den Transport- und Ladefahrzeugen ist bereits gegurtet und kann in relativ kurzer Zeit an den Flakpanzer übergeben werden.

Die Funkmesswerkstatt KRAS-1RSch ermöglicht die Prüfung und Instandsetzung der ZSU-23-4 unter feldmäßigen Bedingungen. Mit der umfangreichen Prüfausstattung kann ein Großteil der elektronischen Baugruppen der ZSU-23-4 automatisiert geprüft werden. Die mitgeführten Ersatzteile, Werkzeuge und Zubehör ermöglichen einen Austausch eines Großteils der Baugruppen des Flakpanzers und von Verschleißteilen. Mit Hilfe der Funkmesswerkstatt KRAS-1RSch können auch die meisten der regelmäßigen Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten am Flakpanzer in der Batterie durchgeführt werden.

Aufbau der ZSU-23-4 Fahrgestell und Stromversorgung mini|ZSU-23-4, Heckansicht, die halbrunde Luke rechts deckt die Austrittsöffnung der Gasturbine bei Nichtgebrauch ab Als Fahrgestell wird der Typ GM 575 genutzt. Dabei handelt es sich um eine Modifikation des ursprünglich für den Schwimmpanzer PT-76 bzw. die Artillerie-Sfl. ASU-85 entwickelten Chassis, das auch als Basis für weitere sowjetische Gefechts- und Führungsfahrzeuge diente. Im Heck sind Antrieb und Stromversorgungsanlage untergebracht, der Mittelteil nimmt den Turm auf, vorn links befindet sich der Platz des Fahrers. Das Chassis ist mit Torsionsstäben gefedert und besitzt auf jeder Seite sechs Laufrollen, Stützrollen sind nicht vorhanden. Als Antrieb dient ein quer im Heck eingebauter Sechszylinder-Dieselmotor mit einer Leistung von 280 PS. Auch bei diesem Teil handelt es sich um eine Modifikation eines in sowjetischen Militärfahrzeugen weit verbreiteten Typs. Der Motor treibt über ein mechanisches Getriebe die hinten liegenden Antriebsräder an. Gelenkt wird der Flakpanzer mit Hilfe einer Lenkbremse. Der Dieselmotor kann auch im Stand zur Versorgung der Bordelektrik der ZSU-23-4 eingesetzt werden, dazu wird die Drehzahl des Motors auf etwas weniger als 2.000 Umdrehungen eingestellt. Fahrgestell und Antrieb ermöglichen eine Marschgeschwindigkeit von 50 km/h auf der Straße und 30 km/h im Gelände, damit kann die ZSU-23-4 den zu unterstützenden Einheiten sowohl auf dem Marsch als auch im Gefecht folgen.

Als Primärstromquelle kommt eine Gasturbine vom Typ DG4 bzw. eine ihrer Modifikationen mit einer Leistung von 51 kW zum Einsatz. Der Vorteil der Gasturbine liegt hier in einer hohen Leistungsabgabe bei kompakter Bauform und geringem Gewicht sowie einer kurzen Inbetriebnahmezeit, der Nachteil im hohen Treibstoffverbrauch. Die Gasturbine nutzt ebenso wie der Fahrmotor Dieselkraftstoff. Sie ist im Heck rechts neben dem Fahrmotor angeordnet und treibt über ein Getriebe, an das auch der Fahrmotor angeschaltet werden kann, den Generator G/SW-2-14 und den Umformer BP112 an. Bereitgestellt wird Dreiphasenwechselstrom mit einer Spannung von 220 V und einer Frequenz von 400 Hz sowie Gleichstrom für das Bordnetz mit einer Spannung von 27 V. Da der Treibstoffverbrauch der Turbine mit 90 l/h sehr hoch ist, erfolgt im Ausbildungsbetrieb die Stromversorgung entweder über ein festes Netz oder über das durch den KRAS-1RSch mitgeführte Elektroaggregat ÄSD-20. Der Fahrbereich hängt stark von der Nutzung der Gasturbinenanlage ab. Bei einer Betriebsreserve von 1,5 bis 2 Stunden für die Gasturbine liegt er bei ungefähr 450 km auf Straßen und 300 km im Gelände.