Die Australian Greens, im Allgemeinen als The Greens bekannt, ist die nationale Grüne Partei in Australien. Sie hat ihren Ursprung in einer Protestbewegung gegen einen geplanten Damm am Franklin River auf Tasmanien in den 1980ern. Aber ihre politischen Themen erstrecken sich heute über Umweltprobleme hinaus auch auf Friedensbewegung, Basisdemokratie („Grassroots Democracy“) und Soziale Gerechtigkeit.

Politische Ideologie Die Grünen bezeichnen sich heute als eine Partei der „Neuen Politik“. Lance Armstrong, ehemaliges Mitglied des Tasmanischen Abgeordnetenhauses für die tasmanische Grüne Partei, bezeichnete ihre Position als „... weder links noch rechts, sondern fortschrittlich“. Mitglieder anderer australischer Parteien bezeichnen die grüne Politik beständig als „radikal“. Der vorherrschenden Auffassung nach sind die Grünen im linken Parteienspektrum anzusiedeln.

In der Charta werden „4 Säulen“ als Grundlage ihrer Politik aufgeführt: soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Basisdemokratie („Grassroots Democracy“) sowie Frieden und Gewaltlosigkeit. Im Verfolgen dieser Grundprinzipien haben die Grünen auch weitere (oft kontrovers diskutierte) Positionen angenommen: (Legalisierung der) Sterbehilfe, Unternehmensbesteuerung sowie Entkriminalisierung bzw. Legalisierung von Drogen.

Die steigende Anzahl an Wählerstimmen für die Grünen hat ihnen zu vermehrter Aufmerksamkeit der anderen Parteien sowie der Medien verholfen. Trotz der eher linksorientierten Politik haben die Grünen in etlichen als konservativ angesehenen Wahlbezirken (zum Beispiel Kooyong/Victoria oder dem Heimatwahlkreis von Premierminister John Howard Bennelong/New South Wales) sowie in fortschrittlichen wie Sydney und Melbourne hohe Stimmenanteile verbuchen können.

Die Grünen unterscheiden sich von den anderen großen Parteien in einer Reihe von in der Öffentlichkeit oft diskutierten Positionen, zum Beispiel beim Umgang mit Asylbewerbern. Dadurch sind sie ihren Ruf als „Ein-Themen-Partei“ losgeworden.

Struktur Die Australian Greens sind, wie alle australischen Parteien, föderalistisch aufgebaut. Das heißt, es gibt in jedem Bundesstaat eigenständige grüne Parteien die dann in einer landesweiten grünen „Dachorganisation“, den Australian Greens, zusammengeschlossen sind. Diese ist dann auch für das gemeinsame Programm zuständig. Die oberste Entscheidungsebene ist der National Council (vgl. Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen). Er besteht aus Mitgliedern der untergeordneten (bundesstaatlichen) grünen Parteien und entscheidet zumeist im gemeinsamen Konsens. Formal gibt es keinen Vorsitzenden. Trotzdem gibt es den Australian Greens Coordinating Group (AGCOG), der sich aus den nationalen Amtsträgern, dem National Convenor (einer Art Geschäftsführer), dem Secretary (eine Art Generalsekretär), dem Schatzmeister (Treasurer) sowie Partei-Delegierten der Bundesstaaten bzw. Territorien zusammensetzt. Außerdem gibt es einen Parteisprecher (Public Officer), einen Party Agent und einen Registered Officer.

Die Grünen haben neun Senatoren im Senat, dem australischen Oberhaus:The Greens: Senator Nick McKim (Tasmanien) Senator Peter Whish-Wilson (Tasmanien) Senatorin Lee Rhiannon (New South Wales) Senatorin Larissa Waters (Queensland) Senatorin Sarah Hanson-Young (South Australia) Senator Richard Di Natale (Victoria) Senatorin Janet Rice (Victoria) Senator Scott Ludlam (Western Australia) Senatorin Rachel Siewert (Western Australia)

Diese Struktur hat ein vorheriges System ersetzt, wonach die für die jeweiligen Themengebiete zuständigen Sprecher vom National Council ernannt worden sind.

Der National Council hat eine Reihe von Arbeitsgruppen eingeführt, die auch direkt jedes Mitglied beteiligen. Sie haben beratende Funktion bei der Entwicklung der politischen Strategie, der Parteiorganisation oder bei anderen vom National Council angeordneten Aufgaben.

Alle Entscheidungen und Strategien müssen von den einzelnen Parteien der Bundesstaaten ratifiziert werden.

Auf einem Parteitag am 12. November 2005 in Hobart, gaben die Grünen ihre lang gehegte Tradition auf, keinen offiziellen Parteivorsitzenden zu ernennen, und entscheiden sich für einen Prozess, bei dem der Fraktionsvorsitzende im Senat (und somit höchstrangige Grüne) vom sog. Greens Party Room gewählt werden sollte. Am 28. November wurde dann Bob Brown – der lange sowohl von Parteimitgliedern als auch von Außenstehenden als De-facto-Parteivorsitzender gesehen wurde – ohne nennenswerten Widerstand gewählt.

Geschichte Ursprünge Wahlergebnisse 1996: 2,4 % 1998: 2,7 % 2001: 4,9 % 2004: 7,7 % 2007: 9,0 % 2010: 13,1 % 2013: 8,7 % 2016: 10,23 % Die grüne Bewegung entwickelte sich aus Umweltkampagnen in Tasmanien heraus. Der Vorgänger der Tasmanian Greens (dem ältesten Grünen-Verband in Australien und der Welt), die United Tasmania Group, wurde 1972 während des Kampfes gegen den Bau von Staudämmen zur Aufstauung des Lake Pedder gegründet. Die Gruppe konnte aber den Bau nicht verhindern und schaffte es auch nicht politische Ämter zu besetzen. Einer der damaligen Kandidaten war Bob Brown, damals noch Arzt in Launceston (Tasmanien).

In den späten 1970ern und frühen 1980ern gelang es dem Umweltaktivisten Norm Sanders im Zuge einer Kampagne gegen den Bau eines Staudammes am Franklin River für die Australian Democrats ins Tasmanische Parlament einzuziehen. Brown, damals Direktor der tasmanischen Wilderness Society, stellte sich bei der Wahl als unabhängiger Kandidat auf, schaffte es jedoch nicht ins Parlament gewählt zu werden. 1982 trat Sanders von seinem Amt zurück und Brown nahm seinen Platz ein. mini|Die Hochburgen der Australian Greens liegen in den Großstädten. Beispielhaft hier der Stimmenanteil in den Städten Melbourne, Sydney, Brisbane und Perth bei der Wahl 2007 Während ihres Australien-Besuchs 1984 drängte die westdeutsche Grünen-Politikerin Petra Kelly die verschiedenen grünen Gruppierungen, eine gemeinsame nationale Identität zu entwickeln. Teilweise aufgrund dieses Aufrufes versammelten sich 50 grüne Aktivisten im Dezember desselben Jahres in Tasmanien um eine nationale Konferenz zu organisieren. Die Grünen erlangten ihren ersten Parlamentssitz, als Senatorin Josephine Vallentine (Western Australia), die für die Nuclear Disarmament Party (etwa: „atomare Abrüstungs-Partei“) gewählt wurde und später als unabhängig galt, den Grünen beitrat.

1992 versammelten sich Grüne aus dem ganzen Land in Sydney um die Australian Greens zu gründen. Einige, v. a. die Western Australian Green Party, behielten ihre eigenständige Identität aber noch eine Weile. Bob Brown trat 1993 von seinem tasmanischen Parlamentsposten zurück und wurde 1996 mit seiner Wahl als Senator für Tasmanien der erste gewählte Australian Greens-Kandidat.

Die erfolgreichste Grüne Partei in dieser Zeit war die Western Australian Green Party, zu der Zeit noch eigenständig. Auf deren Senatorin Josephine Vallentine folgte 1992 Christabel Chamarette, und 1993 wurde mit Dee Margetts eine weitere Senatorin aus West-Australien gewählt. Vallentine (1996) und Camarette (1998) verloren aber ihre Senatssitze wieder, und Bob Brown blieb der einzige grüne Senator.

Wahl 2001 Am 10. November 2001 stand die Wahl aller 150 Sitze im australischen Repräsentantenhaus sowie 40 der 76 Sitze im Senat an. Sie stand im Zeichen der Terroranschläge vom 11. September und der hitzigen Debatte um das norwegische Frachtschiff „MS Tampa“, das mehrere hundert indonesische Flüchtlinge vor den Christmas Islands (zu Australien gehörend) aus Seenot gerettet hatte. Australien weigerte sich hartnäckig die Flüchtlinge aufzunehmen und letztendlich erklärte sich Nauru gegen finanzielle Zugeständnisse von australischer Seite bereit sie aufzunehmen.

Senator Brown bezog klar Stellung gegen die stark restriktive Flüchtlings- und Asylpolitik von Premierminister Howard, was zu einer vermehrten Zustimmung für die Grünen u. a. von unzufriedenen Labor-Wählern führte. Das spielte eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung der Grünen als mehr als nur eine „Ein-Themen-Partei“.

Bei den Stimmen für das Repräsentantenhaus erhielten die Grünen 569.075 Stimmen (4,3 % bzw. +2,4 %), was aber nicht für einen Sitz reichte. Bei der Senatswahl erhielten sie 570.509 Stimmen (4,9 % bzw. +2,2 %), was ihnen einen zusätzlichen Senatsposten einbrachte.Ergebnisse der Wahl 2001

2002 gewannen die Australian Greens zum ersten Mal einen Sitz im Repräsentantenhaus, als Michael Organ eine Nachwahl in Cunningham, New South Wales gewann.

Wahl 2004 Bei den Wahlen 2004 erhielten die Grünen 841.734 Stimmen (7,2 % bzw. +2,2 %), was ihnen 4 Senatoren im Senat ermöglichte. Da die Regierung von John Howard aber jetzt auch im Senat die Mehrheit gewann sank der legislative Einfluss der Grünen. Im Repräsentantenhaus verlor Michael Organ seinen Sitz gegen einen Labor-Kandidaten.

Die christlich-orientierte Family First Party schaltete im Vorfeld der Wahlen im Rahmen einer massiven Medienkampagne einen TV-Spot, in dem die Australian Greens als „Extreme Greens“ bezeichnet wurden. Aufgrund des extrem komplizierten Wahlsystems, v. a. für die Senatswahl, wo es eine Art Ranking der Parteien untereinander gibt, verloren die Grünen einige Vorteile in der Berechnung der Stimmen und ihrer Wertigkeit an die Family First Party. Obwohl die Grünen also mehr als viermal so viele Stimmen erhielten, zog statt David Risstrom der Family First-Kandidat Steve Fielding in den Senat ein.Information auf theage.com.au In Tasmanien gelang es der Grünen Christine Milne nur äußerst knapp ihren Senatssitz gegen den Family First-Kandidaten zu verteidigen, obwohl sie deutlich mehr Stimmen erhielt. Nur das hohe Vorkommen von sog. „below-the-line“-Stimmen in Tasmanien verhinderte den durch das Ranking begünstigten Stimmenaustausch zwischen Labor Party und Family First.

Die Grünen konnten in fast allen Wahlbezirken des Repräsentantenhauses und für alle Senatspositionen Kandidaten aufstellen.

Kontroverse mit der Herald Sun Im August 2004 titelte die Melbourner Zeitung The Herald Sun in ihrer Titelstory „Greens back illegal drugs“ (etwa: „Grüne befürworten illegale Drogen“). Der Artikel erhielt eine beträchtliche mediale Beachtung und wurde von den Grünen kritisch gegenüber stehenden Gruppen weiter verbreitet. Als Antwort auf diesen Artikel reichte der Parteivorsitzende Bob Brown beim Australian Press Council (dem australischen Presserat) Beschwerde ein. Dieser kam zu dem Urteil, dass der Artikel eine Reihe falscher Behauptungen enthielt und wertete ihn als „unverantwortlichen Journalismus“.Australian Press Council: Ein Einspruch des Herald Sun wurde abgelehnt und die Zeitung wurde verpflichtet, die Entscheidung des Presserats zu veröffentlichen. Brown sagte: „Das war kein Unfall oder Fehler. Das Ziel war, die Grünen zu attackieren, nicht durch die Kommentar-Spalte, sondern durch die Nachrichten-Seite. Das Ergebnis dieser Erfindungen über die Politik der Grünen war der Verlust zehntausender Stimmen und, in meiner Kalkulation, von Parlamentssitzen.“Webseite der Victorian Greens

Zusammenarbeit mit anderen politischen Gruppen