Eibiswald (slowenisch Ivnik) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Deutschlandsberg in der Steiermark. Im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform ist sie seit 2015 mit den Gemeinden Aibl, Großradl, Pitschgau, St. Oswald ob Eibiswald und Soboth zusammengeschlossen.Steiermärkische Gemeindestrukturreform. Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG.§ 3 Abs. 2 Z 2 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. , S. 2.
Geografie Eibiswald liegt im weststeirischen Saggautal am Kreuzungspunkt der Südsteirischen Grenzstraße B 69 und der Radlpass Straße B 76. Das Gemeindegebiet nimmt den gesamten Süden des Bezirkes ein.
Gemeindegliederung mini|Pfarrkirche Eibiswald Die Gemeindefläche besteht aus 26 Katastralgemeinden (Fläche Stand ) bzw. gleichnamigen Ortschaften (Einwohner Stand ): Aibl (, Einwohner) Aichberg (, Ew.) Bachholz (, Ew.) Bischofegg (, Ew. mit den Ortsteilen Bischofegger Siedlung, Lateinberg, Udelsdorf) Eibiswald (, Ew.) Feisternitz (, Ew. mit Lichtenegg) Hadernigg (, Ew.) Haselbach (, Ew. mit Lateinberg) Hörmsdorf (, Ew. mit Haiden, Höllberg, Hörmsdorfer Kolonie, Rettenberg, Toniberg) Kleinradl (, Ew. mit Radlberg, Wutschenberg) Kornriegl (, Ew.) Krumbach (, Ew. mit Mauthnereck) Laaken (, Ew.) Mitterstraßen (, Ew.) Oberlatein (, Ew. mit Feisternitzberg) Pitschgau (, Ew. mit Höllberg, Neuhart, Pitschgauegg) Pongratzen (, Ew. mit Sterzberg) Rothwein (, Ew.) St. Bartlmä (, Ortschaft Sankt Bartlmä, Ew.) St. Lorenzen (, Sankt Lorenzen. Ew.) St. Oswald ob Eibiswald (, Sankt Oswald ob Eibiswald, Ew.) Soboth (, Ew. mit Glashütte, Krumbach, Laßnighube, Obersoboth, Scharfeck, Untersoboth) Stammeregg (, Ew. mit Schwarhofsiedlung) Staritsch (, Ew.) Sterglegg (, Ew. mit Lichtenegg) Wuggitz (, Ew. mit Großwuggitz, Lateindorf)
Nachbargemeinden Acht Nachbargemeinden umgeben Eibiswald, davon liegen: eine im Bezirk Leibnitz (LB) zwei im Kärntner Bezirk Wolfsberg (WO) drei in Slowenien (SLO)
Geschichte Namensgeschichte Der Name der Marktgemeinde Eibiswald stammt nicht von den im Wappen dargestellten Eiben, sondern vom Personennamen Iwein, den auch der Titelheld eines Romans Hartmanns von Aue aus der Zeit um 1200 trägt. Ein nicht näher bekannter Ritter dieses Namens hatte in der Gegend Waldbesitz.
Seit 1967 nennt sich der Markt auch „Kloepfermarkt“. Das ist keine amtliche Bezeichnung, sie wird aber als Beinamen für EibiswaldWebsite Südsteiermark (abgerufen am 25. April 2022). verwendet.
Der Namensbestandteil „Latein-“ in Ortsbezeichnungen wie Lateindorf, Oberlatein, Lateinberg hat nichts mit der lateinischen Sprache zu tun, sondern wird aus einem slowenischen Wort „ledina“ für Neuland, unbebautes Land, Brachfeld abgeleitet und auf das aus dem Urslawischen erschlossene „*lędo“ zurückgeführt.Fritz Freiherr Lochner von Hüttenbach: Lexikon steirischer Ortsnamen von A–Z. Die Deutung der Siedlungsbenennungen mit ausgewählten Berg-, Flur- und Gewässernamen. Band 1 A–L, Leykam, Graz 2015. In der Reihe: Grazer vergleichende Arbeiten. Band 29. ISBN 978-3-7011-0327-0, S. 437.
Bis zur Neuzeit Funde belegen erste Siedlungsspuren in Eibiswald aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. (Jungsteinzeit). Auch aus der folgenden Metallzeit sowie aus der Römerzeit sind Besiedelungsspuren erhalten. Ab dem späten 6. Jahrhundert wurde das Gebiet von Eibiswald in das slawische Fürstentum Karantanien integriert, worauf zahlreiche Flurnamen zurückgehen. Ende des 8. Jahrhunderts setzte die bairische Besiedelung ein, 860 erhielt das Erzbistum Salzburg hier große Schenkungen. Nach den Ungarneinfällen wurde das Land von untertänigen Bauern unter Führung des Erzbistums Salzburg, der Aribonen und der Eppensteiner gerodet.
Erste urkundliche Erwähnung fand das Gemeindegebiet 1170 in einer Urkunde für die Pfarre Leibnitz, in der die „ecclesia sancte Mariae sub confinio Raedelach“, die spätere Pfarrkirche von Eibiswald, erwähnt wurde. 1265 wird erstmals auch die Burg „Ybanswalde“ genannt, die Sitz eines Landgerichtes war. Der Markt selbst scheint in den Urkunden erst 1290 auf und hatte zur damaligen Zeit 70 Häuser. Die Burg Eibiswald, im Besitz der Wildonier, Tybeiner und Walseer, diente zeitweise als Sitz des Marktherrn und des Landgerichtes.
Nach 1500 mini|Eibiswald um 1820, Lith. J.F. Kaiser Nach 1500 war die Familie derer von Eibiswald (Adelsgeschlecht) im Besitz der Herrschaft von Eibiswald. Die reichen Besitzungen ermöglichten den Eibiswalder den Ausbau des Schlosses im Renaissancestil. Sie prägten die Region bis zum Erlöschen des Geschlechtes 1674. Der Markt erlebte hingegen eine wechselvolle Geschichte. Der wirtschaftliche Niedergang im 16. Jh. führt zu rückgängigen Bevölkerungszahlen, erst im 17. Jh. wuchs die Bevölkerung wieder an. Nachdem die von Eibiswald im Mannesstamm erloschen war, geriet die Burg in die Hände verschiedener Familien. Nach den Grafen von Schrottenbach (Schrattenbach) kaufte der Glasfabrikant Ignaz von Purgay den Besitz. 1828 bis 1883 war die Familie Hansa im Besitz des Schlosses. mini|Eibiswald um 1877/78: Wald, Bergbau und Eisenwerke prägen die Darstellung auf der Landkarte
Im Norden des Ortes lag der Edelsitz „Aichberg“. Diese Anlage hatte sich aus einem Bauernhof entwickelt und wurde im 18. Jh. wieder zu einem solchen. Der Bauernhof Aichberger erinnert mit seinem Namen daran, er wird als Meierhof des damaligen Edelhofes betrachtet. Die frühere Wehranlage existiert nicht mehr.Robert Baravalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Verlag Stiasny, Graz 1961, S. 58–59. Eine Belehnung mit dem Schramphnhof am Aichperg ist für 1427 dokumentiert, um 1460 wurde der Hof durch Kaiser Friedrich III. verliehen. 1572 war der Hof als Gschloß Aichperg bezeichnet. 1598 brannte die Anlage ab und wurde mit einer Unterstützung durch die Landesherrschaft (600 fl) wieder aufgebaut. in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts verfügte das Anwesen über eine Rüstkammer und eine Bibliothek aus 50 Bänden. Ab 1627 gehörte die Gült Aichberg zur Grundherrschaft Eibiswald. 1693 wird die Anlage als baufällig bezeichnet, für die Zeit um 1780 wird angenommen, dass der Hof wieder zu einem Bauernhof wurde.Herwig Ebner: Burgen und Schlösser in der Steiermark. Graz, Leibnitz, West-Steiermark. 2. Auflage. Birken-Verlag, Wien 1981, ISBN 3-85030-028-5, S. 10–11.
Im 17. und 18. Jahrhundert litt der Markt unter den vielen früheren Soldaten, die nach ihrer Entlassung aus dem Dienst als „arme Soldatenkinder“ durch die Lande zogen, wobei sie Diebstähle und Überfälle begingen. Aber auch einheimische Bauernburschen stifteten Unruhe. So im Juli 1780, als 50 Bauernburschen die Freilassung zweier kurz davor wegen Randale Verhafteter erzwangen. Die darauf folgende Unruhe führte dazu, dass die Verlegung von 30 Mann Militär in den Markt gefordert wurde, um Ruhe zu gewährleisten.Wie es von altershero gebräuchlig gewest … In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau, 4. März 2022. 95. Jahrgang Nr. 9, S. 16.
Nach 1900 Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Gemeinde durch die Abtrennung der Untersteiermark wichtige Verbindungen. Die Beziehungen der Bevölkerung beiderseits der Grenze zueinander waren im Allgemeinen gut, so wendete man sich bei Erkrankungen südlich der Grenze auch an den Arzt in Eibiswald. 1930/31 gab es allerdings Schwierigkeiten bei der Handhabung des Grenzübertrittsabkommens. Üblicherweise durften Personen mit einer Grenzübertrittskarte oder anderen Belegen ungehindert die Grenze überschreiten (z. B. zur Arbeit an jenseits liegenden Äckern, zum Schulbesuch auf Wegen, die auf der Grenze lagen, zum Kirchgang nach St. Lorenzen ob Eibiswald usw.). Diese relative Ruhe wurde in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni 1931 durch die Stationierung von Grenzschutztruppen serbischer (mazedonischer) Herkunft beendet, deren Mitglieder die Ausweise dem Vernehmen nach nicht einmal lesen konnten (in ihrer Heimat wurde die kyrillische Schrift verwendet). Es kam zu Verhaftungen, Perlustrierung eines Schulkindes, Schlägen, aber auch schon vorher war am 7. Juni 1930Herbert Blatnik: Dr. Hans Klöpfer [sic!] und die Politik. (Teil 1). In: Wochenzeitung „Weststeirische Rundschau“, , Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg, Nr. 15, 15. April 2022, 95. Jahrgang 2022, S. 14. der Höchwirt Johann Fritz knapp neben seinem Haus von einem Grenzgendarmen ohne Anruf erschossen worden. Die Einschränkungen, die später wieder gelockert wurden, wurden auf das Verhalten eines einzelnen Kommandanten, eines „Potporutschnik“ (Befehlshabers unterer Ebene) zurückgeführt. Ob es sich bei ihnen zumindest indirekt um anfängliche Auswirkungen der im Herbst 1929 gegründeten Königsdiktatur in Jugoslawien handelte, ist in der Quelle nicht behandelt.Vor 30 Jahren, am 27. Juni 1991, begann in Slowenien ein Krieg, der den Zerfall Jugoslawiens zuf Folge hatte. Vom Leben und den Schwierigkeiten an der Grenze … In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau, 25. Juni 2021. 94. Jahrgang Nr. 25, S. 16. Die Ermordung des Höchwirtes, der mit dem Arzt und Schriftsteller Hans Kloepfer gut bekannt war, wird als einer der Auslöser dafür geschildert, dass sich Hans Kloepfer in den folgenden Jahren dem Nationalsozialismus zuwandte.
In der Zwischenkriegszeit war die Marktgemeinde einer der „Kristallisationskerne“Gerald M. Wolf: „Jetzt sind wir die Herren …“ Die NSDAP im Bezirk Deutschlandsberg und der Juli-Putsch 1934 (= Grazer zeitgeschichtliche Studien, Band 3 ) StudienVerlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2008, ISBN 978-3-7065-4006-3, S. 142. der – bedingt durch die Weltwirtschaftskrise und den bereits in den 1920er Jahren erfolgten Zusammenbruch der vor Ort tätigen Industrie- und Gewerbebetriebe – in Österreich aufstrebenden NSDAP. Die steiermärkischen Gemeinderatswahlen von 1932 brachten erstmals auch einen NS-Mandatar in den Eibiswalder Gemeinderat.
Während des nationalsozialistischen Juliputsches im Jahr 1934 waren der Markt und seine Umgebung vollständig in nationalsozialistischer Hand und heftig umkämpft. Als der Putsch nach und nach zusammenbrach, wurde Eibiswald zum Rückzugsort für Putschteilnehmer aus dem gesamten Bezirk, so dass sich zuletzt bis zu 800 von ihnen im Markt und seiner unmittelbaren Umgebung aufhielten. Insgesamt waren im Gebiet des Gendarmeriepostenrayons Eibiswald 95 Personen wegen Beteiligung am Juliputsch verhaftet worden, eine unbekannte Anzahl weiterer Putschteilnehmer war flüchtig.Die bislang ausführlichste Abhandlung über die Kämpfe während des Juliputsches in Eibiswald und allen anderen Orten des Bezirks findet sich in Wolf: Jetzt sind wir die Herren. S. 152–178. Zum Geschehen in der Marktgemeinde Eibiswald vgl. ebda., S. 172–176.
Während des Zweiten Weltkrieges war Eibiswald Schauplatz von Partisanenkämpfen.
Aufsehen erregte im Mai 1947 ein Doppelraubmord in Wuggitzberg im Osten der Gemeinde Eibiswald: Eine Bauerntochter und ihr Bräutigam wurden nach einem grausamen Kampf von einem 21-jährigen Russen mit Messerstichen getötet, der Täter wollte das im Haus befindliche Schweinefett rauben.Krimis von einst mit Lokalkolorit. Weststeirische Kriminalfälle, die einst für viel Aufsehen sorgten. In: Weststeirische Rundschau. Nr. 4, Jahrgang 2023 (27. Jänner 2023), 96. Jahrgang, S. 18.
Am 2. März 1951 landete ein Kleinflugzeug in St. Lorenzen, wenige 100 m nördlich der Staatsgrenze zum damaligen Jugoslawien. Zwei ungarische Flugzeugmechaniker hatten damit die Flucht aus Budapest gewagt. Bei der Notlandung des umgebauten Doppeldeckers (es wird eine umgebaute Heinkel He 72 angenommen) blieben sie unverletzt.Tolles Husarenstück zweier ungarischer Flüchtlinge. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau, 9. August 2024. 97. Jahrgang Nr. 32, S. 6.