miniatur|F. Scott Fitzgerald, Fotografie von Carl van Vechten, 1937 mini|Deutsche Erstausgabe, Knaur, Berlin 1928 Der große Gatsby (Originaltitel: The Great Gatsby) ist ein 1925 erstmals veröffentlichter Roman des US-amerikanischen Autors F. Scott Fitzgerald. Er schildert die Erlebnisse einer Reihe unterschiedlicher Figuren, die den Sommer 1922 in der fiktiven Stadt West Egg auf der Insel Long Island nordöstlich von New York City verbringen. Hauptfigur ist der junge und mysteriöse Millionär Jay Gatsby, der seit Jahren die schöne Daisy Buchanan liebt, die während seines Militärdiensts einen anderen Mann geheiratet hat.

Der große Gatsby gilt als das Meisterwerk Fitzgeralds, in dem er sich mit Themen wie Dekadenz, Ausschweifungen, Idealismus, Widerstand gegen Veränderungen und sozialen Umbrüchen auseinandersetzt. Er schuf dabei ein treffendes Porträt der sogenannten „Roaring Twenties“, der von wirtschaftlichem Wachstum, Prohibition, Kriminalität, Jazz und Flappern geprägten 1920er Jahre in den Vereinigten Staaten.

Fitzgerald begann 1923 an diesem Roman zu arbeiten. Als Inspiration dienten ihm dabei die Partys auf Long Island, auf denen er gelegentlich zu Gast war. Er kam mit der Arbeit an dem Roman jedoch nur langsam voran. Den ersten Entwurf beendete Fitzgerald, nachdem er mit seiner Frau Zelda 1924 an die Riviera gezogen war. Maxwell Perkins, sein Lektor beim Verlag Scribner’s, empfand diesen ersten Entwurf jedoch als zu vage und überredete Fitzgerald zu einer Überarbeitung des Manuskripts. Im April 1925 wurde der Roman veröffentlicht. Die Kritiken waren verhalten und in den ersten Monaten nach der Veröffentlichung wurden nur 20.000 Exemplare verkauft. Als Fitzgerald 1940 starb, war er davon überzeugt, dass sein gesamtes Werk vergessen werde.

Seine Romane und unter ihnen vor allem Der große Gatsby wurden von einem breiteren Publikum in den 1940er Jahren wiederentdeckt. Der Große Gatsby wird heute zu den bedeutendsten Werken der amerikanischen Moderne gezählt. T. S. Eliot bezeichnete ihn als den ersten Entwicklungsschritt, den der Amerikanische Roman seit Henry James gemacht habe.Peter Conn: Literatur in America – An Illustrated History. Cambridge University Press, London 1989, ISBN 0-521-30373-7, S. 389. Im Original lautet das Zitat: :… the first step the American Novel has taken since Henry James: Das Magazin Time zählt diesen Roman Fitzgeralds zu den besten 100 englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden, und die Modern Library listete ihn 1998 auf Rang 2 der 100 besten englischsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts.modernlibrary.com Damit war Fitzgerald der höchstplatzierte US-Amerikaner in der Liste.

Handlung mini|Das mittlerweile abgerissene Herrenhaus Beacon Towers an der Nordküste von Long Island gilt als das Anwesen, das F. Scott Fitzgerald zu der Beschreibung von Gatsbys Anwesen inspirierte.Monica Randall: The Mansions of Long Island’s Gold Coast. Rizzoli, 2003, ISBN 0-8478-2649-X, S. 275–277. Der Ich-Erzähler der Geschichte ist Nick Carraway, ein junger Mann, der sich 1922 in New York als Wertpapierhändler versucht und ein altes und bescheidenes Haus in West Egg auf Long Island an der Ostküste der USA bezieht. In dem palastartigen Nachbarhaus lebt Jay Gatsby, die Schlüsselfigur des Romans. Gatsby ist ein junger Millionär und undurchsichtiger Geschäftsmann, dessen geheimnisumwitterte Herkunft, unklare Ausbildung und unermesslich scheinendes Vermögen Stoff für viele Gerüchte bilden. Obwohl er in seinem Haus rauschende Tanzpartys für die New Yorker Gesellschaft veranstaltet, ist er einsam, wie sich im Laufe der Handlung herausstellt. Im Grunde seines Herzens möchte er die Vergangenheit zurückholen und wieder mit der Liebe seines Lebens, Daisy, zusammen sein. Aber in der Zeit, in der Gatsby in Frankreich als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft hat, heiratete Daisy den raubeinigen Ex-Football- und jetzigen Polospieler Tom Buchanan, einen reaktionären Millionär aus reicher Familie des mittleren Westens, mit dem sie inzwischen eine dreijährige Tochter hat. Die Buchanans leben auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht in East Egg. Tom betrügt seine Frau seit längerem mit Myrtle Wilson, der Frau eines einfachen Tankstellenbesitzers.

Nick Carraway ist ein Cousin zweiten Grades von Daisy und besucht das Ehepaar auf seinem Anwesen zu Beginn der während eines Sommers spielenden Erzählung. Dort lernt er die junge, attraktive Jordan Baker kennen, die ebenfalls eine Bekannte Daisys ist. Jordan ist eine selbstbewusste, für sich selbst sorgende Frau, durchaus sympathisch, aber mit berechnenden Charakterzügen. Nick und Jordan kommen sich im Laufe der Geschichte näher, gehen letztlich jedoch keine Beziehung ein.

Mit Jordans und schließlich Nicks Hilfe trifft Gatsby mit seiner Jugendliebe Daisy zusammen. Daisy ist im Folgenden zwischen ihrem Ehemann Tom Buchanan und Gatsby hin- und hergerissen. Bei einem gemeinsamen Treffen der Protagonisten, das schließlich in einem Ausflug in den Autos von Tom und Gatsby nach New York mündet, erkennt Tom, dass er Daisy an Gatsby zu verlieren droht. Daraufhin entwickelt sich ein verbaler Schlagabtausch zwischen den beiden Männern, bei dem beide die Liebe Daisys für sich beanspruchen. Am Ende des Streits schickt Tom Gatsby und Daisy im Zorn nach Hause.

Auf ihrer Rückfahrt läuft ihnen Myrtle Wilson, Toms Geliebte, ins Auto und wird dabei tödlich verletzt. Daisy, die am Steuer des Unfallwagens sitzt, fährt in Panik weiter. Gatsby wird Stunden später Nick erklären, dass er die Verantwortung für den Unfall aus Liebe zu Daisy übernehmen will. Derweil gibt Tom Myrtles verzweifeltem Ehemann, George Wilson, den Hinweis, dass Gatsby der Besitzer des Unfallwagens ist. Daraus schließt Wilson, Gatsby habe den Unfall verursacht, und erschießt am nächsten Morgen erst Gatsby und dann sich selbst.

Zu Gatsbys Beerdigung erscheint niemand außer dem Erzähler Nick und Gatsbys Vater, Henry C. Gatz (Gatsbys echter Name war James Gatz), schließlich noch ein geheimnisvoller Unbekannter, dem Nick und Jordan vor Monaten bei einer von Gatsbys ausschweifenden Partys zufällig in der Bibliothek begegnet sind, wo er im trunkenen Zustand die „Echtheit“ der Bücher in Gatsbys Bibliothek bewundert hat.

Figuren

Nick Carraway Nick Carraway ist der Ich-Erzähler des Romans. Er ist 1892 geboren und stammt aus Minnesota, einem Bundesstaat im Mittleren Westen der USA. Carraway besucht die renommierte Yale University und macht dort 1915 seinen Abschluss, kämpft im Ersten Weltkrieg und zieht nach seiner Rückkehr – nach einem Aufenthalt bei seiner Familie – an die Ostküste nach New York, um dort mit Aktien- und Wertpapierhandel sein Berufsleben zu beginnen. Er ist nach eigenen Angaben ehrlich und fällt ungern Urteile über andere. Er ist in dieser Hinsicht derart zurückhaltend, dass im Laufe der Jahre, besonders aber in der Studienzeit, die Menschen in seiner Nähe ihm ihre Sorgen und Geheimnisse anvertraut haben. Diese Umsichtigkeit und Passivität machen ihn zu einem guten Zuhörer. Dafür, dass er fleißig und gewissenhaft ist, spricht die Sorgfalt, mit der er in sein neues Tätigkeitsfeld einsteigt. Er besorgt sich Fachbücher und studiert sie gründlich. Es ist kaum vorstellbar, dass sich Gatsby je mit solcher Theorie beschäftigt hat.

Im Berufsleben allerdings zeigt sich Nick wenig ehrgeizig, und neben der Zeit, die er mit dem gewissenhaften Erlernen der Materie verbringt, verbringt er genauso viel Zeit damit, dem Treiben der Stadt zuzusehen, nicht ohne romantische Vorstellungen und nicht ohne ein wenig Selbstmitleid. Nick Carraway ist in vieler Hinsicht bemüht, sich als ehrlicher, vertrauenswürdiger Erzähler auszuweisen. Er teilt gleich zu Anfang seines Berichts mit, dass er im Laufe seines Lebens aufgrund seiner Ehrlichkeit schon einiges erfahren hat, ohne ein Urteil zu fällen. Es wäre durchaus berechtigt, ihm hier ein gutes Maß an Snobismus zu bescheinigen. Positiv gewendet bedeutet dieses Bewusstsein für die grundsätzliche Wandelbarkeit des menschlichen Handelns, dass Nick jedem Menschen neu begegnet und des Staunens noch fähig ist. Es ist auffällig, dass sich seine Neugierde sehr in Grenzen hält. Über seinen Nachbarn weiß er nichts und er unternimmt im Laufe des Romans auch nichts, um diesen Zustand zu ändern. Gatsbys Hintergrund interessiert ihn schlichtweg nicht. Er überlässt alles der Zeit, mit dem Ergebnis, dass er Gatsby besser kennenlernt als jeder andere, der versucht, Nachforschungen über ihn anzustellen.

Nicks Herkunft ist doppeldeutig. Einerseits rühmt sich seine Familie einer adeligen Abstammung; andererseits sei es Nicks Angaben zufolge in Wirklichkeit der Bruder seines Großvaters, der ein tüchtiger und angesehener Geschäftsmann war. Integrität und bürgerliche Existenz stehen den unbegrenzten Möglichkeiten des adeligen Menschenbilds gegenüber. Die Einzelheiten von Nicks Liebesbeziehung zu einem Mädchen zu Hause im Westen verrät er nicht (wir wissen über sie nur, dass die Liebe zu Jordan Baker – eine Zuneigung, der jede Leidenschaft fehlt – eine Fortsetzung dieser Situation darstellt, da beide Frauen als sportlich dargestellt werden). Der Unterschied besteht darin, dass die Beziehung zu Jordan zum korrumpierten Osten gehört und dass Jordan eine bekannte Persönlichkeit ist.

Jay Gatsby Jay Gatsby ist ein junger reicher Mann, der in einer luxuriösen Villa in West Egg wohnt. Er ist für seine wöchentlichen Partys bekannt. Allerdings weiß niemand, woher er kommt oder welchem Geschäftsfeld er sein Vermögen verdankt. Nick erfährt, dass Gatsby als James Gatz geboren wurde und aus North Dakota stammt, wo seine Eltern eine Farm besessen haben. Als junger Mann arbeitet er für den reichen Unternehmer Dan Cody, den er zufällig kennengelernt hat. Gatsby verabscheut Armut und sehnt sich nach Reichtum und Luxus. Als junger Offizier lernt er Daisy kennen, und sein Streben nach Reichtum bekommt einen neuen Impuls, denn er kann sie nur heiraten, wenn er reich und erfolgreich ist. Sie verspricht, auf ihn zu warten, heiratet aber Tom Buchanan, während sich Gatsby nach dem Krieg in Oxford aufhält. Nun setzt er alles daran, Daisy zurückzuerobern. Er ist zu allem bereit, um dieses Ziel zu verwirklichen. Sein Geld, sein Haus, seine wöchentlichen Partys sind alle Mittel zu diesem Zweck.

Gatsby orientiert sich an europäischen Werten. Nach dem gescheiterten Versuch, in den USA Bildung zu erlangen (er hat es im kleinen College in St. Olaf, Minnesota, lediglich zwei Wochen ausgehalten), möchte er nach dem Krieg in Oxford studieren (ob er es tatsächlich getan hat, bleibt jedoch fraglich). Er importiert die neuesten Hemden und Autos aus England; sein Haus ist einem französischen Hôtel de Ville nachempfunden, und er gebärdet sich wie ein Adliger. Auch sein „old sport“ ist eine Nachahmung der Redeweise der englischen Oberklasse. Gatsby gilt unter seinen Partygästen, von denen ihn wohl die meisten nie kennengelernt haben, als großzügig und aufmerksam. Eine Frau berichtet, sie habe bei der letzten Party ihr Kleid zerrissen und Gatsby habe ihr binnen einer Woche ein neues Kleid zukommen lassen. Nick behauptet, dass man Gatsby, wenn er lächelt, einfach mag, und er muss bei der ersten Party feststellen, dass Gatsbys Eigenschaften, ja, seine Identität, vom jeweiligen Gesprächspartner abhängen.

Einzelheiten über Gatsbys Kindheit erfährt der Leser erst im 6. Kapitel und die endgültige (freilich nur indirekte) Bestätigung, dass er sein Vermögen unlauteren Geschäften verdankt, wird erst im 7. Kapitel geliefert. Gatsbys Ruf eilt ihm stets voraus. Er ist umgeben von Reichen und Schönen, lässt sich aber selbst nur gelegentlich blicken.