miniatur|Logo des Staatstheater Augsburg Das Staatstheater Augsburg ist ein Theater in der Stadt Augsburg, das am 1. September 2018 aus dem Vierspartenhaus Theater Augsburg hervorgegangen ist. Mittlerweile wurde das Staatstheater zu einem Fünfspartenhaus (Schauspiel, Musiktheater, Ballett, Konzert, Digitaltheater) erweitert. Es wird von der „Stiftung Staatstheater Augsburg“ betrieben, einer selbstlos tätigen Stiftung des öffentlichen Rechts, die von der Stadt Augsburg und dem Freistaat Bayern gleich hohe Zuschüsse erhält.Art. 2 Abs. 1 und Art. 3 Abs. 2 des Gesetzes über die Stiftung Staatstheater Augsburg vom 31. Juli 2018 (GVBl. S. 667; PDF, 1,8 MB)

Das Staatstheater Augsburg veranstaltet pro Jahr über 900 Vorstellungen von über 30 verschiedenen Inszenierungen. Es beschäftigt ca. 450 Menschen.

Geschichte mini|Das Große Haus am Kennedyplatz.|alternativtext= mini|Plakat der Eröffnungsveranstaltung am 26. November 1877

1630 kauften die Augsburger Meistersinger den Welserstadel und bauten ihn als Theaterstätte aus. Die Meistersinger waren überwiegend Handwerker, die sich in Meistersinger-Gesellschaften organisierten und „nit von wegen Gelt's, sondern zur Besserung des Volks“ öffentlich auftraten.

1665 begann mit der Errichtung des Meistersinger-Stadels durch das städtische Almosenamt am Lauterlech, in der Jakobervorstadt bei der Kirche St. Jakob, Augsburgs eigentliches Theaterleben. Vom Gebäude ist wenig überliefert, es soll 15 „Stüblin“ (Logen) enthalten haben, war aber bereits von Anfang an so baufällig, dass immer wieder teure Sanierungen vorgenommen werden mussten, um Künstler und Zuschauer nicht zu gefährden. Um diese Zeit löste sich auch die Gesellschaft der Meistersinger auf.

1696 oder 1697 wurde die erste Oper in Augsburg unter Leitung von Johann Sigismund Kusser aufgeführt.Richard Hauber, Max Herre (Hrsg.): Das Stadttheater Augsburg. Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen im Auftrage der Stad. Herausgegeben von Dr. Max Herre, Augsburg, 1927, Selbstverlag der Stadt Augsburg, 188 S., mit Anhang, S. 39–72 f.

1739 errichtete die Stadt für das Jesuitenkolleg St. Salvator ein eigenes Schauspielhaus bei der damaligen Salvatorkirche in der Jesuitengasse. Nachdem Ende 1805 Augsburg bayerisch geworden war, wurde daraus eine Militärreitschule. 1876 zog das städtische Leihamt dort ein; im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude teilweise zerstört.

Im Jahre 1776 entstand das Stadttheater, im Volksmund Komödienstadel, mit Auftrittsmöglichkeiten für renommierte Gast-Ensembles. Das Gebäude war ein schlichtes Haus mit vier Eingangstüren und hatte Platz für 900 Besucher. Über dem Parkett befanden sich zwei Ränge sowie eine Galerie, geschmückt mit einem Deckengemälde und einem gemalten Vorhang.

Wolfgang Amadeus Mozart besuchte das Theater im Oktober 1777. Seine Oper Don Giovanni wurde hier bereits 1787 (im Uraufführungsjahr) gespielt, die Zauberflöte am 21. Januar 1793, bei übrigens erhöhten Preisen. Am 1. Januar 1876 beschloss der Magistrat den Neubau eines repräsentativen Gebäudes.

Dieses wurde anfangs an den jeweiligen Direktor verpachtet, der das Theater auf eigenes Risiko bespielte. Der erste Theaterleiter war Moritz Krüger (1833–1886). Eröffnet wurde das Große Haus mit der Oper Fidelio am Montag, 26. November 1877. Den Prolog dabei sprach Ernst Possart, damals Oberregisseur an der Hofbühne zu München.

Am 14. April 1886 wurde Henrik Ibsens Stück Gespenster als „Generalprobe“ aufgeführt, da die Zensur eine öffentliche Aufführung verboten hatte. Ibsen war persönlich anwesend. Josef Krägel war dabei der erste „Tischler Engstrand“ und Wilhelm Hellmuth-Bräm spielte „Pastor Manders“.Gespenster in The Ibsen Stage Performance Database der Universität Oslo

1919 wurde das Theater kommunalisiert. 1938/39, während der von Adolf Hitler angestoßenen und beeinflussten Renovierung, diente der Ludwigsbau als Ausweichspielstätte für das Theater Augsburg und erneut von 1944 (Zerstörung durch die Luftangriffe auf Augsburg) bis zur Wiedereröffnung 1956. 1999 wurden die „Städtischen Bühnen“ Augsburg in den städtischen Eigenbetrieb „Theater Augsburg“ überführt.

Zum 1. September 2018 wurde das kommunale „Theater Augsburg“ in die von der Stadt Augsburg und dem Freistaat Bayern getragene „Stiftung Staatstheater Augsburg“ umgewandelt."Staatstheater Augsburg: Deutliches Zeichen zur weiteren Regionalisierung der Bayerischen Kulturpolitik" - Kunstministerin Prof. Dr. Marion Kiechle heute bei der Pressekonferenz zur Zukunft des Staatstheaters Augsburg, Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Pressemitteilung Nr. 032 vom 18. Mai 2018, abgerufen am 17. August 2026 Im Jahr 2020 entstand die neue, fünfte Sparte des Hauses mit dem Digitaltheater, zu dem unter anderem der deutschlandweit einmalige VR-Lieferservice für 360 Grad-Inszenierungen gehört.

Spielorte hochkant|mini|Ehemalige Komödie im Gignoux-Haus|alternativtext= Neben dem Großen Haus bespielte das Theater Augsburg die Spielstätten brechtbühne, Freilichtbühne und den hoffmannkeller. Letzterer galt als Experimentalbühne des Theaters und bot 99 Sitzplätze. Das Große Haus im Stadttheater Augsburg bietet 945 Gästen Platz, die Freilichtbühne, die in der Sommerzeit Opern, Operetten und Musicals präsentiert, hält 2245 Plätze vor. Für ihre Sinfoniekonzerte sind die Augsburger Philharmoniker zu Gast in der Augsburger Kongresshalle. Außerdem finden im Foyer des Theaters regelmäßig Lesungen, Matineen, Liederabende u. ä. statt. Seit der Schließung der Komödie im Sommer 2010 fanden Aufführungen in den ehemaligen Industriehallen der Christian Dierig AG, im Textil- und Industriemuseum (TIM), sowie in der Stadthalle Gersthofen statt. Als Ersatzspielstätte für die Komödie gab es seit Mai 2012 die brechtbühne mit 243 Sitzplätzen auf dem ehemaligen Parkplatz des Theaters Augsburg.

Mit der Schließung des Großen Hauses im Juni 2016 wurde die neue Spielstätte im martini-Park als Ausweichquartier eingerichtet. Seit der Spielzeit 2018/19 dient die brechtbühne im Gaswerk in Augsburg-Oberhausen als weitere Interimsspielstätte. Im November 2021 kam das Alte Rock Café in Kriegshaber als weitere kleine Spielstätte und Begegnungsort dazu.

Das denkmalgeschützte Große Haus wird seit 2017 generalsaniert, zusätzlich werden das Kleine Haus und das Werkstattgebäude neu gebaut. Siehe Großes Haus, Generalsanierung.

Ensembles miniatur|Die Freilichtbühne am Roten Tor. Das Staatstheater Augsburg verfügt über ein Musiktheater-, Schauspiel- und Ballett-Ensemble sowie den Opernchor des Staatstheater Augsburg und die Augsburger Philharmoniker.

Leitung Am 17. November 2015 meldete die Süddeutsche Zeitung, dass André Bücker zur Spielzeit 2017/18 als Nachfolger für die scheidende Intendantin Juliane Votteler als Intendant berufen wird.André Bücker wird neuer Intendant In: Süddeutsche Zeitung, Artikel vom 17. November 2015, abgerufen am 18. November 2015 Zum 1. September 2017 übernahm Intendant André Bücker die Leitung des Theaters. Neuer Operndirektor ist Daniel Herzog, Ricardo Fernando wurde neuer Ballettdirektor. Domonkos Héja bleibt als Generalmusikdirektor am Theater Augsburg. Im Schauspiel übernahm ein Team die Künstlerische Leitung: Lutz Keßler als Leitender Dramaturg, Sabeth Braun (Dramaturgin), Nicole Schneiderbauer (Hausregisseurin) und David Ortmann (Hausregisseur). Im November 2021 verlängerte die Stiftung Staatstheater Augsburg seinen Vertrag als Staatsintendant um weitere sieben Jahre bis 2028.Kunstminister Sibler: „André Bücker bleibt bis 2028 Staatsintendant in Augsburg“ Pressemitteilung vom 30. November 2021

Unter dem Motto der ersten Spielzeit »Sinnsucht« schlug das Ensemble des Staatstheater Augsburg neue Wege ein. Das Motto wechselt seither mit jeder neuen Spielzeit. Der neue Intendant André Bücker versteht das Theater als Ort des Diskurses, in dem aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen thematisiert werden: »Theater ist für mich ein politischer Ort, der soziale Gegenwart reflektiert.« Er legt den Fokus auf die aufklärerische Kraft des Theaters und stärkt die Potentiale für Bildung und Vermittlung durch eine zusätzliche Stelle in der Theaterpädagogik (Imme Heiligendorff).  

Durch Kooperationen und Partnerschaften mit anderen Kulturinstitutionen und der freien Szene stärkt das Staatstheater Augsburg den Austausch zwischen Theater und Stadtgesellschaft. Darüber hinaus erfordert die Sanierung des Großen Hauses Bewegung. Aus diesem Grund stand die Spielzeit 2017/18 für Aufbruch, Umbruch und Öffnung des Theaters. Davon zeugen auch zahlreiche Projekte wie der »Tatort Augsburg« (Idee und Regie: David Ortmann) und die Plattform für interdisziplinäre und interkulturelle Theaterarbeit »Plan A«.

Leitung, Direktion und Intendanz 1762–1763: Matthias Wittmann 1763–1769: unbekannt 1769–1770: Theresina von Kurtz 1770–1776: unbekannt 1776: Peter Rosa 1776–1777: André Schopf und Therese Schimann 1777–1778: Franz Moser 1778–1779: Emanuel Schikaneder 1779: Wolfgang Rößl 1779–1780: Johann Böhm 1780: J.G. Seipp und Fr. Bulla 1781: Felix Berner 1781: Friedrich Koberwein 1782: Felix Berner 1782: Karl August Dobler 1783: Korndorfer 1784: André Schopf und Therese Schimann 1785: Roman Waizhofer 1786: Emanuel Schikaneder 1786–1787: Emanuel Schikaneder 1787: Friedrich Koberwein 1788: André Schopf (Konzession erteilt, ob gespielt wurde oder nicht ist unbekannt) 1789: Karl von Morocz 1790–1793: Joseph Voltolini 1793–1794: Wenzeslaus Mihule 1794–1795: Friederika Voltolini 1795–1796: Joseph Fugger von Kirchheim 1797–1798: Kindler 1799: Karl von Steinsberg 1800–1801: Oberlieutenant von Haselmeier 1801–1802: Büchner 1803–1806: Maria Vanini 1806–1807: Lina von Schleppegrell 1807–1813: Friedrich Müller 1813–1815: Karoline Müller 1816–1817: Karl Hain 1817–1829: Joseph Schemenauer 1830–1834: Johann Weinmüller 1834–1837: August Rothhammer 1837–1841: Johann Weinmüller 1841–1843: Karl Beurer 1843–1844: Johann Weinmüller 1844–1845: Franz Tagler und Nikolaus Roberti 1845–1851: Wilhelm Lippert 1851–1852: Karl Beurer 1852–1853: Ernst Walther 1853–1858: Friedrich Engelken 1858–1864: Anton Bömly 1868–1875: Louis Ubrich 1877–1881: Moritz Krüger 1881–1882: August Grosse 1882–1883: Louis Ucko 1883–1886: August Grosse 1886–1887: Franz Deutschinger 1887–1896: Louis Ubrich 1896–1903: Karl Schröder 1903–1928: Carl Häusler 1929–1931: Karl Lustig 1931–1936: Erich Pabst 1936–1938: Leon Geer 1938–1945: Willy Becker 1945–1947: Guido Nora 1947–1949: Berthold Sakmann 1949–1953: Willy Becker 1953–1958: Hans Meissner 1958–1968: Karl Bauer 1968–1973: Peter Ebert 1973–1981: Rudolf Stromberg 1981–1992: Helge Thoma 1992–1997: Peter Baumgardt 1997–1999: Helge Thoma 1999–2007: Ulrich Peters 2007–2017: Juliane Votteler seit 1. September 2017: André Bücker

Musikdirektoren Fritz Josef Schnell 1940–1969: Anton Mooser 1958–1963: István Kertész 1963–1972: Hans Zanotelli 1972–1981: Gabor Ötvös 1981–1989: Bruno Weil 1989–1994: Michael Luig 1994–2002: Peter Leonard 2002–2009: Rudolf Piehlmayer 2009–2014: Dirk Kaftan 2014–2015: Lancelot Fuhry (kommissarisch) seit 2015: Domonkos Héja

Sonstiges Spielzeitmotto 2014/15: Langsam, Wozzeck, langsam; ein nach dem anderen! 2015/16: Das ist das neue Leben, ... 2016/17: Die Kunst ist lang 2017/18: Sinnsucht 2018/19: Geistzeit 2019/20: Machtfrei 2020/21: Eigensein 2021/22: Endlich 2022/23: Aufbruch 2023/24: Zwischen-Menschen 2024/25: aberwitzig 2025/26: allerhand 2026/27: ungeheuer

Krimi Der Augsburg-Krimi Der Intendant stirbt dramatisch von Peter Garski spielt im Augsburger Theater. Bei der Premiere des Musicals Frankensteins Monster fallen der Intendant und ein dubioser Bauunternehmer vom Balkon in die Zuschauer. Ein Giftpfeil hatte den Falschen getroffen. Im Augsburger Theater wurde er im Jahre 2002 mit der Rockband Waxx präsentiert.

Literatur F. A. Witz: , Augsburg, 1876, Selbstverlag, 315 S.