Das Sindbis-Virus (SINV) ist eine Virusspezies aus der Gattung Alphavirus. Es ist der Erreger einer meist harmlosen fiebrigen Erkrankung mit Entzündungen der Gelenke, die zum Teil mit Hautausschlägen und selten mit einer Enzephalitis einhergeht. Das Virus wird durch Stechmücken übertragen und gilt in Mitteleuropa als importierte Reiseinfektion. Aufgrund seines Übertragungsweges wird es der epidemiologischen Gruppe der Arboviren zugerechnet. Einige Subtypen des Sindbis-Virus wurden als Erreger des Karelischen Fiebers und des Ockelbo-Fiebers identifiziert.

Entdeckung Das Sindbis-Virus wurde 1952 entdeckt, nachdem man mehrere Stechmückenarten (Culex pipiens und C. univittatus) aus einem Teich in der Nähe des Dorfes Sindbis (bzw. Sindibis, ) etwa 30 km nördlich von Kairo (Ägypten) auf mögliche Erreger einer ausgebrochenen fiebrigen Erkrankung untersuchte.

Systematik Das Sindbis-Virus bildet innerhalb der Gattung Alphavirus eine besondere Gruppe von Viren (WEEV-Gruppe, ) zu der auch das Fort-Morgan-Virus (Buggy-Creek-Virus, Spezies Alphavirus fortmorgan), Highlands-J-Virus (Spezies Alphavirus highlandsj), Westliche Equine Encephalomyelitis-Virus (WEEV, Spezies Alphavirus western) und das Whataroa-Virus (Spezies Alphavirus whataroa) gehören. Das Sindbis-Virus wird in sechs Subtypen mit (historisch bedingten) eigenen Namen unterteilt:

Spezies: Alphavirus sindbis Sindbis-Virus Subtyp: Babanki-Virus (englisch Babanki virus; die Abkürzung BABV steht auch für Babahoya-Virus, Subtyp der Spezies Patois orthobunyavirus, Gattung Orthobunyavirus)ICTV Report 1993 (PDF; 59 MB) ICTV. Auf S. 307 wird die Spezies als ‚Patios virus Group‘ referenziert. Subtyp: Kyzylagach-Virus (englisch Kyzylagach virus, KYZV, Aserbaidschan) Subtyp: Sindbis-like Virus Subtyp: Sindbis-like Virus YN87448 Subtyp: Karelisches-Fieber-Virus (Karelien) Subtyp: Ockelbo-Virus (englisch Ockelbo virus, OCKV, Schweden)

Epidemiologie mini|Stechmücke der Gattung Culex bei der Blutmahlzeit

Alle Alphaviren werden durch blutsaugende Vektoren übertragen. Im Falle des Sindbis-Virus erfolgt die Verbreitung durch Stechmücken der Gattung Culex. Vögel sind das natürliche Reservoir für das Virus. Aufgrund des Vektors ist die Verbreitung des Sindbis-Virus auf Afrika, den östlichen Mittelmeerraum, Sizilien, Süd- und Südostasien, Südamerika sowie Australien beschränkt. In Mitteleuropa vorkommende Infektionen mit dem Sindbis- und den Sindbis-like-Viren waren bislang importierte Infektion nach einem Aufenthalt in gefährdeten Regionen. In Schweden wurde das Ockelbo-VirusY. Shirako et al.: Structure of the Ockelbo virus genome and its relationship to other Sindbis viruses. In: Virology. 1991, Band 182, Nr. 2, S. 753–764; PMID 1673813 (). und in Tschechien sowie Karelien das Virus des Karelischen Fiebers gefunden. Insgesamt sind diese Virus-Subtypen weniger pathogen. Aufgrund des Vogelzuges wurde eine Anwesenheit des Virus in Mitteleuropa lange angenommen, jedoch konnte virale RNA eines Subtyps des Sindbis-Virus erst 2010 in Süddeutschland in den Mückenarten Anopheles maculipennis, Culex torrentium und Culex pipiens nachgewiesen werden.H. Jöst et al.: Isolation and phylogenetic analysis of Sindbis viruses from mosquitoes in Germany. In: Journal of Clinical Microbiology. Mai 2010, Band 4, Nr. 5, S. 1900–1903; doi:10.1128/JCM.000372010, PMID 20335414 (). Der nachgewiesene Subtyp ist dem schwedischen Subtyp (Ockelbo-Virus) verwandt. Die häufigste einheimische Stechmückenart Aedes vexans ist jedoch nicht in der Lage, das Virus zu vermehren und zerstört aufgenommene Virusteilchen des Sindbis-Virus durch Verdauung (proteolytische Spaltung) der Virushülle.M. Modlmaier et al.: Transmission studies of European Sindbis virus in the floodwater mosquitos Aedes vexans. In: International Journal of Medical Microbiology. 2002, Band 291, Supplement 33, S. 164–170; PMID 12141742 (). In Deutschland ist 2026 erstmals ein symptomatischer, autochthon erworbener Fall des Virus nachgewiesen worden.

Erkrankung Eine Infektion mit dem Sindbis-Virus verursacht nach einer Inkubationszeit von 3–4 Tagen nur in seltenen Fällen eine fieberhafte Erkrankung (Sindbis-Fieber), zum Teil mit Hautausschlägen (Exanthemen) und Gelenkbeschwerden. Das klinische Bild ähnelt sehr einer Dengue-Infektion, weshalb man beim Sindbis-Virus auch von einem sogenannten Dengue-ähnlichen Syndrom spricht. Das besonders auffällige Symptom der Gelenkentzündung verdankt die Sindbis-Virus-Infektion auch die Bezeichnung „Epidemische Polyarthritis“. In wenigen Einzelfällen wurden Sindbis-Viren mit neurotroper Eigenschaft und einer damit einhergehenden Enzephalitis beschrieben.

Die Infektion heilt auch ohne spezifische Therapie überwiegend ohne Folgen aus. Eine Impfung steht derzeit nicht zur Verfügung.

Molekularbiologische Verwendung Gentechnologisch veränderte, nicht infektiöse Sindbis-Viren werden in einigen sogenannten Positivkontrollen verwendet, so zum Beispiel in Tests auf SARS-2-Coronaviren. Diese Positivkontrollen zeigen an, ob das Testverfahren korrekt funktioniert und korrekt durchgeführt wird.

Literatur D. K. Lvov, T. M. Skvortsova et al.: Isolation of Karelian fever agent from Aedes communis mosquitoes. In: Lancet. 18. August 1984, Band 2, Nr. 8399, S. 399–400; doi:10.1016/s0140-6736(84)90562-2, PMID 6147473 (). D. K. Lvov, V. L. Gromashevskii et al.: Kyzylagach virus (family Togaviridae, genus alphaviruses), a new arbovirus isolated from Culex modestus mosquitoes trapped in the Azerbaijani SSR. In: Voprosy virusologii. September–Oktober 1979, Band 5, S. 519–523; PMID 159565, (: russische Erstbeschreibung).

Weblinks NCBI: Sindbis-Virus. Taxonomie Auf: ncbi.nlm.nih.gov; zuletzt abgerufen am 22. Dezember 2020. Sindbis virus, complete genomeGenom. - Referenzsequenz des Sindbis-Virus Auf: ncbi.nlm.nih.gov; zuletzt abgerufen am 22. Dezember 2020.

Einzelnachweise

Kategorie:Togaviren Kategorie:Virusspezies

sv:Ockelbosjuka