Frühlingssinfonie ist ein deutsch-deutscher Spielfilm von Peter Schamoni aus dem Jahre 1983, in dem die Liebesgeschichte von Clara und Robert Schumann porträtiert wird. Der Titel ist der Beiname von dessen 1. Sinfonie. Hauptdarsteller sind die international bekannten Nastassja Kinski, Herbert Grönemeyer und Rolf Hoppe.
Handlung Clara Wieck lebt mit ihrem Vater Friedrich Wieck, der Klavierlehrer ist, in Leipzig. Wieck ist überzeugt vom Talent seiner Tochter im Klavierspiel und tut alles, um das junge Mädchen groß herauszubringen. Unerbittlich zwingt er das Wunderkind zu Proben und Konzerten. Vom Erfolg des Mädchens und überzeugt von den Methoden ihres Vaters als Klavierpädagoge werden auch andere junge Pianisten angelockt. Der junge Pianist und Komponist Robert Schumann wird ebenfalls Schüler von Wieck. Zu diesem Zeitpunkt ist Clara elf und Robert zwanzig Jahre alt. Jahre später verliebt sich Clara in Robert, der zwar talentiert, aber noch ein erfolgloser Komponist ist. Vater Wieck ist gegen die Beziehung und schickt seine Tochter nach Dresden zum Gesangsunterricht, um die beiden zu trennen. Das junge Liebespaar gibt jedoch nicht auf. Robert reist Clara nach und sie beschließen zu heiraten. Dafür jedoch benötigen sie die Erlaubnis des Vaters. Diese klagen sie 1840 vor einem Gericht in Leipzig ein und bekommen die Erlaubnis. Dies führt zum Bruch zwischen Tochter und Vater und Schüler und Lehrer.
Hintergrund Frühlingssinfonie war eine von wenigen deutsch-deutschen Koproduktionen und die erste, die in der DDR an Originalschauplätzen in Leipzig gedreht werden konnte. Außerdem wurden z. B. die Szenen vom alten Leipziger Gewandhaus in den DEFA-Studios in Potsdam-Babelsberg aufgenommen. Nach aufwendigen politischen Verhandlungen konnten 1982 die Dreharbeiten beginnen.
Der Regisseur Peter Schamoni besetzte mit Nastassja Kinski (als Clara Schumann), Herbert Grönemeyer (als Robert Schumann, vorher in Das Boot) und dem DDR-Schauspieler Rolf Hoppe (Friedrich Wieck, vorher in Mephisto) internationale Stars, ebenso den bekannten Schweizer Sänger André Heller (als Felix Mendelssohn Bartholdy) und den Geigenvirtuosen Gidon Kremer (als Niccolò Paganini).
Interpretiert werden die Kompositionen von Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy von international bekannten Musikern, wie dem Bariton Dietrich Fischer-Dieskau, den Pianisten Babette Hierholzer und Ivo Pogorelich, dem Violisten Gidon Kremer und der Dresdner Staatskapelle unter dem Dirigenten Wolfgang Sawallisch, sowie dem Chor der Berliner Hymnentafel.
Der Kinostart des Films in der Bundesrepublik Deutschland war am 8. April 1983 und in der DDR erst sieben Monate später am 4. November 1983. Im ZDF war er erstmals am 1. Oktober 1985 um 19.30 Uhr zu sehen.Spiegel.de.
Kritiken Friedrich Luft in Die Welt, 1983: Frühlingssinfonie von Peter Schamoni setzt furios ein. Gidon Kremer, der Teufelsgeiger aus Russland, säbelt, als Paganini verkleidet, original eines von dessen wilden Capriccios vor einem Biedermeier-Publikum herunter. Da stockt einem schon der Atem. Auf der Empore des Saales das offene Gesicht des jungen Schumann (Herbert Grönemeyer). Er zuckt nach den wilden Rhythmen. Sein Entschluss steht fest. Er will „der Paganini des Klaviers“ werden. Schamoni schneidet sich zehn himmelstürmend traurige Jahre aus dem Leben Schumanns heraus. Er geht bei Friedrich Wieck (Rolf Hoppe), dem geschäftstüchtig kalkulierenden Vater des Wunderkindes, Clara Wieck (Nastassja Kinski), in die Lehre. Er muss aufgeben. Eine Handverletzung macht ihn für die Pianistenkarriere untauglich. Der junge Himmelsstürmer wirft sich auf die Komposition. Er verliebt sich in Wiecks begnadete Tochter. Der starre Vater will die Verbindung verhindern mit allen Mitteln. Man geht, um doch heiraten zu können, schließlich vor Gericht. Der Rabenvater, der seine ganze Liebe und das Kapital seines Herzens in die göttliche Pianistentochter geworfen hatte, verliert. Das junge Paar kann heiraten, kann endlich seine romantische Liebe für immer knüpfen. Das Happy-End ist umwölkt. Schamoni deutet an: Dies muss schief gehen. Zwei Genies können einander nicht ertragen. Die menschliche Tragödie ist vorprogrammiert. Der Film klingt aus, deutlich in Moll. Dieser Film von Peter Schamoni ist mehr als nur die redliche Auspinselung von bekannten Musikerschicksalen. Er klingt wirklich. Er ist sehenswert. Sogar für Musikfreunde und Schumann-Kenner.
Der Spiegel, 15/1983: Ansonsten wäre die „Frühlingssinfonie“ der übliche Bilderbogen mit candlelight, Fachwerkromantik, Kutschenfahrten durch pastellfarbene Landschaften, mit Konzerten, wo immer wieder ergriffene Konzertbesucher ergriffen drei Schlußtakte beklatschen, wäre da nicht, als Claras Vater, der außerordentliche DDR-Schauspieler Rolf Hoppe (der Göring aus dem „Mephisto“). Und der zeigt Kinderliebe als vertagtes Leben, Geschäftssinn als heftige Zuneigung. Kurz: Seine Geschichte mit der zum Wunderkind herangezüchteten Tochter ist eine neugierige, zärtliche und kritische Erkundungsfahrt und eben keine kolorierte kleine Nachtmusik.
Das Lexikon des internationalen Films: Der Film vermeidet steifes Pathos und ist sichtlich bemüht, die Leidenschaften und Probleme seiner Figuren einem modernen Publikum nahe zu bringen - was dank frisch aufspielender Darsteller überzeugend gelingt. Die stimmungsvollen, sorgfältig rekonstruierten Dekors entstanden zum Teil an Originalschauplätzen in der damaligen DDR.
Auszeichnungen Peter Schamoni erhielt im Jahr 1983 den Bayerischen Filmpreis in der Kategorie Regie. Nastassja Kinski wurde ebenfalls im Jahr 1983 mit dem Filmband in Gold für die Beste darstellerische Leistung ausgezeichnet.
Trivia Der Film war Herbert Grönemeyers letzte große Kinorolle. Kurz darauf setzte er sich endgültig als Musiker durch. Ein Zitat aus dem Film, in dem der junge Schumann kritisiert, die Menschen seien „... wie eine träge Herde Kühe, schauen kurz auf und grasen dann gemütlich weiter“ verwendete er später im Song "Jetzt oder nie" auf dem 1984 veröffentlichtem Album 4630 Bochum.
Literatur
Weblinks
Frühlingssinfonie bei der DEFA-Stiftung Frühlingssinfonie Trailer
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1983 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Liebesfilm Kategorie:Filmbiografie über Musikschaffende Kategorie:Robert Schumann Kategorie:Herbert Grönemeyer Kategorie:Clara Schumann Kategorie:DDR-Film Kategorie:Innerdeutsche Beziehungen