mini|hochkant=1.2|Vierachsiger (8×8) MAN 10 t gl mit Ladekran und 10 Tonnen max. Zuladung. Beladen mit Munition und gelb gekennzeichnet gemäß Gefahrgutverordnung im Verfügungsraum des Truppenübungsplatzes 1./FeldArtLehrBtl 51 Idar-Oberstein mini|hochkant=1.2|Die kleinste Version des Lkw, MAN 5 t gl mit zwei Achsen (4×4) und 5 Tonnen Zuladung MAN gl oder auch MAN mil gl ist der Name einer Baureihe von militärischen, geländegängigen Lastkraftwagen mit Allradantrieb, die in den 1960er Jahren auf Anforderung der deutschen Bundeswehr als Sonderentwicklung entstand. Die Fahrzeuge wurden mehrfach technisch weiterentwickelt und werden bis heute gebaut. Es gibt Varianten mit der Gesamtzahl von 2, 3, oder 4 permanent angetriebenen Achsen (entsprechend einer Antriebsformel von 4×4, 6×6, und 8×8) mit modellabhängiger Nutzlast bzw. Zuladung von 5, 7, 10 oder 15 Tonnen. Die Lkw werden außer beim deutschen Militär auch von den Streitkräften mehrerer anderer Staaten eingesetzt, zudem gibt es eine Reihe von zivilen Nutzern wie die UNO und das deutsche Technische Hilfswerk (THW). Der MAN gl wurde und wird in einer Vielzahl von Verwendungsarten eingesetzt, unter anderem als Waffensystem-Träger, Waffentransportfahrzeug, Kranfahrzeug und als Mehrzweck-Transporter.

Geschichte Im Jahr 1962 plante die Bundeswehr, ihren Fuhrpark aus der Aufbauzeit zu ersetzen. Gefordert waren zwei-, drei- und vierachsige Landfahrzeuge in der Nutzlastklasse 4 bis 10 Tonnen mit Schwimmfähigkeit. Aufgrund des hohen Anteils an Neuentwicklung sah sich das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) nicht in der Lage, die technische Verantwortung für eine Entscheidung zu übernehmen, und empfahl den teilnehmenden Firmen die Gründung eines Gemeinschaftsbüros (GB) sowie die Einigung auf ein Projekt.

Zwei Jahre später im Jahr 1964 bildete sich das Gemeinschaftsbüro der deutschen Nutzfahrzeugindustrie unter der Führung von MAN. Die Hersteller Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD), Büssing, Krupp und Henschel waren ebenfalls am Projekt beteiligt.

Am 12. August 1964 erstellte das BWB die Forderungen für die zweite Generation. Die Spezifikationen für die sogenannte Folgegeneration waren weitgehend handelsübliche Fahrzeuge, uneingeschränkte Geländegängigkeit, schwimmfähig, permanenter Allradantrieb, Niederdruckreifen mit Notlaufeigenschaften, Stahlfahrerhaus, ABC-Dichtigkeit, Vielstoffmotor und eine Einsatzdauer von mindestens zehn Jahren.

Aufgrund zu hoher Beschaffungskosten und des neuen NATO-Standards wurden Schwimm-, ABC- und Vielstofffähigkeit sowie die Niederdruckreifen gestrichen und eine neue Forderung definiert. So wurde die Nutzlast für den Zweiachser auf 5 t gesteigert, die Wattiefe auf 1200 mm gesetzt, die Ladeflächenhöhe auf 1650 mm angehoben, luftgekühlte Deutz-V8-Motoren mit und ohne Turboaufladung sowie Reifen mit einer Größe von 14.00 R 20 festgelegt. Diese so „abgespeckte“ Variante war allerdings noch immer zu teuer, um sie flächendeckend einzuführen. Nach weiteren Prüfungen teilte man das Projekt in handelsübliche Kraftfahrzeuge und militärische Sonderentwicklungen sowie je nach Geländegängigkeit in sechs Kategorien.

Am 4. Dezember 1975 unterschrieb die Bundeswehr mit MAN den Serienvertrag über die Lieferung von den nun nochmals in zwei Kategorien unterteilten militärischen Sonderentwicklungen. So erfolgte am 29. November 1976 die Auslieferung des ersten Kategorie-I-MAN, des 10 t mil gl.

Allgemein mini|Fahrerhaus eines MAN 10 t mil glBaugleich mit 5 t und 7 t mini|Hakenkupplung des MAN mil gl Die MAN-Serie, eingeführt unter der Bezeichnung mil gl (für militarisiert geländegängig), befindet sich in allen Teilstreitkräften der Bundeswehr im Einsatz. Die Militarisierung umfasst dabei einen von der normalen Beleuchtung getrennten Tarnlichtkreis (Tarnlicht-Scheinwerfer vorn, Tarnrück- und Bremsleuchte sowie das Leitkreuz), militärische Anordnung der Instrumentierung mit Tarnmöglichkeit, einen Not-Aus-Schalter zum Abschalten der Stromversorgung, eine Dachluke mit Drehringlafette und Gewehrhalterungen. Die Fahrzeuge zählen zur Kategorie I (KAT I) der militärischen Sonderentwicklungen und sind somit vollgeländegängig.

Die Fahrzeuge der Nutzlastklasse 5 t, 7 t, 10 t KAT I gehören zur zweiten Generation (Folgegeneration) und mit der Kennung KAT I A1 zur erweiterten Folgegeneration, darunter auch die 15-t-Version. Fahrzeuge der KAT-I-Generation wurden Mitte der 1990er Jahre einer Hauptinstandsetzung unterzogen, um ihre Lebensdauer um weitere zehn Jahre zu verlängern.

Fahrzeuge der Kategorie I A1.1 (KAT I A1.1) wie der 15 t mil gl „Multi“ gehören zur sogenannten dritten Generation und sind Weiterentwicklungen, gehören aber noch immer zu den militärischen Sonderentwicklungen.

Vielfach sind die Fahrzeuge unter dem Begriff „5-, 7-, 10-, 15-Tonner“ bekannt, dies bezeichnet die militärische Nutzlastklasse (entspricht der maximalen Zuladung und ist nicht zu verwechseln mit der militärischen Lastenklasse). „Tonner“ bezieht sich in der Bundeswehr-Umgangssprache auf die Nutzlast.

Technischer Aufbau Alle Lkw der Serie sind im Baukastensystem aufgebaut. So bestehen alle Fahrzeuge aus einem extrem verwindungssteifen Leiterrahmen mit geschlossenen Kasten-Längsträgern und damit verschweißten Rohr-Querträgern, ausgestattet mit hochbeweglichen, an Lenkern geführten Achsen, die über Schraubenfedern mit dem Rahmen verbunden sind. Der Motor sitzt im Frontlenker-Fahrerhaus, das durch eine Zwischenwand in Fahrer- und Motorraum geteilt wird. Als Besonderheit ist der Motor hinter dem Fahrerraum eingebaut und nicht wie bei anderen Frontlenkern darunter. Dadurch konnte eine Höhe über Führerhaus von knapp 2,9 m realisiert werden, was die Verladung auf Standard-Eisenbahnwagen ermöglicht. Um das Lademaß und das Lichtraumprofil der Eisenbahn einzuhalten, wurden die oberen Seitenkanten des Fahrerhauses charakteristisch abgeschrägt. Da die Fahrzeuge der ersten Baureihe noch auf den schwimmfähigen Prototypen basieren, ist deren Fahrerhaus nicht für Wartungszwecke kippbar. Dies wurde erst mit der zweiten Baureihe Mitte der 1980er Jahre eingeführt.

Der Verbrennungsmotor gibt seine Leistung über Wandlerschaltkupplung, Schaltgetriebe und das Verteilergetriebe auf die Vorder- und Hinterachse(n) ab. In der ersten Baureihe KAT I bilden diese drei Komponenten eine Einheit und sind somit ein Sonderbauteil. Für die späteren Baureihen KAT I A1 werden günstigere Großserienteile aus der laufenden Lkw-Produktion verwendet. Damit ließ sich auch die Anzahl der Gänge von 6 auf 16 erhöhen, was die theoretische Höchstgeschwindigkeit von 90 auf rund 130 km/h steigert. Bei der üblicherweise gefahrenen Geschwindigkeit von 80 km/h reduziert sich somit die Motordrehzahl erheblich, was den Kraftstoffverbrauch senkt. Die Bordnetzspannung beträgt 24 V und entspricht so dem Standard in der Bundeswehr. Eine Besonderheit ist die Anhängerkupplung. Im Gegensatz zu einem zivilen Fahrzeug verfügt der MAN mil gl wie jeder Bundeswehr-Lkw über eine Hakenkupplung (auch „NATO-Kupplung“ genannt). Diese ermöglicht den Anhängerbetrieb auch in schwerem Gelände, erfordert aber den Einsatz von Anhängern mit passender Zugöse. Da der MAN mil gl schon über die neuere automatisch schließende Version der Hakenkupplung verfügt, kann sie bei ziviler Zulassung des Fahrzeugs uneingeschränkt weiterbenutzt werden, sofern die Anhänger mit einer entsprechenden Zugöse ausgerüstet sind.

Zur Selbstverteidigung verfügen die Fahrzeuge über ein auf Drehringlafette montiertes Maschinengewehr MG3. mini|MAN 7t mil gl (6×6) Kipper MSA Im Rahmen der Auslandseinsätze der Bundeswehr wurden einige Fahrzeuge zusätzlich mit einer modularen Schutzausstattung (MSA) gepanzert, um den Schutz der Besatzung zu erhöhen. Neubauten der Generation 3 verfügen dagegen je nach Modell über eine sogenannte Fahrzeugschutzausstattung (FSA). Im Gegensatz zu MSA erhalten die Fahrzeuge wie beim ATF Dingo bereits während der Fertigung eine Schutzzelle und sind entsprechend darauf abgestimmt.

Varianten (2. Generation) LKW 5 t mil gl KAT I und KAT I A1 (4×4) Angetrieben von einem Deutz-V8-Dieselmotor F8L413F mit 256 PS wurden 1976 bis 1985 zwei Varianten (Typ 451, 461) eingeführt. Hauptsächlich dienten diese Fahrzeuge als Pritschenlastkraftwagen mit und ohne Plane für Personen- und Materialtransport, als Trägerfahrzeug für die Kabine II, als Träger des Feuerleitradars (FERA) des leichten Artillerie-Raketen-Systems (LARS) und als Bergefahrzeug mit 1-t-Kran der Firma Atlas-Weyhausen für das Kleinfluggerät KZO „Brevel“.

Eine Besonderheit bilden die Tankfahrzeuge auf Basis des 5 t mil gl. Durch den Tankaufsatz (TA) mit Pumpe in der Konfiguration 4600 l und 2 × 2300 l überschreiten die Fahrzeuge das zulässige Gesamtgewicht um eine Tonne. Aufgrund von Tests und mit Zustimmung des Reifenherstellers erhöhte man den Reifendruck, um dies zu kompensieren. Alle Fahrzeuge besitzen darüber hinaus eine Ausnahmegenehmigung.

Die Lkw des Typs 461 sind im Unterschied zum Typ 451 mit einer 30-Meter-Seilwinde der Firma Rotzler ausgestattet und tragen zusätzlich ein kleines „w“ im Namen, die Bezeichnung lautet dann 5 t mil glw. Die Zuglast der Seilwinde beträgt 5 t und das Seil kann jeweils nach vorne oder hinten gelegt werden. Die 2073 Fahrzeuge mit Winden gingen fast ausschließlich an das Heer.

In den Jahren 1986 bis 1993 beauftragte die Luftwaffe unter der Maßgabe der Luftverladbarkeit in einer C-130 Hercules oder C-160 Transall weitere Fahrzeuge. Bei diesen mit der Bezeichnung KAT I A1 eingeführten Lastkraftwagen wurden Mängel der ersten Version beseitigt und leichte Veränderungen vorgenommen. So wurde das feste Fahrerhaus modifiziert, um den Motorwechsel zu beschleunigen. Für die Luftverladung hat das Führerhaus ein abschraubbares Hardtop.

LKW 7 t mil gl KAT I und KAT I A1 (6×6) Die LKW mit Nutzlast 7 t bilden das zweite Fahrzeug der MAN-Familie der zweiten Generation. Angetrieben von einem stärkeren, luftgekühlten 320-PS-Deutz-Motor mit Abgasturbolader und Ladeluftkühlung entsprechen sie im Aufbau dem 5 Tonner. Der Antrieb der zweiten Hinterachse erfolgt über einen Durchtrieb an der ersten Hinterachse.

Insgesamt fertigte MAN in den Jahren 1977 bis 1985 in der KAT-I-Version fünf Typen. Die Typen 452, 462 mit Seilwinde und 463 dienten als Pritschenfahrzeug, Geräteträger für die Aufklärungsdrohne CL289, als Geräteträger für das leichte Artillerie-Raketen-System (LARS), als Geräteträger für Dekontamination in der ABCAbwehr-Truppe sowie bei den Pioniereinheiten als Zugmittel für den Minenverleger 85 (MiV85) und den dreiachsigen Flachbettanhänger 15 t. In der Version 453 baute MAN einen Dreiseitenkipper mit Seilwinde für die Pioniere und ein Containertransportfahrzeug für die Sanitäter. Der letzte Typ der Folgegeneration war ein Geräteträger für die Faltschwimmbrücken. Ausgerüstet mit einem Flachbett und verlängertem Radstand kann dieser Typ 455 alle Teile der Brücke und das Motorboot 3 tragen. Wie auch der Typ 462 verfügt dieses Fahrzeug über eine 5-Tonnen-Seilwinde.

Insgesamt fertigte MAN 3500 Fahrzeuge der 7-Tonnen-Klasse in der Version KAT I.

Wie auch beim 5-Tonner meldete die Luftwaffe zu Beginn der 1980er Jahre erneut Bedarf an. In den Jahren 1986 bis 1993 lieferte MAN Fahrzeuge in der verbesserten KAT-I-A1-Version für das Patriot-Flugabwehrraketensystem. Neben der Funktion als Trägerfahrzeug für die Feuerleit- und Kampfführungsanlage wurden auf dem LKW ebenfalls die Stromerzeugungsanlage 2 × 150 kW und die Antennenmastgruppe verlastet.

LKW 10 t mil gl KAT I (8×8)