mini|Ferdinand von Schill als Husarenmajor, Stich von Ludwig Buchhorn, 1808.Schills Unterschrift: rahmenlos|klasse=skin-invert-image

Ferdinand Baptista von Schill (* 6. Januar 1776 in Wilmsdorf bei Dresden; † 31. Mai 1809 in Stralsund) war ein preußischer Offizier, der als Freikorpsführer in den Kriegen mit Frankreich von 1806/07 und 1809 bekannt wurde.

Leben Schill entstammte einer Soldatenfamilie. Sein Vater Johann Georg von Schill (1736–1822) war Kavallerieoffizier in der österreichischen, später in der sächsischen, zuletzt in der preußischen Armee. Von seinem Vater wurde Schill im Jahr 1790 dem Grafen Kalckreuth vorgestellt, dem Kommandeur des renommierten Dragonerregiments Anspach-Bayreuth mit dem Ehrennamen Die Hohenfriedberger, welcher Schill als Fähnrich aufnahm. In Pasewalk diente Schill, seit 1793 als Sekondeleutnant, im genannten Dragonerregiment, das seit März 1806 den Namen Königin-Dragoner trug. Sein Wohnhaus befand sich in der Grünstraße 17.

Freikorps Schill in Pommern mini|Schill-Geburtshaus in Wilmsdorf mini|Major von Schill

Im Krieg Preußens gegen Napoleon wurde Schill 1806 in der Schlacht bei Auerstedt durch einen Säbelhieb auf den Kopf schwer verwundet und rettete sich über Magdeburg und Stettin in die Festung Kolberg, wo er sich anlässlich der Belagerung Kolbergs 1807 beim Kommandanten Oberst Ludwig Moritz von Lucadou gesund meldete. Dieser gestattete Schill, mit wenigen Leuten Streifzüge in die Umgebung zu unternehmen. Er sollte Verteidigungsmittel, Rekruten und Geld in die Festung bringen sowie Aufklärung betreiben. Aber Schill begann einen Kleinkrieg gegen französische Besatzungstruppen in ganz Pommern. Für den gelungenen Überfall auf Gülzow am 7. Dezember 1806 wurde er vom König Friedrich Wilhelm III. noch im selben Monat zum Premierleutnant befördert und mit dem Orden Pour le Mérite dekoriert. Aufforderungen seines Regimentskommandeurs, zum Regiment nach Ostpreußen zurückzukehren, ignorierte er. Schill wurde schnell berühmt, seine Truppe wuchs rasch an.

Der König gestattete ihm per Kabinettsorder vom 12. Januar 1807, mit eigenen Mitteln aus versprengten oder ranzionierten Soldaten der preußischen Armee das Freikorps Schill aufzustellen. Im Februar 1807 zählte es über 960 Infanteristen und Jäger, 450 Reiter und 50 Artilleristen mit 11 leichten Geschützen. Von der Bevölkerung nach Kräften unterstützt, verliefen die kleineren Unternehmungen des Korps meist glücklich, die größeren aber unglücklich. Der am 15. Februar 1807 versuchte Überfall auf Stargard wurde mit Verlusten zurückgeschlagen, das befestigte Naugarder Amt von Schill, der zum Rittmeister befördert worden war, tapfer, aber erfolglos verteidigt. Schon bei diesen Aktionen zeigte sich eine verhängnisvolle Selbstüberschätzung Schills. Er musste verwundet nach Kolberg zurück, wo sich der Gegensatz zum Kommandanten Lucadou infolge seines vom König nicht klar festgelegten Unterstellungsverhältnisses verschärfte.

Als im März 1807 die Franzosen Kolberg eingeschlossen hatten, erschien Schill in Stralsund, um die schwedischen Truppen in Schwedisch-Pommern zur Unterstützung Kolbergs zu bewegen. Mitte April ging er in derselben Mission nach Stockholm. Am 12. Mai schiffte er sich mit seiner Kavallerie von Kolberg nach Vorpommern zu Blücher nach Rügen ein, während die Infanterie zur Verteidigung der Maikuhle zurückblieb.

Eine Woche nach dem Waffenstillstand von Tauroggen beförderte Friedrich Wilhelm III. am 30. Juni 1807 Schill für seine Verdienste zum Major, doch musste sich seine Truppe – ohne an Kämpfen teilgenommen zu haben – mit Blücher in den Demarkationsbezirk zwischen Kammin und Köslin zurückziehen; das Korps wurde nach dem Frieden von Tilsit in den Ausbildungsdienst versetzt. Im September 1807 ernannte der König Schill zum Inhaber des aus der Reiterei seines Korps gebildeten 2. Brandenburgischen Husarenregiments („von Schill“). Schills Fußtruppe gliederte er als Leichtes Bataillon von Schill in das neue Leib-Infanterie-Regiment ein. Am 10. Dezember 1808 ritt Schill nach dem Abzug der französischen Besatzer im Triumph mit seinem Husarenregiment an der Spitze der zurückkehrenden preußischen Truppen in Berlin ein.

Schillsche Jäger in der Erhebung gegen Napoleon In den für 1809 zeitgleich mit der Erhebung Österreichs gegen die Herrschaft Napoleons in Deutschland vorgesehenen Aufständen war ihm eine wichtige Rolle zugedacht, aber Schill wollte nicht abwarten. Der jubelnde Beifall der Bevölkerung, der wieder erwachte Patriotismus und wohl auch eine gewisse Portion Selbstüberschätzung hoben den Husarenoffizier Schill über sich selbst hinaus und verleiteten ihn zu unüberlegten, mit der Armeeführung nicht abgestimmten Handlungen. Vergeblich versuchte auch General Ernst von Rüchel, mit dessen Tochter Elise sich Schill verlobt hatte und auf dessen hinterpommerschem Gut Haseleu er gelegentlich zu Gast war, mäßigend einzuwirken. Nach Beginn des Krieges verließ Schill am 28. April – wie zum Manöver – mit seinem Regiment Berlin. Eine Meile außerhalb der Stadt hielt er seinen Soldaten eine Ansprache, die den Eindruck verstärkte, er handele in höherem Auftrag. Den Befehl der Kommandantur zur sofortigen Rückkehr beachtete er nicht. Bekannt wurde die Truppe als Schillsche Jäger.

Schill wandte sich zunächst nach Dessau, das er am 2. Mai besetzte. Dort ließ er seinen Aufruf „An die Deutschen“ drucken. Die Anfang Mai eintreffende Nachricht von der Niederschlagung der Erhebung in Österreich versetzte seinem Tatendrang einen deutlichen Dämpfer, aber er ließ sich von seinen Offizieren mitreißen und lieferte sich am 5. Mai bei Dodendorf unweit von Magdeburg mit der Schlacht bei Dodendorf ein auch für die französische Seite verlustreiches Gefecht mit einer Abteilung der Magdeburger Garnison. Am selben Tag hatte Jérôme Bonaparte, der Bruder Napoleons und König von Westphalen, einen Preis von 10.000 Francs auf seinen Kopf ausgesetzt. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. sprach sich scharf gegen Schills eigenmächtige Tat aus.

Sein Regiment, das durch Anwerbung noch anwuchs, ging an die untere Elbe und von dort, durch Holländer unter Carl Heinrich Wilhelm Anthing und Dänen verfolgt, in Richtung Stralsund, dessen aus Polen und Mecklenburgern bestehende Besatzung ihm entgegenkam, aber schon bei Damgarten geschlagen wurde.

Tod in Stralsund mini|Schills Heldentod in Stralsund, Zeichnung aus „Die Gartenlaube“, 1860 mini|Schill-Grabmal auf dem Knieperfriedhof

Am 25. Mai 1809 trafen gegen zehn Uhr die Schillschen Jäger aus Damgarten in Stralsund ein. Schill zog durch das Tribseer Tor in die Stadt ein, die er noch aus dem Jahr 1807 kannte. Nachdem er in Damgarten erfolgreich gekämpft hatte, hoffte er in der Festungsstadt Stralsund auf ein Fanal für die Befreiung von der französischen Fremdherrschaft. Seinem Mitkämpfer Leutnant Leopold von Lützow rief er zu:

Schills Einzug in Stralsund begleitete ein Sieg gegen in der Mönchstraße kämpfende französische Artilleristen. Mit Hilfe des in schwedischen Diensten stehenden Offiziers Friedrich Gustav von Petersson gelang es Schills Truppen, die französische Besatzung der Stadt zu vertreiben. Er trieb nun die Wiederanlage der geschleiften Verteidigungsanlagen voran und zog dazu bis zu 1000 Bauern der Umgebung heran. Sein Eintreffen begeisterte die Stralsunder allerdings nicht wie erhofft, da sie weniger patriotisch gesinnt waren als Schill und eher über die erneute Einbeziehung ihrer Stadt in Kampfhandlungen stöhnten, die immer Belastungen der Bürger mit sich brachten. Zweifel kamen auch in Schills Truppen auf angesichts der aussichtslos erscheinenden Lage in Stralsund. Truppen der Generäle Gratien und Ewald zogen heran, die mit 6000 Mann (Dänen und Niederländer) eine Übermacht darstellten. Einige der Offiziere Schills zogen aus Stralsund ab, darunter auch Leo von Lützow.

Am 30. Mai 1809 veröffentlichte Schill ein „Publicandum“ mit folgendem Inhalt: „Durch die mit den Waffen in der Hand erfolgte Besitznahme hiesiger Stadt und Festung, trete ich, vermöge des Waffenglücks, in die Rechte des Eroberers. Meine Absicht ist, bei meinen Unternehmungen ein widerrechtlich unterjochtes und der Krone gewaltsam entrissenes Land zurückzugeben, da ihr folgendes gebührt. So lange aber, bis dieses Land von mir in die Hände des rechtmäßigen Besitzers zurückgegeben ist, und so lange der Besitz desselben mit der Ausführung meiner ferneren Pläne vereinigt ist, muß ich mir dessen Besitz sichern. Wenn nun aber zur Verpflegung, Bekleidung und sonstigen Unterhaltung meiner Truppen die Annahme aller und jeder Staatskassen, als Domainen-Revenuen, Zoll- und Accise-Steuer-Gelder und dergleichen mehrere, erfordert wird, so werden von dem Tage der erfolgten Besitznahme an, sämtliche Kassen des Landes für mich verwaltet, und nur mir sind die Rendanten responsable. Die Uebertretung dieses Gebots, so wie der geringste dabei vorkommende Unterschleif wird mit Festungsstrafe geahndet. Eine von mir niedergesetzte Commission wird morgen nachmittag die Kassenbücher nachsehen und die Bestände annehmen. Stralsund, den 30. Mai 1809. Schill, commandierender Officier der hiesigen Provinz.“

Am 31. Mai 1809 griffen, wie von Schill erwartet, Truppen des Königreichs Holland unter dem französischen General Pierre Guillaume Gratien und dänische Truppen unter General Johann von Ewald die Stadt an. Der erste Angriff am Tribseer Tor, durch das Schill selbst sechs Tage zuvor eingerückt war, konnte abgewehrt werden. Jedoch rückten die angreifenden Truppen dort nur zur Ablenkung an. Ihre Hauptmacht konzentrierte sich auf das Kniepertor, wo sie schnell in die Stadt vordringen konnte. Gegen die Übermacht wehrten sich die schillschen Truppen verzweifelt. Nur einem kleinen Teil gelang die Flucht durch das Frankentor; die meisten fielen im Kampf. Einige Offiziere gerieten in Gefangenschaft und wurden zunächst im Keller des Hauses Fährstraße/Alter Markt gefangen gehalten, woran eine Gedenktafel über dem Kellereingang noch heute erinnert.

Schill selbst wurde nach einem Fluchtversuch, der ihn in der Annahme, die Stadt dort verlassen zu können, ins Johanniskloster geführt hatte, beim Ritt durch die Fährstraße vor dem Haus Nummer 21 von einer Kugel tödlich getroffen.

Sein Leichnam mit einer Verletzung im Gesicht und mit von einem Bajonett durchbohrten Unterleib wurde in das Haus des städtischen Chirurgen am Alten Markt gebracht. Am 1. Juni 1809 fand in der Stadt eine Siegesparade statt. Anschließend wurde in Gegenwart Gratiens der Kopf Schills abgetrennt und als Trophäe an König Jérôme geschickt.Über das weitere Schicksal von Schills Kopf, der präpariert und in Spiritus konserviert von Genoux dem Leidener Botaniker Sebald Justinus Brugmans für dessen naturkundliche Sammlung geschenkt wurde und nach dessen Tod auf verschlungenen Wege schließlich 1837 am Fuße des in Braunschweig errichteten Schill-Denkmals für die dort hingerichteten „vierzehn Krieger des Schill’schen Korps“ beerdigt wurde, berichtet der preußische Regierungsrat Georg Bärsch in seinen Erinnerungen aus meinem vielbewegten Leben (Aachen 1856, S. 158–159). Schills Körper wurde am 2. Juni 1809 auf dem Stralsunder St.-Jürgen-Friedhof an unbekannter Stelle verscharrt. Schills Kampfgefährte von Petersson geriet in Gefangenschaft und wurde am 4. Juni 1809 vor dem Kniepertor erschossen. Eine Gedenktafel erinnert daran.