9K330 Tor (, lat. „Torus“) ist ein Kurzstrecken-Flugabwehrraketen-System aus der Sowjetunion. Der NATO-Codename lautet SA-15 Gauntlet.

Entwicklung Am 4. Februar 1975 erteilten das Zentralkomitee der KPdSU und der Ministerrat der UdSSR den Auftrag zur Entwicklung des 9K330 Tor-Flugabwehrsystems. Dieses sollte bei den Landstreitkräften der UdSSR das Flugabwehrsystem 9K33 Osa ersetzen. Unter Verwendung derselben Technologien sollte für die sowjetischen Marine das schiffbasierte 3K95 Kinschal-Flugabwehrsystem entwickelt werden. Die Entwicklung des 9K330 Tor wurde NPO Antei sowie Kupol zugesprochen und die Lenkflugkörper wurden von MKB Fakel entwickelt. Die Entwicklung des neuartigen Feuerleitradars mit der Phased-Array-Antenne sowie die neuen, senkrecht gestarteten Lenkflugkörper bereitete Probleme, so dass es bei der Entwicklung zu erheblichen Verzögerungen kam. Erst ab 1986 wurde eine geringe Anzahl 9K330 Tor an die Landstreitkräfte der UdSSR geliefert. Diese waren nach verschiedenen Nachbesserungen 1991 definitiv operationell.James C. O’Halloran & Christopher F. Foss: Jane’s Land-based Air-Defence, Edition 2002–2003. 2002, S. 163–165.Pvo.guns.ru: ЗРК "Тор"Missilery.info: Зенитный ракетный комплекс 9К330 "Тор"

Technik 9K330 Tor ist ein allwetterfähiges, geländegängiges Kurzstreckenflugabwehrsystem auf einem Kettenfahrzeug. Spätere Ausführungen verwenden auch Radfahrzeuge. Es wird zur Flugabwehr über dem Gefechtsfeld und zum Schutz von motorisierten und mechanisierten Verbänden verwendet. Mit dem Flugabwehrsystem können Kampfhubschrauber, Kampfflugzeuge, unbemannten Luftfahrzeuge, Marschflugkörper, Gleitbomben und Luft-Boden-Lenkflugkörper in niedrigen bis mittleren Höhen bekämpft werden.Ausairpower.net: Dr. Carlo Kopp: Kupol 9K330/9K331/9K332 Tor M/M1/M2 Self Propelled Air Defence System / SA-15 GauntletNikolay Svertilov: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 9 – Air and Ballistic Missile Defense. 2004, S. 460–466

Gemäß Hersteller soll 9K330 Tor in der Lage sein, Flugziele auf eine Distanz von 1,5 bis 12 km sowie in einem Höhenbereich von 10–6.000 m zu bekämpfen. Er soll Ziele bis zu einer Geschwindigkeit von 700 m/s bekämpfen können, dies mit einer Reaktionszeit von 8 bis 15 Sekunden. Weiter können auch radarreflektierende Bodenziele bekämpft werden.

Fahrzeug Die Ursprungsversion 9K330 ist auf einem Kettenfahrgestell vom Typ GM-355 aufgebaut. Dieses Fahrzeug wird 9A330 bezeichnet. Ab dem Modell 9K331 wird das GM-5955-Kettenfahrgestell verwendet. Dieses Fahrzeug wird 9A331 bezeichnet. Die Besatzung des Fahrzeuges besteht aus drei Mann. Das GM-355-Chassis hat eine Masse von rund 34 t, ist 7,5 m lang, 3,3 m breit und mit aufgestellter Radar 5,1 m hoch. Es verfügt über sechs Laufrollenpaare und verwendet ein hydropneumatisches Fahrwerk. Angetrieben wird es von einem V-12-Dieselmotor mit einer Leistung von . Weiter ist am Fahrzeug ein Hilfstriebwerk mit 75 kW Leistung verbaut, mit dem die Radaranlagen auch mit abgeschaltetem Dieselmotor betrieben werden können. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 65 km/h und der maximale Fahrbereich liegt bei rund 500 km. 9K330 kann Steigungen von 60 % und vertikale Hindernisse von 1 m überwinden. Die maximal zulässige Querneigung liegt bei 30 % und das Fahrzeug kann ohne Vorbereitung Gewässer mit einer maximalen Tiefe von 0,8 m durchfahren. Das Fahrzeug verfügt über ABC-Schutz und die Panzerung schützt vor Granatsplittern und dem Beschuss von Infanteriewaffen. Auf dem Fahrzeug ist ein in der Horizontalen um 360° drehbarer Turm installiert. In dem Turm ist die Senkrechtstartanlage für acht Lenkflugkörper untergebracht und außen sind die Radarantennen verbaut.Rwd-mb3.de: Gefechtsfahrzeug 9A330 / 9A331

Radar mini|Radar des Tor-M2 9K330 Tor verwendet einen Radarkomplex, der aus einem Überwachungsradar und einem Feuerleitradar besteht. Der Radarkomplex hat den NATO-Codenamen „Scrum Half“.

Das Überwachungsradar ist oben, am Heck das Waffenturmes verbaut. Die Radarantenne kann während der Fahrt um 90° nach hinten runtergeklappt werden, um die Fahrzeughöhe zu verringern. Das Überwachungsradar arbeitet nach dem Monopulsverfahren. Verwendet wird eine trapezförmige Parabolantenne. Das Radar arbeitet im H-Band im Zentimeterbereich mit einer durchschnittlichen Impulsleistung von 1,5 Kilowatt. Die Installierte Radarreichweite beträgt 30 km. Die Antenne rotiert entweder mit 20 oder 60 Umdrehungen pro Minute um Ziele in einem 360°-Rundkreis detektieren und begleitet zu können. Der vertikale Öffnungswinkel beträgt 64°. Der maximale Fehler bei der Azimutauflösung liegt bei 4° und der maximale Fehler bei der Distanzmessung bei 200 m. Mit dem Überwachungsradar können zeitgleich 48 Ziele detektiert und von 2 bis 11 (je nach Version) die Flugrouten verfolgt werden. Ein Kampfflugzeug von der Größe einer F-15 „Eagle“ soll auf 27 km detektiert und ab 25 km begleitet werden können. Hubschrauber sollen auf Distanzen von 13 bis 20 km erfasst und begleitet werden können.Voenmeh.ru: С.Н.Ельцин. Зенитный ракетный комплекс «Тор-М1», СПб, 2015 (Archivlink)

Vorne am Waffenturm ist das Feuerleitradar verbaut. Es verwendet eine quadratische Phased-Array-Antenne, die in der Vertikalen schwenkbar ist und so einen Bereich von 0 bis +80° abdeckt. Das Radar funktioniert nach dem Prinzip der passiven elektronischen Strahlschwenkung (PESA) und hat einen vertikalen sowie horizontalen Öffnungswinkel von 60°. Das Doppler-Radar arbeitet im K-Band im Zentimeterbereich mit einer durchschnittlichen Impulsleistung von 0,6 Kilowatt. Die Installierte Radarreichweite beträgt 15 bis 25 km (je nach Version). Neben der flachen Radarantenne sind zwei Sendeantennen für das Datenlink zu den Lenkflugkörpern platziert. Weiter ist am Radarkomplex ein System für die Freund-Feind-Erkennung (IFF) sowie ein elektronisch-optisches Zielsystem verbaut. Dieses verwendet eine Videokamera mit Restlichtverstärker und einer Infrarotkamera.

Lenkflugkörper mini|hochkant=0.6|Container mit vier 9M330-Lenkflugkörper Die primären Lenkflugkörper des Tor sind die Typen 9M330 und 9M331 vom MKB Fakel. Die Fahrzeuge sind mit jeweils acht dieser Lenkflugkörper beladen, die sich im Mittelbereich der Waffenturmes in einer Senkrechtstartanlage befinden. Die 9M330/9M331-Lenkflugkörper haben einen schlanken, zylinderförmigen Rumpf und sind in mehrere Sektionen aufgeteilt: Hinter der ogiven Lenkflugkörperspitze befindet sich der Radar-Näherungszünder. Dahinter folgen die Aktuatoren für die Steuerflächen. Anschließend folgen kleine Raketentriebwerk zur Querschubsteuerung. Diese sind senkrecht zur Längsachse und tangential zum Umfang der Rakete angeordnet. Dahinter ist der Bordcomputer mit einem inertialen Navigationssystem, ein Gasgenerator und der Turbogenerator für die Elektrizitätsversorgung untergebracht. Danach folgt der 14,8 kg schwere Continuous-Rod-Gefechtskopf sowie das Feststoffraketentriebwerk mit der Düse im Heck. Am Flugkörperrumpf sind zwei Gruppen von Stabilisierungs- und Steuerflächen angebracht. Im hinteren Bereich sind vier trapezförmige Stabilisierungsflächen mit einer Spannweite von 650 mm und am vorderen Viertel des Flugkörperrumpfs vier trapezförmige Steuerflächen mit 530 mm Spannweite angebracht. Diese Flächen sind, während sich der Lenkflugkörper in dem Startbehälter befindet, an den Lenkflugkörperrumpf angelegt. Sie entfalten sich unmittelbar nach dem Start.Rwd-mb3.de: Fla-Rakete 9M330 / 9M331Deagel.com: 9M331

Ab der Version 9K332 Tor-M2 können optional die 3M338-Lenkflugkörper verwendet werden. Die Tor-M2-Fahrzeuge können mit jeweils 16 dieser Lenkflugkörper beladen werden, die sich im Waffenturm in einer Senkrechtstartanlage befinden. Über den 3M338-Lenkflugkörper ist wenig bekannt. Es kommt dasselbe Lenkverfahren zur Anwendung und es wird eine Schubvektorsteuerung verwendet.Deagel.com: 9M338Vpk.name: The Thor air defense system is an adequate response to modern air threats.Defensemirror.com: https://defensemirror.com/news/9409/Russia_Unveils_Advanced_High_Precision_Air_Defense_System

Übersicht Lenkflugkörpermodelle Lenkflugkörper 3M330 3M331 3M338Länge2,89 m 2,94 mDurchmesser239 mm 200 mmFlügelspannweite650 mm unbek.Gewicht168 kg 163 kgGefechtskopf14,8 kg Continuous Rod unbek.Geschwindigkeit 850 m/s 1.000 m/sReichweite 12 km 16 kmHöhenbereich6.000 m 10.000 m

Varianten 9K330 Tor Dies ist die Initialversion aus dem Jahr 1986. Verwendet wird das GM-355-Kettenfahrgestell mit einem Gewicht von 34 t sowie acht Lenkflugkörper vom Typ 9M330. Das Fahrzeug trägt die Bezeichnung 9A330. Die Reaktionszeit liegt zwischen 9 und 15 Sekunden. Zeitgleich können zwei 9M330-Lenkflugkörper gegen ein Ziel zum Einsatz gebracht werden. Tor hat einen horizontalen Kampfbereich von 1,5 bis 12 km. Der vertikale Einsatzbereich liegt bei 10 bis 6.000 m. Flugziele können bis zu einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 700 m/s bekämpft werden.

9K331 Tor-M1 mini|Iranischer Tor-M1 während einer Parade im Jahr 2015 Dies ist die zweite Serienversion des Tor. Verwendet wird das GM-5955-Kettenfahrgestell mit einem Gewicht von 37 t sowie acht Lenkflugkörper vom Typ 9M331. Das Fahrzeug trägt die Bezeichnung 9A331. Mit dem Tor-M1 entstand ab 1991 eine modernisierte Ausführung des Tor, bei dem die aus den 1970er-Jahren stammende Elektronik durch moderne Komponenten ersetzt wurde. Weiter wird ein verbessertes Überwachungsradar verwendet und die Reaktionszeit konnte auf 7,5 bis 9,7 Sekunden verringert werden. Weiter kann Tor-M1 zeitgleich zwei 9M331-Lenkflugkörper gegen zwei Ziele einsetzen. Tor-M1 hat einen horizontalen Kampfbereich von 1 bis 12 km. Der vertikale Einsatzbereich liegt bei 10 bis 6.000 m. Flugziele können bis zu einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 700 m/s bekämpft werden. Vom Tor-M1 existieren die folgenden Ausführungen:Missilery.info: Зенитный ракетный комплекс 9К331 "Тор-M1"Bastion-karpenko.ru: Anti-Aircraft Missile Complex “TOR-M1” 9K331 Tor-M1: installiert auf einem GM-5955-Kettenfahrgestell. 9K331T Tor-M1TA: installiert auf einem Sattelzug. Die Kabine für die Operateure ist auf der Sattelzugmaschine und der Waffenturm auf dem Sattelauflieger verbaut. 9K331T Tor-M1TB: installiert auf einem Sattelzug. Die Kabine für die Operateure ist auf der Sattelzugmaschine verbaut und der Waffenturm wird auf vier hydraulische Stützbeine abgestellt. 9K331T Tor-M1TS: installiert auf einem Sattelzug. Die Kabine für die Operateure wird abgesetzt und der Waffenturm wird auf vier hydraulische Stützbeine abgestellt.

9K331A Tor-M1A Diese Ausführung wurde 2004 vorgestellt. Dabei wurden die Elektronik, die Arbeitsplätze sowie die Konsolen der Operateure modernisiert und es wird eine neue Software verwendet. Tor-M1A kann zeitgleich vier 9M331-Lenkflugkörper gegen zwei Ziele einsetzen. Die Einsatzparameter entsprechen dem Tor-M1. Die Ausführung Tor-M1A existiert entweder als Nachrüstprogramm oder als Neuproduktion.Deagel.com: Tor-M1

9K332 Tor-M2 mini|Tor-M2K auf Basis des MZKT-6922