Das Minski Awtomobilny Sawod (kurz MAZ; ; ) ist ein belarussischer Fahrzeughersteller aus Minsk. Neben Lkw werden auch Busse hergestellt.

Geschichte mini|Unternehmenszentrale in Minsk im Juli 2015 mini|MAZ-Zentrale in Minsk im November 2017 mini|Logo des MAZ-MAN Joint Ventures

MAZ ist einer der ältesten und größten Betriebe in Belarus. Den Grundstein des Werkes legte die deutsche Besatzungsmacht in den Jahren des Zweiten Weltkrieges: Es sollten dort von der Firma Mercedes-Benz Lkw für die Wehrmacht gebaut werden. Bevor dieser Plan jedoch in Erfüllung ging, eroberte die Rote Armee 1944 das Werk zurück, das immerhin schon so weit gediehen war, dass dort ab November 1944 von den Westalliierten an die Sowjets gelieferte Lkw fertigmontiert werden konnten.Siegelbaum: "Cars for comrades". S. 61.

Dann beschloss das Staatliche Verteidigungskomitee der UdSSR die Gründung eines Nutzfahrzeugherstellers in Minsk. Geplant war die Herstellung von Haubenfahrzeugen mit Zwei- und Dreiachs-Lkw sowie von Zweiachssattelschleppern. Im Oktober 1947 wurden schließlich die ersten fünf Kipper vom Typ MAZ-205 mit fünf Tonnen Nutzlast hergestellt, die bis Mitte der 1960er-Jahre produziert wurden. 1951 wurde mit der Produktion des Pritschenwagens MAZ-200 und von schweren Muldenkippern (Typen MAZ-525 und später auch MAZ-530) begonnen. Diese wurde allerdings bis 1960 vollständig an das Belorusski Awtomobilny Sawod (BelAZ) abgegeben. Bis 1955 brachte das Werk mit dem MAZ-501 seine erste Eigenentwicklung zur Serienreife. Gegen Ende der 1950er-Jahre wurde mit dem MAZ-500 ein neuer Frontlenker entwickelt, welcher in verschiedenen Modellvarianten 1965 endgültig die Nachfolge des MAZ-200 antrat. Das neue Modell mit der Antriebsformel 4×2 hatte eine moderne Stahlblechkabine und eine Zuladung von maximal acht Tonnen. Zudem wurde ab 1969 ein Dreiachser (MAZ-516) mit bis zu 16 Tonnen Zuladung produziert. 1970 wurde die Serie 500 überarbeitet, die neuen Versionen durch ein A hinter den Modellnummern kenntlich gemacht. Ab Ende der 1970er Jahre erschien eine neue schwere Lkw-Modellreihe, die westeuropäische Fabrikate zum Vorbild hatte. Zu nennen sind hierbei die Fernverkehr-Sattelzugmaschinen MAZ-5432 als zweiachsiger Frontlenker und das Modell MAZ-6422 als dreiachsiger Frontlenker. Motorisiert sind diese Lkw mit V8-Turbodieselmotoren aus dem Jaroslawski Motorny Sawod. Beide Modelle wurden unter der Bezeichnung MAZ-54321 und MAZ-64221 weiterentwickelt und erhielten stärkere Motoren. Sie werden unter leichten Modifikationen bis heute produziert.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion intensivierte MAZ die Beziehungen zu MAN. Seit 1997 gibt es ein Joint Venture mit MAN. Es werden hier Lkw mit Komponenten von MAN unter der Bezeichnung MAZ-MAN (-MAN) angeboten. Zudem werden MAZ-Lastwagen in Vietnam und seit Juli 2004 auch im Iran produziert. Im Oktober 2013 wurde mit der Regierung von Ecuador ein Vertrag unterzeichnet, welcher die Montage von Nutzfahrzeugen von MAZ in dem südamerikanischen Land vorsieht. Vor allem geht es um die Herstellung von Bussen auf Basis der Lastkraftwagenmodelle MAZ-4371 und MAZ-5340 für den ecuadorianischen Markt.Meldung auf export.by vom 4. November 2013, abgerufen am 25. März 2014 (englisch)

Mehrachsige schwere Lkw werden im Minski Sawod Koljosnych Tjagatschei (MZKT) hergestellt, das 1991 als Tochterunternehmen ausgegründet wurde. Vertrieben werden die Produkte unter dem Markennamen Volat.

Am 21. Juni 2021 wurde MAZ (ebenso wie sein Generaldirektor Iwankowitsch) in die Sanktionsliste der Europäischen Union aufgenommen.. In: Amtsblatt der Europäischen Union. 21. Juni 2021. Am selben Tag wurden MAZ und Iwankowitsch auch von Kanada sanktioniert. Später sanktionierte auch die Schweiz das Unternehmen und seinen Generaldirektor.

Im März 2023 nahm das US-Finanzministerium MAZ und seinen Generaldirektor Iwankowitsch in die Liste der Specially Designated Nationals and Blocked Persons (SDN) auf. Im Mai 2023 verhängte die Ukraine Sanktionen gegen das Werk.

Modelle MAZ und die seit 2009 angeschlossenen Zweigwerke, welche gemeinsam die BelawtoMAZ bilden, bieten heute eine weit gefächerte Produktpalette an, die aktuell (Januar 2014) über 500 Lastwagenmodelle und Modifikationen sowie fast 20 Busse umfasst. Außerdem werden auch Traktoren, Muldenkipper und andere Fahrzeuge gefertigt., PDF-Dokument abgerufen am 25. Dezember 2015 Die folgende Auflistung historischer und aktueller Typen, hauptsächlich aus dem ursprünglichen MAZ-Werk, soll lediglich einen Überblick gewähren.

Lastwagen Zivil In diesem Abschnitt sind Lastwagen aufgeführt, die vorrangig für zivile Einsätze konzipiert und oft in großen Stückzahlen gebaut wurden. Einige davon fanden gleichwohl auch im Militär Verwendung.

mini|Ein MAZ-200 in Russland, 2012 mini|MAZ-504, 2006

mini|MAZ-6422 mini|Kipper MAZ-MAN 750268

historische Lastkraftwagen:* MAZ-200 mit den Varianten MAZ-200W MAZ-205 MAZ-501 MAZ-501W MAZ-502 MAZ-502W MAZ-500 mit den Modifikationen MAZ-503 MAZ-504 MAZ-505 MAZ-509 MAZ-511 MAZ-514 MAZ-515 MAZ-516 MAZ-520 MAZ-5335 mit den Versionen MAZ-5334 MAZ-5428 MAZ-5429 MAZ-5430 MAZ-5549 MAZ-5432 MAZ-2000 (nur Prototyp)

* Nicht verlinkte Versionen werdenim Artikel zum Grundmodell (fett)genauer erklärt.

MAZ-525 MAZ-528 MAZ-529 MAZ-530 MAZ-532 MAZ-541aktuelle Lastkraftwagen: MAZ-4370 MAZ-4371 MAZ-4380 MAZ-4381 MAZ-4471 MAZ-4570 MAZ-4571 MAZ-4581 MAZ-5309 MAZ-5316 MAZ-5336 MAZ-5337 MAZ-5340 MAZ-5433 MAZ-5434 MAZ-5440 MAZ-5442 MAZ-5516 MAZ-5550 MAZ-5551 MAZ-6302 MAZ-6303 MAZ-6310 MAZ-6312 MAZ-6317 MAZ-6318 MAZ-6417 MAZ-6418 MAZ-6422 MAZ-6425 MAZ-64255 MAZ-6430 MAZ-6432 MAZ-6440 (nur Prototypen) MAZ-6501 MAZ-6502 MAZ-6516 MAZ-6517

Militärisch MAZ und später MZKT bauten viele, häufig schwere Militärfahrzeuge. Dazu zählen insbesondere Speziallastwagen wie mobile Raketenabschussbasen, aber auch zum Beispiel schwere Zugmaschinen.

mini|Ein MAZ-537 mit Auflieger für den Panzertransport, 2010

MAZ-535 MAZ-537 MAZ-538 (Erdbaugerät) MAZ-543 mit den Weiterentwicklungen MAZ-7310 MAZ-7410 MAZ-7910 MAZ-547 mit den Weiterentwicklungen MAZ-7916 MAZ-7912 MAZ-7917 MAZ-7904 (größtes je gebautes militärisches Radfahrzeug) MAZ-7906 MAZ-7907 MAZ-7922 (abgegeben an MZKT)

Autobusse MAZ begann erst nach dem Zerfall der Sowjetunion mit dem Bau von Bussen. Neben Omnibussen werden vereinzelt auch Trolleybusse gebaut.

mini|Busse MAZ-203 und MAZ-206

MAZ-101 Neoplan MAZ-103 (Omnibus; 1996) MAZ-103T (Oberleitungsbus 1999) MAZ-104 MAZ-105 (Gelenkbus; 1997) MAZ-107 (Omnibus; 2004) MAZ-152 (Stadtbus; 1999) MAZ-171 (Vorfeldbus; 2005) MAZ-203 (Omnibus; 2006) MAZ-203T (Oberleitungsbus) MAZ-205 (Gelenkbus; 2009) MAZ-206 (Midibus; 2006) MAZ-215 (Gelenkbus; 2014) MAZ-216 (Gelenkbus, 2018) MAZ-226 (Midibus; 2006) MAZ-231 MAZ-241 MAZ-251 MAZ-256 (Omnibus; 2006) MAZ-257 MAZ-5295

Literatur Der 25-t-Großkipper MAS-525 in: Kraftfahrzeugtechnik 4/1953, S. 114–117. Neue sowjetische Lastkraftwagen. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1958, S. 98–101. (MAS-530, MAS-528, MAS-529, MAS-532, MAS-502) Peter J. Davies: Lastwagen der Welt – Das Lexikon der Marken und Modelle. Motorbuch, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02257-5. Lewis H. Siegelbaum: Cars for comrades, the Life of the Soviet Automobile. New York 2008, ISBN 978-0-8014-7721-8.

Einzelnachweise

Weblinks

Offizielle Webseite (englisch) Homepage des Joint-Ventures MAZ-MAN (englisch)

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