Der Eimsbütteler Turnverband e. V., kurz Eimsbütteler TV oder ETV Hamburg, ist ein Sportverein aus dem Hamburger Stadtteil Eimsbüttel mit 20.511 Mitgliedern (Stand: 31. Dezember 2024). In 24 Abteilungen werden 40 unterschiedliche Sportarten wie Fußball, Handball, Leichtathletik, Basketball, Tischtennis, Unihockey, Volleyball und Turnen angeboten.

Geschichte Am 12. Juni 1889 gründeten 60 Männer den Eimsbütteler Männerturnverein. Bereits nach einem Monat spaltete sich die Eimsbütteler Turnerschaft ab. Zwar kam es 1893 zu einer vorübergehenden Vereinigung, doch erst 1898 schlossen sich beide Vereine zum Eimsbütteler Turnverband zusammen, um eine gemeinsame Turnhalle zu bauen, die dann 1910 eröffnet wurde.

Ungewöhnlich für einen Turnverein war, dass sich der ETV in den 1920er Jahren der „Reinlichen Scheidung“ von Turnen und Sport widersetzte und mit seiner Fußballmannschaft im NFV blieb.Kicker vom 12. Mai 1925, S. 20

Erfolge Turnen Im Kunstturnen schrieb der Verein Sportgeschichte, als Irmgard Lüdemann im Jahr 1964 die erste Deutsche Meisterin am Sprung der Bundesrepublik Deutschland wurde.Dagegen wurden in der ehemaligen DDR bereits seit 1949 Meister an den einzelnen Geräten ermittelt (Andreas Götze, Eckhard Herholz: Das Turnjahrhundert der Deutschen: Olympische Spiele, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Weltcupwettbewerbe von 1896 Athen bis 1992 Barcelona. Berlin 1992, S. 316.) Im Einzel-Mehrkampf reichte es zum Vizetitel.Abendblatt.de: 1964 (PDF.Datei) Sie verteidigte ihren Sprung-Titel im folgenden Jahr. Als Mitglied der Nationalmannschaft startete Irmgard Lüdemann international auch bei Länderwettkämpfen wie gegen die Sowjetunion (1963)Abendblatt.de: 1963 (PDF.Datei), Österreich (1963,Abendblatt.de: 1963 (PDF.Datei) 1965Abendblatt.de: 1965 (PDF.Datei)), Frankreich (1965)Abendblatt.de: 1965 (PDF.Datei) und Ungarn (1966).Spiegel.de: Trommeln und Triangel, Nr. 23, 30. Mai 1966 Als Vereinstrainerin – und Hamburger VerbandstrainerinAbendblatt.de: 1974 (PDF.Datei) – führte sie zusammen mit ihrem Ehemann Julius Lüdemann die Turnerinnen zu zahlreichen Erfolgen. So erreichten die Turnerinnen des ETV bei den deutschen Vereinsmannschafts-Meisterschaften im September 1975 in Bergisch Gladbach mit 163,90 Punkten den zweiten Platz.Abendblatt.de: 1975 (PDF.Datei) Die Turnerinnen turnten in der eigenen Vereinshalle gegen Auswahlmannschaften unterschiedlicher Länder wie gegen die USAAbendblatt.de: 1975 (PDF.Datei) oder Rumänien.Abendblatt.de: 1974 (PDF.Datei) Mit Wiebke Hunn vertrat eine weitere Turnerin den ETV auf internationaler Ebene, als sie 1978 bei den Weltmeisterschaften an den Start ging. Im Einzel-Mehrkampf erturnte sie den 90. Rang, mit der Mannschaft des Deutschen Turner-Bundes erreichte sie den 9. Platz.Andreas Götze/Eckhard Herholz: Das Turnjahrhundert der Deutschen. Statistik aller Olympischen Spiele, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, Weltcupwettbewerbe von 1896 Athen bis 1992 Barcelona. Berlin: edition ost 1992, S. 279. Mittlerweile hat sich das Wettkampfturnen im ETV vom Leistungssport zum Breitensport umorientiert. Hier ist der ETV mit dutzenden Hamburger Einzel- und Mannschaftstiteln unter der Leitung von Angelika Bohnhoff, Katja Scheffler und Florian Schmid einer der erfolgreichsten Vereine der letzten zehn Jahre.VTF-Hamburg.de Deutsche Meisterin am Sprung 1964, 1965 Deutsche Vizemeisterin im Einzel-Mehrkampf 1964 Länderwettkämpfe gegen Teams der Sowjetunion, Österreich, Frankreich, Ungarn (1963–1966) Vizemeister bei den deutschen Vereinsmannschafts-Meisterschaften 1975 Weltmeisterschaften 1978: 9. Mannschaft

Persönlichkeiten Irmgard Lüdemann Robert Smuda

Fechten Die Degenmannschaft des ETV wurde bei den Deutschen Fechtmeisterschaften 1954 Dritter.„Hannover wieder Säbelmeister“ in Hamburger Abendblatt vom 25. Oktober 1954, abgerufen am 11. März 2022. Wilfried Wöhler war von 1958 bis 1959 Mitglied des Eimsbütteler TV. Er wurde 1958 deutscher Meister im Säbelfechten. Ein Jahr später wurde er Vizemeister. 1960 nahm er an den Olympischen Spielen in Rom teil, focht jedoch zu dieser Zeit schon beim FC Rothenbaum. Erika Bethmann wurde 1968 und 1970 dritte bei den Deutschen Meisterschaften im Florettfechten. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München gehörte sie zur Damenflorett-Mannschaft. Gesche Reimers und Friederike Janshen wurden 2005 und 2006 bei den Senioren-Meisterschaften in ihrer Altersklasse jeweils Deutsche Meisterin im Säbelfechten. 2006 gelang Friederike Janshen der Einzug ins deutsche Seniorennationalteam, mit dem sie Vizeeuropameisterin im finnischen Turku wurde. Im Mai 2007 wurde die ETV-Fechterin Friederike Janshen im schweizerischen St. Gallen Senioren-Europameisterin (19 Teilnehmerinnen) im Säbelfechten und gewann Bronze im Florett (32 Teilnehmerinnen). Rabea Hambach-Richter wurde 2025 bei der Veteranen-WM in Bahrain Weltmeisterin im Damensäbel im Einzel und zusammen mit der Mannschaft des DFB auch Team-Weltmeisterin.

Faustball Bereits 1896 wurde die Faustballabteilung gegründet und schon zwei Jahre später fand die erste Turnierteilnahme statt, es folgten weitere Turniere. 1913 wurde im ETV auch Frauenfaustball eingeführt. Die Mannschaften des ETV sammelten fleißig Titel und Platzierungen bei Hamburger, norddeutschen und deutschen Meisterschaften. Hier nur die echten deutschen Meisterschaften: Herren: Deutscher Meister 1928, 1929, 1947, 1948, 1954 Damen: Deutscher Meister 1934 männl. Jugend: Deutscher Meister 1956 Herren Feld AK 30: Deutscher Meister 1962, 1995, 2000, 2001 Herren Halle AK 30: Deutscher Meister 1997, Herren Halle AK 40: Deutscher Meister 2003, 2004, 2005, 2006, 2007 Herren Feld AK 45: Deutscher Meister 2007, 2008, 2009, 2010, 2011 Herren Halle AK 45: Deutscher Meister 2009, 2010 Nationalspieler: Ehlbeck, Claus 36 Länderspiele davon 4 × Jugend 1972–1973 / 16 × Junioren 1974–1977 / 16 × Herren 1977–1983 Weltmeister 1979 + 1982 / Europameister 1981 Schoenberner, Peter 5 Länderspiele 1957–1960 Ehlbeck, Peter 4 Länderspiele 1957–1958 Eisfeld, Werner 2 Länderspiele 1957

Korbball Deutscher Meister im Feldkorbball der Frauen: 1939, 1949 und 1953 Deutscher Vizemeister: 1950

Leichtathletik Hans Liesche gewann bei den Olympischen Sommerspielen 1912 in Stockholm die Silbermedaille im Hochsprung. Hans-Heinrich Sievert gewann ab 1930 neun deutsche Meistertitel im Kugelstoßen, Diskuswurf, Fünf- und Zehnkampf, nahm 1932 an den Olympischen Spielen teil und verbesserte 1934 den Weltrekord im Zehnkampf.Jankowski, Pistorius, Prüß: Fußball im Norden. Bremen und Barsinghausen 2005, S. 58.

Softball Die 1. Damen-Mannschaft der ETV-Hamburg Knights ist 1995, 2005 und 2008 Deutscher Meister geworden und gewann außerdem 2004 und 2006 den deutschen Pokal.

Tischtennis Die Tischtennisabteilung wurde 1946 gegründet.„Nach dem Krieg“ auf etv-hamburg.de, abgerufen am 22. August 2022. Während die Herren 1950 in der höchsten Hamburger Spielklasse angekommen waren,„Tischtennis: Nur noch HSV ohne Punktverlust“ in Hamburger Abendblatt vom 13. November 1950, abgerufen am 22. August 2022. spielten die Damen von 1968 bis 1970 sogar in der Oberliga Nord, der damals höchsten deutschen Spielklasse.dts, diverse Berichte in den Jahren 1968, 1969 und 1970. In der Spielzeit 2022/23 nimmt der ETV mit fünf Herren-Mannschaften, von denen die erste Mannschaft in der Hamburg-Liga antritt, und einer Jungen-U19-Mannschaft am Spielbetrieb teil. Damen-Mannschaften bestehen nicht mehr.Mannschaftsübersicht auf www.mytischtennis.de, abgerufen am 22. August 2022.

Volleyball und Beachvolleyball

Die 1. Frauen-Mannschaft des ETV spielte seit 2020 in der 2. Bundesliga Nord, seit 2023 in der 2. Bundesliga Pro und seit 2025 in der 1. Bundesliga. Die 1. Männer spielten von 1993 bis 2006, von 2007 bis 2009 und 2022/23 sowie 2024/25 in der 2. Bundesliga Nord. Axel Hager und Jörg Ahmann gewannen bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney die Bronzemedaille im Beachvolleyball. Julius Thole und Clemens Wickler wurden 2019 in Hamburg Vizeweltmeister im Beachvolleyball. Nils Ehlers und Clemens Wickler gewannen bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris die Silbermedaille im Beachvolleyball.

Wasserball Bereits seit Mitte der 1950er Jahre besteht beim ETV eine Wasserballabteilung.„Junge Delphine kämpfen sich vor“ in Hamburger Abendblatt vom 31. Januar 1955, abgerufen am 15. März 2022. Die Frauen-Wasserballmannschaft des ETV Hamburg gehörte 1998 zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Größter Erfolg der Vereinsgeschichte waren der dritte Platz im deutschen Wasserball-Pokal der Frauen 2013 und 2022 sowie die erstmalige Qualifikation für die Bundesligaplayoffs der Saison 2021/22.

Handball Damen: Deutscher Meister 1958, 1959, 1963 und 1967 siehe hierzu: Artikel zur Handballabteilung

Basketball Beim ETV wurde ab 1937 Basketball gespielt, für die Schulung der Grundlagen der Sportart sorgte Reichstrainer Hugo Murero. Mit dem Hamburger TB und dem Hammer Turnverein gehört der ETV damit zu den ersten Hamburger Vereinen, in denen Basketball betrieben wurde. Damals war die Sportart noch dem Handballverband zugeordnet. Der ETV stellte auch den ersten Hamburger Basketballmeister und erreichte bei der Deutschen Meisterschaft 1938 den dritten Platz.

Murero leitete nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Gründung einer Basketballabteilung im ETV ein. Der Verein nahm 1949 an der ersten Nachkriegsmeisterschaftsrunde in Hamburg teil, nachdem er bereits 1948 Meister der britischen Besatzungszone gewesen war.„Wieder Basketball“ in Hamburger Abendblatt vom 2. Dezember 1949, abgerufen am 21. März 2022. 1950 wurde der ETV Hamburger Meister der Herren und qualifizierte sich dadurch für die deutsche Meisterschaft.„Was es sonst noch gab“ in Hamburger Abendblatt vom 8. April 1950, abgerufen am 18. Januar 2022.

In der Saison 2019/20, die aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 vorzeitig beendet wurde, gewannen die ETV-Herren mit einer Bilanz von 19 Siegen und einer Niederlage den Meistertitel in der 1. Regionalliga Nord. Trainerin der Meistermannschaft war Sükran Gencay, die die Eimsbütteler zuvor auch 2015/16 als Vizemeister der Oberliga Hamburg zum Aufstieg in die 2. Regionalliga und 2017/18 in die 1. Regionalliga geführt hatte. Überragende Spieler des ETV-Aufgebots waren der US-Amerikaner Tyseem Lyles, der während der Saison 2019/20 im Durchschnitt 25,8 Punkte je Begegnung erzielte, und der Litauer Vidmantas Uzkuraitis (22,0 Punkte/Spiel). Der ETV bekundete anschließend die Absicht, den Aufstieg in die 2. Bundesliga ProB wahrzunehmen und kündigte an, auch in der bundesweit dritthöchsten Spielklasse keine Spieler bezahlen zu wollen. Zwecks wirtschaftlicher Unterstützung für die Teilnahme an der 2. Bundesliga ProB erhielten die ETV-Basketballer im Sommer 2020 im Rahmen einer Spendensammlung rund 15 700 Euro. Anfang Juli 2020 wurde seitens der Liga die Teilnahmeberechtigung für die dritthöchste Spielklasse erteilt. Mit Lyles ging der beste Korbschütze der Aufstiegssaison, sein Landsmann Will Barnes sollte ihn ersetzen, zog sich aber aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen kurz vor dem Saisonbeginn zurück, mit Mubarak Salami und Abdulai Abaker wurde die Mannschaft mit zwei Rückkehrern verstärkt, die ProB-Erfahrung mitbrachten. Trotz des Aufstiegs in die dritthöchste Spielklasse erteilte die Spitze des Hauptvereins Profitum eine Absage mit den Worten: „Wir sind und bleiben ein Amateurverein. Wir treiben Sport aus Leidenschaft und nicht, um mit ihm Geld zu verdienen.“ Dennoch wurde das Ziel ausgegeben, im Großraum Hamburg im Basketball die Nummer zwei hinter den Hamburg Towers zu werden, was unter anderem durch die Einstellung von namhaften Trainern für den Jugendbereich (Paul Larysz, Kay Gausa, Will Barnes) und des ehemaligen Bundesliga-Spielers Marcus Engelke als Leistungssportkoordinator unterstrichen wurde.