mini|300px|Merian: Nordwest-Ansicht von Wertheim 1656 mini|300px|Wertheim oben, Kreuzwertheim unten. Luftbild 2008. Ansicht von nordwest
Wertheim (, im taubergründischen Dialekt []Karl Platz: Wertheimer Mundart-Wörterbuch. Verlag E. Buchheim, Wertheim 1990, ISBN 3-924611-12-2.) ist die nördlichste Stadt Baden-Württembergs, direkt an der Grenze zu Bayern, etwa 70 Kilometer südöstlich von Frankfurt am Main und 30 Kilometer westlich von Würzburg. Die Mittelstadt liegt in Tauberfranken und ist (Stand 31. Dezember 2023) die zweitgrößte Stadt des Main-Tauber-Kreises und ein Mittelzentrum im Regionalverband Heilbronn-Franken für die umliegenden Gemeinden. Seit dem 1. Januar 1976 ist Wertheim eine Große Kreisstadt.
Geographie mini|Wertheim, von der Burg aus gesehenrahmenlosBurgruine über der Stadt
Lage Wertheim ist die nördlichste Stadt Baden-Württembergs und liegt im Nordwesten des Main-Tauber-Kreises an der Mündung der Tauber in den Main, an den Ausläufern des Odenwaldes bzw. des Spessarts jenseits des Mains. Das 138,63 Quadratkilometer große, im Norden vom Main begrenzte Gemeindegebiet gehört in seinen westlichen Teilen mit der Wertheimer Hochfläche und den tief eingeschnittenen Tälern des Mains und der Tauber naturräumlich zum Sandstein-Spessart und in seiner östlichen Hälfte zur Marktheidenfelder Platte. Die tiefste Gemeindestelle liegt am Main in Richtung Dorfprozelten mit 127 Metern Höhe, der höchste Punkt unweit südlich auf dem Vorderen Berg mit etwa 412 Metern Höhe.
Nachbargemeinden mini|hochkant|Engelsbrunnen mit Blick auf Altstadt, 1574 als städtischer Ziehbrunnen von Baumeister Michael Matzer und Bildhauer Mathes Vogel geschaffen Die folgenden Städte und Gemeinden – im Uhrzeigersinn im Osten beginnend – grenzen an die Stadt Wertheim:
Holzkirchen, Helmstadt und Neubrunn (alle Landkreis Würzburg, Bayern), Werbach und Külsheim (beide Main-Tauber-Kreis), Neunkirchen (Landkreis Miltenberg, Bayern), Freudenberg (Main-Tauber-Kreis), Dorfprozelten, Stadtprozelten und Faulbach (alle Landkreis Miltenberg) sowie Hasloch, Kreuzwertheim und Triefenstein (alle Landkreis Main-Spessart, Bayern).
Stadtgliederung mini|Stadtteilgrenze der Kernstadt und Gemarkung Wertheim Das Stadtgebiet Wertheims besteht aus der Kernstadt, 15 Ortschaften mit je einer eigenen Ortsverwaltung und einem Ortsvorsteher sowie 5 Stadtteilen mit je einem Stadtteilbeirat und einem Stadtteilbeiratsvorsitzenden. Historisch wurde der Stadtbereich links der Tauber nicht immer als Stadtteil angesehen. So wird für diesen ehemals eigenständig ummauerten Bereich auf einem Kupferstich aus dem frühen 18. Jahrhundert die Bezeichnung „Vorstadt“ verwendet. Eine alternative Bezeichnung lautete „Übertauber“.Michael Geringhoff: Lädiert, aber ein wichtiges Zeugnis. In: Wertheimer Zeitung. 13./14. März 2010. mini|ohne|498px|alternativtext=Grafik mit den Ortschaften und Stadtteilen der Stadt Wertheim|Stadtteile und Ortschaften der Stadt Wertheim
Ortschaften Die 15 Ortschaften sind ehemals selbstständige Gemeinden, die erst bei der Gebietsreform in Baden-Württemberg der 1970er Jahre nach Wertheim eingegliedert wurden. Ihre Kurzporträts finden sich auf der Website der Stadtverwaltung.Stadtverwaltung Wertheim: Ortschaften, abgerufen am 7. Oktober 2013. Zu einigen Ortschaften bzw. Stadtteilen gehören zum Teil noch weitere separat gelegene Wohnplätze mit eigenem Namen, wovon einige nur sehr wenige Einwohner haben. Es handelt sich um die Orte: Bettingen mit dem Dorf Bettingen () und dem Wohnplatz Industriegebiet Almosenberg (). Dertingen mit dem Dorf Dertingen () und dem Wohnplatz Renztal (). Dietenhan mit dem Dorf Dietenhan (). Dörlesberg mit dem Dorf Dörlesberg (), dem Gehöft Ernsthof () und den Wohnplätzen Ernsthofsiedlung () und Ebenmühle (). Grünenwört mit dem Dorf Grünenwört (). Höhefeld mit dem Dorf Höhefeld (), dem Wohnplatz Klosterhöhe () als Streusiedlung sowie den Höfen Mittelhof () und Wagenbuch (). Kembach mit dem Dorf Kembach () und dem Wohnplatz Sonnenberg (). Lindelbach mit dem Dorf Lindelbach (). Mondfeld mit dem Dorf Mondfeld () und dem Wohnplatz Rosenmühle (). Nassig mit den Dörfern Nassig () und Ödengesäß (), dem Wohnplatz Ödengesäßer Hof () und den Weilern Im Tal (Im Loch) () und Steingasse (). Reicholzheim mit dem Dorf Reicholzheim (), dem Weiler Bronnbach (), dem Gehöft Schafhof () und den Wohnplätzen Bahnstation Bronnbach (), Bahnstation Reicholzheim (), Campingplatz (), Eichgrundsiedlung (), Jungheidsiedlung () und Teilbacher Mühle (). Sachsenhausen mit dem Dorf Sachsenhausen () und dem Wohnplatz Am Kirchenweg (). Sonderriet mit dem Dorf Sonderriet (). Urphar mit dem Dorf Urphar () und dem Wohnplatz Klosterweg (). Waldenhausen mit dem Dorf Waldenhausen ().
Kernstadt und Stadtteile Zu Wertheim gehören die Kernstadt Wertheim () und deren Stadtteile. Die sechs Stadtteile sind entweder ehemals selbstständige Gemeinden, die bis 1939 nach Wertheim eingemeindet wurden (Bestenheid (), Eichel/Hofgarten () mit Eichel () und Hofgarten () und Vockenrot ()) oder neu entstandene Gebiete, die nach ihrer Aufsiedelung zu eigenständigen Stadtteilen erklärt wurden (Reinhardshof () mit dem angrenzenden Wohngebiet Bestenheider Höhe (), Wartberg ()). Die Stadtteile bzw. Wohnplätze Brückenviertel (), Mühlenviertel () und Tauberviertel () gingen in der Stadt Wertheim auf. Daneben gibt es noch die Wohnplätze Haidhof () und Neuhof (). Reinhardshof entstand erst Mitte der 1990er Jahre, als nach Abzug der US-Armee aus dem bis dahin militärisch genutzten Kasernengelände der Peden Barracks der zivile Stadtteil Reinhardshof aufgesiedelt wurde. Bestenheider Höhe ist ein Wohngebiet, das zwischen den Stadtteilen Reinhardshof, Wartberg und Bestenheid liegt.
Raumplanung Wertheim bildet ein Mittelzentrum im Regionalverband Heilbronn-Franken, in der Heilbronn als Oberzentrum ausgewiesen ist. Zum Mittelbereich Wertheim gehört neben der Stadt Wertheim noch die Stadt Freudenberg, wobei auch starke Verflechtungen mit den bayerischen Nachbargemeinden bestehen.
Schutzgebiete In Wertheim gibt es drei Landschafts- und drei Naturschutzgebiete:Reinhard Wolf, Ulrike Kreh (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart. Thorbecke, Ostfildern 2007. Landschaftsschutzgebiet Wertheim: 3932,0 ha; Gemarkungen Freudenberg, Külsheim, Werbach und Wertheim; seit 1979. Landschaftsschutzgebiet Freudenberg: 1704,5 ha; Gemarkungen Freudenberg und Wertheim; seit 1984. Landschaftsschutzgebiet Kembachtal: 744,0 ha; Gemarkung Wertheim, seit 1985. Naturschutzgebiet Ellenberg-Kapf: 17,5 ha; Stadt Wertheim, Gemarkung Dertingen; seit 1986.Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg: 1.144 Ellenberg-Kapf. In: lubw.baden-wuerttemberg.de, abgerufen am 3. Januar 2018. Naturschutzgebiet Gutenberg: 12,2 ha; Stadt Wertheim, Gemarkung Dertingen; seit 1984.Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg: 1.127 Gutenberg. In: lubw.baden-wuerttemberg.de, abgerufen am 3. Januar 2018. Naturschutzgebiet Leidenrain: 29,7 ha: Stadt Wertheim, Gemarkung Wertheim; seit 1942 und damit das älteste Naturschutzgebiet im Main-Tauber-Kreis.Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg: 1.041 Leidenrain. In: lubw.baden-wuerttemberg.de, abgerufen am 3. Januar 2018.
Daneben gibt es auf dem Gebiet der Stadt Wertheim insgesamt 34 als Naturdenkmal geschützte Objekte.
Die FFH-Gebiete Unteres Taubertal und Sandstein Spessart liegen teilweise auf dem Gebiet der Stadt Wertheim. Auf der Wertheimer Gemarkung liegen daneben noch acht Wasserschutzgebiete.
Geschichte Frühzeit und Mittelalter mini|Wertheim um 1600 in der Topographia Franconiae
Auf der Wettenburg, einer Anhöhe in der Mainschleife auf Kreuzwertheimer Gebiet, gegenüber von Urphar auf der anderen Mainseite, siedelten bereits in der Zeit der Michelsberger Kultur und der Urnenfelderkultur Menschen. Auch zur Zeit der frühen Kelten (Latènezeit) und während der Völkerwanderung befand sich eine Siedlung auf der Anhöhe.
mini|Wertheim a. M., Carl Anton Joseph Rottmann, 1822
Wertheim wurde wahrscheinlich im 8./9. Jahrhundert gegründet. Der Name der Zweiflüssestadt leitet sich von Werder im Sinne von Insel oder Erhebung in einem Fluss ab.Wobei sich Wertheim nicht auf einer Fluss-Insel befindet. Die Deutung des Ortsnamens im Sinne von Wert ist seit dem frühen 17. Jahrhundert gängig, so in der Wertheim-Darstellung in Daniel Meisners Thesaurus philopoliticus (1623). Die erste urkundliche Erwähnung von Wertheim (ob links oder rechtsmainisch ist unklar) fand von 750 bis 802 / 779/94 (?) statt.Laut Heinrich Wagner ist es nicht Wertheim, sondern Westheim, Kreis Haßfurt. Main-Fränk. JB 33-1981 Graf Kunibert überträgt Eigen zu Wertheim, Biscoffesheim, Kuffese, Rowilenheim, Heringesheim und Kamerdinge an das Kloster Fulda (Urkunde Nr. 222, S. 320 im Urkundenbuch des Klosters Fulda). Ab dem frühen 12. Jahrhundert nannte sich ein Zweig des Adelsgeschlechts der Reginbodonen nach Wertheim. Nachdem diese als Grafen von Wertheim sich links des Mains, am rechten Ufer der Taubermündung, eine Burg (Burg Wertheim) erbauten, entwickelte sich unterhalb dieser beherrschenden Wehranlage eine neue Siedlung, die ebenfalls den Namen Wertheim erhielt. 1192 ist diese erstmals als „Suburbium castri Wertheim“ erwähnt, um 1200 wird sie als „oppidum“ und 1244 als „civitas“ bezeichnet.
Von 1355 bis 1373 wurde die Stadt von Graf Eberhard von Wertheim regiert. Unter seiner Ägide erhielt Wertheim 1363 urkundlich das Münzregal, weil er, so die Urkunde, Kaiser Karl IV. durch „stete trewe und fleizzigen dienst (…) offt unverdrozzenlich“ unterstützte.Constantin Zeller: Wertheimer Münzstempel im rechten Licht. In: Wertheimer Zeitung. 15. Oktober 2010. In dieser Zeit unterstellte der Graf von Wertheim die gesamte Grafschaft dem Kaiser Karl IV. Der Kaiser gab dem Grafen die Grafschaft als Lehen des böhmischen Reiches wieder zurück. Diese Hörigkeit nach Böhmen machte die Wertheimer Grafen zu Vertrauten der Monarchie. Der letzte Graf von Wertheim war Michael III. Dieser heiratete die älteste Tochter des Grafen Ludwig zu Stolberg, Katharina. Da aus dieser Ehe kein männlicher Nachfahre hervorging, starb das Adelsgeschlecht aus und Ludwig zu Stolberg kam in den Besitz der Grafschaft Wertheim. Nach dessen Tod 1574 ging die Grafschaft an einen weiteren Schwiegersohn, Graf Ludwig von Löwenstein.
3. Würzburger Fehde Nach dem Tod von Graf Ludwig zu Stolberg 1574 erkannten die drei Schwiegersöhne Stolbergs, Graf Philipp von Eberstein, der Ehemann von Katharina, Graf Dietrich von Manderscheid, Ehemann von Elisabeth, und Ludwig III. von Löwenstein, Ehemann von Anna, die Erbfolge an und regierten die Grafschaft gemeinsam. Diese Einigkeit geriet nach dem Tod von Dietrich von Manderscheid im Jahr 1593 durch die zweite Ehe Elisabeths mit dem katholischen Wilhelm von Krichingen verloren, da dieser nicht gemeinsam mit Ludwig III. regieren wollte. Darüber hinaus beanspruchte er die würzburgischen Lehen von Graf Ludwig zu Stolberg. Der Würzburger Bischof Julius Echter stellte sich in diesem Streit auf die Seite von Krichingen und unterstützte ihn. Nach dem Tod der Gräfin Katharina von Eberstein verlegte von Krichingen seinen Wohnsitz nach Remlingen, von wo aus er die Fehde begann.Volker Hirsch: Die Würzburger Fehde. In: landesarchiv-bw.de, abgerufen am 6. Mai 2011.
Der Bischof ließ Wertheim belagern. In: uettingen.de, abgerufen am 6. November 2017. und einzelne Dörfer brandschatzen. So wurde 1605 Bettingen In: wolzwertheim.de, abgerufen am 6. Mai 2011. und am 23. April 1606 Höhefeld von bischöflichen Reitern überfallen und geplündert. Dabei wurden fünf Bürger zum Teil schwer verwundet.. In: dorf-hoehefeld.de, abgerufen am 6. November 2017 (zur Geschichte Höhefelds).