mini|hochkant|Lucas Cranach der Jüngere, Moritz von Sachsen (1559), Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden rahmenlos|zentriert|128px|klasse=skin-invert-image notpageimage Moritz von Sachsen (* 21. März 1521 in Freiberg; † 11. Juli 1553 bei Sievershausen) war ein deutscher Fürst aus dem Hause der albertinischen Wettiner. Er war ab 1541 Herzog des albertinischen Sachsens sowie von 1541 bis 1549 Herzog von Sagan und ab 1547 auch Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches. Er war einer der wichtigsten Gegenspieler Kaiser Karls V. bei der Reformierung des Reiches.
1521–1541: Kindheit und Jugend mini|hochkant=0.75|Herzog von Sachsen Heinrich der Fromme trat mit seinem Sohn 1536 zum Luthertum über, Porträt von Lucas Cranach dem Älteren Moritz von Sachsen wurde am 21. März 1521 als Sohn des noch katholischen späteren Herzogs von Sachsen Heinrichs des Frommen und dessen protestantischer Frau Katharina von Mecklenburg geboren.
Im Alter von elf Jahren kam er im Dezember 1532 an den Hof seines Taufpaten Albrecht, Kardinal und Erzbischof von Magdeburg und Mainz. Zwei Jahre lang lernte Moritz dort das sinnenfrohe Leben des Kardinals kennen, was Moritz’ Onkel Georg den Bärtigen dazu brachte, die Ausbildung des späteren sächsischen Herzogs zu übernehmen und ihn katholisch zu erziehen. Nachdem 1536 Moritz’ Vater zum Protestantismus konvertiert war, nahmen dieser und seine Frau die Erziehung ihres Sohnes wieder in die Hand, und er wurde von dem Rochlitzer Pfarrer Martin OberdörfferLandesherrschaft und Reformation: Moritz von Sachsen und die ... Günther Wartenberg - 1988 - Nach Kreyßig war noch Martin Oberdörfer von 1529 bis 1535 Informator von Moritz und August. Dieser stammte aus Rochlitz, in Leipzig SS 1510 imm. (Erler 1, 505, M 53: "Martinus Oberdorffer de Rochlicz") erzogen. Danach übergaben sie ihn zur weiteren Erziehung an seinen 18 Jahre älteren Vetter Johann Friedrich I., der in Torgau residierte, von Moritz aber verachtet wurde. Moritz und sein Vetter Landgraf Philipp von Hessen waren zeitlebens freundschaftlich verbunden.
Nachdem Moritz 1539 volljährig geworden war, begannen seine Eltern, eine Ehefrau für ihn zu suchen. Favoritin wurde Philipps Tochter Agnes. Nachdem die Heiratspläne zu scheitern drohten, als die Doppelehe Philipps von Hessen bekannt wurde, verlobte sich Moritz ohne Wissen seiner Eltern mit Agnes. Die vor allem von seiner Mutter missbilligte Hochzeit fand am 11. Januar 1541 statt. Briefe aus jener Zeit zeugen von einem starken gegenseitigen Vertrauen des Paares. Zusammen hatten sie zwei Kinder: Anna von Sachsen, geboren am 23. Dezember 1544, und Albrecht, geboren am 28. November 1545, der ein Jahr später starb.
1541–1542: Wurzener Fehde
mini|hochkant=0.75|Lucas Cranach d. J.: Moritz von Sachsen in Rüstung (1578) Im August 1541 starb Moritz’ Vater, was ihn selbst zum Herzog des albertinischen Sachsen machte. Er ersetzte gleich zu Beginn die meisten der Räte, die gegen seine Heirat mit Agnes gewesen waren. Der Rat Georg von Carlowitz riet Moritz, sich mit Kaiser Karl V. und dessen Bruder, dem Römischen König Ferdinand und zugleich sein Nachbar als böhmischer König, möglichst gutzustellen, um den Fortgang der protestantischen Bewegung nicht zu gefährden. So nahm er einerseits an Karls V. Feldzügen gegen die Türken und Franzosen teil, konfiszierte aber andererseits katholisches Kirchengut und eignete sich so enormen Besitz an.
Gegenüber dem 1531 gegründeten protestantischen Schmalkaldischen Bund wahrte Moritz zunächst Distanz, obwohl Landgraf Philipp von Hessen, sein Freund und Schwiegervater, den Bund anführte. Als Hauptgrund für diese Ablehnung wird allgemein die Mitgliedschaft seines ihm verhassten ernestinischen Vetters 2. Grades Johann Friedrich I. betrachtet. In der Karwoche 1542 kam es zwischen diesen beiden im Verlauf der Wurzener Fehde (auch „Wurzener Fladenkrieg“) fast zu einem Bruderkrieg, weil Johann Friedrich das gemeinsam verwaltete „Wurzener Land“ besetzte. Dem vorausgegangen war ein Streit zwischen Moritz und Johann Friedrich über die Verwendung der Steuergelder dieses Gebiets. Philipp und Martin Luther vermittelten erfolgreich.
1543: Gründung von drei Landesschulen Im Jahr 1543 setzte Moritz einen Rat von Georg von Carlowitz, den dieser ihm 1537 gegeben hatte, in die Tat um: Er erließ am 21. Mai 1543 die „Neue Landesordnung“, mit der im Abschnitt Von dreyen neuen Schulen die dauerhafte Grundlage für die Fürsten- und Landesschulen Schulpforta (1543, 100 Plätze) bei Naumburg, St. Afra (1543, 60 Plätze) in Meißen und – nach dem Veto des Bischofs von Merseburg gegen eine solche Schulgründung in seiner Stadt – St. Augustin (1550, 70 Plätze) in Grimma geschaffen wurde. Finanziert wurden die Gründungen aus dem Vermögen aufgelöster Klöster. Aus diesen Einrichtungen gingen bis 1945 in St. Afra und in St. Augustin jeweils mehr als 8.000 sehr gut ausgebildete Schul-Absolventen hervor (für Pforta, das ab 1815 preußisch wurde, dürfte es eine ähnliche Anzahl gewesen sein), die nach ihrem Universitäts-Studium optimal auf ihre Aufgaben in Verwaltung, Kirche, Wissenschaft, Militär und Regierung vorbereitet gewesen sind (dies zeigt sich auch an den langen Listen berühmter einstiger Schüler dieser Schulen in den jeweiligen Wikipedia-Einträgen).
Dieses „sächsische Landes- und Fürstenschul-Modell“ erwies sich als so erfolgreich, dass es bald Nachahmer fand: So entstanden nach dem Vorbild dieser drei Schulen beispielsweise die Fürstenschule Schwerin, gegründet 1553 von Herzog Johann Albrecht I., die Fürstenschule Heilsbronn, 1582 gegründet von Markgraf Georg Friedrich an der Stelle eines 1578 geschlossenen Klosters, das Joachimsthalsche Gymnasium, gegründet 1607 in Joachimsthal in Brandenburg unter Kurfürst Joachim Friedrich, und die Fürstenschule Neustadt (Hochfürstlich Brandenburgisch-Culmbachische Teutsche und Lateinische Stadtschule).
1546–1551: Schmalkaldischer Krieg und Geharnischter Reichstag
mini|Gebietsänderungen im Zuge der Wittenberger Kapitulation von 1547
mini|180px|Herzog Moritz, Leipziger Belagerungsmünze von 1547
Aufgrund der Übergriffe des Schmalkaldischen Bundes gegen Braunschweig-Wolfenbüttel verhängte Kaiser Karl V. am 19. Juli 1546 die Reichsacht über Kurfürst Johann Friedrich I. Bei erfolgreicher Vollstreckung wurde Moritz vom Kaiser die Kurfürstenwürde in Aussicht gestellt. Moritz zögerte lange, da von dieser Strafaktion auch sein Schwiegervater Philipp von Hessen betroffen gewesen wäre. Aber als der Bruder des Kaisers, Ferdinand I., selbst einen Feldzug gegen Kursachsen beginnen wollte, musste er ihm zuvorkommen, um gegenüber den Habsburgern nicht die Initiative in seinen eigenen Ländern zu verlieren.
Nach anfänglichen Erfolgen – er besetzte fast kampflos Kursachsen – geriet Moritz mit seinem Heer in Bedrängnis durch den Schmalkaldischen Bund und wich Richtung Böhmen aus. In der entscheidenden Schlacht bei Mühlberg an der Elbe konnten der Kaiser und sein Bruder Ferdinand I. sowie Moritz den Schmalkaldischen Bund mit der Gefangennahme Philipps und Johann Friedrichs I. besiegen. Laut zeitgenössischen Chronisten passierte dies alles an einem Tag, dem 24. April 1547. Um seiner Enthauptung zu entgehen, verzichtete Johann Friedrich in der Wittenberger Kapitulation zugunsten von Moritz auf seine Kurfürstenwürde und einen Großteil seines Territoriums. Alle bis dahin in Betrieb gewesenen Münzstätten kamen in seinen alleinigen Besitz. Die zwischen den ernestinischen und albertinischen Fürsten bestandene Münzgemeinschaft wurde beendet. Moritz münzte nunmehr unter seinem alleinigen Namen in seinen Münzstätten Annaberg, Freiberg und Schneeberg. Die Buchholzer Münze vereinigte er mit der Annaberger Münze und beendete den Münzbetrieb in Buchholz. Die unter Moritz vorgenommene Münztrennung zwischen den beiden sächsischen Linien war endgültig.
Herzog Moritz von Sachsen wurde bereits kurz nach der Schlacht am 4. Juni 1547 im kaiserlichen Feldlager nahe dem Hofgestüt Bleesern, südlich von Wittenberg, zum Kurfürsten von Sachsen erhoben.Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der churfürstlich- und herzoglich-sächsischen Lande, Bd. 1, Leipzig 1802, S. 378 Die offizielle Ernennung erfolgte später, aber zu einem hohen Preis: Er hatte die evangelische Sache verraten und seinen Schwiegervater Philipp in eine aussichtslose Lage gebracht. Moritz sicherte ihm zu, dass er nicht eingekerkert werden würde, wenn er sich dem Kaiser ergebe. Tatsächlich aber wurde Philipp in Haft genommen und außer Landes gebracht, nachdem er sich vor Karl V. auf die Knie geworfen hatte.
Der nach diesen Vorfällen von seinen Landsleuten als „Judas von Meißen“ beschimpfte Moritz war vom Kaiser zutiefst enttäuscht, verbarg jedoch seine Haltung ihm gegenüber bis zum „geharnischten Reichstag zu Augsburg“ am 25. Februar 1548, auf dem die Zeremonie zur Erhebung Moritz’ zum Kurfürsten von Sachsen stattfand. Auf diesem Reichstag hoffte Karl V., die Glaubensspaltung im Reich durch das Augsburger Interim beenden zu können.
1552–1553: Fürstenaufstand und Passauer Vertrag mini|hochkant|Hinweistafel zum Fürstentreffen von 1549 in Freiberg mini|hochkant=1.3|Taler Johann Friedrichs des Großmütigen nach seiner Gefangenschaft von 1552. Die Freilassung erfolgte, weil Moritz sich im Fürstenaufstand gegen den Kaiser wandte und ihn militärisch in Bedrängnis brachte.
Moritz, bisher eher auf Sicherheit und Rückhalt bedacht, trat zunehmend in die Offensivoption gegen den Kaiser. Er suchte die Annäherung an die evangelischen Fürsten in Norddeutschland, vor allem an Markgraf Johann von Brandenburg-Küstrin, Herzog Albrecht von Preußen und Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, die sich im Königsberger Bund gegenseitige Hilfe zum Schutz der evangelischen Religion zugesagt hatten. Als besonderer Schachzug erwies sich Moritz’ Taktieren mit der Stadt Magdeburg, die sich in der Reichsacht befand, weil sie sich dem Kaiser nicht unterwerfen wollte. Die freie Reichsstadt Magdeburg verweigerte, trotz der Verhandlungen im Zuge des Westerhausischen Abschieds, dem Interim die Zustimmung. Moritz wurde vom Kaiser mit der Führung der Belagerung Magdeburgs betraut. Er übernahm das vor Magdeburg liegende Heer und belagerte, auf Kosten des Kaisers, die Stadt. Dabei gelang es ihm den Befehl des Kaisers in einer solchen Weise auszuführen, dass es zu einer gewaltlosen, vertraglichen Regelung mit der Stadt Magdeburg kam, indem er durch geheime Zusagen an den Magdeburger Magistrat die kampflose Kapitulation der belagerten Stadt erreichte. Danach wandte er sich gegen den Kaiser und verbündete sich mit dessen Feinden.
Mit den Belagerungstruppen unter seinem Befehl und einem entschlossenen Verhandlungsgeschick schuf sich Moritz die machtpolitische und militärische Basis, um an die Spitze der gegen den Kaiser opponierenden evangelischen Fürsten zu treten.
Im Vertrag von Chambord mit dem französischen König Heinrich II. vom Januar 1552 versprach Heinrich ihm Geld und Waffenbeistand für einen Feldzug gegen Karl V. Als Gegenleistung sollte Heinrich vier Grenzstädte des Heiligen Römischen Reiches (Metz, Toul, Verdun und Cambrai) sowie ihre Bistümer bekommen, obwohl Moritz gar kein Recht hatte, über sie zu verfügen.