Adorf/Vogtl. () ist eine Landstadt im sächsischen Vogtlandkreis. Die Stadt gehört zum Vogtländischen Musikwinkel, in dem der Musikinstrumentenbau eine besondere Rolle spielt. Die Abkürzung „Vogtl.“ im Ortsnamen steht für „Vogtland“. Durch die Stadt führt die Alte Egerer Poststraße, einst eine wichtige Handelsstraße Leipzig – Eger. mini|Marktplatz mit Rathaus und Michaeliskirche mini|Adorf aus dem Brunnenberg

Geographie Geographische Lage Adorf liegt im südwestsächsischen Vogtlandkreis, im Tal der Weißen Elster bei der Einmündung des Schwarzbaches. Der Ortskern mit Marktplatz und Kirche befindet sich linksseitig oberhalb der Flussaue.

Nachbargemeinden

Stadtgliederung Zur Stadt Adorf/Vogtl. gehören die Ortsteile: Arnsgrün Freiberg Gettengrün Jugelsburg Kessel Leubetha Rebersreuth Remtengrün und Sorge Südlich von Adorf und nördlich von Mühlhausen fand sich die Wüstung Gütersreuth.

Geschichte Entstehung mini|Karte von Adorf (1794) mini|Karte von Adorf (um 1921) In alten Überlieferungen wird geschrieben, dass Adorf, das Dorf an der Aa, am Fluss, zu Beginn des 3. Jahrhunderts gewachsen sei. Größer entstand Adorf um 1200 an der Straße von Plauen nach Eger. Die Stadt selbst wurde 1290 oberhalb des Dorfes angelegt. Im Jahr 1293 erfolgte die Erwähnung als Adorf opidum,Johannes Lenk: Adorf im Vogtland. Vogtl. Heimatverlag Neupert, Plauen 1993, S. 12–13. (mit Abbildung der Urkunde). 1328 als stat czu Ahdorf, 1461 als Adruff und 1557 als Adroff. Der Name des Dorfes, welcher sich von Dorf in der Aue ableitet (Aue von mittelhochdeutsch ouwe mit der Bedeutung von Wasser umflossenes Land, Insel, nasse Wiese), wurde übernommen.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alte Städtenamen und deren Geschichte. Faber und Faber Verlag Leipzig 2007, S. 41.

Perlenfischerei und Perlmutterverarbeitung Es wird angenommen, dass Venezianer im 13. und 14. Jahrhundert ins Vogtland kamen, um in den klaren Gewässern der Elster nach Perlmuscheln zu suchen. Zu dieser Zeit waren die Vorkommen reichhaltig und die Perlenfischerei stand jedem frei. Im Jahr 1567 erklärte Kurfürst August von Sachsen die Perlenfischerei zum Hoheitsrecht des Landesherren. Speziell beauftragte Perlenfischer waren verantwortlich für die Pflege der Bestände und die Abgabe aller gefundenen Perlen. Eine Kette aus Elsterperlen aus dem Jahre 1805 gehörte zum sächsischen Kronschatz, die bis heute im Grünen Gewölbe in Dresden aufbewahrt wird. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begannen die Bestände aufgrund zunehmender Verschmutzung des Flusses stark zu schwinden. Trotzdem wurde die Perlenfischerei und die Verarbeitung von Perlmutt bis ins 20. Jahrhundert fortgesetzt. Die Bestände waren schwankend, aber noch 1937 wurden im Unterlauf des Tetterweinbaches zwischen 5.000 und 6.000 Muscheln gezählt. Bis 1958 sank die Zahl auf nur noch 19 Muscheln und 1960 wurden keine mehr gefunden.Johannes Lenk: Adorf im Vogtland. Vogtl. Heimatverlag Neupert Plauen (Vogtl.), Plauen 1993, ISBN 3-929039-31-1 S. 53, 165.

Adorf wurde Mitte des 19. Jahrhunderts für seine Perlmuttwarenproduktion bekannt. Ein Nachkomme des kurfürstlichen Perlenfischers Schmerler begann in Oelsnitz mit dem Schleifen von Muschelschalen. In Adorf fand er in den Instrumentenklappenmachern Ernst und Christian Schmalfuß sowie dem Buchbinder Friedrich August Schmidt kreative Partner. Die erste Perlmuttwerkstatt („Muschlerei“) in Adorf wurde 1854 eröffnet. Zehn Jahre später beschäftigte das Unternehmen F.A. Schmidt bereits 18 bis 20 Mitarbeiter. 1868 gab es in Adorf drei bis vier Betriebe mit über 100 Beschäftigten und Mitte der 1870er Jahre waren es mehr als 600; zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es dann ca. 1.000. Adorf entwickelte sich zu einem Zentrum der Perlmuttwarenverarbeitung in Deutschland.

Aus den geschliffenen Muschelschalen wurden vielfältige Produkte hergestellt: Broschen, Ohrringe, Geldbörsen, Feuerzeuge, Andenken, Geschenkartikel und mehr. Bald reichte die Rohware aus der Weißen Elster und ihren Nebenflüssen nicht mehr aus, und es wurden zusätzlich Muscheln aus den Perlbächen Oberfrankens, Nordbayerns, des Böhmerwaldes und aus Württemberg importiert und verarbeitet. Auch tropische Seeperlmuscheln wurden eingeführt. Aufgrund steigender internationaler Konkurrenz ging die Produktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark zurück. In den 1940er Jahren waren noch etwa 100 Arbeiter in der Branche tätig. Die Perlenfischerei wurde 1927 eingestellt. Viele interessante Details rund um die Flussperlmuschel und ihre Verarbeitung kann man im ansässigen Perlmutter- und Heimatmuseum erfahren, welches auch die größte museale Perlmuttersammlung Deutschlands beherbergt.

Stadtmauer mini|hochkant|Stadtkirche St. Michaelis Adorf besaß eine vollständige Stadtmauer, die den Stadtkern umschloss, welche durch zwei Stadttore (später kam, nach Westen hin, oberhalb der jetzigen Alten Stadtapotheke 1836 das Neutor hinzu) passiert werden konnte. Im Westen, entlang der Johannisstraße, sind noch heute einige Teile der Stadtmauer zu sehen. Diese Mauerteile zeigen einen gut restaurierten Turm mit Schießscharten. Die Mauer wendet sich dann in Richtung Osten hin bis zum ebenfalls restaurierten Freiberger Tor, welches erstmals 1773 erwähnt und nach dem Stadtbrand von 1768 wieder errichtet wurde. Weitergeführt wird die Stadtmauer über das Tor hinaus, entlang Graben/Hellgasse. Sie zeigt dann den teilweise abgebrochenen Pulverturm. Die Stadtmauer an der Grabentreppe wurde 1998 restauriert und wieder aufgerichtet. Die Mauer biegt dann nach Süden ab und reicht unterhalb der St. Michaeliskirche, der „Alten Schule“ und dem Pfarramt bis hin zur früheren Pforte. Am stark abfallenden Hang schützt die Mauer das darüber liegende Gelände. Am Kirchplatz biegt die Mauer dann ab zur Storchenstraße, wo sich der Störchenturm befand. Das letzte Stadttor, das Badertor, welches an der engsten Stelle der Straße am Schwarzen Bär stand, ist nicht mehr vorhanden. Die Restmauer verfolgt man dann den Roten-Turm-Weg hinauf, hin zu dem Roten Turm, welcher nicht mehr existiert, und gelangt so an die Schützenstraße zum Neuen Tor. So schließt sich der Ring um die Altstadt.

Stadtrecht und Zugehörigkeit 1293 ist die erste urkundliche Erwähnung als Stadt belegt.Johannes Lenk: Adorf im Vogtland. Plauen 1993 S. 12. Ab spätestens 1398 gab es einen Bürgermeister und einen Rat. 1357 fiel Adorf an die Markgrafschaft Meißen, 1485 an das Kurfürstentum Sachsen, 1547 an die Vögte von Plauen und 1569 endgültig an Sachsen. 1522 begann die Reformation.

Von 1657 bis 1718 lag Adorf, wie das gesamte Amt Voigtsberg, im albertinischen Sekundogeniturfürstentum Sachsen-Zeitz.Ämterverzeichnis im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen. Am 9. Mai 1772 bekam Adorf nach einer Eingabe vom sächsischen Kurfürsten für vier Jahre die Bergfreiheit ausgesprochen. 1776 wurde diese in eine sogenannte halbe Bergfreiheit umgewandelt, die bis 1810 dreijährig verlängert wurde.

Zeit des Nationalsozialismus Im Amtsgerichtsgefängnis in der Johannisstraße 12 befand sich von Anfang März 1933 bis mindestens 27. Mai 1933 ein frühes Konzentrationslager für Gegner des NS-Regimes. Es gab nachweislich 45 Inhaftierte, davon wurden 13 namentlich erfasst. Die Anzahl der Häftlinge, die im Lager und an den Folgen ums Leben kamen, ist unbekannt.

Zweiter Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs existierte ab 1942 ein Außenlager des Stalag IV F bei Adorf. An einer Anlage der Reichsbahn wurden dort Kriegsgefangene der Roten Armee und der US-Streitkräfte gefangen gehalten. Bei Kriegsende 1945 wurde das Lager aufgelöst und die verbliebenen Kriegsgefangenen wurden in Marschkolonnen in Richtung Karlsbad geschickt.Bericht zum Kriegsgefangenenlager Am Kaltenbach.

Am 5. März 1945 stürzte ein Bomber vom Typ Avro Lancaster der Royal Air Force nach einem Angriff auf Chemnitz zwischen dem Ortsteil Gettengrün und dem damaligen Roßbach ab. Alle Besatzungsmitglieder, darunter ein Neuseeländer, starben dabei. Heute befindet sich ein Denkmal an der Absturzstelle.Artikel zum Flugzeugabsturz bei Gettengrün und Roßbach. Ende April 1945 kam es ebenfalls zu Tieffliegerangriffen und Artilleriebeschuss durch US-Truppen. Ziel waren u. a. eine Außenstelle der Heinkel-Werke, der Adorfer Bahnhof und andere Fabriken. Des Weiteren lieferten sich die amerikanischen Soldaten schwere Gefechte mit Angehörigen der Wehrmacht und Hitlerjugend. Am 5. Mai setzten sich der Kampfkommandeur der Stadt mit den verbliebenen Soldaten in Richtung Klingenthal ab. Die Stadt wurde am 6. Mai nach der Kontaktaufnahme einiger Einwohner komplett von der US-Armee besetzt. Im Juli übergaben die US-Truppen Adorf und das gesamte Vogtland an die Sowjetische Besatzungsmacht.Ortschronik zum Zweiten Weltkrieg. Zahlreiche Bahnanlagen wurden noch 1949 als Reparationsleistungen abgebaut und in die Sowjetunion verbracht.

Adorf gehörte bis zur Bildung des Vogtlandkreises 1996 zum Landkreis Oelsnitz (Kfz.-Kennz. OVL). Am 11. August 2006 benannte sich die Stadt von Adorf in Adorf/Vogtl. um. Die Stadt ist Teil der grenzüberschreitenden Vereinigung Freunde im Herzen Europas.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Arnsgrün 1. Juli 1950 Freiberg 1. Juli 1950  Umgliederung von Neu-Freiberg nach Leubetha Gettengrün 1. Januar 1994 Jugelsburg 1. Juli 1950 LeubethaStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999. 1. Januar 1999 Obergettengrün 1. Juli 1950  Zusammenschluss mit Untergettengrün zu Gettengrün Rebersreuth 1. März 1994 Remtengrün 1. Juli 1950 Untergettengrün 1. Juli 1950  Zusammenschluss mit Obergettengrün zu Gettengrün

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960jeweils am 31. Dezember):Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen. 1500: 1000 1779: 1300 (272 Häuser)Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen. Band 1. Leipzig 1839. 1801: 1310 (268 Häuser) 1815: 1862 1831: 2395 (302 Häuser) 1834: 2348 (311 Häuser) 1895: 4744 1910: 7887 1960: 8832 1971: 8398 1998: 6396 1999: 6296 2000: 6214 2001: 6127 2002: 6017 2004: 5817 2005: 6096 2007: 5563 2008: 5474 2012: 5207 2013: 5178 2015: 5078 2022: 4729

Gedenkstätten Auf dem Ortsfriedhof befindet sich ein sowjetischer Ehrenhain mit den Gräbern von 13 Kriegsgefangenen sowie von Frauen und Männern, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Politik

1889 wurde der lokale Arbeiterverein gegründet, 1906 die SPD-Ortsgruppe sowie 1919 die KPD-Ortsgruppe.

Stadtrat Der Adorfer Stadtrat besteht aus 18 Stadträten und dem Bürgermeister. Die Stadtratswahl am 9. Juni 2024 ergab folgende Sitzverteilung: +letzte StadtratswahlenPartei202420192014in %Sitzein %Sitzein %SitzeFreie Wähler Adorf47,5936,3722,94Soziale Bürgerschaft Adorf24,94 - - - -CDU23,6433,2639,58Linke4,0115,1214,12SPD - -15,4320,24NPD - - - -3,30Wahlbeteiligung65,1 %57,4 %51,9 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. August 2011 Rico Schmidt. Er trat als unabhängiger Kandidat an und gewann am 19. Juni 2011 im zweiten Wahlgang mit 53,5 % der Stimmen gegen Amtsinhaberin Mariechen Bang (CDU). Schmidt wurde zuletzt 2025 im Amt bestätigt. Schmidt trat 2024 aus der SPD aus. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2025Rico SchmidtSchmidt98,2201896,9201153,52004Mariechen BangCDU50,22001Christian HeidanSPD64,0

Wappen, Flagge, Dienstsiegel

Wirtschaft und Verkehr Adorf ist der Name des südwestlichsten Forstbezirks des Staatsbetriebs Sachsenforst, der den Bereich des oberen Vogtlands mit fast 27.000 Hektar Wald umfasst, seinen Verwaltungssitz allerdings in Schöneck hat.Forstbezirk Adorf, Staatsbetrieb Sachsenforst, abgerufen am 9. Dezember 2016

Schienenverkehr Im Jahr 1865 erhielt die Stadt Anschluss an die Bahnstrecke Plauen–Cheb (Cheb hieß damals noch Eger). Im Jahr 1875 kam die Verbindung nach Chemnitz über die Bahnstrecke Chemnitz–Adorf hinzu.