mini|Pardelroller, Präparat im Manchester Museum Der Pardelroller (Nandinia binotata) ist eine Raubtierart innerhalb der Katzenartigen (Feliformia). Er ist ein den Schleichkatzen ähnliches, baumbewohnendes Tier, das im mittleren Afrika lebt und sich vorwiegend von Früchten ernährt. Er ist mit keiner anderen Raubtierart näher verwandt und wird darum in einer eigenen monotypische Familie, den Nandiniidae, geführt.

Pardelroller sind nachtaktiv und leben in Waldgebieten auf Bäumen, sind jedoch vergleichsweise anpassungsfähig und können auch in entwaldeten Gebieten und in der Nähe von menschlichen Ansiedlungen vorkommen. Obwohl sie regional als Bushmeat, für medizinische Zwecke oder aufgrund ihres Fells gejagt werden, gehören sie zu den häufigsten Kleinraubtieren in ihren Verbreitungsgebieten.

Merkmale Äußere Merkmale Pardelroller erreichen eine Kopfrumpflänge von 37 bis 62,5 Zentimetern, wozu noch ein 34 bis 76,5 Zentimeter langer Schwanz kommt. Ihr Gewicht beträgt rund 1,2 bis 3 Kilogramm. Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen. In ihrer gesamten Erscheinung sind Pardelroller unauffällige Tiere. Der Kopf ist breit, die Schnauze zugespitzt mit einer dunkelbraunen Nasenspitze. Die Ohren sind kurz mit breiter Basis und abgerundet, hinter jedem Ohr befindet sich ein dunkler Fleck. Die Iris der Augen ist braun-orange. Der Körper ist von einem kurzen, wolligen und dichten Fell bedeckt. Es ist graubraun bis dunkelbraun und am Rücken mit dunklen, unregelmäßig verteilten Flecken versehen. Entlang des Nackens verlaufen drei bis fünf dunkle Längsstreifen, an den Schultern befindet sich jeweils ein auffälliger, weißlich-gelber Fleck. Gegen die Rinde eines Baums ist diese Färbung fast nicht auszumachen. Die Bauchseite ist etwas heller gefärbt als der Rücken. In der Färbung des Fells und der Zeichnung können die Tiere regional und auch individuell stark variieren, Albinismus kommt nur extrem selten vor. Der Schwanz, der länger als der Rumpf ist, ist dicht behaart und mit 9 bis 15 dunklen Ringen versehen, die in der Regel an der Unterseite nicht geschlossen sind.

Die Gliedmaßen sind kurz und kräftig, sie sind nur leicht gefleckt. Die Pfoten enden in fünf teilweise einziehbaren Krallen. Die Tiere sind Sohlengänger mit gut ausgeprägten und großen Hand- bzw. Sohlenballen. Arttypische Merkmale sind die Behaarung der Fußsohlen zwischen den Sohlen- und den Zehenballen, die bei anderen Katzenartigen nicht vorhanden ist, sowie der vergleichsweise große Abstand zwischen den Zehenballen des dritten und vierten Zehs. Beide Geschlechter haben vor den Genitalien eine Duftdrüse, die eine gelbliche, moschusartige Flüssigkeit produziert. Diese Drüse ist flach und verglichen mit den Drüsen der Schleichkatzen sehr einfach gebaut. Weitere Duftdrüsen befinden sich am Kinn, an den Fußsohlen und bei säugenden Weibchen am Bauch. Die Weibchen besitzen zwei Paar Zitzen.

Merkmale des Schädels

Der Schädel besitzt im Gegensatz zu dem aller anderen Katzenartigen eine Ohrkapsel, deren vorderer Bereich auch bei ausgewachsenen Tieren knorpelig ist. Die Schnauzenregion des Schädels ist verlängert, die Jochbögen relativ weit ausladend und die Sagittalkämme dünn und erhöht.

Die Tiere besitzen sowohl im Ober- wie im Unterkiefer pro Kieferhälfte drei Schneidezähne (Incisivi), einen Eckzahn (Caninus), vier Vormahlzähne (Praemolares) und zwei Mahlzähne (Molares), insgesamt also 40 Zähne. Der zweite Molar kann individuell fehlen.

Karyotyp und Genetik Der Karyotyp des Pardelrollers besteht aus einem diploiden Chromosomensatz von 2n=38 Chromosomen (FN=66). Die komplette mitochondriale DNA wurde aufgeklärt. Das mt-DNA-Genom besteht aus 17.103 Basenpaaren und es enthält 37 Gene, die typisch für ein Säugetiergenom sind. Von diesen exprimieren 13 Gene messenger-RNAs, die für Protein-Untereinheiten codieren, 22 für transfer-RNA sowie zwei für Ribosomale RNA.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Pardelrollers laut IUCN

Pardelroller sind in den Waldgebieten im westlichen und mittleren Afrika beheimatet, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Senegal und Gambia ostwärts bis in den südlichen Sudan und entlang der Ostküste Afrikas bis Simbabwe und Mosambik.

Ihre Lebensräume sind vorwiegend tropische Regenwälder, daneben finden sie sich auch in anderen Waldformen, etwa Galerie- und trockenere Laubwälder, manchmal auch in baumbestandenen Savannen. Im Gebirge, etwa in Kamerun oder Tansania, kommen Pardelroller bis in 2500 m Höhe vor. Sie reagieren relativ unempfindlich auf menschliche Störungen und können auch in Sekundärwäldern und teilweise gerodeten Regionen leben.

Lebensweise Pardelroller sind nachtaktive Baumbewohner. Tagsüber schlafen sie auf breiten, waagrechten Ästen, im Lianendickicht oder in Baumhöhlen, meist 12 bis 15 m über dem Boden. Dank ihrer teilweise behaarten Fußballen und ihrer plantigraden („sohlengängerischen“) Fußstellung sind sie ausgezeichnete Kletterer, die beispielsweise kopfunter einen Baumstamm hinabklettern können. Der Schwanz wird zur Balance eingesetzt und kann zur Unterstützung um einen Ast gewickelt werden, ist aber nicht als Greifschwanz entwickelt. Zudem können sie sich auf glatten Oberflächen wie Dächern fortbewegen und einen Meter weite oder bis zu 1,8 m hohe Sprünge vollziehen.

Sozialverhalten Die Tiere sind territoriale Einzelgänger, die sich nur für kurze Zeit zur Paarung zusammenfinden. Die Individuenzahl in einzelnen Gebieten variiert; in Gabun wurden etwa fünf Individuen pro Quadratkilometer registriert, in einigen Gebieten vor allem in Wassernähe auch acht Individuen pro Quadratkilometer. Im Bwindi Impenetrable National Park in Uganda konnten im Flachland durchschnittlich 2,2 Individuen pro Quadratkilometer und in Höhen über 2000 m 3,3 Individuen pro Quadratkilometer festgestellt werden.

Die Reviere der Männchen sind mit durchschnittlich 85 Hektar deutlich größer als die der Weibchen, die durchschnittlich 45 Hektar umfassen. Die Reviergrößen der Weibchen hängen vorwiegend vom vorhandenen Nahrungsangebot ab; die Reviere werden mit Drüsensekret markiert und überschneiden sich kaum mit anderen. Die Territorien der Männchen überlappen sich mit denen mehrerer Weibchen, wobei die Reviergröße eher von der Anzahl der Weibchen als von der Nahrung abhängig ist. Es gibt größere, dominierende Männchen, welche über umfangreichere Reviere und auch größere Duftdrüsen und Hoden verfügen als kleinere, untergeordnete Artgenossen. Die Reviere verschiedener Männchen können sich in einigen Fällen überschneiden, wobei sie mehrere Sektoren bilden. Zwar treffen Männchen nur selten aufeinander, in diesen Fällen kann es aber zu kämpferischen Auseinandersetzungen kommen. Dominante Männchen besuchen regelmäßig alle Sektoren ihrer Territorien, untergeordnete Männchen bleiben dagegen in der Regel in den Kernsektoren und vermeiden so Begegnungen mit dominanteren Männchen. Sie bleiben zudem kleiner und bilden aufgrund von Konkurrenzstress nur kleine Hoden und Duftdrüsen aus. Nicht geschlechtsreife Weibchen bleiben meist in den Revieren ihrer Mütter, Männchen verlassen die mütterlichen Reviere kurz nach der Entwöhnung.

Beide Geschlechter stoßen lange, klagende huu-Laute aus, insbesondere während der Paarungszeit, die bis zu einem Kilometer weit hörbar sind. Zusätzlich kommunizieren sie direkt über leisere Laute, etwa hustenartige Äußerungen. Eine wichtige Funktion bei der Kommunikation haben zudem die Duftdrüsen, mit denen unter anderem die Reviere markiert werden. Die Tiere reiben die Drüsen an Äste oder Baumstämme und verteilen so das Duftsekret, das teilweise einige Monate nachgewiesen und gerochen werden kann. Durch die Duftdrüsen zwischen den Zehen setzen die Tiere zudem Duftspuren beim Laufen ab.

Ernährung Pardelroller sind Allesfresser, die sich vorwiegend (zu rund 80 %) von Früchten ernähren. Der Verzehr erfolgt in fünf bis zehn Minuten, danach halten sie eine rund zweistündige Ruhepause auf einem nahegelegenen Baum. Bei reichhaltigem Nahrungsangebot können sich bis zu 15 Tiere auf einem einzigen Baum finden. Die Weibchen scheinen bei diesen Zusammentreffen Vorrang zu genießen. Die Tiere defäkieren bereits zwei bis drei Stunden nach der Aufnahme der Früchte. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Verteilung der Samen.

Die restlichen 20 % der Nahrung machen tierische Kost aus, etwa Nagetiere, kleine Primaten, Insekten sowie Vögel und deren Eier. Sie stürzen sich auf die Beute, pressen sie mit den Vorderpfoten gegen den Untergrund und töten sie mit Bissen in den ganzen Körper. Manchmal fressen sie auch Aas.

Tiere, die in der Nähe des Menschen leben, fressen häufig auch Feldfrüchte oder dringen in Ställe ein, wo sie Geflügel reißen können. Es gibt Berichte, wonach Tiere in Gefangenschaft Alkohol zu sich nehmen, vermutlich ist ihr Körper durch den Verzehr überreifer oder bereits gärender Früchte daran angepasst.

Fortpflanzung und Entwicklung Ein- oder zweimal im Jahr bringt das Weibchen nach rund 64-tägiger Tragzeit durchschnittlich zwei Jungtiere zur Welt. Die Paarung ist saisonal, die Geburten fallen häufig in das Ende der Regen- oder den Beginn der Trockenzeit und damit in die Zeit mit der größten Nahrungsverfügbarkeit. Dabei finden etwa in Gabun die meisten Geburten vom September bis Januar statt, niemals jedoch von März bis Juni. Neugeborene wiegen rund 56 Gramm, sind Nesthocker und haben zunächst die Augen und Ohren geschlossen. Die Jungtiere erreichen nach sechs bis neun Monaten die Ausmaße und das Gewicht der erwachsenen Tiere, begleiten die Mutter aber schon vorher auf deren nächtlichen Streifzügen.

Das dokumentierte Höchstalter in menschlicher Obhut beträgt 16 bis 18 Jahre.

Prädatoren Wie andere Kleinraubtiere werden auch Pardelroller von verschiedenen Prädatoren erbeutet. Als Fressfeinde spielen vor allem größere Raubtiere, Schlangen und Greifvögel eine Rolle.

Systematik mini|hochkant|Der Pardelroller wurde von John Edward Gray wissenschaftlich beschrieben. mini|Pardelroller aus The carnivores of West Africa, 1974

Der Pardelroller wurde von John Edward Gray im Jahr 1830 als Viverra binotata wissenschaftlich beschrieben und den Zibetkatzen zugeordnet. Er änderte die Zuordnung bereits 1832 in Paradoxorus? binotatus und stellte sie in die Verwandtschaft der asiatischen Musangs (Paradoxurus), wobei er mit Paradoxurus hamiltonii zugleich eine weitere Art beschrieb. 1843 synonymisierte er beide und stellt die Art in die neu geschaffene monotypische Gattung Nandinia. 1864 fasste er diese Gattung mit Paradoxorus, dem Larvenroller (Paguma larvata) und der nicht mehr validen Gattung Arctogale in die Tribus Paradoxurina innerhalb der Schleichkatzen zusammen.