mini|Der Hauptsitz in Gland
Die International Union for Conservation of Nature (IUCN; deutsch Internationale Union zur Bewahrung der Natur), früher als Weltnaturschutzunion bezeichnet (1990–2008), ist eine internationale Nichtregierungsorganisation und Dachverband zahlreicher internationaler Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen.Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: About IUCN. IUCN Schweiz, abgerufen am 18. Mai 2017 (englisch).
Ziel ist die Sensibilisierung der menschlichen Gesellschaften für den Natur- und Artenschutz und diese so zu beeinflussen, dass eine nachhaltige und schonende Nutzung der natürlichen Ressourcen sichergestellt ist.
Der Verein erstellt unter anderem die Rote Liste gefährdeter Arten und kategorisiert Schutzgebiete mittels der World Commission on Protected Areas (Weltkommission für Schutzgebiete). Zudem publiziert die IUCN zahlreiche Positionspapiere zu Fragen des Umwelt- und Naturschutzes und entwickelt internationale Standards, wie z. B. den Standard zur Identifikation von Key Biodiversity Areas (Schlüsselgebiete der biologischen Vielfalt).Key Biodiversity Areas. In: iucn.org. IUCN Schweiz, abgerufen am 18. Mai 2017 (englisch). Sie hat Beobachterstatus bei der UN-Vollversammlung.About IUCN. In: iucn.org. IUCN Schweiz, abgerufen am 18. Mai 2017 (englisch).
Geschichte Die IUCN wurde am 5. Oktober 1948 nach einer internationalen Konferenz im französischen Fontainebleau als International Union for the Protection of Nature (IUPN) gegründet. Die Initiative zur Gründung ging vom damaligen ersten Generaldirektor der UNESCO, dem britischen Biologen Julian Huxley aus. Bei ihrer Gründung war die IUPN die einzige internationale Organisation, die sich dem gesamten Spektrum des Naturschutzes widmete. 1956 änderte sie ihren Namen in International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), welcher heute zwar rechtlich immer noch gültig ist, aber selbst von der IUCN offiziell nur noch in der verkürzten Form International Union for Conservation of Nature verwendet wird. Zwischen 1990 und 2008 wurde auch der Name World Conservation Union verwendet.About IUCN. In: iucn.org. IUCN Schweiz, abgerufen am 24. Dezember 2009 (englisch).
Der Haupt-Sitz der IUCN befindet sich im schweizerischen Gland.
Mitglieder Die Mitglieder der IUCN sind staatliche Ministerien und Regierungsbehörden, internationale Nichtregierungsorganisationen, nationale Nichtregierungsorganisationen und Organisationen indigener Völker. Zurzeit hat die IUCN über 1400 Mitglieder aus über 170 StaatenInternational Union for the Conservation of Nature (IUCN), Mitglieder-Datenbank Members Database. In: iucn.org. Abgerufen am 21. November 2021 (englisch)., welche sich zusammensetzen aus: 92 staatliche Mitglieder (in der Regel Ministerien, jedoch nicht der Staat selbst wie bei den Vereinten Nationen; darunter die jeweiligen Ministerien der Staaten der Europäischen Union, das Außenministerium der Vereinigten Staaten, das Umweltministerium von Russland und das Außenministerium der Volksrepublik China), 121 Mitglieder aus Regierungsorganisationen, wie z. B. dem deutschen Bundesamt für Naturschutz, 106 Mitglieder aus internationalen Nichtregierungsorganisationen, 1107 Mitglieder aus nationalen Nichtregierungsorganisationen, 52 Mitglieder aus angeschlossenen Organisationen (Affiliates), 23 Mitglieder von Organisationen indigener Völker.
Nationale Mitglieder in Deutschland Laut Mitgliederdatenbank der IUCN sind aus Deutschland Mitglied: als staatliches Mitglied: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz als Regierungsorganisation: Bundesamt für Naturschutz Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit als internationale Nichtregierungsorganisation: Ecologic Institute EuroNatur – Stiftung Europäisches Naturerbe Föderation Europarc Global Nature Fund ICLEI – Local Governments for Sustainability SEH-Societas Europaea Herpetologica – die europäische Herpetologenvereinigung SAVE Foundation VDZ-Verband der Zoologischen Gärten als nationale Nichtregierungsorganisation: Bund Naturschutz in Bayern Deutscher Angelfischerverband Deutscher Jagdverband Deutscher Naturschutzring Erlebnis-Zoo Hannover Naturschutzbund Deutschland Sharkproject Germany e. V. Wilhelma, Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart WWF Deutschland Zoo Berlin Zoo Leipzig Zoologische Gesellschaft Frankfurt Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz Zoologischer Garten Köln als angeschlossene Organisation: Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege
Nationale Mitglieder in Österreich Laut Mitgliederdatenbank der IUCN sind aus Österreich Mitglied: als Regierungsorganisation: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft als nationale Nichtregierungsorganisation: Nationalpark Hohe Tauern Naturschutzbund Österreich Sharkproject Austria Umweltdachverband Wiener Tiergarten Schönbrunn WWF Österreich
Nationale Mitglieder in der Schweiz Laut Mitgliederdatenbank der IUCN sind aus der Schweiz Mitglied: als staatliches Mitglied: Bundesamt für Umwelt BAFU als internationale Nichtregierungsorganisation: European Association of Zoo and Wildlife Veterinarians Fondation Internationale du Banc d’Arguin Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes Save Our Seas Foundation World Association of Zoos and Aquariums World Business Council for Sustainable Development World Wide Fund for Nature als nationale Nichtregierungsorganisation: Akademie der Naturwissenschaften Schweiz Borneo Tropical Rainforest Foundation European Outdoor Conservation Association Helvetas Swiss Intercooperation Nos Oiseaux Pro Natura Schweizer Vogelschutz WWF Schweiz Zooschweiz
Kommissionen Neben den oben genannten zahlenden Mitgliedern besteht die Organisation aus einem „Knowledge Network“ von circa 16.000 freiwilligen Mitgliedern weltweit, die in sechs KommissionenCommissions und 10 RegionalkomiteesMembership Focal Points organisiert sind. Die größte Kommission ist die Species Survival Commission (SSC) mit mehr als 10.000 Mitgliedern.The Species Survival Commission. In: iucn.org. IUCN Schweiz, abgerufen am 18. Mai 2017 (englisch). Die Mitglieder der Kommissionen sind meist in „Specialist Groups“ oder „Task Forces“ organisiert. Diese können taxonomisch („Amphibian Specialist Group“), geographisch („Arctic Plant Specialist Group“) oder thematisch („Conservation Planning Specialist Group“) ausgerichtet sein. Sie beraten das IUCN-Sekretariat und die IUCN-Mitglieder, führen Rote-Liste-Bewertungen durch, erarbeiten Naturschutzstrategien für gefährdete Arten, implementieren diese und betreiben Öffentlichkeitsarbeit. CEC – Kommission für Bildung und Kommunikation (engl.: Commission on Education and Communication) CEM – Kommission für Ökosystemmanagement (engl.: Commission on Ecosystem Management) CEESP – Kommission für Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialpolitik (engl.: Commission on Environmental, Economic and Social Policy) SSC – Kommission zur Erhaltung der Artenvielfalt (engl.: Species Survival Commission) WCEL – Weltkommission für Umweltrecht (engl.: World Commission on Environmental Law) WCPA – Weltkommission für Schutzgebiete (engl.: World Commission on Protected Areas)
Aufgaben und Tätigkeiten Kongresse Seit 1948 kommen die Mitglieder regelmäßig zu einer Generalversammlung zusammen, die seit 1994 als World Conservation Congress (‚Weltnaturschutzkongress‘) veranstaltet wird. Aktuell findet die Konferenz alle vier Jahre statt, zuletzt im Jahr 2016 auf Hawaii, Vereinigte Staaten. An der Konferenz nahmen rund 10.000 Vertreter von Behörden und NGOs aus fast allen Ländern der Erde teil. Im Mittelpunkt stand 2016 die Situation der Elefanten weltweit. Der folgende Kongress war für 2020 geplant, musste jedoch wegen der COVID-19-Pandemie auf 2021 verschoben werden;. Er fand vom 3. bis 11. September 2021 in Marseille statt. Berichtet wurde von der Höherstufung des KomodowaransKomodo Dragons Are Now Endangered and ‘Moving Toward Extinction’ (englisch), The New York Times, 8. September 2021, abgerufen am 9. September 2021. und der leichten Erholung bei einigen Thunfischarten, etwa beim Roten Thun, wenn auch nicht für alle Populationen, so Bruno Oberle.Tuna species recovering despite growing pressures on marine life – IUCN Red List (englisch), iucn.org, 4. September 2021, abgerufen am 9. September 2021. Während des Kongresses werden zahlreiche Resolutionen verabschiedet, die Arbeitsschwerpunkte der IUCN und ihrer Mitglieder für die nächsten vier Jahre bestimmen. Auf dem Kongress in Marseille im September 2021 wurden etwa 39 Resolutionen beschlossen, darunter das Marseille-Manifest und ein Aufruf, das Amazonasgebiet bis zum Jahr 2025 zu 80 % unter Schutz zu stellen.IUCN Congress closes with call for a post-pandemic recovery based on nature (englisch), iucn.org, 10. September 2021, abgerufen am 11. September 2021.
Die IUCN führt seit 1962 etwa alle zehn Jahre den World Parks Congress (‚Weltparkkongress‘) durch, bei dem Strategien zum Schutz der Natur in Schutzgebieten festgelegt werden. Zuletzt fand der sechste World Parks Congress im November 2014 in Sydney, Australien statt. In: worldparkscongress.org. Abgerufen am 14. Juli 2025 (englisch).
Gefährdungsstufen nach der Roten Liste
mini|sprache=de|300px|Die Gefährdungsstufen gemäß IUCN:Jean-Claude Monney, Andreas Meyer: Die Roten Listen der IUCN. In: dieselben: Rote Liste der gefährdeten Reptilien der Schweiz. Ausgabe 2005, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern 2005, S. 15–21, Online PDF 230 kB, abgerufen am 13. Januar 2014.EX Extinct (nur ab 1500)Klassifizierungsstandards der IUCN. (englisch). (ausgestorben) EW Extinct in the Wild (in der Natur ausgestorben) CR Critically Endangered (vom Aussterben bedroht) EN Endangered (stark gefährdet) VU Vulnerable (gefährdet) NT Near Threatened (potenziell gefährdet) LC Least Concern (nicht gefährdet) RE Regionally Extinct (regional oder national ausgestorben) DD Data Deficient (ungenügende Datengrundlage) NE Not Evaluated (nicht beurteilt)
Seit 1964 führt die IUCN die internationale Rote Liste gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Sie unterscheidet die nebenstehenden Gefährdungsstufen. Hierbei werden sowohl gefährdete, als auch nicht gefährdete Arten einer Bewertung unterzogen.Introduction. In: iucnredlist.org. IUCN Schweiz, abgerufen am 18. Mai 2017 (englisch).
Der Gefährdungsstatus aller Vögel, Säugetiere und Amphibien wurde beurteilt, während dies bisher bei nur 18.000 (von den ca. 1,4 Millionen beschriebenen) Arten wirbelloser Tiere geschehen ist. Einer der Gefährdungsstufen – verletzlich, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht – waren im Jahr 2017 8170 Wirbeltiere, 4553 wirbellose Tiere und 11.674 Pflanzen zugeordnet. Insgesamt galten 24.440 Tier- und Pflanzenarten als bedroht.Summary Statistics. In: iucnredlist.org. IUCN Schweiz, abgerufen am 18. Mai 2017 (englisch).
Rote-Liste-Bewertungen folgen strikten wissenschaftlichen Kriterien, die seit dem Jahr 2001 gültig sind.Categories and Criteria. In: iucnredlist.org. IUCN Schweiz, abgerufen am 18. Mai 2017 (englisch). Sie werden von Experten für die betroffene Artengruppe erstellt und nach dem Peer-Review-Verfahren begutachtet, bevor sie in einer Online-Datenbank publiziert werden. Für die meisten Artengruppen sind die Spezialistengruppen der Species Survival Commission verantwortlich. Die Vogelschutzorganisation BirdLife International erstellt im Auftrag der IUCN die Rote Liste gefährdeter Arten der Vögel.
Kategorisierung von Schutzgebieten
Die IUCN verwendet ein 1978 eingeführtes System, das , in dem Schutzgebiete weltweit vergleichbar kategorisiert werden.Protected Areas Categories. In: iucn.org. IUCN, abgerufen am 12. Januar 2017 (englisch). Es stellt keine Hierarchie dar, sondern eine Klassifizierung des Schutzzieles und des Managements.