mini|Sonderabzeichen der Bundeswehr Bordeinsatzkräfte Marine, gold, Metall

Das Seebataillon (SeeBtl) ist ein Verband der Deutschen Marine der Bundeswehr in Schleswig-Holstein. Es bildet zusammen mit dem Kommando Spezialkräfte der Marine die Marineinfanterie der Bundeswehr und untersteht der Einsatzflottille 1 in Kiel. Das Seebataillon hat seinen Standort in Eckernförde in der Preußer-Kaserne; Teile sind im Marinestützpunkt Eckernförde und der Hugo-Junkers-Kaserne in Alt Duvenstedt untergebracht. Die Soldaten des Seebataillons tragen als Kopfbedeckung das marineblaue Barett mit gekreuzten Karabinern vor einem klaren Anker in Gold.

Aufgaben Das Seebataillon schützt und unterstützt mit spezialisierten Kräften die Einheiten der Bundeswehr und verbündeter Streitkräfte, deren Einrichtungen und zugewiesener Objekte, so auch Handelsschiffe, Off-Shore-Einrichtungen und maritime Infrastruktur gegen Angriffe regulärer und insbesondere asymmetrischer Kräfte an Land, in Häfen, Reeden, küstennahen Gewässern und Flussabschnitten in und außerhalb Deutschlands sowie auf hoher See. Dazu gehören im Einzelnen der

Schutz von Seewegen, Schiffen, Häfen und operativ bedeutsamen Positionen Hilfs-, Rettungs- und Evakuierungseinsätze Bekämpfung von Kampfmitteln unter Wasser und an Land Schutz gegen terroristische Angriffe Kampf gegen Piraterie

Die Aufgaben und damit einhergehend die Organisationsstruktur (siehe weiter unten) werden derzeit als Folge der sogenannten Zeitenwende überarbeitet. Die Umsetzung der Anpassungen soll 2026 beginnen.Zukunft des Seebataillons: Interview mit Admiral Meyer, EF 1. In: Soldat & Technik, 11. August 2025.

Geschichte Seebataillone der Preußischen Marine, des Norddeutschen Bundes und der Kaiserlichen Marine Zur Geschichte des Seebataillons der Preußischen Marine, des Norddeutschen Bundes und der Kaiserlichen Marine, welches namentlich ab 1852 bestand und später in mehrere Bataillone aufgeteilt wurde, siehe dort.

Die Seebataillone waren bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs:

I. Seebataillon II. Seebataillon III. Seebataillon Nach der Auflösung der Seebataillone Ende August 1914 existierte im neu eingerichteten Marine-Infanterie-Regiment 1 ein I., V. und VIII. Seebataillon und im Marine-Infanterie-Regiment 2 ein II., IV., VI. und VII. Seebataillon. Beide Regimenter waren der Marine-Infanterie-Brigade unterstellt. Später wurden die Seebataillone und Bataillone umbenannt.

Seebataillon der Bundesmarine Geschichte Die Bundesmarine stellte am 1. April 1958 ein Marinepionierbataillon in Wilhelmshaven-Sengwarden auf, das zunächst dem Kommando der Zerstörer unterstellt war. Dieses Bataillon wurde am 10. Oktober 1958 der neu aufgestellten Amphibischen Gruppe unterstellt und 1959 in Seebataillon umbenannt. Es gliederte sich in eine Stabskompanie, eine Strandmeisterkompanie, eine Strandpionierkompanie und eine Bootskompanie.

Das Seebataillon wurde am 1. Juli 1961 nach Borkum verlegt. Am 31. Dezember 1964 wurde das Seebataillon hier aufgelöst.

Bataillonskommandeure Kapitänleutnant Herbert Semler: von April 1958 bis Mai 1960 mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt Fregattenkapitän Heinz Schomburg: von Juni 1960 bis Oktober 1961 Kapitänleutnant Hagen von Holtzendorff: von Oktober 1961 bis Dezember 1961 mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt Fregattenkapitän Johann Janssen: von Dezember 1961 bis November 1963, ehemaliger Kommandeur des 2. Landungsgeschwaders und später Kommandeur der Amphibischen Gruppe Fregattenkapitän Hubertus Purkhold: von Dezember 1963 bis September 1964, anschließend Kommandeur des Amphibischen Transport-Bataillon 2 Korvettenkapitän Günter Pest: von Oktober 1964 bis Dezember 1964 mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt

Vorgeschichte zum Seebataillon der Deutschen Marine Die meisten Aufgaben des Ende 1964 aufgelösten Seebataillons übernahm die eigenständige Strandmeisterkompanie, bis auch letztere 1993 außer Dienst gestellt wurde.

Vom 30. Dezember 1988 bis 30. September 1990 wurde wieder ein Seebataillon im Rahmen eines Truppenversuches für kurze Zeit aufgestellt. Es bestand in dieser Zeit aus der Strandmeisterkompanie und der Kampfschwimmerkompanie.

In den 1990er Jahren wurden aus den Reihen der Marinesicherungstruppen sogenannte Boarding-Teams gebildet. Ihr Auftrag war u. a. die Kontrolle von zivilen Frachtschiffen auf Konterbande im Rahmen von UN-Embargoeinsätzen. Dazu wurden sie per Speedboat oder Hubschrauber (mittels Fast-Roping, also das Abseilen an einem speziellen Seil von bis zu 18 Meter Länge) abgesetzt. Ab dem Jahr 2000 sollten die Marinesicherungstruppen bis auf eine Boarding-Einheit ganz abgeschafft werden, weil die Sicherungsaufgabe als territoriale Aufgabe der Streitkräftebasis übertragen werden sollte.

Dieser Plan wurde nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 revidiert. Die Marine verfügte danach über eine aus zwei Bataillonen bestehende infanteristische Landkomponente, den Spezialisierten Einsatzkräften Marine (SEKM) und den Marineschutzkräften (MSK).

Beide Bataillone gehörten zur im Sommer 2006 neu aufgestellten Einsatzflottille 1. Zu den SEKM gehörten Kampfschwimmer, Minentaucher und Boardingkräfte, während die MSK die Aufgabe hatten, Marineanlagen im Inland und im Einsatzland zu schützen.

Seebataillon der Deutschen Marine Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr erfolgte zum 1. April 2014 wieder die Aufstellung eines etwa 800 Mann starken Seebataillons. Zu diesem Zeitpunkt bestand es aus den bisherigen Marineschutzkräften, einer Boardingkompanie und den Minentauchern der Deutschen Marine. Die Kampfschwimmer wurden gleichzeitig in das neu aufgestellte Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) eingegliedert.

Das Seebataillon gliederte sich in eine Bordeinsatzkompanie (SeeBtl BordEinsKp auch BEK), eine Küsteneinsatzkompanie (SeeBtl KüstenEinsKp auch KEK) und eine Minentaucherkompanie (SeeBtl MiTaKp). Hinzu kamen eine Aufklärungskompanie (SeeBtl AufklKp) und eine Unterstützungskompanie (SeeBtl UstgKp). Dazu wurde ein Ausbildungszentrum (SeeBtl AusbZ) ergänzt, das die Ausbildung im Verband konzentrierte.

Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der niederländischen Marine entwickelt das Seebataillon zusammen mit dieser, dort vor allem dem Korps Mariniers, bis heute eine vertiefte Kooperation. 2016 unterzeichneten Deutschland und die Niederlande eine Absichtserklärung zur schrittweisen Integration des Seebataillons der Deutschen Marine in das Korps Mariniers – die niederländische Marineinfanterie. Personal des Seebataillons wird aber vorerst nicht in die Niederlande verlegt. Im Zuge dieser maritimen Kooperation erhielt die Deutsche Marine ein Mitnutzungsrecht an dem Mehrzweckversorgungsschiff Karel Doorman.

Im Rahmen des geplanten Personalaufwuchses der Bundeswehr wurde eine zweite Bordeinsatzkompanie im Seebataillon aufgestellt. Daher erhielten die beiden Kompanien die Zusätze 1 und 2 (BEK 1 und BEK 2). Diese sollen die durch Einsätze stark belasteten Bordeinsatzsoldaten entlasten und zugleich zukünftig die Fregatten der neuen Klasse F125 mit Personal unterstützen. Die Bordeinsatzkompanie 2 (BEK 2) wurde am 5. Oktober 2017 auf Befehl und im Beisein des stellvertretenden Inspekteurs der Marine und Befehlshaber der Flotte und Unterstützungskräfte, Vizeadmiral Rainer Brinkmann, in Dienst gestellt.

Am 1. April 2019 wurde die Ausbildungskompanie 1 in Alt Duvenstedt neu aufgestellt und hat den Auftrag, die zukünftigen Marineinfanteristen nach der Grundausbildung auf die Fachaufgaben vorzubereiten. Am 24. September wurde dann die Ausbildungskompanie 2 im Marinestützpunkt Eckernförde neu aufgestellt und das Ausbildungszentrum aufgelöst. Die Ausbildungskompanie 2 ist für die Ausbildung der Minentaucher, der Sprenghelfer und der taktischen Bootseinsatzkräfte der Marine verantwortlich.

Mit der insgesamt dritten Neuaufstellung einer Kompanie nach Aufstellung des Seebataillons am 1. April 2014 ist das Seebataillon damit auf eine Stärke von rund 1100 Soldaten aufgewachsen.

Neben „scharfen“ Einsätzen übt das Seebataillon auch regelmäßig international, so an der Großübung Talisman Sabre 2023. Vom 14. Juli bis zum 8. August stellte die Küsteneinsatzkompanie dabei einen Zug Marineinfanteristen, welche in die 31st Marine Expeditionary Unit integriert wurden. Hauptschwerpunkt der Übung bildete der Kampf der Verbundenen Waffen, Übung amphibischer Operationen sowie der Luft- und Seekrieg und die Führung internationaler Truppenverbände. Neben Talisman Sabre wurde in der Ostsee die Großübung Northern Coasts 2023 vom 9. bis zum 22. September abgehalten. Unter dem Kommando des DEU MARFOR in Rostock übten dabei 3.500 Soldaten aus 14 NATO-Staaten in der Ostsee sowie Lettland und Estland. In Zusammenarbeit mit der 26st Marine Expeditionary Unit und der italienischen Marineinfanterie wurde dabei erst der amphibische, später auch der Wald- und Häuserkampf geübt. Im Rahmen der NATO-Großübung Steadfast Defender verlegten Soldaten des Seebataillons zusammen mit dem Korps Mariniers in die Finnmark, Norwegen, um den Kampf im arktischen Raum zu trainieren. Nach einer gemeinsamen deutsch-niederländischen Landung, von der HNLMS Johann de Witt aus, auf der Insel Kvaløya verlegten die Marineinfanteristen und unterstützten das Gebirgsjägerbataillon 233 bei dessen Übungsoperation nahe Alta.

Auch im Rahmen des Host Nation Supports kommt das Seebataillon zum Einsatz, so im November 2024, als das Flaggschiff und einer der beiden Flugzeugträger der britischen Kriegsmarine "HMS Queen Elizabeth" vom 19. zum 25. November 2024 im Hamburger Hafen lag. Während die 1. Heimatschutzkompanie Hamburg dabei den landseitigen Schutz stellte, wurden durch das Seebataillon bzw. deren taktischen Einsatzeinheiten See die Seeseite kontrolliert. Der Besuch erfolgte nur knapp einen Monat nach der Unterzeichnung des Trinity-House-Agreement vom 23. Oktober 2024.

Mitte Juni 2023 wurde die Beschaffung für bis zu 15 marktverfügbare Mehrzweckkampfboote eingeleitet. Diese sollen besonders für amphibische und militärische Evakuierungsoperationen, Harbor Protection sowie Eskort- und Patrouillenmissionen genutzt werden. Der Vertrag sollte ursprünglich 2024 unterzeichnet und vier Boote bis 2027 ausgeliefert werden. Schließlich genehmigte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages im September 2026 die Beschaffung von 15 Booten des Typs Watercat M18 AMC der finnischen Firma Marine Alutech Oy, die im Zeitraum 2029–2031 zulaufen sollen.

Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, kündigte in seiner Rede während der Historisch Taktischen Tagung der Marine 2025 am 9. Januar 2025 an, dass die infanteristischen Kräfte der Marine auf den maritimen Jagdkampf ausgerichtet werden sollen.

Einsatz Das Seebataillon ist fortdauernd an den Einsätzen der Deutschen Marine beteiligt und als Verband unterstützend an den Einsätzen des Heeres und der Luftwaffe. Zusätzlich hält das Seebataillon ständig Kräfte zur Beteiligung an militärischen Evakuierungsoperationen bereit und bildet Kräfte hierfür aus.

Seit Aufstellung haben Soldaten des Verbands an nahezu allen Einsätzen der Bundeswehr teilgenommen, darunter:

KFOR UNIFIL EUNAVFOR Mediterranean – Operation SOPHIA EUNAVFOR Somalia – Operation ATALANTA MINUSMA ISAF/RSM NATO Unterstützung Ägäis EUNAVFOR MED IRINI EUNAVFOR Aspides

Kommandeure Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit5.Fregattenkapitän Mathias Müller30. September 2024laufend 4.Fregattenkapitän Patrick Steinbach 27. September 2022 30. September 2024 3. Fregattenkapitän Norman Bronsch 26. September 2019 27. September 2022 2. Fregattenkapitän Axel Meißel 29. September 2016 26. September 2019 1. Fregattenkapitän Arne Björn Krüger 1. April 2014Interview von reservistenverband.de mit Fregattenkapitän Krüger, dem Kommandeur des neuen Seebataillons 29. September 2016

Organisation Stab 20px Sanitätseinsatzgruppe (SanEinsGrp) 20px Gruppe Weiterentwicklung Spezialisierte Kräfte der Marine (Grp WE SpezlKr M)