mini|Claude Dornier vor der Dornier Do K-3, 1931 Claude Honoré Désiré Dornier, auch Claudius Dornier (* 14. Mai 1884 in Kempten; † 5. Dezember 1969 in Zug, Schweiz) war ein französisch-deutscher Flugzeugkonstrukteur. Wegen seines französischen Vaters war er zunächst französischer Staatsbürger. 1913 wurde er auf ausdrücklichen Wunsch von Graf Zeppelin in Württemberg eingebürgert, behielt daneben aber seine französische Staatsbürgerschaft.

Überblick Claude Dornier war ein Mitarbeiter von Ferdinand Graf von Zeppelin und erhielt im Zeppelin-Konzern eine eigene Abteilung. Später wurde er Teilhaber und Geschäftsführer eines Zweigwerkes für Flugzeugbau, das er 1932 ganz übernahm und aus dem sich die Dornier-Werke entwickelten. Dort baute er vor allem Ganzmetallflugzeuge, insbesondere Landflugzeuge und Flugboote: Wal, Superwal, Do 18, Do X. Im nationalsozialistischen Deutschen Reich wurden hauptsächlich Bomber für die deutsche Luftwaffe hergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in Spanien das STOL-Flugzeug Do 25.

Ab 1956 nahm man die Flugzeugproduktion in München-Neuaubing und Oberpfaffenhofen wieder auf. Die Dornier-Werke entwickelten und bauten ab 1970 in deutsch-französischer Zusammenarbeit den Alpha Jet.

Leben

Dornier wurde in Kempten, wo später am Haubenschloss eine Straße nach ihm benannt wurde, als Sohn eines französischen Vaters aus Arçon (Region Franche-Comté) und einer deutschen Mutter geboren. Er war das vierte von sieben Kindern (der Älteste aus der zweiten Ehe). Während seiner Jugend und Schulzeit begeisterte er sich bereits für die Technik. Dornier besuchte zunächst das Humanistische Gymnasium KemptenRalf Lienert: In: Allgäuer Zeitung, 30. August 2004, aufgerufen am 8. Oktober 2018., wechselte jedoch 1895 auf die sechsklassige Königlich Bayerische Realschule (mittlerweile Allgäu-Gymnasium Kempten), welche er 1901 abgeschlossen hat. Danach besuchte er die Königliche Industrieschule München, deren Abschluss zum Studium an der Technischen Hochschule München berechtigte. Dort studierte Dornier Maschinenbau. Er schloss sich dem Corps Guestphalia (heute Suevo-Guestphalia) an, war aber auch Naturfreund und leidenschaftlicher Bergsteiger, spielte Zither und sang Schnaderhüpferl. Er war auch Mitglied der Ferialverbindung Algovia Kempten.

Mit 23 Jahren, Mitte 1907, fand Dornier als Diplom-Ingenieur in der Maschinenfabrik Nagel in Karlsruhe seine erste Anstellung. 1909 wechselte er zur Firma Luig im württembergischen Illingen. Dort erreichte ihn ein Hilferuf der Mutter. Die Weinhandlung des Vaters war in Schwierigkeiten geraten, weil der Vater schon länger ernsthaft erkrankt war. Dornier musste sich zusätzlich um das Geschäft und den Unterhalt der Familie mit den unmündigen Geschwistern kümmern. In Illingen erledigte er noch Aufgaben an Brücken der Württembergischen Eisenbahn und wechselte dann zum Eisenwerk Kaiserslautern, bevor ihn 1910 der Luftschiffbau Friedrichshafen einstellte. Dort hatte sich Dornier schon lange beworben, und dieses Arbeitsgebiet entsprach seinen Neigungen. Außerdem konnte er die elterliche Familie im nahen Kempten leichter unterstützen.

Nachdem seine erste Frau Olga, geb. Kramer, mit der er zwei Söhne (Claudius († 1986), Peter († 2002)) hatte, 1918 an der Spanischen Grippe gestorben war, heiratete Dornier erneut. Aus dieser Ehe mit seiner langjährigen Haushälterin Anna, geb. Selinka, entstammen sechs weitere Kinder (Silvius († 2022), Prosper († als Kind), Justus, Donatus († 1971), Christoph († 2008)) und eine Tochter (Dorothea), weswegen Dorniers Villa mehrfach ausgebaut wurde.

In Claude Dornier vereinigten sich neben der Fähigkeit zu Visionen naturwissenschaftliche Genialität und unternehmerische Begabung, wie seine zahlreichen technischen Innovationen und wirtschaftlichen Erfolge beweisen. Dornier vergaß auch nie, was er seinen Mitarbeitern verdankte. Er verstand zu begeistern und hielt seine Mannschaft auch in schlechten Zeiten zusammen. So hat Dornier nach dem Zweiten Weltkrieg von Zug aus seine Ingenieure materiell unterstützt, um mit ihnen dann in Spanien die Do 25 zu entwickeln.

Berufliche Laufbahn

mini|Claude Dornier, 1930

Nach den Tätigkeiten ab 1907 in Karlsruhe, Illingen und Kaiserslautern begann der 26-jährige Dornier am 2. November 1910 in der Versuchsabteilung der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Nachdem er die drehbare Zeppelinhalle erfunden hatte und 1912 ein Patent darauf erhalten hatte, versuchte er die bisher empirische Bauweise der Zeppelintragwerke rechnerisch zu erfassen, was ihm einige Widerstände der etablierten Praktiker einbrachte. Der Jungingenieur machte sogar einige Zeppelinfahrten mit, um Erfahrungen zu sammeln und Messungen zu machen.

Dornier beobachtete mit wachsendem Interesse den technischen Vorsprung Frankreichs bei Flugzeugen schwerer als Luft. Graf Zeppelin selbst sah hier ebenfalls die Zukunft und unterstützte zum Beispiel seinen früheren Mitarbeiter Theodor Kober, der sich mit der Flugzeugbau Friedrichshafen GmbH selbstständig gemacht hatte und Flugzeuge baute, mit Geld und Hallenraum. 1913 durfte Dornier in Paris die V. Internationale Ausstellung für Luftfahrt besuchen. Diesen Besuch hat Dornier selbst als den Zeitpunkt bezeichnet, von dem an sich sein Interesse Flugzeugen schwerer als Luft zuwandte. Graf Zeppelin selbst erkannte bei Beginn des Ersten Weltkrieges, dass Luftschiffe den Anforderungen des Krieges bald nicht mehr gewachsen sein würden. Er forcierte deshalb seine Vorstellungen von Riesenflugzeugen. Der Graf verfuhr zweigleisig: Einerseits ließ er große Landflugzeuge entwickeln, andererseits gab er den Anstoß zu Claude Dorniers Flugboot-Konstruktionen.

Im Dezember 1914 verließ Claude Dornier mit seiner Abteilung „Do“ die Büroräume des Grafen Zeppelin in Friedrichshafen und zog mit seinem kleinen Stab von Konstrukteuren und Zeichnern einige Kilometer weiter nach Seemoos. Am Seemooser Horn entstand eine geräumige Halle aus Holz, hoch genug für einen Dreidecker und 50 m breit. Die Baracke für Dorniers Büro und das Konstruktionsbüro wurde bis 2014 – nahezu unverändert – vom Württembergischen Yacht-Club als „Jugendheim Claude Dornier“ genutzt. Im Februar 2016 wurde sie, nach Umsetzung und Restaurierung, im Dornier-Museum als Do.labor wieder in Betrieb genommen und dient heute der Wissensvermittlung.

Hier entstanden unter seiner Leitung die Riesenflugboote Rs I bis Rs IV, ab 1917 dann im Werk Reutin der Zeppelin-Werk Lindau GmbH die Landflugzeuge Cl I, ein zweisitziger Doppeldecker, Cs I, ein als Tiefdecker ausgelegtes zweisitziges Schwimmerflugzeug, und D I, ein Jagdflugzeug, das als freitragender Eineinhalbdecker erstmals die Schalenbauweise des Rumpfes mit einem als torsionssteifer Kasten ausgebildeten Tragflügel kombinierte.

Während die Riesenflugboote noch nach statischen Prinzipien aufgebaut waren, die Claude Dornier vor dem Krieg bereits für Zeppelinkonstruktionen entwickelt hatte – stark gestreckte Trägersysteme aus gezogenen Stahlprofilen, später kombiniert mit der Schalenbauweise des Rumpfes – gingen die Landflugzeuge darüber hinaus. In der D I schließlich waren die Eckpatente der Flugzeugstatik vereint, die Claude Dornier in den letzten Jahren angemeldet hatte: für den einholmigen Tragflügel (1916), den spantenversteiften Hohlkörper aus Metall (1917) und die tragende Blechhaut für Flugzeugrümpfe (1917).

Unter Claude Dornier entstand in dieser Zeit eine der wichtigsten und zukunftsweisenden Konstruktionstraditionen des Metallflugzeugbaus, an deren Begründung auch seine Mitarbeiter Hanns Klemm, Alexander Lippisch, Adolf Rohrbach und Richard Vogt mitwirkten. Der andere große Wegweiser des Metallflugzeugbaus, Hugo Junkers, verwendete demgegenüber Fachwerke als statische Grundlage, die lediglich mit Wellblech als Beplankung versteift wurden.

Im Januar 1917 wurde Dorniers Abteilung als Zeppelin-Werk Lindau GmbH eine eigenständige Gesellschaft im Zeppelin-Konzern, zu deren Geschäftsführer Dornier avancierte. Die Firma baute in Reutin bei Lindau ihr Hauptwerk, blieb aber auch in Seemoos. Das Kriegsende brachte die Stilllegung des Lindauer Werks. Nur noch 80 Mitarbeiter verblieben im Werk Seemoos. Eine Liquidation der Gesellschaft konnte Dornier verhindern.

Zwischenkriegszeit

Noch im Auftrag der Kaiserlichen Marine war in Seemoos mit dem Bau des Aufklärungsflugbootes Gs I begonnen worden. Dieses Flugboot hatte bereits alle Kennzeichen der späteren Dornier-Flugbootfamilie: Hochdecker, fern vom Spritzwasser über der Tragfläche angeordnete Motoren in Tandemanordnung und Flossenstummel. Nach dem Kriegsende ließ Dornier eine Umkonstruktion zu einem 6-sitzigen Passagierflugzeug vornehmen. Am 30. Juni 1919 konnte der Erstflug stattfinden. Die Flugversuche verliefen ausgezeichnet. Dornier warb daraufhin bei Vorführungen in der Schweiz und den Niederlanden um Kunden. Auf dem Weg zu einer Vorführung in Skandinavien lag das Flugboot in Kiel-Holtenau, als der Ablieferungszwang für Flugzeuge gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages in Kraft trat. Dornier ließ das Flugboot deshalb am 25. April 1920 in der Kieler Bucht versenken, um einer Ablieferung an die Alliierten zuvorzukommen.

Da das Flugzeug-Bauverbot des Versailler Vertrages zunächst als nur für militärische Flugzeuge geltend angesehen wurde, konnten in Seemoos 1920 noch drei weitere Flugzeuge konstruiert und – wenigstens teilweise – gebaut werden, das kleine Verkehrsflugboot Delphin I, das Verkehrsflugzeug Komet I und das Kleinflugboot Libelle.

Im Herbst 1920 verschärfte sich die Haltung der Alliierten jedoch massiv. Das Bauverbot wurde auf alle Flugzeuge ausgedehnt. Es sollte bis drei Monate nach der Bestätigung der Alliierten gelten, dass die deutsche Demilitarisierung abgeschlossen sei. Die deutsche Reichsregierung wurde ultimativ gezwungen, dies im Frühjahr 1921 mit Rückwirkung legislativ zu verankern. Alle seit dem 10. Juli 1920 hergestellten Flugzeuge sollten beschlagnahmt werden.

Claude Dornier gelang es, in Rorschach, am Schweizer Ufer des Bodensees, einen Bootsschuppen mit Slipanlage anzumieten. Bereits produzierte Flugzeugteile wurden mit dem Segelboot „Praxedis“ seines Mitarbeiters Heinrich Schulte-Frohlinde über den See geschafft und in Rorschach montiert. So konnte die „Libelle“ am 16. August 1921 vor Rorschach zu ihrem Erstflug starten. Die erste Komet I war bereits im Herbst 1920 in Dübendorf in der Schweiz montiert worden.

mini|Dornier Wal

Mit einem kleinen Team von zu Hause arbeitenden Konstrukteuren entwickelte Dornier inzwischen die Gs I weiter, denn die spanische Marine hatte Interesse angemeldet. Es entstand die Dornier „Wal“, „das Flugzeug, das Dornier gemacht hat“, wie Claude Dornier selbst es formulierte. Der Wal wies, neben den Charakteristika der Gs I, auch das einfache Seitenleitwerk auf, ein weiteres Kennzeichen der Dornier-Flugbootfamilie.

An einen Bau in Deutschland war nicht zu denken und auch die Bootslagerhalle in Rorschach war ungeeignet. Dornier konnte indessen Ende 1921 eine stillgelegte Werft in Marina di Pisa, Italien finden, wo dann eine Beteiligungsgesellschaft des Zeppelin-Konzerns (die Mehrheit lag bei italienischen Gesellschaftern) gegründet wurde, die Costruzioni Mechaniche Aeronautiche S.A. (CMASA). In Marina di Pisa machte am 6. November 1922 die Dornier Wal ihren Erstflug.

Am 22. Januar 1922 beschloss die Gesellschafterversammlung eine Umbenennung in Dornier-Metallbauten GmbH. Dornier konnte einen zehnprozentigen Geschäftsanteil übernehmen. Ebenfalls 1922 erwarb der Zeppelin-Konzern die Liegenschaften der inzwischen liquidierten Flugzeugbau Friedrichshafen GmbH in Manzell. Der Betrieb der Dornier-Metallbauten GmbH wurde auf dieses größere Gelände neben der Werft in Seemoos verlegt.