Rijeka [] ( und , ) ist eine Hafenstadt an der Kvarner-Bucht in Kroatien. Die mit rund 107.000 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2021) drittgrößte Stadt des Landes ist Hauptstadt der Gespanschaft Primorje-Gorski kotar und Sitz der katholischen Erzdiözese Rijeka. Rijeka und das irische Galway waren 2020 die Kulturhauptstädte Europas.ec.europa.eu

Name Der Stadtname leitet sich von einem Kastell und einer Kirche am Fluss Rječina ( „St. Veitsstrom“) im heutigen Stadtteil Trsat ab. (kroatisch). Auf Slowenisch heißt die Stadt Reka, auf Italienisch Fiume sowie auf Deutsch veraltet Sankt Veit am Flaum oder Pflaum, ungarisch ehemalig auch Szentvit. Der Ortsname bedeutet im Kroatischen, Slowenischen und Italienischen jeweils „Fluss“. Auch der Bestandteil Flaum oder Pflaum im ehemaligen deutschen Ortsnamen Sankt Veit am Flaum geht auf Lateinisch flumen für „Fluss“ zurück.

Stadtgliederung Stadtteile Laut der letzten Volkszählung von 2021 hatte Rijeka zusammen mit allen 34 Stadtteilen 107.155 Einwohner.Volkszählung in Kroatien 2021Verwaltungsgliederung der Stadt Rijeka Davon befanden sich insgesamt 809 Personen, sogenannte Auslandskroaten, zum Zeitpunkt der Volkszählung im Ausland.

Geographie

Lage und Klima Die Hafenstadt Rijeka liegt an der gleichnamigen Bucht (kroatisch Riječki Zaljev), die das Nordende der inselreichen Kvarner-Bucht bildet, an der Mündung des Rječina, der durch die Stadt in die Adria fließt. Der heutige Name des Flusses leitet sich von dem der Stadt ab, der er ursprünglich den Namen gab.

Die mittlere Lufttemperatur beträgt im Januar 5,9 °C und im Juli 23,5 °C, die jährliche Lufttemperatur 14,3 °C, die jährliche Niederschlagsmenge 1548 mm. Insgesamt gibt es 86 Regentage im Jahr. Im Durchschnitt scheint die Sonne 2120 Stunden im Jahr.

Geschichte mini|Burg auf dem Trsat

In Rijeka wurden Siedlungsspuren gefunden, die bis in das Paläolithikum (Steinzeitalter) und das neolithische Zeitalter zurückreichen. Im prähistorischen Zeitalter (Bronze- und Eisenzeit) bauten vermutlich die Kelten um die Hügel Befestigungen. Sie verbanden die fünf Hügel (Solin, Martinšćica, Trsat, Velivrh und Gradišće) mit Wallanlagen. Ein Überbleibsel aus dem Keltischen dürfte das Wort Tarsa (Trsat) sein, das Berg bedeutet, evtl. Berg am Fluss.

Um diese Wallbauten konnte sich eine Siedlung mit einem Hafen entwickeln. Die Kelten wurden von den Illyrern verdrängt oder haben sich mit ihnen vermischt. Der Stamm der illyrischen Liburner lebte vorwiegend entlang der Küste und baute den Hafen aus. Im Hinterland siedelten die Iapoden, auf die die Befestigung des Hügels Trsat jenseits des Flusses Riječina zurückgehen soll.

Die Illyrer nutzten den Hafen für ihre seeräuberischen Aktivitäten in der Adria. Sie waren damals bekannt als Seefahrer, Schiffbauer und Seeräuber; zu dieser Zeit nannten sie die Ortschaft Liburna.

Antike Liburna war für die Römer ein Ärgernis, da von hier zahlreiche Angriffe auf die römischen Handelsschiffe in der Adria ausgingen. Die Römer führten mehrere Kriegszüge gegen die Illyrer, dabei eroberten sie die Siedlung um 180 v. Chr. Die Römer verlagerten die bisherige Siedlung näher an das Meer, an die Stelle der heutigen Altstadt.

In der Antike wurde die Stadt Tarsatica genannt und war vermutlich bereits zu dieser Zeit in zwei Kommunen geteilt. Tarsatica Romana (Rijeka) war die Hafenstadt und Tarsata Liburna (Trsat) die Burgstadt. Die Römer bauten auf dem Trsat später eine Beobachtungsstation. Heute findet man noch Überreste der römischen Siedlung, unter anderem Ruinen der Thermen, ein römisches Tor, Teile der römischen Stadtmauer sowie Mauerreste römischer Häuser.

Mittelalter Die Kroaten ließen sich um 700 n. Chr. in der Gegend des heutigen Rijeka nieder. Aus strategischen Gründen war der Ort für Karl den Großen wichtig. Er sandte ein Heer unter Führung des Markgrafen Erich (Eric) zur Eroberung der Stadt. Die Kroaten wehrten sich jedoch erfolgreich und schlugen 799 n. Chr. die Franken zurück. Markgraf Erich verlor an den Felshängen vor der Burg Trsat sein Leben. Karl der Große reagierte mit der Entsendung eines größeren Heeres, durch das er Trsata erobern ließ. Von dieser Zeit an beherrschten die Franken die Stadt, die sie in ihr Reich integrierten.

Im 9. Jahrhundert gehörte Rijeka zum Königreich der Kroaten. Ab dem 12. Jahrhundert bestand Kroatien im Staatsverband mit Ungarn als Personalunion. Im 13. Jahrhundert wurde Trsat (Trsata), das wieder aufgebaut worden war, von den Fürsten Frankopan der Grafschaft Vinodol beherrscht. Diese förderten den Ausbau von Trsat.

1287/1288 entstand das Gesetzbuch von Vinodol, eines der ältesten Gesetzbücher Europas. Die Vinodoler Stadtgemeinden Grobnik, Trsat (Rijeka), Bakar, Hreljin, Drivenik, Grižane, Bribir, Ledenice und Novigrad (heute Novi Vinodolski) unterzeichneten am 6. Januar 1288 dieses Gesetzbuch. Das Gesetzbuch schützte unter anderem Leibeigene und den Mann aus dem Volk vor den Feudalherren und den Gerichten.

Auf der rechten Seite der Rječina entstanden die Siedlungen Reka (Rika) und Sv. Vida (Sveti Vid na Rječini, St. Veit am Flaum); sie bildeten eine Stadt mit Toren, Türmen, Straßen und Handel. Während dieser Zeit wechselten die Herren der Stadt: die Dynastie Duino, die Fürsten Frankopan, die Grafen von Walsee. Die Einwohnerzahl betrug zu dieser Zeit ungefähr 3000. Zwischen dem 13. und dem 14. Jahrhundert entstand unter den Grafen von Walsee das gotische Rijeka.

Unter der Herrschaft der Habsburger mini|hochkant|Der Stadtturm von Rijeka mini|Kanal in Rijeka mini|Blick auf den Hafen von Rijeka

1465 kaufte Friedrich III. die Stadt von den Herren von Walsee; die Stadt wurde St. Veit am Flaum genannt. Bis 1918 gehörte St. Veit am Flaum oder Fiume, wie sie die meiste Zeit genannt wurde, mit kurzen Unterbrechungen zur Habsburgermonarchie. Unter den Habsburgern entwickelte sich Fiume zur Rivalin von Venedig, die Habsburger bauten Fiume neben ihrem Haupthafen Triest konstant aus.

1509 wurde Fiume unter der Führung des Condottiero Melchiorre (?) Trevisan von den Venezianern kurzfristig erobert, dabei wurde die Stadt geplündert, angezündet und teilweise zerstört.

Mit der Thronbesteigung der Habsburger in Ungarn wurde Rijeka 1526 Teil der Länder der Stephanskrone. In der Folgezeit wurde es aber meist von Graz aus regiert (siehe Innerösterreich). 1530 entstand die erste Druckerei im Ort.

1595 erreichten osmanische Truppen die Ebene von Grobnik und standen damit in der Nähe von Fiume.

Im 16. Jahrhundert blühte die Stadt auf; in dieser Epoche entwickelten sich in Fiume Manufaktur, Handel, Kunst und das Schulwesen. 1626 wurde das Jesuitengymnasium gegründet, das erste an der Adria; es besteht ohne Unterbrechung bis heute. Während dieser Zeit entstand das Fiume der Renaissance und des Barock. Zugleich kam es immer wieder zu Angriffen der Osmanen, Fiume aber fiel nie in ihre Hände.

Kaiser Karl VI. führte 1717 die merkantilistische Wirtschaftspolitik ein; dies ermöglichte den freien Schiffsverkehr in der Adria. 1719 wurde der Hafen von Fiume zusammen mit dem Hafen Triest zum Freihafen erklärt, es entwickelten sich Industrie, Seefahrt und Handwerk. 1725 wurde die erste Verkehrsstraße gebaut, die Wien über Karlovac mit der Adria verband (Karolina).

1750 wurde Fiume wochenlang von mehreren Erdbeben erschüttert, teilweise dürften sie sehr heftig gewesen sein. Dabei wurde auch die Burg Trsat beschädigt. Nach dem Erdbeben wurde eine Zuckerraffinerie gegründet, die bis 1828 existierte.

Mit einer Verfügung Maria Theresias wurde Fiume 1779 ein Corpus separatum, eine eigenständige, autonome Körperschaft. Damit wurde die Stadt aus dem Königreich Kroatien und Slawonien herausgelöst und direkt der Habsburger Krone unterstellt. Andrija Ljudevit Adamić (Andrea Lodovico Adamich) (1766–1828), ein Händler jüdischer Abkunft und verdienstvoller Kulturförderer, ließ 1805 ein Theater für 1600 Zuschauer bauen, das zu den größten in Europa zählte, aber später abgerissen wurde.

In den napoleonischen Kriegen Im Dritten Koalitionskrieg nahmen 1805 die Franzosen Fiume ein und gliederten es an das Königreich Italien (1805–1814) an, einen Marionettenstaat unter Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais. Eine besondere Rolle während dieser Zeit spielte die Gemahlin eines Kaufmanns von Rijeka, Karolina Belinić (genannt Karolina von Rijeka). Sie rettete der Überlieferung nach die Stadt im Juli 1813 vor der Zerstörung durch die britische Flotte, indem sie bei Verhandlungen mit dem englischen Admiral Freemantle ihren weiblichen Charme, ihr gutes Aussehen sowie ein tief ausgeschnittenen Dekolleté nutzte. Dank Karolinas Intervention wurde angeblich nur ein einziger Schuss aus einer Kanone Richtung Fiume abgefeuert. Die Kanonenkugel wurde später neben dem Hauptportal der St.-Vitus-Kathedrale eingemauert, mit einer lateinischen Inschrift, die übersetzt lautet: „Dieses Obst hat England gesandt, als es die Gallier von hier vertreiben wollte“.

Nach dem Wiener Kongress

mini|Briefmarke der österreichischen Wappenausgabe 1850 mit Ortsstempel von Fiume

Nach dem Wiener Kongress 1815 übernahmen die Habsburger, nach sechsjähriger Zugehörigkeit der Stadt zu Italien, erneut die Macht. 1823 wurde eine Papiermühle errichtet, hier wurde 1833 die erste Dampfmaschine Südosteuropas installiert. Die ehemalige Zuckerfabrik wurde nach 1828 durch eine Tabakfabrik ersetzt, die zur größten des Königreichs wurde, hier waren zeitweilig 2400 Arbeiter beschäftigt. Graf Laval Nugent eröffnete 1843 die Gemäldegalerie im Kastell von Trsat, das erste Museum in Kroatien.

Während der Revolution von 1848 nahm der kroatische Ban und kaiserliche Feldherr Joseph Jelačić von Bužim Fiume (Rijeka) ein, er setzte die Stadtregierung ab, anschließend stand Rijeka wieder unter kroatischer Verwaltung. 1855 wurde der Hafen komplett modernisiert, dabei wurde der Fluss Riječina in ein neues Bett verlegt.

Die österreichische Kriegsmarine eröffnete 1857 die Marineakademie Fiume (heute Gebäude des Krankenhauses in Rijeka). Um 1860 entwickelte der einheimische Ingenieur Giovanni Luppis (kroatisch Ivan Lupis-Vukić) den ersten schraubenbetriebenen Torpedo. Zusammen mit dem aus England stammenden Ingenieur Robert Whitehead entwickelte er den Torpedo ab 1864 so weiter, dass er auch effektiv eingesetzt werden konnte. Whitehead gründete 1873 in Fiume die erste Torpedofabrik der Welt. Die Fabrik „Torpedo“ (ehemals Whitehead-Werft) besteht heute noch. In Fiume wurden neben zahlreichen Schiffen ab 1908 auch die ersten U-Boote für die k.u.k. Kriegsmarine gebaut.

Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich 1867 gehörte Fiume zur ungarischen Reichshälfte. Im ungarisch-kroatischen Ausgleich ein Jahr darauf gab es keine wirkliche Einigung über die Zuordnung von Rijeka/Fiume: Während in der kroatischen Version des Dokuments stand, dass über die Zugehörigkeit Rijekas weitere Verhandlungen geführt werden sollten, wurde Fiume in der ungarischen wieder als Corpus separatum (Sonderverwaltungsgebiet) betrachtet. Nachdem das ungarische wie das kroatische Parlament jeweils der Version in ihrer Sprache zugestimmt hatten, wurde das Dokument Kaiser Franz Joseph I. zur Unterzeichnung vorgelegt. Kurz zuvor ließ jedoch die ungarische Regierung den fraglichen Artikel in der kroatischen Fassung mit einem Stück Pergament überkleben, dem sogenannten „Rijeka-Fetzchen“ (riječka krpica), das eine Übersetzung der ungarischen Version enthielt.Ludwig Steindorff: Geschichte Kroatiens. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2020.Daniel Lalić: Der Hochadel Kroatien-Slawoniens. de Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2017, S. 55–56. Der ungarische Ministerpräsident Gyula Andrássy unterstellte Fiume schließlich 1870 einem Gouverneur seiner Regierung. Bei dieser „provisorischen“ Lösung blieb es bis zum Untergang der Habsburgermonarchie.

mini|Fiume mit Hafen im Jahr 1913