Das Konzert für Orchester (Sz 116, BB 123) ist eines der bekanntesten Stücke von Béla Bartók und zählt zugleich zu seinen beliebtesten und zugänglichsten Kompositionen.

Bartóks Werk ist wohl das bekannteste einer Reihe von Stücken mit dem zunächst widersprüchlich erscheinenden Titel Konzert für Orchester. Bartók bezeichnete das Stück nach eigenem Bekunden deshalb als Konzert und nicht als Sinfonie, weil die einzelnen Instrumente eher solistisch und virtuos behandelt werden.

Besetzung

Spätromantisches Sinfonie-Orchester:Hansjürgen Schaefer (Hrsg.): Konzertbuch Orchestermusik A–F. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1972, S. 81.

Holzbläser: drei Flöten (3. auch Piccolo), drei Oboen (3. auch Englischhorn), drei Klarinetten (3. auch Bassklarinette), drei Fagotte (3. auch Kontrafagott) Blechbläser: vier Hörner, drei Trompeten (4. ad lib.), zwei Posaunen, Bassposaune, Tuba Pauken, Schlagzeug zwei Harfen Streicher

Biographische Einordnung

Das Konzert für Orchester schrieb Bartók 1943 mit 62 Jahren, kurz nach seiner Flucht vor dem Zweiten Weltkrieg aus Ungarn in die USA. Es handelte sich um eine Auftragsarbeit für die Stiftung des Dirigenten Sergei Kussewizki. Ohne diesen Auftrag hätte Bartók das Komponieren womöglich bereits nach dem 6. Streichquartett (1939) aufgegeben. So aber entstanden in der Folge noch mehrere weitere Werke, etwa die Sonate für Violine solo und das 3. Klavierkonzert.

Auf der Partitur ist der Zeitraum vom 15. August bis 8. Oktober vermerkt. Die Uraufführung durch das Boston Symphony Orchestra am 1. Dezember 1944 in der Symphony Hall Boston unter Kussewizki war ein enormer Erfolg. 1946 wurde es bei den Weltmusiktagen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (ISCM World Music Days) in London aufgeführt.Programme der ISCM World Music Days von 1923 bis heuteAnton Haefeli: Die Internationale Gesellschaft für Neue Musik – Ihre Geschichte von 1922 bis zur Gegenwart. Zürich 1982, S. 480ff. Heute gehört das Stück im sinfonischen Bereich zum etablierten Standardrepertoire.

Im Februar 1945, sieben Monate vor seinem Tod, überarbeitete Bartók das Werk nochmals. Die bedeutendste Änderung betrifft den letzten Satz, zu dem der Komponist einen längeren Schluss verfasste. Beide Versionen wurden veröffentlicht und werden bis heute aufgeführt.

Sätze Introduzione: Eine getragene, geheimnisvolle Einleitung geht in einen schnellen Allegro-Teil mit zahlreichen fugierten Passagen über. Giuoco delle coppie (‚Spiel der Paare‘) (siehe jedoch unten): Dieser sehr rhythmisch geprägte Satz beginnt mit einem „stotternden“ Spiel der kleinen Trommel, die auch wieder am Ende mit einem prägnanten Rhythmus groß herauskommt. Nacheinander setzten zunächst Paare von Holzblasinstrumenten ein, die aufeinander bezogene, kurze Themen, jeweils um ein anderes Intervall versetzt, spielen: Bei den Fagotten ist es eine kleine Sexte, die Oboen spielen in Terzen, die Klarinetten in Septimen, die Flöten in Quinten und die Trompeten in Sekunden. Elegia: ein langsamer Satz, typisch für Bartóks sogenannte „Nachtmusik“. Intermezzo interrotto (‚unterbrochenes Zwischenspiel‘): Eine fließende Melodie mit Taktwechseln wird auf ironische Weise von einem Zitat aus Schostakowitschs „Leningrader“ Sinfonie (Nr. 7), die von Bartók nicht sonderlich geschätzt wurde,Classical Notes: Concerto for Orchestra, abgerufen am 8. April 2011 unterbrochen. Schostakowitsch zitiert hier seinerseits das Lied Da geh ich zu Maxim aus Franz Lehárs Operette Die lustige Witwe. Bartók verzerrt dieses banale Marschthema zunehmend. Schließlich wird es von „abweisenden“ Glissandi der Posaunen und „lachenden“ Holzbläsern unterbrochen und verspottet. Finale: mit der Tempobezeichnung presto (schnell), in dem ein wirbelndes Perpetuum-mobile-Hauptthema mit einem Feuerwerk fugierter Passagen und volkstümlicher Melodien wetteifert.

Der zweite Satz: Fehler in der Druckausgabe Während in den gedruckten Ausgaben der zweite Satz die Überschrift Giuoco delle coppie (dt. „Spiel der Paare“) trägt, heißt er in Bartóks Manuskript Presentando le coppie (dt. „Präsentation der Paare“). Die gedruckten Partituren enthalten auch eine falsche Metronomzahl für diesen Satz. Das stellte Sir Georg Solti bei der Vorbereitung auf eine Einspielung des Konzerts für Orchester und der Tanz-Suite fest. Er schreibt:

Trivia

Im ersten Kapitel von Thomas Pynchons Roman Die Versteigerung von No. 49 erfährt die Hauptfigur Oedipa Maas von dem Tod eines ehemaligen Liebhabers und denkt dabei unter anderem „an eine lapidare, trostlose Melodie aus dem vierten Satz des Orchesterkonzerts von Bartók“.

Weblinks

Quellen

Bartok, Konzert fur Orchester Kategorie:Werk von Béla Bartók Kategorie:Musik 1944