Gattschina (, ) ist eine Stadt im Gattschinski rajon und seit 2021 die Hauptstadthttps://ostexperte.de/gattschina-wird-regionalhauptstadt/ der russischen Oblast Leningrad. Sie liegt 45 Kilometer südlich von Sankt Petersburg an der Europastraße 95 und der Bahnlinie nach Pskow. Die Einwohnerzahl beträgt (Stand ). Die Stadt hat vor allem durch ihr Schloss, das zeitweise Zarenresidenz war, Berühmtheit erlangt.
Geschichte miniatur|links|Schloss Gattschina Gattschina wurde erstmals 1499 erwähnt; ursprünglich gehörte der Ort zu Nowgorod, mit dessen Unterwerfung 1478 kam auch Gattschina ans Großfürstentum Moskau. Wie das gesamte Ingermanland gehörte Gattschina von 1583 bis 1595 sowie von 1617 bis 1721 (Frieden von Nystad) zu Schweden. Peter der Große, Kaiser des neuen Russischen Reiches, schenkte Gattschina seiner Schwester Natalja. 1765 gab Kaiserin Katharina die Große Gattschina an ihren Favoriten, Graf Grigori Grigorjewitsch Orlow, der hier das Schloss Gattschina errichten ließ. Der letzte russische Kaiser, Nikolaus II., verbrachte seine Jugend hier; nach seiner Abdankung 1917 wurde er in Gattschina zeitweise unter Hausarrest gestellt.
Über die Petersburg-Warschauer Eisenbahn erhielt Gattschina 1858 eine Verbindung mit der Hauptstadt. Die Gesamtstrecke bis Warschau wurde 1862 eröffnet.
1923 wurde die Stadt nach dem Revolutionär Leo Trotzki in Trozk () umbenannt.Gerd Koenen: Die großen Gesänge: Lenin – Stalin – Mao Tsetung. Führerkulte und Heldenmythen des 20. Jahrhunderts. Eichborn, Frankfurt am Main, 2. Aufl. 1991. ISBN 3-8218-1143-9. S. 64. Nachdem Trotzki in Ungnade gefallen war, erfolgte 1929 eine weitere Umbenennung in Krasnogwardeisk (; von Krasnaja Gwardija, russisch für Rote Garde), ehe die Stadt 1944 wieder ihren alten Namen Gattschina erhielt.
Kurze Zeit nach Beginn des Deutsch-Sowjetischen Kriegs am 22. Juni 1941 wurde Gattschina von Truppen der Wehrmacht besetzt. Von 1942 bis 1944 nannten die deutschen Besatzungsbehörden die Stadt Lindemannstadt, zu Ehren des Oberbefehlshabers der 18. Armee, Georg Lindemann.Am Stadtrand von Leningrad: Gatchina während des Großen Vaterländischen Krieges. L.A.,1986. 230 s. Im Zuge der Leningrad-Nowgoroder Operation eroberte die Rote Armee Anfang 1944 den Ort zurück.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 14.824 1939 38.201 1959 36.725 1970 63.292 1979 75.153 1989 79.714 2002 88.420 2010 92.937 Anmerkung: Volkszählungsdaten
Söhne und Töchter der Stadt
Paul Friedrich von Benckendorff (1784–1841), Gouverneur des Gouvernement Estland von 1833 bis 1841 Andrei Stackenschneider (1802–1865), Architekt Pjotr Tschichatschow (1812–1890), Forschungsreisender Michail Tschigorin (1850–1908), Schachspieler Fjodor Wassiljew (1850–1873), Maler Michail Ippolitow-Iwanow (1859–1935), Komponist und Dirigent Michail von Doliwo-Dobrowolski (1862–1919), Ingenieur Modest Iwanow (1875–1942), erster sowjetischer Admiral Jan Zachwatowicz (1900–1983), polnischer Architekt Aleksander Ansberg (1909–1975), sowjetischer Politiker estnischer Abstammung Marija Bulyginskaja (1928–2019), Zoologin Heinz Valk (* 1936), estnischer Künstler und Politiker Anastassija Russkich (* 1983), Badmintonspielerin Jelisaweta Demirowa (* 1987), Sprinterin Irina Chlebko (* 1990), Badmintonspielerin Daniil Lintschewski (* 1990), Schachspieler Swetlana Kolesnitschenko (* 1993), Synchronschwimmerin, Olympiasiegerin 2016 Alexander Bublik (* 1997), russisch-kasachischer Tennisspieler Jewgeni Tjurnew (* 1997), Tennisspieler Danil Krugowoi (* 1998), Fußballspieler
Städtepartnerschaften Gattschina ist Partnerstadt von , Finnland , Schweden , Deutschland
Einzelnachweise
Weblinks
Gattschina Gestern und Heute (russisch) Gattschina auf mojgorod.ru (russisch) Palast der Stadt Gattschina (Gatschina)
Kategorie:Hauptstadt eines Föderationssubjekts Russlands Kategorie:Ort in der Oblast Leningrad Kategorie:Bestandteil einer Welterbestätte in Europa Kategorie:Bestandteil einer Welterbestätte in Russland Kategorie:Ersterwähnung 1499