mini|hochkant|Hans Hass mini|hochkant|Der Meeresforscher Hans Hass führte 1950 den Trick des zerrissenen Telefonbuches vor, den er von Felix Graf von Luckner gelernt hatte
Hans Heinrich Julius HassMichael Jung: Hans Hass – Ein Leben lang auf Expedition. Naglschmid, Stuttgart 1994, ISBN 3-927913-63-4, S. 20, S. 315: „Hans Heinrich Julius Hass wird am 23. Januar 1919 als einziges Kind des Rechtsanwaltes Dr. Hans Hugo Hass (geb. 18.4.1879) und der Fabriksbesitzertochter Margaretha Antonia (Meta) Brausewetter (geb. 16.6.1890) geboren und am 13. April 1919 in der Votivkirche getauft.“ (zuvor Haß, * 23. Jänner 1919 in Wien; † 16. Juni 2013 ebenda) war ein österreichischer Zoologe und Meeresforscher, der vor allem durch seine Dokumentarfilme über Haie und seinen Einsatz für den Umweltschutz bekannt wurde.
Leben Hans Hass, noch in den 1950er Jahren „Haß“ geschrieben, wurde als Sohn des Rechtsanwalts Hans Hugo Raimund Vincenz Haß (* 18. Mai 1879 in Wien;Taufbuch Wien-03., St. Othmar unter den Weißgerbern, tom. III, fol. 34 (Faksimile), abgerufen am 11. April 2025. † 1954) und dessen Ehefrau Meta (eigentlich: Margaretha Antonia Josefine Haß; geborene Brausewetter; * 16. Juni 1890 in Wagram bei Leobersdorf; † 4. Februar 1944 in Wien),Taufbuch Kottingbrunn, tom. VI, fol. 223 (Faksimile), abgerufen am 11. April 2025. in Wien geboren und am 13. April 1919 in der Wiener Votivkirche auf den Namen Hans Heinrich Julius getauft.Taufbuch Wien-09., Votivkirche, tom. ?, fol. 1 (Faksimile), abgerufen am 11. April 2025. Seine Eltern hatten am 2. Dezember 1917 in der Pfarre Kottingbrunn geheiratet.Trauungsbuch Kottingbrunn, tom. VI, fol. 223 (Faksimile), abgerufen am 11. April 2025.
Seine Mutter war die Tochter von Charles Brausewetter (auch: Carl (auch Karl) Natango Brausewetter; * 14. Oktober 1857 in Wagram),Trauungsbuch Leobersdorf, tom. VI, fol. 178 (Faksimile), abgerufen am 11. April 2025. Betreiber der Ersten oesterreichischen Terrakotta (Tonwaren) Fabrik zu Wagram bei Leobersdorf an der Südbahn Victor Brausewetter, und dessen Ehefrau Pauline „Paula“ Maria (geborene Pelz; * 26. Oktober 1869 in Wien; ab 1879: Pelz von Felinau).; Otmar Rychlik: Zur Geschichte und Kunstgeschichte der Niederösterreichischen Terrakottenproduktion in Wagram bei Leobersdorf. In: Helmuth Feigl (Red.): Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Band 2: Festgabe des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich zum Ostarrîchi-Millennium. Verein für Landeskunde von Niederösterreich, Wien 1996, ISBN 3-901234-04-7, S. 507–528 passim (). Nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 1944 heiratete der Vater am 22. September 1948 standesamtlich in zweiter Ehe.
Hass besuchte das Theresianum in Wien und schloss die Schule 1937 ab.Joachim Scholz, Emmy Wöss: Hans Hass – ein Leben für die Unterwasserwelt. In: Biologie in unserer Zeit. 39 (2), S. 138. 2009. Prägend für sein Interesse an der Meeresbiologie war seine Maturareise 1937 an die französische Riviera mit Unterwasserjagden und Unterwasserfotografie.
1939 organisierte Hans Hass eine Reise nach Curaçao und Bonaire (niederländische Kolonien) mit seinen Freunden Alfred von Wurzian und Jörg Böhler. Dort drehte er seinen ersten Film, bei dem er erstmals die freischwimmende Filmmethode verwendete. Da inzwischen der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, kehrten die drei Freunde über die Vereinigten Staaten, Japan, China und die Sowjetunion – 1939/1940 noch nicht in den Krieg involviert – ins (Groß-)Deutsche Reich zurück.
Wegen einer Gefäßkrankheit der Füße (Raynaud-Syndrom) wurde Hans Hass bei Kriegsausbruch nicht zur Wehrmacht eingezogen; beim Marschieren reduziert sich die Durchblutung der Füße in gefährlicher Weise.Hans Hass: Erinnerungen & Abenteuer. Verl. Styria, Wien 2004, ISBN 3-222-13155-4, S. 145. Ab Herbst 1940 besaß er für die Produktion von Unterwasser-Dokumentarfilmen als sogenannter „unabhängiger Produzent“ über die UFA den Status „unabkömmlich“, was ihn bis Kriegsende vom Militärdienst bewahrte.Michael Jung: Schritte ins Niemandsland. Neue Einblicke in das Leben und Werk des Naturforschers Hans Hass. Tredition, Hamburg 2019, ISBN 978-3-7469-8819-1, S. 40.
Nach der Karibik-Expedition und ersten Fachartikeln stieg Hass 1940 vom Studium der Rechtswissenschaften auf Zoologie um. Eine weitere Expedition führte ihn 1942, ein Jahr nach der Besetzung Griechenlands, in die Ägäis zur Pilion-Halbinsel, zu den Nördlichen Sporaden und nach Santorin. Mit dabei war erstmals auch Alfons Hochhauser, der als Ortskundiger, Dolmetscher und Fischerei-Experte unentbehrlich war. Hass erprobte dabei ein neues Regenerations-Tauchgerät und nutzte es in Verbindung mit Flossen erstmals für das Schwimmtauchen. Er setzte zum Anlocken von Haien auch das illegale Verfahren der Dynamitfischerei ein.; auch dokumentiert im Spielfilm Menschen unter Haien von 1947. Die dabei entstandenen Foto- und Filmaufnahmen von Haien sind heute von großer wissenschaftlicher Bedeutung.Stamatis Zogaris, Alessandro De Maddalena: Sharks, blast fishing and shifting baselines: Insights from Hass’s 1942 Aegean expedition. (PDF auf ResearchGate.net.). In: Cahiers de Biologie Marine 55(1), 2014, S. 305–313.
Von 1941 bis 1945 wohnte Hass im Haus Sommerfeld zusammen mit seiner Managerin Dorothea Schneider-Lindemann. Im Februar 1944 promovierte er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität im Fach Zoologie mit einer Dissertation über die zu den Moostierchen gehörenden Neptunschleier (Reteporidae beziehungsweise Phidoloporidae).Hans Hass: Beitrag zur Kenntnis der Reteporiden mit besonderer Berücksichtigung der Formbildungsgesetze ihrer Zoarien und einem Bericht über die dabei angewandte neue Methode für Untersuchungen auf dem Meeresgrund. Zoologica 101 (1948): 1–140.Hans Hass: Erinnerungen & Abenteuer. Verl. Styria, Wien 2004, ISBN 3-222-13155-4, S. 154. In seiner Dissertation ehrte er seinen akademischen Lehrer Heinrich Jacob Feuerborn, indem er eine neue Moostierchenart beschrieb, die er Sertella feuerbornii nannte (heute Reteporella feuerbornii (Hass, 1948)). Bis Kriegsende widmete er sich vorwiegend der Fertigstellung seines letzten Expeditionsfilms. 1944 lernten Hans Hass und Kurt Schaefer einander kennen. Schaefer baute einige Unterwasserkameras, welche Hass in den 1950er Jahren nutzte.
Eines seiner Hauptanliegen war, den Menschen die Angst vor Haien zu nehmen, denn sie verwehrte den ungezwungenen Zugang zur Unterwasserwelt.Vgl. etwa seinen diesbezüglichen, im nationalsozialistischen Bozner Tagblatt vom 21. Oktober 1944 erschienenen Artikel Freundschaft mit Haien.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging sein Forschungsschiff durch Beschlagnahme verloren; er wandte sich der Anthropologie und Evolutionsbiologie zu. 1947 wurde sein Film „Menschen unter Haien“, der bereits 1942 als Ufa-Kulturfilm begonnen worden war, in Zürich uraufgeführt. Es folgten Verträge mit Herzog-Film (München) und Sascha-Film (Wien) sowie – nach zwei Expeditionen zum Roten Meer – zwei Xarifa-Expeditionen gemeinsam mit dem Biologen Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Die während der zweiten Xarifa-Expedition 1957/1958 zu den Malediven gesammelten Informationen waren 2007 der Gegenstand einer vergleichenden Studie über die Veränderungen unter Wasser.Carden C. Wallace, Hussein Zahir (2007): The “Xarifa” expedition and the atolls of the Maldives, 50 years on. (PDF auf ResearchGate.net.). In: Coral Reefs 26, S. 3–5.
mini|Hans Hass (links) und Irenäus Eibl-Eibesfeldt (1972)
Ein Film darüber – „Unternehmen Xarifa“ – erschien 1954. Das neue Forschungsschiff Xarifa musste sich teilweise durch Tauchsafaris im Roten Meer und mit Hilfe der BBC finanzieren. Als Kapitän des Schiffes fungierte Johann Diebitsch, der 1957 als Kommandant der Pamir ums Leben kam. Die Xarifa selbst wurde 1960 von Hass wieder verkauft.
mini|Forschungsschiff Xarifa 2007 im Hafen von Monaco
Nach Expeditionen in Ostafrika und Südasien entstanden 1959 erste Fernsehserien, 1961 erstmals auch über Landlebewesen. Es folgten Verhaltensforschung und 1963 bis 1966 die Energontheorie – die Basis seiner folgenden Arbeiten: Kombiniert mit Managementstrategie publizierte Hass 1969 über Gemeinsamkeiten zur Evolution. In den Siebzigern behandelte er Umwelt- und Wirtschaftsthemen und erhielt 1977 den Berufstitel „Professor“ – der aber nicht mit einer akademischen Beförderung oder einem Lehrstuhl an der Universität verbunden war.
1983 begannen langjährige Studien und zahlreiche Seminare über Raubtierinstinkte im Beruf. Dabei vereinte Hass Meeresbiologie, Verhaltensforschung und Managementtheorien. 1989 wandte er sich wieder Umweltthemen zu.
mini|Lotte und Hans Hass auf der boot 2009 an seinem 90. Geburtstag
Wolfgang Klausewitz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt benannten 1959 die von ihm bei den Malediven entdeckten Röhrenaale nach ihm und seinem Schiff Xarifa mit Xarifania hassi (die Art wurde mittlerweile in Heteroconger hassi umbenannt).
Hass tauchte im Januar 2005 vor den Malediven, um die Folgen der Tsunamikatastrophe unter Wasser zu untersuchen. Im Januar 2007 nahm er an einer Kreuzfahrt vor Port Sudan teil und unternahm dort ebenfalls einige Tauchgänge.
Im April 2006 gab Hass seinen Wohnsitz in Liechtenstein auf und lebte seitdem wieder in Wien. Dort verstarb er am 16. Juni 2013 und wurde am 22. Juni 2013 auf dem Hietzinger Friedhof, Gruppe 47, Nr. 31 beerdigt.. In: Hans-Hass.de. Juni 2013, abgerufen am 13. April 2025.. In: Tagesschau.de. 22. Juni 2013, abgerufen am 13. April 2025.Das Grab von Hans Hass. Bei: knerger.de. Einen Teil seines Nachlasses hatte Hans Hass dem Naturhistorischen Museum Wien vermacht. mini|Grabstätte von Hans und Lotte Hass Seit 2003 wird der Hans Hass Award verliehen.
Aus Anlass der 100. Wiederkehr des Geburtstages von Hans Hass im Januar 2019 veranstaltete das Hans-Hass-Institut für Submarine Forschung und Tauchtechnik zusammen mit dem Aquazoo – Löbbecke Museum ein gemeinsames Gedenksymposium zu Ehren des Verstorbenen.
Familie Ehe mit Hannelore Schroth vom 30. Juni 1945 bis April 1950; Sohn Hans (1946–2009) Ehe mit Charlotte „Lotte“ Baierl ab 29. November 1950 (standesamtlich; ab 6. Februar 1963 auch kirchlich); Tochter Meta (* 1957)
Energontheorie Zwischen 1959 und 1970 entwickelte Hass die Energontheorie: Er stellte darin eine neue Sichtweise der Welt und der Stellung des Menschen in ihr dar, die aufgrund von physikalischen Gegebenheiten allgemeine Gesetzmäßigkeiten für alle Entwicklungsformen aufzeigte und sie von der Biologie ausgehend mit einbezog. Das Energonkonzept wurde von Hass als sein „Glasperlenspiel“ bezeichnet, in dem er versuchte, das Begriffssystem verschiedener Wissenschaften zusammenzuführen und durch eine einheitliche Struktur und ein einheitliches Begriffssystem darzustellen.Michael Jung: Hans Hass. Ein Leben lang auf Expedition. Stuttgart 1994. Die Energontheorie wird von Verhaltensforschern den Strukturwissenschaften zugeordnet. Auch der Nobelpreisträger Konrad Lorenz stellt eine Strukturanalogie zwischen lebenden Organismen und Wirtschaftsunternehmen her.
Das Konzept der „Hyperzeller“ leitete Hass aus der Energontheorie ab. Er definierte die aus Zellen bestehenden Organe des Menschen als Funktionsträger und rechnete die Produkte der Technik als zusätzliche Organe, die nach Bedarf ausgetauscht werden können, dem Individuum hinzu. Hass bezeichnete den Menschen, der Werkzeuge verwendet, daher als „Hyperzeller“, charakterisierte den modernen Menschen als wandelbares, flexibles Wesen und nannte ihn „Homo Proteus“ (nach dem griechischen Gott Proteus). Proteus wird beschrieben als Meister der Verwandlung, der jede beliebige Gestalt annehmen konnte – ähnlich einem modernen Menschen, der durch Werkzeuge seinen „Leistungskörper“ durch „künstliche Organe“ ergänzte. Damit gab er dem modernen Konzept des „Mensch-Maschine-Hybrids“, in dem Mensch und Technik verschmelzen, eine naturwissenschaftliche Fundierung.
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