alt=Der Hauptsitz in Lübeck|mini|Der Hauptsitz in Lübeck
Die Drägerwerk AG & Co. KGaA, kurz Dräger, ist ein börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Lübeck. Es entwickelt, produziert und vertreibt Geräte und Systeme in den Bereichen Medizin- und Sicherheitstechnik.
Noch im Jahr 2023 wurden Mitarbeiter des Rettungswesens im Bergbau in Nordamerika aufgrund der Atemschutzgeräte der Drägerwerke als Drägermen bezeichnet.Grüne Wette Drägerwerk. In: Frankfurter Rundschau. 15. Juli 2023, S. 14. Die Firma ist der größte Industriearbeitgeber Lübecks. Unternehmensbereiche und Produkte Medizintechnik Im Unternehmensbereich Medizintechnik entwickelt und produziert das Unternehmen Systeme, Geräte und Dienstleistungen, die in der Akutmedizin zusammenwirken sollen. Die Medizintechnik firmierte vor der Verschmelzung mit der Muttergesellschaft 2015 eigenständig als Dräger Medical AG & Co. KG und zuletzt als Dräger Medical GmbH. Seit 2003 gab es in der Medizintechnik ein Joint Venture zwischen der Drägerwerk AG (75 Prozent) und der Siemens AG (25 Prozent).Dräger will Anteile von Siemens kaufen. In: Handelsblatt. 15. April 2008. 2009 kaufte die Drägerwerk AG & Co. KGaA den Minderheitsanteil von 25 Prozent der Siemens AG zurück.Stefan Dräger 60. In: Börsen-Zeitung. 18. März 2023, Nr. 55, S. 12. Der Geschäftsbereich erwirtschaftete im Jahr 2023 einen Umsatz von 1,96 Milliarden Euro.
In der Medizintechnik bietet Dräger unter anderem Anästhesiearbeitsplätze, Beatmungsgeräte für die Intensiv- und Notfallmedizin, Patientenmonitoring und Geräte für die medizinische Versorgung von Früh- und Neugeborenen in der Perinatalmedizin (1975 entstand das Kleinkinder-Beatmungsgerät Babylog)Ernst Bahns (2014), S. 48 f. (Die Beatmung kleiner Patienten – Der Weg zum Babylog).Ernst Bahns (2014), 46 f. (Die nicht-invasive Beatmung mit Carina). an. Dräger bot in den 1980er Jahren auch ein Gerätepflege-Zentrum (GPZ) mit Trennung einer reinen und unreinen Seite an,Auf der reinen Seite … wie auf der unreinen: Das Gerätepflege-Zentrum von Dräger. In: Der Anaesthesist. Band 33, Heft 1, Januar 1984, S. A 18–19. wie es bereits zuvor Desinfektionsanstalten praktizierten. Deckenversorgungseinheiten, IT-Systeme für den OP und Gasmanagementsysteme gehören zu den weiteren Produkten für das Krankenhaus. Ab 1985 brachte Dräger seine Evita-Reihe mit weiterentwickelter Bildschirm- und Computertechnik und damit einhergehender erweiterter Annäherung der maschinellen Beatmung an die Spontanatmung auf den Markt.Ernst Bahns (2014), S. 40–43. Weiterhin brachte Dräger die Wärmeeinheit Babyroo auf den Markt. Diese wird zur Unterstützung in der postnatalen Versorgung von Neugeborenen eingesetzt. Die Wärmeeinheit verfügt unter anderem über eine integrierte Reanimationseinheit, welche Beatmungsparameter wie Sauerstoffanteil und PEEP automatisch aufrechterhält.Wärmeeinheit für Neugeborene. In: DeviceMed. 10. Februar 2023.
Darüber hinaus übernimmt Dräger auch verschiedene Dienstleistungen wie die herstellerunabhängige Wartung, Reparatur und Verwaltung medizinischer Geräte.OP-Technik Notfälle sind die Ausnahme. In: Rheinische Post. 24. Mai 2014. Außerdem bietet Dräger Finanzierungsmodelle für Klinik-Geräteparks an.Christina Kolb: Kreiskliniken werden digitaler und sicherer. In: Darmstädter Echo. 6. März 2023, S. 15.Ein Koloss fürs Klinikum. In: Coburger Tageblatt. 16. November 2023, S. 5.
2022 übernahm Dräger zusammen mit Siemens Healthineers die Bereitstellung und Bewirtschaftung der Medizintechnik für den in der Region Ansbach tätigen Klinikverbund Anregiomed.Anregiomed schließt Vertrag mit Siemens Healthineers und Dräger. In: DeviceMed. 3. November 2022
Sicherheitstechnik Im Unternehmensbereich Sicherheitstechnik entwickelt und produziert Dräger Geräte, Systeme und Dienstleistungen für den persönlichen Schutz, die Gasmesstechnik und das ganzheitliche Gefahrenmanagement. Dräger gilt hier als einer der weltweit führenden Hersteller von persönlicher Schutzausrüstung und Gasmesstechnik sowie Systemanbieter von Sicherheitsdienstleistungen in der Industrie, im Brandschutz, im Bergbau, in der Verteidigung und Sicherheit und in anderen Branchen. In der Sicherheitstechnik erwirtschaftete Dräger im Jahr 2023 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro. Der Unternehmensbereich Sicherheitstechnik hat Produktionsstandorte in Deutschland, Großbritannien, Tschechien, USA, Schweden, Südafrika und China.Peter Hanser: Die Kunden erwarten Systemlösungen. In: Absatzwirtschaft. 26. April 2013, S. 36.
Zielmärkte sind hierbei insbesondere Industrien wie die Rohstoffgewinnung, die chemische Industrie, Öl- und Gas-Industrie sowie Feuerwehr und Rettungsdienste. Das Fertigungsprogramm der Sicherheitstechnik umfasst Atemschutzausrüstungen, stationäre und mobile Gasmesssysteme, professionelle Tauchtechnik sowie Alkohol- und Drogenmessgeräte.Jürgen Salz: Viele Produkte sind auf dem Stand von 2003. In: Wirtschaftswoche. 8. November 2024, S. 46. Darüber hinaus entwickelt Dräger gemeinsam mit Kunden komplette Brandübungsanlagen, Trainingskonzepte und Schulungen.Wenn Sonderanlagen Standard sind. In: Konstruktionspraxis. 8. Juli 2015.
Zu den Produkten gehören unter anderem Gebläsefiltergeräte wie das Dräger X-plore 8700.Rechtzeitig gewarnt. In: Chemie Technik. Heft 5/2023, S. 38–40. Für die Gasmesstechnik bietet Dräger beispielsweise das Mehrgasmessgerät Dräger X-am 8000 an, welches neben Sauerstoff auch weitere toxische oder brennbare Gase und Dämpfe misst.Mehrgasmessgerät für sieben Substanzen. In: Chemie-anlagen+verfahren. Heft 1, 2018, S. 11. Für den Bergbau und Feuerwehreinsätze bietet das Unternehmen das Dräger BG ProAir, ein umluftunabhängiges Atemschutzgerät für lang andauernde Einsätze, an. Weiterhin vertreibt Dräger für Feuerwehr und Rettungsdienste die Wärmebildkamera Dräger UCF FireCore.Wärmebildkamera UCF FireCore. In: GIT Sicherheit + Management. Heft 9/2023, S. 62. Außerdem wird das Dräger Smart Rescue System angeboten, ein Einsatzinformationssystem, das es Feuerwehren ermöglicht, bereits während der Anfahrt zum Einsatzort auf einsatzbezogene Informationen zuzugreifen.Modernste Technik für die Feuerwehren im Landkreis. In: Hamburger Abendblatt. 3. Mai 2023, S. 20.
Geschichte mini|Lubeca-Ventil 1890 Gründung und Anfangsjahre Am 1. JanuarMeinolfus Strätling, A. Schneeweiß, Peter Schmucker: Medizinische Universität zu Lübeck: Klinik für Anästhesiologie. In: Jürgen Schüttler (Hrsg.): 50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin: Tradition und Innovation. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2003, ISBN 3-540-00057-7, S. 479–486, hier: S. 479. 1889 wurde das Unternehmen von Johann Heinrich Dräger und Carl Adolf Gerling als Firma Dräger & Gerling Stammsitz Lübeck gegründet. Im selben Jahr wurde das Lubeca-Ventil, ein Druckminderer, patentiert. 1899 brachte Dräger ein noch heute als Finimeter bezeichnetes Manometer für Atemgasflaschen auf den Markt. Mit dem nach dem Lübecker Arzt Otto Roth benannten Roth-Dräger-Narkoseapparat gelang 1902 die Entwicklung eines Narkosegerätes, das bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland verwendet wurde. Zu den frühen Entwicklungen gehörte auch das Dräger BG 1904/09 für die Helmatmung, welches bei Bergungsarbeiten eingesetzt wurde.
Im Jahr 1912 wurde Heinrich Drägers Sohn Bernhard Dräger Alleininhaber des Unternehmens; ab diesem Zeitpunkt firmierte das Unternehmen als Drägerwerk Heinr. und Bernh. Dräger (auch: Drägerwerk Lübeck. Heinr. & Bernh. Dräger).
1907 wurden ein Tauchretter für U-Bootbesatzungen und das Notfallbeatmungsgerät Pulmotor entwickelt,Holger Appel: Eine Luftbrücke gegen die Atemnot. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. April 2020. im selben Jahr eröffnete das Unternehmen die erste Niederlassung in den USA.
1912 entwickelte Dräger ein schlauchloses Helmtauchgerät, das die Sicherheit für Taucher erhöhte, da es die Gefahr des Reißens oder Verklemmens des Luftschlauchs beseitigte. Tieftauchversuche in einem Tauchsimulator führten 1914 zur Entwicklung einer frühen Dekompressionstabelle. 1926 entwickelte Dräger einen Bade-Tauchretter, ein Sauerstoffkreislaufgerät zur Rettung verunglückter Schwimmer. Von 1928 bis 1984 wurde das Lübecker Unternehmen Drägerwerk Heinr. & Bernh. Dräger (Markenzeichen Dräger Pharmazie)Markenzeichen der Heilmittelindustrie. Marken-Arzneimittel. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. XXXVIII. von Heinrich Dräger geleitet.
Unter der Mitwirkung von Alfons Ott wurde im Ersten Weltkrieg ein neuer Atmungsapparat zur Behandlung von Asthmatischen Beschwerden und Emphysem sowie Atmungsmaschinen für die Atmungsgymnastik entwickelt. Atemgymnastik dient der Kräftigung der Atemhilfsmuskulatur, der Erweiterung des Lungenvolumens und der Verbesserung der Sauerstoffversorgung. Spezielle Atemübungen können effektiv Kurzatmigkeit lindern, Atemwege mobilisieren, Stress abbauen und den gesamten Körper entspannen. Michael Kamp: Bernhard Dräger. Erfinder, Unternehmer, Bürger. 1870 bis 1928. Wachholtz Verlag, Kiel / Hamburg 2017, ISBN 978-3-529-06369-5, S. 190.
1937 entwickelte Dräger das erste sogenannte Dräger-Röhrchen, ein Prüfröhrchen zur frühzeitigen Messung von Kohlenstoffmonoxid in der Luft. Dieses System verbesserte die Sicherheit im Bergbau, indem es den traditionellen Einsatz von Kanarienvögeln ersetzte. Die Vögel dienten zuvor als Frühwarnsystem, da sie bereits auf geringste Mengen giftiger Gase empfindlich reagierten.Über 500 Gefahrstoffe messbar. In: Chemie-anlagen+verfahren. Heft 6, 2007, S. 74.
Zweiter Weltkrieg Während der Zeit des Nationalsozialismus waren im Drägerwerk Zwangsarbeiter beschäftigt. 1941 wurden durchschnittlich etwa 1.200 Zwangsarbeiter beschäftigt. Mit einem Transport aus dem KZ Ravensbrück wurden im Juni 1944 knapp 500 Frauen zur Zwangsarbeit in die Hamburger Drägerwerke nach Hamburg-Wandsbek verbracht. Bis April 1945 lebten sie in dem Außenlager Hamburg-Wandsbek des KZ Neuengamme in Baracken auf dem Werksgelände. Sie wurden in der Produktion von Gasmasken und zu Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen auf Hamburg eingesetzt. Mit einigen der Häftlinge wurden Menschenversuche über das Überleben in gasdichten Luftschutzräumen angestellt. Zu den Leitern des Lagers gehörte der SS-Hauptscharführer Max Kirstein. Die Befreiung der bis dahin etwa 550 Frauen gelang im Mai 1945 durch britische Soldaten und das schwedische Rote Kreuz.
Im Jahr 2010 wurde neben dem ehemaligen Lager Hamburg-Wandsbek eine KZ-Gedenkstätte eröffnet und ein Mahnmal für die Zwangsarbeiter errichtet. Im Jahr 2022 wurden durch die Initiative Stolpersteine vor dem Drägerwerk in Lübeck fünf Stolpersteine und eine Schwelle verlegt. Dräger übernahm die Patenschaft für die Gedenksteine, welche an fünf hingerichtete Zwangsarbeiter sowie die Lagerbewohner der damaligen Fabriken in Siems, Herrenwyk, Schlutup und anderen Betrieben erinnern sollen, die während der NS-Zeit Zwangsarbeiter beschäftigten.Friederike Grabitz: Stolpersteine für Zwangsarbeiter bei Dräger verlegt. In: Lübecker Nachrichten. 27. August 2022.
Produkterweiterung und Wachstum