Lauter ist ein Straßendorf und gehört seit 1970 als Stadtteil zur Stadt Laubach im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografie Geografische Lage Der Ort, durch den der gleichnamige Bach Lauter fließt, liegt im westlichsten Teil des Vorderen Vogelsberges und befindet sich somit am Rande des Gebietes Naturpark Vulkanregion Vogelsberg, dem ersten Naturpark in Hessen und ältesten in Deutschland.

Benachbarte Gemeinden und Ortschaften Grünberg (Norden) Weickartshain (Osten) Laubach (Süd-Osten) Wetterfeld (Süd-Westen) Queckborn (Westen)

Ortsgeschichte Mittelalter Die schriftliche Überlieferung für Lauter setzt erst spät ein, denn die Ersterwähnung von Lauter stammt von 1293, als eine Mühle, gelegen in villa Lutere genannt wird. („molendinum situm in villa Lutere apud Gruonenberg ... “)Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 1301, S. 877. 1438 erscheinen „... die dorffer Luter und Lyndenstrud“ in einer Urkunde.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 4. Darmstadt 1860–1873. Nr. 142, S. 138. Der Ortsname bedeutet klarer Bach. Gemeint ist damit der Bach Lauter, an welchem sich die Menschen damals ansiedelten. Der Siedlungsname beruht demnach auf einem Gewässernamen, welcher sich von dem mhd. Wort „luter“ rein, sauber, klar ableitet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 223 f, S. 224. Die Anbwohner nutzten die Kraft des Wassers und errichteten zahlreiche Mühlen. So kam Lauter zu seinem Ortsnecknamen das Sieben-Mühlen-Dorf. Neuzeit 1526 wird Lauter evangelisch, da Landgraf Philipp I. von Hessen durch Luthers Auftreten für die evangelische Sache gewonnen werden konnte. Zu dieser Zeit wirkte bereits ein lutherischer Pfarrer in Grünberg, welchem lutherisch gewordene Altaristen zur Seite standen, jene versahen als Pfarrer die umliegenden Orte. Der erste Lauterer Pfarrer war Peter Stupp, er versah Lauter, das damals eine Filiale von Grünberg war, bis 1536.

1634/35 im Dreißigjährigen Krieg wurde das alte Lauter Nähe der Bing völlig zerstört, doch die Einwohner bauten es weiter nordwestlich wieder auf.siehe auch Burgstall Lauter

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Lauter:

1904 erwarb Lauter die Förderrechte für bestes Vogelsberger Trinkwasser auf dem Gelände der Bing zur notwendigen Wasserversorgung. Bis heute ist dies Wasserschutzgebiet. Bad Nauheim und Friedberg sowie weitere 34 Gemeinden in der Wetterau/Wetteraukreis werden somit mit Wasser aus Lauter versorgt.

Im Jahr 1905 wurde das Wasserwerk fertiggestellt und die Leitungen wurden verlegt. Mit dem Bau eines Hochbehälters 1907 konnte der Ort an das Wassernetz angeschlossen werden und der sehenswerte Röhren-Brunnen im nördlichen Teil des Ortes wurde nicht länger von den Gemeindebewohnern genutzt.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Lauter zum 31. Dezember 1970, durch freiwillige eingemeindet, ein Stadtteil von Laubach. Für den Stadtteil Lauter wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden von Laubach, ein Ortsbezirk eingerichtet.

Im Jahre 2000 feierte Lauter sein 700-jähriges Dorfjubiläum (eigentlich 707 Jahre) mit einem großen Fest.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Lauter angehört(e):

1391 und später: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Landgericht Grünberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Grünberg, Landgericht GrünbergDie Zugehörigkeit des Amtes Grünberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg, Landgericht Grünberg ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Grünberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Grünberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung von Justiz (Landgericht Grünberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Laubach ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Laubach ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Laubach ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Laubach

Recht Materielles Recht In Lauter galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103.

Gerichtsverfassung seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Lauter das „Amt Grünberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Lauter zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Lauter wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lauter 792 Einwohner. Darunter waren 33 (4,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 123 Einwohner unter 18 Jahren, 315 zwischen 18 und 49, 186 zwischen 50 und 64 und 168 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 348 Haushalten. Davon waren 108 Singlehaushalte, 123 Paare ohne Kinder und 93 Paare mit Kindern, sowie 18 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 87 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 225 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1577: 25 Hausgesesse • 1630: 12 zweispännige, 3 einspännige Ackerleute, 7 Einläuftige • 1791: 308 Einwohner • 1800: 314 Einwohner • 1806: 345 Einwohner, 66 Häuser • 1829: 408 Einwohner, 76 Häuser • 1867: 366 Einwohner, 80 bewohnte Gebäude • 1875: 400 Einwohner, 82 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 408 evangelische (=100 %) Einwohner • 1961: 595 evangelisch (= 80,51 %), 139 römisch-katholische (= 18,81 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 113 Land- und Forstwirtschaft, 201 Prod. Gewerbe, 21 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 29 Dienstleistungen und Sonstiges

Politik Für den Stadtteil Lauter besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Altenhain) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neuen Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 kam kein Ortsbeirat zustande.

Bürgermeister Bis zur Eingemeindung 1970 waren folgende Personen des Ortes Bürgermeister: Heinrich Feldmann, 1854–1868 Johannes Heres, 1869–1901 Peter Aff III, 1901–1934 Karl Heinrich Pitz, 1934–1939 Heinrich Weber II, 1939–1942 Heinrich Schmidt III, 1946–1952 Heinrich Viehl, 1952–1968 Irmgard Rausch, 1968–1970 Mutter von Karl-Friedrich Rausch danach waren folgende Personen Ortsvorsteher:

Historische Ortsvorsteher Irmgard Rausch, 1970–1972 Ernst Peter, 1972–1977 Willi Viehl, 1977–1990 Rainer Trüller, 1990–2006 Hans-Jürgen Becker, 2006–2018 Karl-August Schmidt, 2019–2021 2021-2016 war das Amt unbesetzt Patrick King, 2026–

Ortsbeirat Die Sitzverteilung im Ortsbeirat (2021 kam das Gremium nicht zustande): Wahl GLL CDU SPD FW Gesamt 2021 Konnte nicht gebildet werden (9 Sitze) 2016 9 – – – 9 Sitze 2011 – 3 4 2 9 Sitze

Kultur und Sehenswürdigkeiten Vereine Evangelische Kirchengemeinde – um 1530 Gesangverein Germania – gegr. 1900 Turn- und Sportverein e. V. – gegr. 1910 Freiwillige Feuerwehr Lauter – gegr. 1934 Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr: Karl Scheuermann, 1934–1939 Heinrich Viel, 1939–1945 Otto Rinker, 1945–1948 Karl Schmidt V., 1948–1951 Günter Lenz, 1952–1954 Gerhard Neumann, 1954–1958 Heinrich Schäfer, 1959–1966 Rudi Lischka, 1966–1972 Ernst Görnert, 1972–1992 Karl-August Schmidt, 1993– Christoph Viel Obst- und Gartenbauverein – gegr. 1936 Natur- und Vogelschutzgruppe – gegr. 1982 Schnapsbrennergemeinschaft Evangelische Frauenhilfe Kindertagesstätte Lauter/Laubacher Stift -

Sehenswertes 1773 wurde der Grundstein für die Fachwerkkirche gelegt, 1779 wurde sie fertiggestellt. 1934 und 1977 und 2010 wurde die Kirche renoviert. Des Weiteren wurde 2007 der Platz rund um den Röhren-Brunnen renoviert und neu gestaltet. Schule (jetzt Kindertagesstätte) Kriegerdenkmal (unterhalb der Schule) Park (ehem. Friedhof)

Auszeichnungen Lauter wurde im Jahr 2006 beim Wettbewerb Dolles Dorf vom Hessischen Rundfunk 3. Sieger und gewann einen bronzenen Onkel Otto.

Regelmäßige Veranstaltungen An Fasching finden in der Lautertalhalle, der Sport- und Kulturhalle in Lauter, die Große Prunksitzung am Faschingssamstag und der Kinderfasching am darauf folgenden Dienstag statt.