miniatur|300px|Josef Kardinal Höffner (vorne, 3.v.l.) bei der Eröffnung der Bundesgartenschau Bonn (27. April 1979) mini|Unterschrift von Joseph Kardinal Höffner mini|hochkant|Wappen von Joseph Kardinal Höffner
Joseph Kardinal Höffner (* 24. Dezember 1906 in Horhausen (Westerwald); † 16. Oktober 1987 in Köln) war ein deutscher römisch-katholischer Geistlicher und Theologe. Er war von 1962 bis 1969 der 73. Bischof von Münster, von 1969 bis 1987 Erzbischof von Köln und von 1976 bis 1987 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.
Leben und Wirken Kindheit und Jugend Joseph Höffner wurde am 24. Dezember 1906 in Horhausen im Westerwald, im südwestlichen, römisch-katholisch geprägten Teil des Landkreises Altenkirchen geboren. Seine Eltern waren der Landwirt Paul Höffner und seine Ehefrau Helene geb. Schug. Höffner war der älteste von sieben Geschwistern und hatte noch zwei Halbgeschwister aus der zweiten Ehe seines Vaters nach dem Tod der Mutter im Jahr 1916.Joseph Kardinal Höffner: Mein erstes Gebet galt meiner Mutter. In: Mein Elternhaus, München 1987, S. 68. Als ältester Sohn für die Hofnachfolge prädestiniert, besuchte er auf Empfehlung des Dorfpfarrers das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Montabaur und ab 1922 das humanistische Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier, wo er 1926 die Reifeprüfung ablegte.
Studien und Promotionen Von 1926 bis 1934 studierte Höffner an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und erlangte dort am 5. Juli 1929Kardinal Joseph Höffner, Prof. Dr. mult., in: Universität Münster. auch seinen ersten Doktorgrad (Dr. phil.) mit seiner Arbeit über soziale Gerechtigkeit und soziale Liebe. Am 30. Oktober 1932 wurde er zum Priester geweiht. Am 18. Juli 1934 erwarb Höffner seinen zweiten Doktorgrad (Dr. theol.) in Rom. Seine Dissertation trägt den Titel Soziale Gerechtigkeit und soziale Liebe; er differenzierte in ihr zwischen „Rechtsforderungen des staatlichen Gemeinwesens“, die er mit der sozialen Gerechtigkeit gleichsetzt, und einer „bejahende[n] Wertschätzung der staatlichen Gemeinschaft und aller Bürger“, die er in der sozialen Liebe sieht.Soziale Gerechtigkeit und soziale Liebe: Versuch einer Bestimmung ihres Wesens. Saarbrücken 1935, hier S. 100. In den Jahren 1935 bis 1936 war Höffner Kaplan in der Saarbrücker Pfarrkirche St. Johann, wo der spätere NS-Widerstandsaktivist der Gruppe „Weiße Rose“ Willi Graf zu seinen Ministranten zählte.Peter Goergen: Willi Graf – Ein Weg in den Widerstand, St. Ingbert 2009, S. 19. Nach dieser kurzen Tätigkeit in der Seelsorge studierte Höffner in den Jahren 1937 bis 1939 in Freiburg im Breisgau. Dort wurde er am 6. April 1938 erneut im Fach Theologie promoviert, da das NS-Regime seinen italienischen Doktorgrad nicht anerkannte. Seine Dissertation trägt den Titel Bauer und Kirche im deutschen Mittelalter. 1939 folgte ein Diplom in Volkswirtschaftslehre. Am 26. Januar 1940 promovierte er schließlich ebenfalls in Freiburg zum Dr. rer. pol. bei Walter Eucken. Er untersuchte die Positionen meist spanischer Scholastiker, insbesondere aus der Schule von Salamanca, zum Thema Wirtschaftsethik und Monopole im 15. und 16. Jahrhundert und wies darauf hin, dass die Wirtschaft „eigengesetzlich“ funktioniere.Wirtschaftsethik und Monopole im 15. und 16. Jahrhundert. Jena 1941, hier S. 164. Bis zu seinem Tod 1987 war er einer der wenigen Deutschen, von denen eine vierfache Promotion bekannt war. Die Aussage, er sei „bis zu seinem Tod der einzige lebende Deutsche, der vierfach promoviert war“, gewesen, ist angesichts des ebenfalls vierfach promovierten Zeitgenossen Peter-Josef Keßler (1905–1988) zu relativieren: Domradio.de: Gedenken an Kardinal Höffner – 20. Todestag des beliebten Kölner Oberhirten – Gedenkpontifikalamt im domradio 18. Oktober 2007.
Habilitation und Lehrtätigkeit Vom 23. Mai 1943 bis zum 30. September 1945 wirkte er als Pfarrer der Pfarrei Trier-Heiligkreuz.Pfarramt Heiligkreuz (Hrsg.): Festschrift Pfarrei Heiligkreuz: 25 Jahre Kirchweihe, 30 Jahre Pfarrkirche, 80 Jahre eigenständige Pfarrei. Trier 1991, S. 4. 1945 schloss er seine Habilitation in Freiburg im Breisgau ab. Seine Habilitationsschrift trug den Titel Christentum und Menschenwürde. Das Anliegen der spanischen Kolonialethik im Goldenen Zeitalter. Er untersuchte darin die Positionen spanisch-scholastischer Gelehrter zur Kolonialisation Lateinamerikas und kam zu dem Schluss: „In echt spanischem Idealismus träumte man vom Triumph des Christentums auf dem ganzen Erdkreis.“Christentum und Menschenwürde. Das Anliegen der spanischen Kolonialethik im Goldenen Zeitalter. Trier 1947, zugleich Habilitationsschrift, Universität Freiburg 1944, hier S. 307. Im Anschluss wurde Höffner in Trier Professor für Pastoraltheologie und christliche Soziallehre.Lebenslauf von Höffner im „Portal Rheinische Geschichte“ des Landschaftsverbandes Rheinland, abgerufen am 30. November 2011. Seit 1951 war er als Nachfolger von Franz Hitze und Heinrich Weber Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Im selben Jahr begründete er das Institut für Christliche Sozialwissenschaften.Beitrag zur Geschichte des Institutes auf der Homepage des Institutes für Christliche Sozialwissenschaften an der katholisch-theologischen Fakultät der WWU Münster, abgerufen am 30. November 2011. Höffners Curriculum umfasste: Grundlegung der Christlichen Gesellschaftslehre (Sozialphilosophie), Wirtschafts-, Sozial-, Staats-, Arbeits- und Berufsethik, Ehe- und Familiensoziologie, Religionssoziologie, Sozialpolitik, insbesondere Soziale Sicherheit in der industriellen Gesellschaft, Geschichte und Theorie des Kapitalismus, Liberalismus und Sozialismus. In den Seminaren wurden ordnungspolitische Neukonzeptionen der Boden- und Raumordnung, der Rentenreform, sozialpolitische Probleme des Handwerks und des Bauerntums sowie religionssoziologische Themen erörtert.
Höffners Lehrtätigkeit und Forschung war eng mit seinen Aufgaben als wissenschaftlicher Politikberater der Bundesministerien für Familien- und Jugendfragen, für Wohnungsbau sowie für Arbeit und Sozialordnung verknüpft. In dieser Eigenschaft hatte er entscheidenden Einfluss auf die Weiterentwicklung der Sozialpolitik, auf die Neuordnung und den Ausbau der Sozialversicherung in der Adenauer-Ära. Sein Konzept der Sozialordnung stand im Einklang mit der Wirtschaftsordnung der Sozialen Marktwirtschaft.
mini|Bischof Joseph Höffner (rechts) 1962 in der Katholischen Landvolkshochschule „Schorlemer Alst“ im Gespräch mit Bernhard Schulte (links) und Teilnehmerinnen eines Junglandwirtinnenkurses.
Bischof Am 14. September 1962 wurde Joseph Höffner vom Bischof von Trier, Matthias Wehr, zum Bischof von Münster geweiht. Am 6. Januar 1969 wurde er zum Koadjutor-Erzbischof des fast erblindeten Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Frings ernannt und gleichzeitig Titularerzbischof von Aquileja. Am 23. Februar 1969 wurde er der Nachfolger von Frings als Erzbischof von Köln; am 28. April desselben Jahres nahm Papst Paul VI. ihn als Kardinalpriester mit der Titelkirche Sant’Andrea della Valle in das Kardinalskollegium auf.
1971 wurde er von Kardinal-Großmeister Eugène Kardinal Tisserant zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 6. Dezember 1971 durch Lorenz Kardinal Jaeger, Großprior der deutschen Statthalterei, und Hermann Josef Abs, Statthalter in Deutschland, investiert. Er war Großkreuzritter des Ordens. Als Präsident des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande engagierte Höffner sich für zahlreiche Sozialprojekte im Heiligen Land.
Im Dreipäpstejahr nahm Joseph Kardinal Höffner nach dem Tod Pauls VI. am 6. August 1978 am Konklave August 1978 in Rom teil, aus dem Albino Luciani als Papst Johannes Paul I. hervorging, und nach dessen frühem Tod abermals am Konklave Oktober 1978, das Karol Wojtyla zum neuen Pontifex wählte, der sich den Namen Johannes Paul II. gab.
mini|rechts|Kardinal Höffner mit Papst Johannes Paul II. in Köln (1987) Von 1976 bis 1987 war er, wie schon sein Vorgänger Joseph Kardinal Frings, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Nach dem Bekanntwerden des Geldwäscheskandals um die Vatikanbank 1982 ersuchte er vergeblich um Absetzung des beteiligten Kurienerzbischofs Paul Casimir Marcinkus. 1986 erhielt er für sein Werk den Ehrenring der Görres-Gesellschaft. Im Januar 1987 erklärte er, die Grünen seien eine für Christen nicht wählbare Partei.Die Zeit: , 23. Oktober 1987. Bereits zuvor hatte er angesichts gesellschaftlicher Umbrüche von „verwirrendem Pluralismus der permissiven Gesellschaft“ und „Subjektivismus“ gesprochen. Kardinal Höffner erklärte, „Gehorchenkönnen“ gehöre „zum christlichen Menschenbild“. Das Amt des Erzbischofs von Köln legte er, nachdem Papst Johannes Paul II. sein wiederholtes Rücktrittsangebot bei seinem achtzigsten Geburtstag noch abgelehnt hatte, am 14. September 1987 nieder, einen Monat vor seinem Tod. Er starb im Kölner St.-Hildegardis-Krankenhaus an einem erst wenige Monate zuvor entdeckten unheilbaren Gehirntumor. Das Seelenamt hielt Joseph Kardinal Ratzinger. Seine letzte Ruhestätte fand Kardinal Höffner in der erzbischöflichen Gruft im Kölner Dom. Nachfolger wurde im Februar 1989 Joachim Kardinal Meisner.
Joseph Höffner war einer der Begründer der Christlichen Gesellschaftslehre (CGL) als Wissenschaft. Seit der Gründung des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) 1949 war er dessen wissenschaftlicher und erster geistlicher Berater.
Verantwortung für sexuellen Missbrauch mini|hochkant|Wappen Joseph Höffners als Bischof von Münster Bistum Münster Der am 13. Juni 2022 vorgestellte Abschlussbericht einer vom Bistum Münster beauftragten Studie von Wissenschaftlern der Universität Münster, die seit Oktober 2019 Umfang und Qualität sexualisierter Gewalt durch Priester und Diakone des Bistums Münster in der Zeit zwischen 1945 und 2018 untersucht hatten, belastet Höffner schwer.Münsteraner Missbrauchsgutachten belastet alle Bischöfe seit 1945. In: Katholisch.de, 13. Juni 2022, abgerufen am 27. August 2022. Bereits ein im Dezember 2020 veröffentlichter Zwischenbericht bescheinigte ihm für seine Zeit als Bischof in Münster ein „intensives Leitungs- und Kontrollversagen“,Studie: Leitungsversagen der Bischöfe Höffner, Tenhumberg und Lettmann. In: katholisch.de, 2. Dezember 2020, abgerufen am 27. August 2022. gar „Strafvereitelung“.Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik, David Rüschenschmidt: Macht und sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche. Betroffene, Beschuldigte und Vertuscher im Bistum Münster seit 1945, Redaktionsstand: 20.06.2022, Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau, ISBN Print 978-3-451-38995-5, S. 94 (PDF).
Erzbistum Köln