Der (Große) Schwertwal (Orcinus orca), auch Orca, Killerwal, Mörderwal oder veraltet Butzkopfbutzkopf, m. In: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23, abgerufen am 4. Mai 2024. genannt, ist die größte heute vorkommende Art der Delfine. Schwertwale leben in allen Ozeanen, hauptsächlich in den Polargebieten.

Schwertwale sind soziale Tiere mit einer komplexen Populationsstruktur. Die kleinste Einheit ist die Mutterlinie, ein sehr enger Verband von mütterlicherseits verwandten Walen. Sowohl auf der Ebene der Mutterlinie als auch auf höheren Populationsebenen werden bestimmte Jagdtaktiken und Lautäußerungen an Jungtiere weitergegeben, was zuweilen als Kultur bewertet wird.

Es gibt drei Unterarten:Society of Marine Mammalogy. Committee of Taxonomy: List of Marine Mammal Species and Subspecies. Residenter Schwertwal (Orcinus orca ater, Cope in Scammon, 1869). Gemeiner Schwertwal (Orcinus orca orca, Linnaeus, 1758). Bigg-Schwertwal (Orcinus orca rectipinnus, Cope in Scammon, 1869).

Diese wurden lange als Ökotypen angesehen, im Juli 2024 jedoch offiziell als Unterarten anerkannt.Deutsche Stiftung Meeresschutz (3. Juli 2024): Wissenschaftler bilden drei neue Unterarten für Schwertwale. Sie unterscheiden sich in ihrem Körperbau, ihren Lautäußerungen und in ihrem Verhalten.

Der Schwertwal ist ein generalistischer Fleischfresser, der insbesondere Fische, Meeressäuger wie Robben und gelegentlich andere Wale erbeutet. In seltenen Fällen gehören auch ausgewachsene Bartenwale zu seiner Beute. Lokale Ökotypen spezialisieren sich meist auf bestimmte Beutetiere, für die sie besondere Jagdstrategien haben. Schwertwale sind Spitzenprädatoren der Meere, da sie keine Fressfeinde haben. Sie jagen koordiniert in Gruppen.

Der Schwertwal als Art gilt als nicht gefährdet, vom Walfang blieb er weitgehend verschont. Einzelne Populationen sind jedoch durch Umweltverschmutzung bedroht. Die Bedeutung des Schwertwals für die Kultur von Menschen reicht von der traditionellen Verehrung durch nordamerikanische Ureinwohner bis hin zur heutigen, umstrittenen Haltung in Delfinarien.

mini|Größenvergleich mit einem Taucher

Merkmale mini|Aussehen eines Schwertwals (weiblicher Phänotyp) mini|Skelett eines Schwertwals, Senckenberg-Museum (Frankfurt am Main)

Der Schwertwal ist die größte Art der Delfine. Schwertwalbullen werden bis zu 9,8 m lang, Kühe (die Weibchen) bleiben mit maximal 8,5 m deutlich kleiner. Durchschnittslängen betragen 7 m bei Weibchen und 8,2 m bei Männchen. Das größte dokumentierte Gewicht wurde mit 6,6 t bei einem 7,65 m langen Bullen festgestellt. Die Bullen haben proportional größere Flossen. Besonders auffällig ist die bis zu 1,8 m hohe dreieckige Finne der Bullen, die der Art den Namen „Schwertwal“ gab. Die Finne bleibt bei Kühen unter 1 m. Die paddelförmigen Flipper werden beim Bullen rund 2 m lang, bei der Kuh 1,5 m. Die Fluke wird bis zu 2,8 m breit, ist in der Mitte deutlich eingekerbt und an den Innenrändern konkav gebogen. Der Blas ist 1–2 m hoch und nicht immer sichtbar.J. K. B. Ford: Killer Whale (Orcinus orca). In: W. F. Perrin, B. Wursig, J. G. M. Thewissen (Hrsg.): Encyclopedia of Marine Mammals, Second Edition. Academic Press, 2008, ISBN 978-0-12-373553-9, S. 650–657, hier S. 650.J. Sigurjónsson: Orcinus orca (Linnaeus, 1758) – Schwertwal, Großer Schwertwal. In: D. Robineau, R. Duguy, M. Klima (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 6: Meeressäuger. Teil I: Wale und Delphine – Cetacea. Teil IA: Einführung, Monodontidae, Phocoenidae, Delphinidae. AULA-Verlag, Wiesbaden 1994, ISBN 3-89104-559-X, S. 433–468, hier S. 434, 437, 455. Insgesamt besteht in vielerlei Hinsicht ein Sexualdimorphismus.

Ein charakteristisches Merkmal der Art ist ihre kontrastreiche schwarz-weiße Färbung. Der Rücken ist schwarz, während der Bauch und ein Fleck hinter jedem Auge weiß abgesetzt sind. Hinter der Finne findet sich ein grauer Sattel. Die Unterseite der Fluke ist bis auf ihre Ränder weiß. Bei Neugeborenen sind die weißen Bereiche gelblich bis orange gefärbt.John E. Heyning, Marilyn E. Dahlheim (1988): Orcinus orca. Mammalian Species No. 304: 1–9. published by The American Society of Mammalogists, . Die Ausprägung der Färbung variiert außerdem je nach Ökotyp. Einige antarktische Orcas sind aufgrund von Kieselalgen im Wasser braun und gelb. Auch wurden gänzlich anders gefärbte Schwertwale beschrieben, so sichteten russische Wissenschaftler bei den Kommandeurinseln im Nordpazifik ihrer Aussage nach einen vollständig weißen erwachsenen Schwertwal.F.A.Z. Nr. 95 vom 23. April 2012, S. 7. Im Jahr 2020 konnte ein weißer Schwertwal vor Alaska gefilmt werden. Auch melanistische Exemplare wurden dokumentiert.

In der Feldforschung werden einzelne Individuen durch verschiedene Merkmale unterschieden. Variationen wie Kerben, Kratzer und Risse an der Rückenflosse und das Muster von Weiß oder Grau im Sattelfleck sind einzigartig. Veröffentlichte Verzeichnisse enthalten identifizierende Fotos und Namen für Hunderte von Tieren im Nordpazifik. Auch andere Populationen sind mittlerweile ähnlich gut untersucht. Die Fotoidentifikation hat es ermöglicht, die lokale Orca-Population jedes Jahr zu zählen, anstatt sie zu schätzen, und hat einen großen Einblick in Lebenszyklen, soziale Strukturen und Gefährdungszustand ermöglicht.J. Sigurjónsson: Orcinus orca (Linnaeus, 1758) – Schwertwal, Großer Schwertwal. In: D. Robineau, R. Duguy, M. Klima (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 6: Meeressäuger. Teil I: Wale und Delphine – Cetacea. Teil IA: Einführung, Monodontidae, Phocoenidae, Delphinidae. AULA-Verlag, Wiesbaden 1994, ISBN 3-89104-559-X, S. 433–468, hier S. 437.

Der Knochenbau ist typisch für Delfine, jedoch, im Vergleich zu anderen Arten, robuster. Der Schädel des Schwertwals, insbesondere die Oberkieferknochen, sind sehr breit und kräftig gebaut. Ein für Delfine ungewöhnlich gut entwickeltes Schläfenfenster bietet Ansatz für eine starke Kaumuskulatur. Jede Kieferhälfte trägt 10–14 konische Zähne von 2,5–5 cm Durchmesser, insgesamt sind es 40–56 Zähne. Um starke und bewegliche Beute zu fixieren und zu zerreißen, greifen die Zähne von Ober- und Unterkiefer ineinander. Die Kiefer von Schwertwalen zeigen oft Fehlstellungen oder stark abgenutzte Zähne, was auf die Gegenwehr großer Beute zurückzuführen ist. Der Körper des Schwertwals wird von 50 Wirbeln gestützt.J. Sigurjónsson: Orcinus orca (Linnaeus, 1758) – Schwertwal, Großer Schwertwal. In: D. Robineau, R. Duguy, M. Klima (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 6: Meeressäuger. Teil I: Wale und Delphine – Cetacea. Teil IA: Einführung, Monodontidae, Phocoenidae, Delphinidae. AULA-Verlag, Wiesbaden 1994, ISBN 3-89104-559-X, S. 433–468, hier S. 437–439.

Aufgrund des sehr charakteristischen Aussehens kommt es selten zu Verwechslungen mit anderen Arten. Jungtiere können aus der Ferne z. B. für Unechte Schwertwale oder Rundkopfdelfine gehalten werden.

Verbreitung mini|Verbreitung des Schwertwals (blau) Der Schwertwal im weiteren Sinne ist weltweit verbreitet, in tropischen Gewässern ist er jedoch vergleichsweise selten. Die größten Populationen finden sich in höheren Breiten, insbesondere im Nordpazifik, Nordatlantik und den Polarmeeren. Der Großteil der Schwertwalpopulationen lebt die meiste Zeit in relativer Nähe zur Küste. In europäischen Gewässern ist der Schwertwal insbesondere vor Norwegen häufig. Die Art bewohnt jedoch auch die Gewässer um Grönland, Island, Jan Mayen, die Färöer, die Bäreninsel, Franz-Josef-Land, Spitzbergen, Nowaja Semlja, die britischen Inseln und die Gewässer der nördlichen Nordsee. In der südlichen Nordsee, etwa vor Schweden, Dänemark, Deutschland und den Niederlanden ist der Schwertwal seltener, dasselbe gilt für die Ostsee. Im Ärmelkanal und vor Westeuropa werden Schwertwale nur sehr selten gesichtet. Im Mittelmeer werden nur in Ausnahmefällen aus dem Atlantik zugewanderte Exemplare beobachtet.J. K. B. Ford: Killer Whale (Orcinus orca). In: W. F. Perrin, B. Wursig, J. G. M. Thewissen (Hrsg.): Encyclopedia of Marine Mammals, Second Edition. Academic Press, 2008, ISBN 978-0-12-373553-9, S. 650–657, hier S. 651.J. Sigurjónsson: Orcinus orca (Linnaeus, 1758) – Schwertwal, Großer Schwertwal. In: D. Robineau, R. Duguy, M. Klima (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 6: Meeressäuger. Teil I: Wale und Delphine – Cetacea. Teil IA: Einführung, Monodontidae, Phocoenidae, Delphinidae. AULA-Verlag, Wiesbaden 1994, ISBN 3-89104-559-X, S. 433–468, hier S. 439–443.

Es wurde beobachtet, dass im Zuge der globalen Erwärmung und des Rückgangs des Eises Schwertwale immer häufiger in solche arktische Regionen vorstoßen, die sie bisher wegen des Eises, das ein Verletzungsrisiko für ihre Rückenfinne darstellt, gemieden haben. Dadurch könnten sie dem Eisbären die Rolle des Spitzenprädators der Arktis streitig machen. Da die Bären sich bei Schwund der Eisfläche länger als bisher im Wasser aufhalten, können Schwertwale inzwischen eine potentielle Bedrohung für Eisbären sein.Killer whales moving in on polar bears’ territory. winnipegfreepress.com, 31. Januar 2012.Clash of the fiercest predators as shark eats polar bear. independent.co.uk, 12. August 2008.

Unterarten und Ökotypen mini|Vergleich der Finnen von Offshore-, Resident- und Transient-Schwertwalen im Nordost-Pazifik miniBekannte Arten von Schwertwalen

Es existieren eine ganze Reihe verschiedener Schwertwal-Typen, die sich in Körperbau, Färbung, Sozialverhalten, Lautäußerungen, Verhalten und insbesondere auch anhand der bevorzugten Beutetiere unterscheiden. Drei Typen sind inzwischen als Unterarten anerkannt: Residenter Schwertwal (Orcinus orca ater, Cope in Scammon, 1869). Gemeiner Schwertwal (Orcinus orca orca, Linnaeus, 1758). Bigg-Schwertwal (Orcinus orca rectipinnus, Cope in Scammon, 1869).

Weitere Schwertwal-Typen werden als Ökotypen bezeichnet. Man ging bis Juli 2024 von 10 verschiedenen Typen aus, fünf auf der Südhalbkugel und fünf auf der Nordhalbkugel. Als Begriffe für die sehr gut untersuchten Populationen im Nordost-Pazifik vor British Columbia, Washington State und Alaska wurden die Bezeichnungen , und geprägt. Die Ökotypen kommen oftmals sympatrisch vor, sie treten jedoch kaum in sozialen Kontakt untereinander; insbesondere kreuzen sie sich nicht.K. A. Forney, P. Wade: Worldwide Distribution and Abundance of Killer Whales. In: J. A. Estes, D. P. DeMaster, D. F. Doak, T. M. Williams, R. L. Brownell (Hrsg.): Whales, Whaling, and Ocean Ecosystems. University Press of California, Berkeley 2007, ISBN 978-0-520-24884-7, S. 143–160, hier S. 144.R. L. Pitman, P. Ensor: Three forms of killer whales (Orcinus orca) in Antarctic waters. In: Journal of Cetacean Research and Management. 5(2), 2003, S. 131–139, hier S. 131.R. L. Pitman, J. W. Durban, M. Greenfelder, C. Guinet, M. Jorgensen, P. A. Olson, J. Plana, P. Tixier, J. R. Towers: Observations of a distinctive morphotype of killer whale (Orcinus orca), type D, from subantarctic waters. In: Polar Biology. 34, 2010, S. 303–306.

Schwertwale der südlichen Hemisphäre:

Antarktischer Typ-A-Schwertwal Großer Typ-B-Schwertwal (Packeis-Schwertwal) kleiner Typ-B-Schwertwal (Gerlache-Schwertwal) Typ-C-Schwertwal (Rossmeer-Schwertwal) Typ-D-Schwertwal

Schwertwale der nördlichen Hemisphäre:

Residenter Schwertwal (Orcinus orca ater, besonders bekannt ist die Southern-Resident-Population) Transienter Schwertwal / Bigg-Schwertwal (Orcinus orca rectipinnus) Offshore-Schwertwal Schwertwal des östlichen Nordatlantik Typ 1 Schwertwal des östlichen Nordatlantik Typ 2

Für die weltweite Einteilung schlagen Forney & Wade (2007) drei grundlegende Kategorien vor:Forney & Wade (2007), S. 144–145.