mini|400px|Giovanni Battista Piranesi 1784. Das sallustianische Tal – A. Die Stützmauern des Quirinal; C. Das „Nymphaeum“ (heutige Piazza Sallustio) Als Horti Sallustiani (lateinisch: sallustische Gärten) bezeichnete man in der Antike eine Parkanlage in Rom, die einst dem römischen Historiker Sallust gehörte und nach der der heutige Rione (Viertel) Sallustiano benannt wurde.

Die Lage mini|links|Gärten (horti) im antiken Rom. Die Horti Sallustiani im Norden. Die Horti befanden sich in der antiken Stadt Rom in einem Tal zwischen zwei Hügeln, dem Pincio und dem Quirinale (der Humanist Andrea Fulvio sprach 1527 von vallis profunda, einem tiefen Tal). Die Gärten in diesem Tal waren von mehreren Wasserströmen durchzogen. Zwischen den beiden Hügeln floss ein Strom, der hinunter bis zum Campus Martius strömte und schließlich in den Tiber mündete. Der antike Name des Flüsschens der Horti Sallustiani ist nicht bekannt, aber das Gewässer fand noch im 19. Jahrhundert Verwendung unter dem Namen Acqua Sallustiana. Die Horti lagen außerhalb des Perimeters der alten Servianischen Mauern, wurden später jedoch Teil des Stadtgebiets, nachdem die Stadtgrenzen durch die Aurelianischen Mauern erweitert worden waren, ähnlich den benachbarten Gärten des Lucullus.

mini|Fundorte der Horti Sallustiani Es ist ziemlich sicher, dass die Aurelianischen Mauern (entlang des heutigen Corso d’Italia) die nördliche Grenze der Gärten darstellten, weil viele Gräber unmittelbar außerhalb der Mauern, aber nicht innerhalb dieser gefunden wurden. An der Ostseite wurden Gräber östlich der alten Via Salaria, die nah an der heutigen Via Piave verlief, nicht aber westlich davon. Als südliche Grenze wurde in der Vergangenheit oft die Alta Semita (heutige via XX Settembre) erwähnt. Entlang dieser Straße stand der Porticus miliarensis, eine tausend Schritte lange Arkade, wo Kaiser Aurelian, der lieber in den Horti als in seinem Palast wohnte, seine Reitkünste übte. Als westliche Grenze kommt die heutige Via Veneto in Frage. Aber die ursprünglichen Horti waren wahrscheinlich von bescheideneren Ausmaßen und erreichten diese Grenzen erst in der hadrianischen Zeit.

Von Sallust zu Nero Sallust hatte an der Seite Gaius Iulius Caesars in dem Krieg für die Provinz Numidien (heutiges Tunesien) gekämpft und wurde danach reichlich belohnt. Der Historiker Cassius Dio schreibt:

Mit dem Geld, das er aus der Provinz Numidien mitgebracht hatte, kaufte Sallust sich eine direkt außerhalb der damaligen römischen Stadtmauern gelegene Gartenanlage. Vor ihm hatten die Gärten sehr wahrscheinlich Julius Caesar selbst gehört. Sallust hatte keine eigenen Söhne und adoptierte deshalb einen Sohn seiner Schwester, der seinen Namen annahm und sich von nun an Gaius Sallustius Crispus nannte. Dieser Sallust II. hatte auch keine eigenen Söhne, und sein Adoptivsohn, Gaius Sallustius Crispus Passienus, heiratete Agrippina die Jüngere, die aus einer früheren Verbindung ihren Sohn Nero mitbrachte. Als Passienus im Jahre 48 (?) n. Chr. starb – man sagt, er wurde von seiner Frau vergiftet – erbte Agrippina seinen Besitz. Agrippina heiratete im Jahre 49 n. Chr. ihren Onkel, den Kaiser Claudius. Ihr Sohn Nero wurde Kaiser im Jahre 54 n. Chr.; Agrippina starb im Jahre 59 n. Chr., ermordet von ihrem Sohn. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Gärten um das Jahr 50 unter kaiserliche Verwaltung gerieten. mini|Aula adrianea oder Nymphaeum der Horti Sallustiani.

Die Kaiser entwickelten die Gärten weiter und verschönerten sie mit Prachtbauten. Unter Kaiser Hadrian entstand das imposante Gebäude, das allein überlebt hat: das sogenannte Hadrianische Nymphäum. Dieses zweistöckige Gebäude ist noch heute in der Mitte der Piazza Sallustio sichtbar, auch wenn es einige Meter unter dem heutigen Straßenniveau liegt. Dennoch hat diese Gegend bis heute den Namen Horti Sallustiani, die Gärten des Sallust, behalten. Das Wort horti bezeichnete damals eine mehr oder weniger luxuriöse Villa außerhalb der Stadtmauer, die von Nebengebäuden, kleinen Tempeln und großzügigen Bepflanzungen umgeben war (im modernen Italienisch sind orti dagegen eher kleine Gemüsegärten). Für viele Kaiser waren die Horti ein beliebter Aufenthaltsort: Nero kam nach seinen nächtlichen Streifzügen hierher, um seine Abenteuer vor dem neugierigen Hofstaat zu verheimlichen.

Nach dem Fall Roms Die Gärten spielten nach dem Verfall des Römischen Reichs in der Geschichte keine große Rolle mehr, mit Ausnahme vielleicht ihrer Erwähnung bei Prokop über die Zerstörung durch Alarich im Jahr 410 n. Chr. Verfolgt man die kartografische Darstellung Roms über die Jahrhunderte hinweg, fällt auf, dass die Horti in der Zeit vor dem 19. Jahrhundert nichts als eine Ansammlung von Gärten waren, in denen verstreut einige Ruinen zu finden waren. mini|Gebiet der Horti Sallustiani aus dem Plan von Leonardo Bufalini 1551 (1748 von Giambattista Nolli überarbeitet) – 1, 2. Unterschiedliche Bezeichnungen – 3. Nymphaeum – 4. Urspr. Lage des Obelisken.Eine besondere Rolle spielte in diesen Gärten der Weinanbau, sodass der gesamte Besitz einer Familie Vigna (Weingarten) genannt wurde. Im Stadtplan Bufalini/Nolli sind meist die Namen der damaligen Besitzer (Vinea Iacobatij, Vinea de Bufalis) verzeichnet, manchmal sind aber auch die Bezeichnungen Forum Salustij und Horti Salustiani zu finden.

Mit der Wiederbelebung des Interesses für die Antike in der Renaissance mehren sich die Nachrichten über Funde von antiken Skulpturen in den Horti. Die reichste Ernte scheint in der Villa Ludovisi eingefahren worden zu sein. Der Obelisk, der heute auf der Piazza di Trinità dei Monti steht, war bereits 1544 bekannt. Die Statue des sterbenden Galliers, heute in den Musei Capitolini, und die des sich selbst tötenden Galliers mit Frau, heute im Palazzo Altemps, waren schon 1623 Teil der Ludovisi-Sammlung.

Venus Erycina Ein Gebäude der Horti Sallustiani, auf das wir in der römischen Literatur häufig treffen, ist der Tempel der Venus Erycina. In gewissem Sinn handelte es sich dabei um eine Dependance des berühmteren Venustempels auf dem Berg Eryx in Sizilien. Mehrere der im Bereich der Horti Sallustiani befindlichen Tempel waren der Göttin Venus gewidmet; bekannt waren die Namen Venus der Horti Sallustiani und Venus Erycina. Ob es sich in der Tat um unterschiedliche Venustempel handelt, ist unklar. In der Überlieferungsgeschichte der Horti Sallustiani findet man als wiederkehrendes Thema eine Verbindung zwischen den Venustempeln und dem Kult der Flora, der Göttin der Blüte: Im Bufalini-Stadtplan sind die Reste des noch stehenden Gebäudes in der Piazza Sallustio verzeichnet. Daneben findet sich die Inschrift Ludi Frolares (eigentlich Florales) Meretricium nudarum, Feier der Flora und der nackten Prostituierten. Lucio Mauro berichtet 1556:

Zu der Zeit war noch immer die Idee verbreitet, dass sich in diesem Tal ein Circus der Flora befand, wo die ludi zelebriert wurden. Diese Vorstellung von einer zirkusähnlichen Anlage ist unter Umständen auf die Form des tiefen Tals zurückzuführen, auf dessen langen Seiten, wie man den alten Zeichnungen entnehmen kann, noch die Ruinen von Terrassen und Säulenhallen sichtbar waren. Aber befand sich der Tempel der Venus Erycina wirklich im Bereich der Horti? Wenn die Gärten vor Sallust tatsächlich Julius Caesar gehört haben, scheint dies nicht verwunderlich, denn dieser hat die Göttin Venus besonders verehrt; schließlich hatte das Haus Julia seinen Ursprung in Aeneas, der wiederum der Sohn der Venus war. Über Jahrhunderte hinweg hat man versucht, diesen Tempel zu lokalisieren: Flaminio Vacca berichtet, dass 1551 auf einem Grundstück in den Horti Sallustiani, das später in den Besitz der Ludovisis gelangte, Reste eines ovalen Gebäudes mit Säulen aus gelbem Marmor und Alabaster entdeckt wurden. Das Gebäude wurde bis ins 20. Jahrhundert als Tempel der Venus Erycina angesehen. Die Reste sind heute verschwunden.

Die „Vernichtung Roms“ Am 20. September 1870 drangen die Truppen der Savoyen durch die Porta Pia am östlichen Rand der Horti Sallustiani nach Rom vor und beendeten die jahrhundertelange päpstliche Dominanz. Das war die Krönung der langersehnten Vereinigung Italiens aber auch der Start der „Vernichtung Roms“, wie es viele Archäologen und Historiker empfanden. Unter dieser Überschrift unternahmen sie Ende des 19. Jahrhunderts einen Kreuzzug gegen die Zerstörung zahlreicher Reste des antiken Roms, die dem Bau der neuen Hauptstadt weichen sollten. Vor allem die Deutschen waren entsetzt: Die deutsche Intelligenz hatte die römische Antike seit dem 17. Jahrhundert praktisch in Besitz genommen und sah „ihr“ Rom, das Rom von Winckelmann und Goethe, nun dem Untergang geweiht. Bald wurden Pläne geschmiedet, wie die Stadt neue Viertel für die wachsende Menge von Beamten, Soldaten und Handwerker errichten könnte. Die Bevölkerung Roms verdoppelte sich in den Jahren von 1871 bis zur Jahrhundertwende auf 500.000 Einwohner. Die Adligen sahen die besten Möglichkeiten für eine Expansion der Stadt auf dem Hügel des Esquilins und zwischen Quirinale und Pincio – die Gegend der Horti Sallustiani – weil sie dort ihre Villen besaßen und in dem Verkauf der Grundstücke eine goldene Gelegenheit sahen, große Gewinne einzustreichen. Und gerade in dieser Gegend ereignete sich die gewaltigste Umgestaltung: die fast idyllische Ansammlung von Villen und Gärten verschwand in wenigen Jahren um Platz zu machen für Straßen, Wohnblöcke und Ministerien. Die Villen wurden von sämtlichen sie umgebenden Bäumen, antiken Statuen und kleinen Bauten befreit und, in komplizenhafter Übereinkunft mit der Stadtverwaltung, für eine intensive Bebauung freigegeben. Die wichtigsten Akteure dieser Umgestaltung waren der deutsche Buchhändler Josef Spithöver und die Familie Boncompagni-Ludovisi.

Josef Spithöver Josef Spithöver war ein westfälischer Buchbinder, der sich nach seinen Wanderjahren in Rom niederließ und dort 1845 die erste deutsche Buchhandlung der Stadt eröffnete. 1862 war Spithöver so reich geworden, dass er den Besitz der Barberinis an der Quirinale-Seite der Horti Sallustiani kaufen konnte und sich direkt über den Resten der Servianischen Mauern eine imposante Villa bauen ließ. mini|Villa SpithöverIm August 1870 kaufte Spithöver auch die Villa Mandosi, auf der sich die heutige Piazza Sallustio – mit dem Hadrianischen Nymphäum – befindet. Als das Baufieber startete, sah Spithöver die Zeit gekommen, um an das große Geld zu gelangen. In einer langwierigen Verhandlung versuchte die Stadt, die alte Landschaft so weit wie möglich zu bewahren, doch Spithövers Forderungen waren zu hoch. Und so wurde alles zugebaut. Die Stadt konnte nur das Hadrianische Nymphäum retten. Die Spithöver Villa (nah an der heutigen Kirche des hlg. Kamillus gelegen) wurde auch abgerissen, um Platz für Wohngebäude zu machen. Der Archäologe Rodolfo Lanciani, großer Verfechter der Integrität des antiken Kulturerbes, schrieb:

Villa Ludovisi Die Familie Boncompagni-Ludovisi besaß am Ende des 19. Jahrhunderts ein Anwesen, das in ganz Europa als eine der schönsten Anlagen überhaupt galt. Den Kern der Villa bildete eine Anlage in der Nähe der Porta Pinciana, die am Ende des 16. Jahrhunderts als Landhaus für die Erholung des Kardinals Bourbon del Monte vorgesehen war. Hauptgebäude dieser Anlage war das, was später Casino dellʼAuroraAuch Casino dell’Aurora Ludovisi, um es vom Casino dell’Aurora des Palazzo Pallavicini Rospigliosi zu unterscheiden. genannt wurde, aus einem Fresko von Guercino an der Decke des Hauptsalons.