Das Kloster Grüssau (; ) ist eine ehemalige Zisterzienserabtei im gleichnamigen Ortsteil Krzeszów der Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut) im Powiat Kamiennogórski der Wojewodschaft Niederschlesien in Polen.
Der Komplex wurde 2004 zum polnischen Historischen Denkmal erklärt.
Die Klosteranlage gehörthttps://www.naumburger-tageblatt.de/zisterzienser-eine-urenkelin-22712388 Wieland Führ: Zisterzienser Eine Urenkelin, Artikel des Naumburger Tageblatt vom 15. Sept. 2015, abgerufen am 18. März 2019 zu den bedeutendsten Barockanlagen Europas und ist für das UNESCO-Welterbe nominiert.
Geschichte des Klosters mini|hochkant|links|Abteiwappen Gründung als Benediktinerpropstei 1242 Die Stiftung der Benediktinerpropstei erfolgte am 8. Mai 1242 durch Herzogin Anna von Böhmen, Witwe des Herzogs Heinrich II. des Frommen. Die Propstei wurde mit Benediktinermönchen des böhmischen Klosters Opatovice besiedelt, die das Tal des Zieder urbar machen sollten. Das hatte bereits Herzog Heinrich II. beschlossen, bevor er am 9. April 1241 in der Schlacht von Liegnitz fiel.https://www.polish-online.com/polen-niederschlesien/kloster-gruessau-krzeszow.php Barbara Anna Woyno, Frank Hilbert: Zisterzienserabtei Grüssau (Opactwo Cysterskie w Krzeszowie) in Niederschlesien, Polen, Touristeninformation, abgerufen am 18. März 2019 Es ist nicht bekannt, warum sich das Kloster nicht entfalten konnte und weshalb die Benediktiner die Grüssauer Propstei 1289 aufgegeben haben. Noch im Jahre 1288 hatte Herzog Bolko I. der Benediktinerpropstei die Dörfer Blaseysdorff, Merkelingsdorff und Cazbach (Katzbach/Kratzbach) geschenkt, die zum Trautenauer Gebiet gehörten und die Herzog Bolko I. vorher vom Ritter Witiko von Aupa/Alt Trautenau (Vítek z Úpy; † 1314) erworben hatte. Jedoch schon ein Jahr später verkaufte der Opatowitzer Abt Tschaska das zur Propstei Grüssau gehörende Gebiet mit allen Dörfern dem Herzog Bolko I., der dort die Gründung eines Zisterzienserklosters beabsichtigte. Dadurch gelangte das zunächst zu Böhmen gehörende Gebiet an das Herzogtum Schweidnitz-Jauer.Zu einer Abgrenzung zwischen Böhmen und dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer kam es erst 1249. Damals gelangte das Steinegebiet an das Břevnover Benediktiner-Filialkloster in Politz, während das obere Bobergebiet von den Grüssauer Benediktinern besiedelt wurde. Siehe Ludwig Petry u. a.: Geschichte Schlesiens. Bd. 1. Sigmaringen 1988. ISBN 3-7995-6341-5, S. 3f. Das südlich Grüssau gelegene Schömberg mit seinen umliegenden Dörfern gehörte bis 1289 zu Böhmen und gelangte damals durch königliche Schenkung an das Herzogtum Schweidnitz-Jauer.
Zisterzienserkloster 1292–1810 mini|hochkant|Klosterkirche Die Stiftungsurkunde für die Zisterzienserabtei unterzeichneten 1292 der Stifter Bolko I., sein Bruder Heinrich V. und der Breslauer Bischof Johann III. Romka. Zur finanziellen Ausstattung des Klosters gehörten zunächst 14 Dörfer und die Stadt Liebau mit allen Abgaben, Rechten und Pflichten sowie kraft herzoglicher Vollmacht auch das Blutgericht, für das Liebau zum Gerichtsort bestimmt wurde. Der Stifter erwartete von den Zisterziensern eine weitere Besiedlung des Landes sowie die Gründung weiterer Ortschaften. Bereits am 7. August 1292 hatte Abt Friedrich von Heinrichau zwölf Mönche sowie den Gründungsabt Theoderich nach Grüssau entsandt, wo sie zwei Tage später ankamen. Die Klosterkirche wurde 1292 geweiht, die Klostergebäude einige Jahre später errichtet. In der Folgezeit wurde der Grundbesitz mehrfach erweitert: 1343 um Schömberg mit sechs Dörfern, 1403 um die Propstei Warmbrunn, die der Ritter Schaffgotsch stiftete, und um die Herrschaft Würben bei Schweidnitz. Im 14. Jahrhundert gehörten zum Stiftsland fast 40 Dörfer und die beiden Klosterstädte Liebau und Schömberg.
In den Hussitenkriegen wurden das Kloster und das dazugehörende Stiftsland 1426–1427 schwer verwüstet; 70 Geistliche wurden getötet. Kirche und Kloster waren erst 1454 wieder aufgebaut.Eintragung im Schömberger Stadtbuch, zitiert bei polish-online, abgerufen am 18. März 2019
Während der Reformation ging die Zahl der Mönche stark zurück. Auch im Dreißigjährigen Krieg wurde Grüssau schwer heimgesucht. Bald erlangte es jedoch seine wirtschaftliche Kraft und seine religiöse Bedeutung zurück und wurde ein Zentrum der Gegenreformation in Schlesien. Zudem war es ein kultureller Mittelpunkt des Riesengebirges und der böhmischen Nachbargebiete.
Große Verdienste um die kulturelle und religiöse Entwicklung Grüssaus erwarb sich Abt Bernhard Rosa. Viele Bauten und Kunstwerke, für die er bedeutende Künstler beschäftigte, gehen auf seine Zeit zurück. Durch das 1669 eingerichtete Stiftsgymnasium, an dem zahlreiche Freiplätze für begabte Schüler vergeben wurden, stieg die Bildung der Umgebung. Der Arzt und Mystiker Angelus Silesius wurde vom Kloster bei der Drucklegung seiner Werke großzügig unterstützt. Abt Rosas Nachfolger Dominicus Geyer erwarb 1703 von den Freiherren von Zedlitz das verschuldete Bolkenhainer Burglehen mit den Dörfern Einsiedel, Giesmannsdorf, Hohenhelmsdorf, Ruhbank, Klein-Waltersdorf und Wiesau. Mit diesem Erwerb erreichte das Grüssauer Stiftsland eine Größe von 297 Quadratkilometern. Während der Regierungszeit des Abtes Innozenz Fritsch bestand das Stiftsland, dessen Grundherr der Abt war, aus 42 Dörfern sowie den Städten Schömberg und Liebau. Das Gebiet war in fünf Verwaltungsbezirke aufgeteilt: Grüssau mit Umgebung, Altreichenauer Dominialverwaltung, Priorat Würben, Propstei Warmbrunn sowie das Bolkenhainer Burglehen mit den zugehörigen Dörfern. Die Grenzen des Stiftslandes erstreckten sich damals bis an die Städte Schweidnitz, Reichenbach, Striegau und Hirschberg. Die Einwohnerzahl betrug etwa 30.000.Nikolaus von Lutterotti: Abt Innozenz Fritsch (1727–1734), der Erbauer der Grüssauer Abteikirche. Bergland-Verlag Schweidnitz, 1935, S. 39f. 1723–1725 wurde unter Abt Dominicus das Grüssauer Haus in Schweidnitz errichtet. Es wurde auch als „Stiftshof“ bezeichnet und sollte ihm und seinen Nachfolgern während der Landtagssitzungen des Fürstentums Schweidnitz-Jauer als Stadtunterkunft dienen.
Zu den Hauptaufgaben der Mönche gehörte die Seelsorge in den zwölf Stiftspfarreien und die Betreuung der Wallfahrer zum „Gnadenbild Unserer Lieben Frau“. Äbte und Mönche leisteten einen großen Beitrag zur geistigen und kulturellen, aber auch zur wirtschaftlichen Entwicklung des Stiftslandes.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Grüssau wie fast ganz Schlesien, das bis dahin ein Nebenland der Krone Böhmens gewesen war, an Preußen. Wegen der nachfolgenden Kriegslasten, mit denen auch das Kloster Grüssau belegt wurde, konnte der geplante Neubau des Klosters erst unter Abt Placidus Mundfering (1768–1787) begonnen werden. Er blieb jedoch in Teilen unvollendet, da die Abtei im Zuge der Säkularisation durch den preußischen Staat 1810 aufgelöst wurde. Das in hoher religiöser und kultureller Blüte stehende Kloster wurde dadurch bedeutungslos. Große Teile der Bibliothek und der künstlerischen Ausstattung gelangten nach Breslau. Die Klosterkirche wurde als Pfarrkirche umgewidmet, die Klosteranlage teilweise Staatseigentum, ebenso das Bolkenhainer Burglehen.P. Ambrosius Rose: Kloster Grüssau. Stuttgart 1974, ISBN 3-8062-0126-9, S. 96 Letzter Abt war Ildephons Reuschel, der noch bis zu seinem Tod 1823 im Klostergebäude lebte.
In den Professbüchern des Klosters Grüssau sind aus der Zisterzienserzeit die Lebensdaten von rund 50 Äbten und 400 Mönchen aus fünf Jahrhunderten verzeichnet. Danach kam der Großteil der Mönche aus Niederschlesien, vor allem aus den zwölf Stiftspfarreien, sowie aus Böhmen. Nur wenige Mönche kamen aus Oberschlesien, da es dort die Zisterzienser-Abteien Rauden und Himmelwitz gab.
Neubesiedlung durch deutsche Benediktiner aus dem Prager Emmauskloster 1919 Im November 1919 konnte das 1810 säkularisierte Zisterzienserkloster Grüssau mit den aus Prag ausgewiesenen deutschen Beuroner Benediktinern des Emmausklosters wieder besiedelt werden. Ursächlich für die Ausweisung aus Prag war das Auseinanderbrechen der k.u.k.-Monarchie und die Gründung der Tschechoslowakei sowie die deutschnationale Gesinnung des damaligen Abtes Albanus Schachleiter. Erst nachdem er 1924 auf das Amt des Abtes von Emaus resignierte, wurde der Grüssauer Konvent durch Papst Pius XI. im selben Jahr zur Abtei erhoben. Erster Abt war Albert Schmitt, unter dem Grüssau erneut ein liturgisch-kultureller Mittelpunkt der Region wurde. Besondere Verdienste um die Erforschung der Abteigeschichte und das historische Erbe der Grüssauer Zisterzienser sowie des zugehörigen Stiftslandes erwarb sich Pater Nikolaus von Lutterotti, dem die Stelle die Klosterarchivars und Bibliothekars übertragen worden war.
Von 1930 bis 1931 wurde der abgebrannte Nordturm des Grüssauer Münsters erneuert, anschließend wurden bis 1933 die restlichen Baulichkeiten renoviert. 1934 errichtete der Konvent eine katholische Schule auf dem Weg vom Bahnhof zum Kloster. 1934 erhielt das Münster neue Glocken. Nach der Renovierung des Grüssauer Gnadenbildes 1937 wurde die Wallfahrt nach Grüssau neu belebt. Ab 1938 fanden umfangreiche Renovierungsmaßnahmen an der Münsterfassade und an der St.-Josephs-Kirche statt, wobei zahlreiche der stark verwitterten Kolossalfiguren des Fassadenschmucks erneuert und die fast 50 Fresken in der St.-Josephs-Kirche freigelegt wurden. Der Abschluss der Arbeiten wurde durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verzögert. Erst 1944 konnten die letzten Baugerüste entfernt werden.
Als sich Abt Albert nach 1933 um eine Verständigung zwischen der katholischen Kirche und dem herrschenden Nationalsozialismus bemühte, lehnten Teile des Konvents und des schlesischen Klerus seine Haltung ab. Zu den Kritikern gehörte auch Nikolaus von Lutterotti. Trotzdem wurde er im November 1943 zum Prior berufen.
Beschlagnahmung der Klostergebäude 1940–1945 mini|hochkant=1.4|Sicht auf die Klosteranlage vom Fuß des Kalvarienbergs Am 3. September 1940 wurden die Klostergebäude durch das NS-Regime beschlagnahmt. Trotz zahlreicher Proteste mussten alle Mönche ihre Klosterunterkünfte verlassen, obwohl in der Presse behauptet wurde, man habe „lediglich einen Seitenflügel belegt“. Die Klostergebäude, die nun als „Lager Grüssau“ bezeichnet wurden, dienten zunächst als Durchgangslager für Volksdeutsche aus der Bukowina. Im Oktober 1940 wurden 800 bis 900 Karpatendeutsche dem Lager Grüssau zugewiesen, die danach in die von den deutschen Truppen besetzten Teile Polens umgesiedelt wurden. Ab dem 5. Oktober 1941 wurden im Lager Grüssau schlesische Juden interniert und von Ende 1942 bis zum 6. Februar 1943 in mehreren Transporten zumeist in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Ab März 1943 bis November 1944 wurde das Lager für Verschleppte aus Lothringen sowie dem Elsass und im Winter 1944/45 für Ungarndeutsche benutzt, die als „Gäste des Führers“ besonders beschützt wurden. Sämtliche Insassen wurden am 7. Mai 1945 zur Flucht ins nahe Sudetenland gezwungen. Am selben Tag hob der Landeshuter Landrat Otto Fiebrantz die Beschlagnahme der Klostergebäude auf. Es war vermutlich eine seiner letzten Amtshandlungen vor dem amtlichen Kriegsende am 8. Mai 1945.P. Ambrosius Rose: „Die Abtei Grüssau in der Zeit des Nationalsozialismus“. In: Kloster Grüssau. Stuttgart 1974, ISBN 3-8062-0126-9, S. 185–194.
Während des Krieges wurden zahlreiche Kulturgüter der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin nach Grüssau ausgelagert, die sich seit Kriegsende 1945 in der Sammlung Berlinka in Polen befinden.