Die Bundesautobahn 71 (Abkürzung: BAB 71) – Kurzform: Autobahn 71 (Abkürzung: A 71) – hat eine Länge von 220 km. Sie verbindet Sangerhausen über Erfurt und den Thüringer Wald mit Schweinfurt. Der erste Abschnitt von Erfurt-Bindersleben bis zum provisorischen Anschluss Traßdorf wurde 1998 dem Verkehr übergeben, der letzte Abschnitt zwischen Etzleben und Sömmerda-Ost am 3. September 2015.Thüringer Allgemeine: 3. September: Freigabe der Autobahn. 18. August 2015

Die A 71 quert zwischen den Anschlussstellen Arnstadt-Süd und Meiningen-Nord auf rund 60 km Länge den Thüringer Wald an seiner schmalsten Stelle und hat hier auch den Namen Thüringer-Wald-Autobahn. Die eigentliche Kammquerung erfolgt auf 670 m Höhe über NN mit einer maximalen Längsneigung von zwei Prozent im fast acht Kilometer langen Tunnel Rennsteig, dem mit Abstand längsten Straßentunnel Deutschlands. Fünf Straßentunnel mit über 1 Kilometer Länge befinden sich an der A 71.

Weitere Orte an der A 71 sind Artern, Heldrungen, Arnstadt, Ilmenau, Geraberg, Oberhof, Zella-Mehlis, Suhl, Meiningen, Mellrichstadt, Bad Neustadt, Münnerstadt und Bad Kissingen.

Geschichte Hauptabschnitt Erfurt–Schweinfurt Die Bundesautobahn ist ein Neubau, der 1996 mit dem Hauptabschnitt Erfurt–Schweinfurt als Teil des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 16 begonnen wurde. Im Sommer 1991 war Planungsbeginn.Neubau der A 71 zwischen der Anschlussstelle Erfurt-Bindersleben und dem Autobahndreieck Werntal (A 70/A 71) Dokumentation 2005, S. 19 Mit ungefähr zehn Millionen Euro pro Kilometer ist die Strecke im Abschnitt Thüringer Wald die teuerste Autobahn, die in Deutschland (zum Zeitpunkt der Fertigstellung) gebaut wurde.Die A 71 ist die teuerste Autobahn Deutschlands. In: Die Welt vom 21. Mai 2014.

mini|links|Verlauf der A 71Sangerhausen–Schweinfurt Der erste, 26 km lange Abschnitt der A 71 von Erfurt-Bindersleben bis zum provisorischen Anschluss Traßdorf wurde am 12. Dezember 1998 dem Verkehr übergeben. Am 5. November 2001 wurde das Teilstück zwischen den Anschlussstellen Oberhof und Suhl/Zella-Mehlis freigegeben, am 21. November 2001 folgte das Teilstück von Traßdorf bis Ilmenau-Ost. Am 20. Dezember 2002 wurde der Abschnitt Suhl/Zella-Mehlis bis Meiningen-Nord und der Abschnitt Ilmenau-Ost bis Ilmenau-West freigegeben. Mit den Freigaben der Teilstücke von Ilmenau-West bis Gräfenroda, sowie der ersten Fahrbahn von Meiningen-Nord bis Meiningen-Süd am 5. Juli 2003 und der Freigabe des Teilstückes von Gräfenroda bis Oberhof zwei Tage später war die komplette Strecke von Erfurt bis Meiningen-Süd in Betrieb. Die zweite Fahrbahn zwischen Meiningen-Nord und Meiningen-Süd wurde am 12. November 2004 für den Verkehr freigegeben. Am 14. Oktober 2005 wurde vorab der Abschnitt zwischen dem Autobahndreieck Werntal bei Schweinfurt, wo die A 71 in die A 70 mündet, und der Anschlussstelle Bad Kissingen/Oerlenbach für den Verkehr freigegeben. Am 17. Dezember 2005 folgte das Teilstück Meiningen-Süd – Bad Kissingen/Oerlenbach, womit der 1,6 Milliarden Euro teure und 152 km lange Abschnitt zwischen Erfurt und Schweinfurt fertiggestellt war.

Abschnitt Sangerhausen–Erfurt Die Freigabe der restlichen 68 km langen Trasse zwischen Erfurt-Bindersleben und Sangerhausen begann am 16. Dezember 2002 mit dem Abschnitt zwischen Sömmerda-Süd und Erfurt-Nord, ein halbes Jahr später am 10. Juli 2003 folgte der Abschnitt zwischen Sömmerda-Ost und Sömmerda-Süd. Am 6. Dezember 2005 folgte der Abschnitt von Erfurt-Nord bis Erfurt-Stotternheim und am 15. Dezember 2006 der Lückenschluss zwischen Erfurt-Stotternheim und Erfurt-Bindersleben.Planung, Bauvorbereitung und Baudurchführung der Bundesautobahn A 71 zwischen den Anschlussstellen Sömmerda-Ost (B 176) und Erfurt-Bindersleben (B 7), Informationsblätter des Freistaates Thüringen Am 12. Dezember 2008 wurde der Abschnitt zwischen Heldrungen und einer provisorischen Anschlussstelle an der B 85 südlich von Etzleben, einschließlich des 1725 m langen Schmücketunnels nach drei Jahren Bauzeit freigeben. Der vorletzte Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Heldrungen und dem Autobahndreieck Südharz bei Sangerhausen wurde am 29. April 2013 für den Verkehr freigegeben, nachdem der ursprüngliche Termin im Dezember 2012 wegen einer Beschwerde gegen die Vergabe der Leitplankeninstallation verschoben werden musste.Grit Pommer: A 71 wird dieses Jahr nicht fertig. In: Thüringer Allgemeine, 20. Oktober 2012.Nächstes Stück A71 wird am 29. April übergeben, Thüringer Allgemeine vom 10. April 2013.Verkehrsfreigabe A 71 perfekt, Online-Artikel der Kyffhäuser Nachrichten vom 29. April 2013

Für die restliche Strecke von der AS Sömmerda-Ost bis zur provisorischen Anbindung der Bundesstraße 85 bestand seit November 2009 Baurecht. Mit dem offiziellen Baubeginn dieses Teilstücks am 23. Juni 2010 wurde zunächst eine dynamische Intensivverdichtung des Bodens vorgenommen (der Abschnitt führt durch ein Erdfallgebiet mit zahlreichen unterirdischen Hohlräumen), bevor im März 2013 der Strecken- und Verkehrsflächenbau aufgenommen wurde. Die Arbeiten an der einseitigen Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel waren im Oktober 2012 in der Vorbereitung der Ausschreibung durch die DEGES.Verkehrsminister-Carius-kuendigt-Abhilfe-am-Nadeloehr-Soemmerda-Ost-an, Thüringer Allgemeine: Online-Artikel vom 16. Oktober 2012 Die Eröffnung dieses letzten Abschnittes der A 71 folgte am 3. September 2015. Anfang 2017 erwartete die DEGES, dass die dortigen Parkplätze im Frühjahr 2017 freigegeben werden und die Gebäude der Raststätte zur Werkschau der Internationalen Bauausstellung Thüringen im Jahr 2019 fertiggestellt werden. Die 129 Pkw- und 88 Lkw-Parkplätze wurden am 24. Mai 2017 freigegeben. Im September 2017 wurde die Konzession für die Raststätte an die Shell Deutschland Oil GmbH vergeben, die sie wie geplant 2019 eröffnen wollte. Nach mehreren Verschiebungen wurde die Raststätte schließlich am 30. März 2021 eröffnet. Die Raststätte ist Teil der IBA Thüringen.

Anschlussstelle Stadtilm Am 20. Dezember 2017 wurde die nachträglich errichtete Anschlussstelle 14b Stadtilm dem Verkehr freigegeben. Die AS 14 Arnstadt-Süd bekam die neue Nummer 14a. An die neue AS 14b wurde der am gleichen Tage fertiggestellte Autobahnzubringer aus Richtung Rudolstadt angebunden, über eine 14 Kilometer lange Neubaustrecke, im Rahmen der Verlängerung der Bundesstraße 90 (B 90n).

Das Städtedreieck Saalebogen mit Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg ist seitdem erheblich besser an die beiden Wirtschaftsräume Erfurt und Schweinfurt sowie den gesamten süddeutschen Raum angebunden.

Umstrukturierungen im Bestandsstraßennetz Nach dem Bau der A 71 wurden einige parallel verlaufende Bundesstraßen aufgelöst oder herabgestuft:

Die B 4 wurde zwischen der A 71-AS Erfurt-Gispersleben und Coburg zur Landesstraße beziehungsweise Kreisstraße abgestuft. Die B 7 wurde zwischen der A 71-AS Erfurt-Bindersleben und Erfurt-Linderbach zur Kreisstraße abgestuft. Zeitgleich wurde die, im Zuge der A 71 gebaute, vierspurig ausgebaute L 1052 (Ostumfahrung Erfurt) von der Anschlussstelle Linderbach bis zur A 71-AS Erfurt-Nord zur Bundesstraße umgewidmet.Straßennetzkarte Thüringen Stand: Mai 2013 (PDF; 8,3 MB), zuletzt aufgerufen am 2. November 2013 Die B 19 wurde zwischen Meiningen und Münnerstadt sowie zwischen Euerbach und der A 70-AS Werneck zur Landesstraße 3019 (in Thüringen) bzw. Staatsstraße 2445 (in Bayern) abgestuft. Die B 86 wurde 2013 zwischen der AS Heldrungen und Sachsenburg zur Landesstraße 3086, in Heldrungen zur Kreis- und Gemeindestraße, herabgestuft. Der Abschnitt von der AS Heldrungen bis zur A 38 AS Sangerhausen-Süd folgte zum Januar 2016. Die Bundesstraße 85 sowie die Bundesstraße 176 sollen, nach vollständiger Freigabe der A 71, ebenfalls neu geordnet werden. Die B 87 wurde 2013 zwischen der AS Ilmenau-Ost und dem Ort Ilmenau zur Landstraße 3087 herabgestuft. Die B 88 wurde zwischen der AS Ilmenau-West und der AS Gräfenroda zur Kommunalstraße und zwischen der AS Ilmenau-Ost und der AS Ilmenau-West zur Landesstraße herabgestuft. Die B 247 wurde zwischen Ohrdruf und Schleusingen zur L 3247 herabgestuft. Die B 280 von Zella-Mehlis nach Meiningen wurde zwischen Zella-Mehlis und Benshausen zur B 62 umgewidmet, der weitere Verlauf zur Landesstraße 1131 und zur Kreisstraße 581 abgestuft.

Die B 19 wurde im Raum Meiningen zum Teil neu gebaut und verlegt. Sie führt jetzt von Meiningen über den Ortsteil Helba zur AS Meiningen-Nord. Die Nordtangente der B19 in Meiningen ist in Planung. Diese soll die sehr stark frequentierte B19 durch Meiningen-Nord entlasten und soll mehrspurig vom Meininger Stadtteil Helba ausgehend, nördlich der Stadtteile Jerusalem und Welkershausen auf die bisherige B19 führen. Kurz vor Baubeginn haben Umweltverbände einen gerichtlichen Baustopp erwirkt, so dass der neu geplante Baustart sich weiterhin verzögert. Von der AS Münnerstadt bis zur Einmündung der B 287 wird die B 19 durch die B 287 ersetzt.

Auf der anderen Seite sind mehrere große Straßenprojekte zur Hinterlandanbindung der A 71 geplant, in Bau oder realisiert: In Artern entstand eine Ortsumgehung (L 1172) zur besseren Anbindung der östlich gelegenen Gebiete um Roßleben an die Autobahn, ein Weiterbau westlich der Autobahn wurde von 2018 bis 2021 vollzogen, womit Schönfeld und Ringleben umgangen werden, und Bad Frankenhausen besser an die Autobahn angebunden wird. Heldrungen erhielt ebenfalls eine Ortsumgehung (L 3086), die die Anbindung Bad Frankenhausens verbessert. Die L 1051 von der AS Kölleda bis zur Kreuzung Streitsee wurde grundlegend ausgebaut, inklusive einer Ortsumgehung für Dermsdorf (Freigabe: 2012), welche den Verkehr von und zur Autobahn, insbesondere zum nahegelegenen Gewerbegebiet, besser aufnehmen kann. Auch in Sömmerda wurde eine Ortsumgehung (B 176) gebaut, die den Verkehr von der A 71 in westliche Richtung verbessert. In weiteren Bauabschnitten soll das Straßennetz nach Weißensee und Straußfurt (mit neuer Ortsumgehung der B 4) neu geordnet werden. In Erfurt entstand eine Osttangente von der A 71 bis an die L 1052 im Stadtteil Erfurt-Südost. Diese ist im Abschnitt von der A 71 bis Erfurt-Linderbach (Anschluss an die B 7 in Richtung Weimar) Teil des Erfurter Rings. Dieser Abschnitt wurde 2013 zum Teil der Bundesstraße 7. Der südliche Abschnitt ist als L 1052 gewidmet. Zwischen Straußfurt und Bad Langensalza wurde die Bundesstraße 176 auf eine südlicher gelegene Trasse ab Andisleben verlegt, um die Anbindung Nordwestthüringens an die neue Autobahn und die Landeshauptstadt zu verbessern. Bei Traßdorf wurde die Bundesstraße 90 angebunden. In Ilmenau erhielt die Bundesstraße 88 eine neue Trassierung mit Ortsumgehung für die Stadt und Langewiesen, die die Anbindung des Thüringer Schiefergebirges an die Autobahn verbessert. Geschwenda erhielt eine Ortsumgehung (B 88), die die Anbindung des Bereichs Ohrdruf an die A 71 verbessert. Zwischen Zella-Mehlis und Benshausen wurde die bisherige Landesstraße zur Bundesstraße 62 aufgestuft. Weiter zur Bundesstraße 19 bei Wernshausen wurde bzw. soll die Landesstraße ertüchtigt werden, um den Raum Schmalkalden in östlicher und westlicher Richtung besser zu erschließen. Die B 19 wird zwischen Meiningen und dem Raum Bad Salzungen ausgebaut und erhält Ortsumgehungen. Zwischen Meiningen und Fulda soll die Bundesstraße 87n gebaut werden, um die Anbindung der Rhön zu verbessern und die Lücke zwischen der A 71 bei Meiningen und der A 66 bei Fulda im Bundesfernstraßennetz zu schließen. Aufgrund ihrer hohen Kosten und ökologischen Risiken ist diese Trasse umstritten und ein Baubeginn nicht absehbar. Mellrichstadt erhielt eine Ortsumgehung (Bundesstraße 285), um die Orte des Streutals besser an die A 71 anzubinden.

Trassenbündelung mit Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt mini|hochkant|Trassenbündelung von A 71 und Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt (hier im Bau)