Die Stadt Philippsburg, bis 1623 Udenheim, liegt im Norden des Landkreises Karlsruhe in Baden-Württemberg. Überregional bekannt ist sie als Standort des Ende 2019 stillgelegten Kernkraftwerks Philippsburg.

Geografie mini|Großer Walther See am Oberfeldweg (Aufn. 2022) Die unmittelbar am Rhein gelegene Stadt Philippsburg zählt naturräumlich zur Oberrheinischen Tiefebene. Die Stadt befindet sich zwischen Ludwigshafen am Rhein, Mannheim, Heidelberg, Speyer, Germersheim, Bruchsal und Karlsruhe.

Stadtgliederung Die Stadt Philippsburg besteht aus den drei Stadtteilen Huttenheim (2704 Einwohner am 31. Dezember 2022), Philippsburg (8185 Einwohner) und Rheinsheim (2999 Einwohner). Die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens, ihre offizielle Benennung erfolgt in der Form „Philippsburg Stadtteil …“. Die Stadtteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. In den Stadtteilen Huttenheim und Rheinsheim sind jeweils Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet.Hauptsatzung der Stadt Philippsburg vom 13. September 2005, zuletzt geändert am 17. Oktober 2006

Zum Stadtteil Huttenheim gehören das Dorf Huttenheim und das Haus Insel Elisabethenwörth. Zum Stadtteil Philippsburg gehören die Stadt Philippsburg, die Höfe Mittelhof, Schönborner (Neudorfer) Mühle und Unterhof und die Häuser Am Waldweg, Engelsmühle, Fischkutter, Garnisonsmühle, Rheinwärterhaus und Torflager. Zum Stadtteil Rheinsheim gehört das Dorf Rheinsheim. Im Stadtteil Philippsburg liegen die Wüstungen Gevenhart und Winden.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 115–117.

Nachbargemeinden Philippsburg grenzt an folgende Kommunen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Oberhausen-Rheinhausen, Waghäusel, Bruchsal, Graben-Neudorf, Dettenheim, Germersheim, Lingenfeld und Römerberg.

Geschichte mini|Udenheim-Philippsburg mit Schloss der Bischöfe von Speyer, 1590

Bis zum 19. Jahrhundert

Der Name der Stadt geht auf die Festung Philippsburg zurück, die 1623 von dem Speyerer Bischof Philipp Christoph von Sötern gegründet worden war. Davor trug die Festung den Namen Udenheim."Nürnbergische Zeitung", fol. 78r. Website des Sächsischen Staatsarchivs. Abgerufen am 21. Januar 2024.

Die Ersterwähnung war im Jahr 784 anlässlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch als Hiutenheim in einer Urkunde des Lorscher Codex erfolgt. Während der Zeit der Stammesherzogtümer gehörte der Ort zum Herzogtum Franken. 1316 erwarb ihn das Hochstift Speyer. Ludwig der Bayer erhob Udenheim 1338 zur Stadt. Seit 1371 war es Residenz der Speyerer Fürstbischöfe. Die Gründung der Festung erfolgte, weil sich das Hochstift durch die umliegenden protestantischen Gebiete in seiner Macht bedroht fühlte. Im Dreißigjährigen Krieg wechselte die Herrschaft über den Ort, der große Zerstörungen hinnehmen musste, mehrfach. 1644 nahmen französische Truppen die Stadt ein. Im Westfälischen Frieden erhielten die Franzosen das dauerhafte Besatzungsrecht in der Festung. Im Holländischen Krieg gelang Reichstruppen 1676 nach mehrmonatiger Belagerung die Rückeroberung. Aber bereits 1688 belagerten und eroberten die Franzosen unter dem Dauphin und Vauban Philippsburg erneut. Im Frieden von Rijswijk wurde die Stadt dann wieder dem Heiligen Römischen Reich zugesprochen.

Im Polnischen Thronfolgekrieg 1734 wurde die Stadt von den Franzosen belagert. Die Verluste französischen Truppen sind nicht bekannt; es gibt Quellen, die von bis zu 30.000 Mann an Gefallenen und Verwundeten sprechen. Die Verluste der Belagerten betrugen 337 Gefallene, 359 Verwundete, 321 Gefangene oder Deserteure.

Um das Jahr 1800 brachten niederländische, im Dienste Napoleon Bonapartes stehende Soldaten Wechselfieber und Ruhr aus Holland nach Philippsburg.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 218. Durch die Mediatisierung aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses kam Philippsburg dann 1803 an das Großherzogtum Baden und wurde zunächst Sitz des Amtes Philippsburg, das 1864 im Bezirksamt Bruchsal (ab 1939: Landkreis Bruchsal) aufging.

20. Jahrhundert Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Betsaal der Jüdischen Gemeinde von SA-Männern geschändet und angezündet, später zu Wohnzwecken genutzt und 1981 abgerissen. Eine Gedenktafel am Haus Weißetorstraße/Alte Kirchenstraße erinnert an dieses Geschehen.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd. I, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 69. Der jüdische Friedhof der Gemeinde ist als Kulturdenkmal erhalten.

Nahe Philippsburg überschritt die 1. französische Armee am 1. April 1945 den Rhein und stieß weiter in Richtung Stuttgart und Friedrichshafen vor. Seit der Kreisreform 1973 gehört die Stadt zum Landkreis Karlsruhe.

Kasernen und militärische Anlagen Ab 1963 wurde Philippsburg durch die Stationierung des Raketenartilleriebataillon 122 und weiterer aktiver und nicht aktiver Artillerieverbände zur größten Artilleriegarnison der Bundeswehr (siehe auch Liste ehemaliger Bundeswehr-Liegenschaften). Der Bundeswehrstandort wurde 1997 aufgegeben. Zeitgleich zum Bau der Salm-Kaserne wurden Gymnasium, Hallenbad und Kanalisation erstellt.

Neben der Salm-Kaserne gab es weitere militärische Einrichtungen, wie die Standortmunitionsniederlage 521/1 mit angegliedertem Sondermunitionslager Molzau (NATO) und dem NATO-Tanklager Huttenheim.

Die Standortmunitionsniederlage 521/1 Philippsburg umfasste 22 erdüberdeckte Munitionslagerhäuser (ugs. Bunker) und enthielt Munition für das Raketenartilleriebataillon 122. Das 20 Hektar große Depot wurde von 1963 bis 1997 betrieben. Die Munitionslagerhäuser wurden 2013, bis auf drei Stück, abgetragen und das Gelände renaturiert. Von den verbliebenen drei Munitionslagerhäusern wird eines als Nistplatz für Fledermäuse und zwei für den städtischen Bauhof bzw. Forst genutzt.

Direkt östlich an die Standortmunitionsniederlage angeschlossen, befand sich das ehemalige Sondermunitionslager Molzau (NATO) (SAS Molzau; engl.: Special Ammunition Storage) welches aus zwei besonders gesicherten Munitionslagerhäusern bestand . Das Lager wurde von 1963 bis 1992, mit der Außerdienststellung des zugehörigen 3rd US Army Field Artillery Detachment, betrieben. In den 1970er Jahren wurde die Sicherheit des Lagers verstärkt und im Rahmen des sogenannten „Long Range Security Program“ u. a. ein Wachgebäude mit dem markanten Betonwachturm gebaut. Dieser ist noch immer als Mahnmal an den Kalten Krieg erhalten. Im Sonderwaffenlager Molzau lagerten die Atomsprengköpfe für die 12. Panzerdivision (Bundeswehr), welche ausschließlich durch US-Soldaten gehandhabt und bewacht wurden. Im Verteidigungsfall wären die Atomsprengköpfe im Rahmen der nuklearen Teilhabe an die Bundeswehrverbände Raketenartilleriebataillon 122 und Feldartilleriebataillon 121 (Tauberbischofsheim) zum Verschuss übergeben worden. Gemäß den verwendeten Waffensystemen der genannten Bataillone, wurden nukleare Sprengköpfe für Panzerhaubitzen M109 vom Kaliber 155 mm, Panzerhaubitze M110 vom Kaliber 203 mm und Kurzstreckenrakete Honest-John gelagert. Laut Aussagen des ehemaligen Lagerkommandanten Ken Gilroy waren in den 1980er Jahren sechs nukleare 155 mm Granaten, sechs nukleare 203 mm Granaten und 12 nukleare Sprengköpfe für Hones-John Raketen eingelagert. Somit befand sich eine Sprengkraftequivalent von 540 kt TNT in der Molzau (6 * 0,072 kt (155 mm W48) + 6 * 10 kt (203 mm W33) + 12 * 40 kt (Honest-John W31)), was rund 42 Hiroshima Bomben entspricht. 2013 wurden beide Munitionslagerhäuser, nach Folgenutzung durch Pyrotechnik Unternehmen, abgebrochen und mit Ausnahme des Wachturmes das gesamte Gelände renaturiert. Auf historischen Luftbildern von 1968 lässt sich das Lager in der ersten Ausbaustufe mit der Mehrfachumzäunung und der bewuchsfreien Umrandung deutlich erkennen.

Östlich der ehemaligen Munitionslager befindet sich das NATO-Tanklager Huttenheim . Dieses wurde von etwa 1962 bis 1995 betrieben und besteht aus 18 (Lidar Daten) oder 19 erdüberdeckten Lagertanks. Die Tanks wurde durch das Central Europe Pipeline System gefüllt und dienten primär den amerikanischen Einheiten im Raum Mannheim zur Versorgung mit Flug- und Bodenkraftstoffen. Etwa im Jahr 2007 wurde die Tankkraftwagen-Verladestellen entfernt, aber der Rest des Tanklagers wurde baulich nicht verändert. Die durch das Lager verlaufende CEPS ist, Stand 2024, noch in Betrieb. Auf historischen Luftbildern von 1968 lässt sich das Tanklager und einige der Tanks sehr gut erkennen. Seit ca. 2023 gibt es Bestrebungen das Gelände für eine Tiefengeothermiebohrung zu nutzen.

Religionen mini|Sankt-Marien-Kirche, Île-de-Ré-Platz mit Philippus-Brunnen (Aufn. 2005) Philippsburg war aufgrund der Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer überwiegend römisch-katholisch geprägt. Auch heute noch ist der überwiegende Teil der Bevölkerung römisch-katholischen Glaubens. Außerdem war Philippsburg bis 2008 Sitz eines römisch-katholischen Dekanats im Erzbistum Freiburg. Die erste evangelische Kirche wurde 1936 erbaut. Vor allem durch Einwanderung leben heute auch viele Muslime in Philippsburg. Im Stadtgebiet bestehen vier Moscheen und Gebetsräume.Moscheen in Philippsburg Gemäß Zensus 2011 waren 50,3 % der Einwohner Philippsburgs katholisch, 18,4 % evangelisch, 2,2 % christlich-orthodox und 28,5 % gehören keiner oder einer anderen Religionsgemeinschaft an.Zensus 2011: Personen nach Religion für Philippsburg

An die jüdische Bevölkerung erinnert das Kulturdenkmal „Jüdischer Friedhof Philippsburg“.

Einwohnerentwicklung Nach der badischen Volkszählung für 1858 hatte Philippsburg 2236 Einwohner.

Eingemeindungen 50px|Huttenheim 1. Januar 1973: Huttenheim 50px|Rheinsheim 1. Oktober 1974: Rheinsheim

Politik Bürgermeister 1871–1893: Hieronymus Christoph Nopp

?–1945: Oswald Kirchgeßner, genannt „Langschäfter“ 1948–1959: Rudolf Odenwald 1959–1973: Karl Frank 1973–1989: Fritz Dürrschnabel 1989–2005: Jürgen Schmidt seit 2005: Stefan Martus

Gemeinderat Der Gemeinderat hat 22 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Die Gemeinderäte führen die Bezeichnung Stadtrat.Stadt Philippsburg: Hauptsatzung, §3; abgerufen am 6. Juli 2019. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.

Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2024, Stadt Philippsburg; abgerufen am 15. Juni 2024.Ergebnisse der Kommunalwahl 2024 in Philippsburg. In: bnn.de, abgerufen am 15. Juni 2024.

Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU 24,8 % (−7,3) 6 (−1) Unabhängige Liste (ULi) 19,5 % (−5,4) 4 (−2) Freie Wähler 18,8 % (−5,4) 4 (−1) Lokale Demokraten (LDP) 18,6 % (+18,6) 4 (+4) AfD 11,3 % (+11,3) 3 (+3) SPD 5,8 % (−13,0) 1 (−3) Grüne 1,1 % (+1,1) 0 (±0) Wahlbeteiligung: 56,7 % (-2,4)

Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: „In durch silbernen Faden gespaltenem blauen Schild vorne ein durchgehendes geschliffenes silbernes Kreuz, hinten eine silberne Lilie.“Wappen - Symbol für Reinheit und Unschuld auf Philippsburg.de Abgerufen am 21. Februar 2021

Städtepartnerschaften Île de Ré, Frankreich Le Gua (Charente-Maritime), Frankreich Phillipsburg, Kansas (USA) Philippsbourg, Lothringen (Frankreich)

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Bahnhof Durch die Bruhrainbahn (Bruchsal – Germersheim) ist Philippsburg an das überregionale Schienennetz angebunden.

Die Bundesstraße 35 (Germersheim – Illingen) durchquert die Stadt.