mini|hochkant=1.5|UIC-Z-Wagen im chromoxidgrün-elfenbeinfarbenen Originallack, nun bei der ŽRS im Einsatz (2009)
Als UIC-Z-Wagen der DR wird eine Serie von Reisezugwagen der Deutschen Reichsbahn bezeichnet, die überwiegend im Raw Halberstadt, aber auch im VEB Waggonbau Bautzen hergestellt wurde. Diese Wagen wurden je nach dem Herstellerort als „Halberstädter“ bzw. „Bautzener“ Wagen bekannt.
Halberstädter Schnellzugwagen
Bereits 1977 legte das Raw einen Entwurf für die Entwicklung eines sich an den UIC-Z-Vorgaben orientierenden Seitengang-Abteil-Schnellzugwagens vor. Durch das Vorziehen der Bauart Bmhe wurden diese Pläne zunächst aber nicht verwirklicht. Erst 1979, damit mitten in den Bau der Bmhe-Serie hinein, wurde ein erster Prototypwagen der zweiten Klasse vorgestellt. Die Hauptmaße folgten der UIC-Z2-Empfehlung ohne Klimaanlage. Der Wagen hat bei einer Länge von 26,4 Metern und einer Breite von 2825 Millimetern elf Abteile mit je 1903 mm Abstand zwischen den am Wagenende zu findenden Drehfalttüren. Die Fenster waren 1200 Millimeter breit ausgeführt, wobei die Fensterflucht des unteren Rahmens etwas tiefer als bei den UIC-X- und Y-Typen lag und der der DR-Ausführung des UIC-Y-Wagens entsprach.
Die Wagen der Halberstädter Lieferungen bis 1985 und 1987 laufen wie die vorher gebauten Bmhe auf Drehgestellen der Bauart Görlitz V-K mit Klotzbremse für 140 km/h. Die 1986 und ab 1988 gebauten Wagen sowie alle vom Waggonbau Bautzen erhielten scheibengebremste Drehgestelle der Bauart GP 200 für 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, der Einbau der Magnetschienenbremse war jedoch zunächst nur vorbereitet. Die Innenausstattung orientierte sich an den Bmhe- und den Y/B70-Wagen. Damit wurden die gleichen Kunststoffplatten für die Innenwandverkleidung und braunen Sitzbezüge für die Sitze in den Raucher- und roten für die in den Nichtraucherabteilen verwendet. Die Gangtrennwände und Abteiltüren entsprechen den Y/B70-Serienwagen, die Luftheizung ebenfalls. Die gummiwulstgeschützten Wagenübergänge schließen gekuppelte und federbelastet schließende Doppelschiebetüren ab. Die Wagen erhielten von Anfang an den zur selben Zeit für den schnellfahrenden Reiseverkehr eingeführten elfenbein-chromoxidgrünen Anstrich mit rehbraunem Dach. Die Gattungsbezeichnungen lauteten anfangs klassenabhängig Ame, ABme und Bme, 1986 entfiel das Nebenzeichen e. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Nebenzeichen o eingefügt. Es steht dabei für Wagen ohne Klimaanlage und mit weniger als zwölf Abteilen.
Die Halberstädter Serienwagen der Schnellzugbauart
Die ersten sechs Vorserienwagen lieferte das Raw Halberstadt 1982 an die DR ab. Dies waren Wagen der ersten Klasse des Typs Ame. Entgegen der UIC-Z-Richtlinie hatten diese Wagen zehn Abteile der ersten Klasse (statt neun) und keine Klimatisierung erhalten. Die Ausstattung dieser Vorserie orientierte sich ansonsten am Prototyp. Der Abteilmittenabstand war allerdings geändert worden auf 2073 mm bei Ame/ABme-Wagen und 1883 mm bei Bme-Wagen. Entgegen der UIC-Z-Empfehlung waren auch die Fenster nur 1200 Millimeter breit ausgeführt. Diese Wagen entsprechen damit, obwohl der Bauart Z zugerechnet, eher dem UIC-X-Typ und somit weitgehend dem Am-Wagen der DB.
Die Sitze wurden als Einzelsitze mit Armlehnen ausgeführt, somit fanden sechs Reisende in einem Abteil einen Platz. Als Wagenaußenfarbe wurde ein neues Schema verwendet mit elfenbeinfarbenem Fensterband, hellgrünem Bauchspantenbereich, wobei auch der Längsträger in gleicher Farbe gehalten wurde, sowie rehbraunem Dach. Der Kennstreifen für die erste Klasse war in reinorange gehalten.
mini|Halberstädter Abteilwagen der Bauart ABomz512, gebaut als ABme
Dieser Vorserie folgte 1983 eine Hauptserie mit 120 Wagen. Davon waren 110 Wagen als Bauart Ame und zehn Wagen bei gleichem Wagenkasten als gemischtklassige Wagen ABme ausgeführt. Sechs der zehn Abteile wurden mit der Ausstattung der zweiten Klasse versehen. Diese Wagen wurden sofort in internationalen Zügen eingesetzt und setzten Y-Wagen der ersten Klasse frei.
mini|hochkant|Inneneinrichtung eines Bomz520, vormals Bom280
1984 wurde eine Serie von 180 Zweite-Klasse-Wagen des Typs Bme (später Bom280/281) ausgeliefert, die weitgehend dem Prototyp von 1979 entsprach. 22 Wagen hatten Drehgestelle der Bauart GP 200 (ohne Magnetschienenbremse) statt der Bauart Görlitz V erhalten, damit konnten sie für 160 statt 140 km/h zugelassen werden. Die Sitzplätze in den Abteilen wurden durch zwei klappbare Armlehnen gedrittelt, damit waren sie flexibel für sechs oder acht Reisende nutzbar. Im Binnenverkehr außer bei den Städteexpresszügen wurden weiterhin acht Platzkarten pro Abteil verkauft. Die GP-200-Wagen der späteren Lieferungen (später Bom281) hatten aber nur die mittleren Armlehnen für acht Plätze erhalten. Vier Abteile waren für Raucher (mit braunem Kunstleder als Sitzbezug), sieben für Nichtraucher vorgesehen (mit rotem Kunstleder). Der erste Einsatz erfolgte ebenso in Transit- und internationalen Zügen. Daneben kamen 65 Wagen des Typs ABme mit den Görlitz-V-Drehgestellen und zehn Wagen erster Klasse Ame mit GP-200-Drehgestellen an die DR. Zu diesen gesellten sich noch vier Wagen für den DDR-Regierungssonderzug.
Die Lieferung von 1985 beinhaltete 218 Wagen der Bauart Bme (später Bom281) mit Görlitz-V-Drehgestellen und flexibler Sitzplatzzahl. Hinzu kam der Prototyp eines kombinierten Sitz-/Gepäckwagens des Typs BDmsb (späte BDomsb), der ein behindertengerechtes Abteil und eine ebenso ausgeführte Toilette erhielt.
Die Lieferung aus dem Jahr 1986 enthielt 155 Bme (Bom281)-Wagen, die wieder mit GP-200-Drehgestellen ausgestattet waren. 1986 entfiel die Kennzeichnung von Wagen mit elektrischer Heizung mit dem Nebenzeichen „e“.
137 Wagen der zweiten Klasse, davon nur acht mit GP-200-Drehgestellen, lieferte Halberstadt 1987 ab. Darunter war eine Serie von 50 Wagen mit zentraler Energieversorgung (Bmz/Bomz283). Hinzu kamen vier Vorserienwagen der BDmsb-Bauart.
Eine größere Serie mit 76 BDmsb-Wagen wurde 1988 hergestellt. Dazu kamen 57 Wagen der Bauart ABm, alle mit GP-200-Drehgestellen.
Gleich 133 Wagen der Gattung ABm sowie weiter 47 Am-Wagen produzierte das Raw Halberstadt im Jahre 1989. Hinzu kam ein aus einem verunfallten Bm-Wagen hergerichteter Kioskwagen (in der Diktion der Mitropa als „Bufett“ bezeichnet) mit Buffetabteil der Gattung Bmk.
Die größte Serie an neuen Wagen entstand 1990 mit 222 Fahrzeugen. Allein 188 Zweite-Klasse-Wagen Bm/Bom281 gingen in Betrieb, gefolgt von 30 Erste-Klasse-Wagen Am201 sowie drei „Bufett-“ bzw. Kioskwagen aus Unfallwagen.
Die meisten Halberstädter Wagen hatten die grün-beige Standardlackierung der DR. Die Fahrzeuge, die für den Einsatz in Städteexpress-Zügen vorgesehen waren, trugen die typische Städteexpresslackierung mit oranger Bauchspante und grauem Dach. Als Verstärkungswagen wurden auch drei Ame sowie drei Bme mit weinrotem Fensterband und grauer Bauchspante abgeliefert, passend zum Großraumprototypzug (siehe unten).
Die Halberstädter Wagen kamen in fast allen internationalen Schnellzügen zum Einsatz, bei denen die DR den Wagenpark zu stellen hatte.
Als Prototyp wurde noch 1990 ein Wagen der Gattung Bmz (später Bomz236) gebaut, der mit einer völlig neuen Inneneinrichtung nach DB-Norm für den Einsatz in Intercity und Interregio-Zügen gedacht war, aber technisch auf den Bom-Wagen basierte. Er trug die bei der DB damals übliche Interregio-Produktlackierung mit blauem Fensterband und hellerem Begleitstreifen, darunter befand sich eine weiße Bauchspante.
Nach 1989/90
Nach der politischen Wende in der DDR im November 1989 und der deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 stiegen auch die Ansprüche der Fahrgäste in den neuen Ländern, auch das internationale Reisepublikum verlangte nach besserer Ausstattung. Dem wurde dadurch Rechnung getragen, dass die Sitze der letzten Serie statt mit Kunstleder nun mit einem Stoffbezug ausgestattet wurden.
DR-IC-Wagen mini|hochkant|Inneneinrichtung eines Bomz236
Die letzten Schnellzugwagen, die in Halberstadt neu gebaut wurden, waren aber weitere 112 Wagen des Typs Bmz (später in Bomz236 umbenannt). Die Inneneinrichtung unterschied sich – wie schon beim Musterwagen – erheblich von der bisherigen Serie. Statt der festen Sitzbänke kamen nun in jedem Abteil sechs etwas seitlich versetzte Einzelsitze zum Einbau, wodurch Platz für einen zusätzlichen Kindersitz am Fenster und einen Kofferabstellplatz auf der Gangseite gewonnen wurde. In den Gängen wurde nunmehr auch an jedem Fenster ein Notsitz eingebaut. Rund die Hälfte dieser Wagen erhielt den IR-Anstrich, die anderen waren im IC-Schema orientrot-weiß gehalten. Diese Wagen wurden mit Magnetschienenbremse ausgerüstet und für 200 km/h Höchstgeschwindigkeit zugelassen, wofür das GP-200-Drehgestell auch ursprünglich entwickelt worden war. Zusätzlich erhielten diese Wagen verstärkte Übergangstüren mit kleineren Fenstern nach dem Vorbild der Bautzener mit einer zusätzlichen Öffnungshilfe.
Die ersten Einsätze der IR-farbenen Wagen erfolgten in Zügen in die Tschechoslowakei und nach Österreich. Die IC-farbenen Wagen wurden in Nachtzügen Berlin – Köln – Paris sowie in den Schnellzügen Berlin – Leipzig – Nürnberg – München eingesetzt, soweit die DR für die Stellung des Wagenparks verantwortlich war. Die IR-farbenen Wagen wurden ziemlich bald ins IC-Design umlackiert. Mit der Ausdehnung des IC-Netzes der DB in die neuen Bundesländer wurden viele der Bmz-Wagen in westdeutschen Betriebswerken stationiert – im Tausch mit klimatisierten Erste-Klasse-Wagen des IC-Verkehrs, welche in Berlin und Leipzig beheimatet wurden.
Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 wurden die DR-IC-Wagen in CNL-Nachtzügen genutzt. Da die ÖBB-Personenverkehr (die viele Nachtzugleistungen in Deutschland übernahmen) selbst bereits etliche klimatisierte Abteilwagen an andere Bahngesellschaften veräußert haben, erwarben sie die Bom(d)z236 nicht. Die Wagen standen zeitweise auf der Gebrauchtzugplattform der DB zum Verkauf.R2363 / 2369, Bom(d)z Reisezugwagen / Passenger Coach auf db-gebrauchtzug.de Übergangsweise dienen mehrere dieser Reisezugwagen als Ersatzwagen für nicht einsatzfähige Regionalexpress-Wagen auf der Marschbahn.Die DB treibt es bunt – Notverkehr auf der Marschbahn Fotos+Video, drehscheibe-online.de, 11. Dezember 2016
Mehrere Bomz236 gehören zum Wagenpark der BahnTouristikExpress GmbH2 BTE Wagen für Meridian Ersatzverkehr (2 SiBi. aus Nürnberg), drehscheibe-online.de, 4. Dezember 201356 80 21-90 522-5 Bomz in der Reisezugdatenbank auf reisezug-wagen.de, während andere nach Iran verkauft wurden.
Umbau zu IR- und IC-Wagen mini|links|DR-Interregiowagen im Anlieferungszustand, Magdeburg Hbf 22. Mai 1993 mini|Ein auf Basis der Halberstädter Wagen entstandener IC-Steuerwagen in Interregiobauart, Bf München Hbf
Um das in die neuen Bundesländer ausgeweitete Interregio-Netz bedienen zu können, wurden ab 1991 im Raw Halberstadt für die Deutsche Reichsbahn ebenfalls Halberstädter Schnellzugwagen zu Interregio-Wagen umgebaut. Hier bildeten teilweise neuwertige Wagen der DR (Baujahre 1984 bis 1990) der DB-AG-Gattungen Am, Bom und ABom aus Halberstädter Produktion die Grundlage, die mit Drehgestellen der Bauart GP 200 ausgestattet und damit nach Einbau einer Magnetschienenbremse für Geschwindigkeiten bis 200 km/h geeignet waren. Dabei handelt es sich um die Wagengattungen Bimz256 (10 Stück), Bimz259 (238 Stück), ABimz265 (zwei Stück) und Bimdz267 (62 Stück, mit Fahrradabteil). Auch diese und alle folgenden Wagen erhielten die verstärkten Übergangstüren mit Öffnungshilfe.
Beim Umbau erhielten die Wagen neue Seitenwände mit zwölf Fenstern im Fahrgastsitzbereich, was zu einer Verkürzung der teilweise fiktiven Abteile um zehn Zentimeter führte.