mini|hochkant=1.3|Wendelstein, Panorama (Luftaufnahme, 2020) mini|hochkant=1.3|Wendelstein, Sicht von Süden (2023)
Wendelstein (fränkisch: WändlschdaE. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 85. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „węndlšdɒ“.) ist ein Markt im mittelfränkischen Landkreis Roth in Bayern und liegt direkt angrenzend am südlichen Stadtrand Nürnbergs.
Geographie Lage Der Ort liegt etwa 13 km südsüdöstlich des Zentrums der Stadt Nürnberg im Schwarzachtal und ist insbesondere im südöstlichen Gemeindegebiet zu großen Teilen von Wald bedeckt. Zum Gemeindegebiet gehört auch eine ein Quadratkilometer große, unbewohnte Exklave im Lorenzer Reichswald nördlich des ehemaligen MUNA-Geländes.
Die Marktgemeinde wird eingerahmt von den Autobahnen A6 im Westen, von der A73 im Norden und der A9 im Osten. Der Ludwig-Donau-Main-Kanal verläuft im Norden des Hauptortes und durchzieht den Ortsteil Röthenbach b. Sankt Wolfgang.
Gemeindegliederung Der Markt Wendelstein hat 13 Gemeindeteile. Nachstehend eine Aufstellung unter Angabe des Siedlungstyps und der jeweiligen Einwohner:
GemeindeteilSiedlungs- typHauptwohn- sitze (2025)GemeindeteilSiedlungs- typHauptwohn- sitze (2025)DürrenhembachWeiler(s. Sperbersl.)NeusesDorf300ErichmühleEinöde(s. Großsschw.)RaubersriedDorf185Großschwarzen- loheKirchdorf3.882Röthenbach b. Sankt WolfgangPfarrdorf2.594GugelhammerWeilerSorgDorf(s. Großschw.)Kleinschwarzen- loheKirchdorf2.074SperbersloheDorf254KönigshammerEinöde(s. Kleinschw.)WendelsteinHauptort7.407NerrethWeiler(s. Röthenb.)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Forst Kleinschwarzenlohe (Gemarkungsteil 2), Großschwarzenlohe, Kleinschwarzenlohe (Gemarkungsteil 1), Raubersried, Röthenbach bei Sankt Wolfgang und Wendelstein. Die Gemarkung Wendelstein hat eine Fläche von 7,407 km². Sie ist in 4949 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1496,67 m² haben. Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind von Norden aus im Uhrzeigersinn: Nürnberg, Feucht, Schwarzenbruck, Pyrbaum (Opf.), Schwanstetten, Rednitzhembach und Schwabach.
Geschichte
Frühzeit Durch vereinzelte Funde weiß man, dass sich schon in der Steinzeit Menschen in der Gegend des heutigen Wendelsteins aufhielten. Gräberfunde von 1984 belegen eine Besiedelung des Gebietes entlang der Schwarzach in der späten Bronzezeit um 1300 v. Chr.Geschichte Wendelsteins auf der Gemeinde-Website
Ortsgründung Die Entstehung Wendelsteins wird mit der Errichtung der Reichsburg Nürnberg um das Jahre 1040 in Verbindung gebracht. Von Nürnberg aus sei noch im 11. Jahrhundert der Königshof Wendelstein als vorgeschobener Stützpunkt der Nürnberger Reichsburg errichtet worden. An der Furt durch die Schwarzach konnten von Wendelstein aus die Verbindungswege von Nürnberg und Schwabach nach Altdorf und Allersberg überwacht werden.Friedrich Eigler: Schwabach, Seite 263
Der Königshof selbst wurde innerhalb der Schwarzachschleife auf der dortigen Hochterrasse rund um die heutige Kirche St. Georg lokalisiert. Die Stelle des Königshofs mit etwa 100 × 200 m Größe war so gewählt, dass der König auch auf der südlichen Seite des Reichswalds einen festen Platz hatte, von dem aus die Waldnutzung zu kontrollieren war.
Der ursprüngliche Burgname bedeutet Turm mit einer Wendeltreppe.E. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 85.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 240. Nach einer Legende sei der Name jedoch von den Wenden, einem slawischen Volksstamm, abgeleitet.
Wendelstein im Mittelalter Am 6. September 1259 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, als dem Nürnberger Bürger "Arn[oldo] de Wendelsteyn" vom Bamberger Domkapitel das Propsteiamt Fürth verpachtet wurde. In Urkunden des Jahres 1273 und 1282 wird der Ort in den Schreibweisen "Wentelstein" bzw. "Wendelstaine" aufgeführt.Friedrich Eigler: Schwabach, Seite 259 In einer Urkunde vom 22. September 1283 erscheint mit "Heroldus de Wendelstein" erstmals ein Vertreter der ortsansässigen Adelsfamilie, die bis in das Jahr 1482 nachweisbar ist.Friedrich Eigler: Schwabach, Seite 261
Um das Jahr 1300 war das gesamte Reichsamt Wendelstein im Besitz der Nürnberger Burggrafen. Um 1336 kam es zur Teilung des Gerichts, so dass eine Hälfte Wendelsteins die Familie Amman (oder von Wendelstein) und die andere Hälfte eine sich Vogt oder Voigt nennende Familie als Reichslehen erhielten. Im Jahre 1408 wurde dann die Amman-Wendelsteinsche Hälfte und 1417 die Voit'sche Hälfte des Gerichts Wendelstein nochmals geteilt, so dass der Ort vier Grundherrschaften aufwies. 1467 kaufte dann das Neue Spital zum Heiligen Geist in Nürnberg drei dieser Viertel, während der Ansbacher Markgraf von Brandenburg ein Viertel Wendelsteins erwarb.Friedrich Eigler: Schwabach, Seite 262
Die an der Schwarzach liegenden Gemeindeteile Wendelsteins waren von 1505 bis 1806 Grenzorte zwischen den Landgebieten der Reichsstadt Nürnberg und dem Fürstentum Ansbach.
Die erste Erwähnung einer Kirche, vermutlich eine Kapelle, stammt aus dem Jahr 1325. Aus dieser entstand im 14. Jahrhundert die Wehrkirche St. Georg; sehenswert ist der renovierte Dreikönigs-Flügelaltar aus dem Jahr 1510 von Hans Süß von Kulmbach. Es gab am Ort insgesamt sechs HerrenhöfeHerrensitze.com (Giersch/Schlunk/von Haller), von denen drei noch stehen (das „Wendelsteiner Schlösschen“, Kirchenstraße 3, das „Pfinzingschlösschen“, Mühlstraße 9, und das Herrenhaus der „Endterschen Papiermühle“, Fabrikstraße 16, welches 1630 der bedeutende Drucker und Buchhändler Wolfgang Endter (1593–1659) errichten ließ).Wendelstein VI auf herrensitze.com (Giersch/Schlunk/von Haller)
Ab dem 15. Jahrhundert waren Messerer und Klingenschmiede in Wendelstein ansässig.
Das neuzeitliche Wendelstein Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Wendelstein 111 Anwesen, zwei Amtshäuser, ein Schulhaus, eine Gerichtschreiberei, ein Hirtenhaus, eine Hebammenwohnung, ein Pfarrhaus, ein Mesnerhaus und eine Pfarrkirche. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Richteramt Wendelstein aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte zu das Richteramt Wendelstein und zu das Spitalamt Heilig Geist der Reichsstadt Nürnberg inne. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach (Richteramt Wendelstein: 5 Häuser; Gemeinde Wendelstein: 12 Häuser, 2 Halbhäuser; Pfarrei Wendelstein: 2 Tafernwirtschaften, 12 Häuser; Kirchenstiftung Wendelstein: 1 Tafernwirtschaft, 2 Häuser), die Reichsstadt Nürnberg (Spitalamt Hl. Geist: 1 Ganzhof, 1 Halbhof, 1 Gut mit Zapfenwirtschaft, 7 Tafernwirtschaften, 43 Häuser, 2 Hufschmieden, 1 Papiermühle, 1 Klingenschmiede mit Schleifmühle, 1 Schäfershof; 1 ehemaliges Badhaus; Pfinzing-Stiftung: 1 Halbhof, 1 Halbhof mit Tafernwirtschaft, 10 Häuser, 1 Herrenhäuslein, 1 Eisenhammer, 1 Mahlmühle), der Nürnberger Eigenherr von Behaim (3 Häuser).F. Eigler: Schwabach, S. 432 f. Es gab 105 Untertansfamilien, von denen 79 ansbachisch waren.
19. bis 21. Jahrhundert mini|Hafen in Wendelstein Von 1797 bis 1808 unterstand Wendelstein dem Justiz- und Kammeramt Schwabach. 1806 kam der Ort an das Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1808 der Steuerdistrikt Wendelstein gebildet, zu der Zollhaus gehörte. 1818 entstand die Ruralgemeinde Wendelstein, die mit dem Steuerdistrikt deckungsgleich war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Schwabach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Schwabach (1919 in Finanzamt Schwabach umbenannt). Ab 1862 gehörte Wendelstein zum Bezirksamt Schwabach (1939 in Landkreis Schwabach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Schwabach (1879 in Amtsgericht Schwabach umbenannt).F. Eigler: Schwabach, S. 488. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 7,295 km².
Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert siedelten sich Drechsler und Metalldrücker an, der Sandsteinabbau in Wernloch wurde intensiviert. Im Jahre 1843 wurde der Ludwig-Donau-Main-Kanal im Norden von Wendelstein gebaut, 1886 wurde der Hafen Wendelstein zusätzlich mit der Bahnstrecke Feucht–Wendelstein erschlossen.
Im Jahre 1886 nahm die Bahnstrecke Feucht–Wendelstein den Betrieb auf, 1955 wurde der Personenverkehr eingestellt. Mit der Beendigung des Güterverkehrs 1960 wurden die Gleise abgebaut.
Historische Einwohnerzahlen Ort Wendelstein (= Gemeinde Wendelstein bis zur Gebietsreform) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 Einwohner 1137 1114 1343 1285 1310 1255 1263 1339 1347 1394 1433 1718 1600 1600 1628 1520 1640 1801 1985 2605 2827 2745 2960 4735 5642 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2022 als Wohngebäude. 160 145 175 192 203 210 226 299 472 1546 Quelle Im Historischem Gemeindeverzeichnis werden abweichend 1307 Einwohner für die Gemeinde angegeben.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1971 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Raubersried eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen Röthenbach, Groß- und Kleinschwarzenlohe mit ihren Gemeindeteilen dazu.
Einwohnerentwicklung Dargestellt wird hier die summarische Entwicklung der Hauptwohnsitze aller heutigen Ortsteile Wendelsteins. Zwischen 1987 und 2025 wuchs die Einwohnerzahl des Marktes Wendelstein von 13.809 auf 16.696 um 2.887 Einwohner bzw. um 20,9 %.
Quellen: 1840–2015 / 2020–2024 / 2025
Gebäudeverteilung Gebäude- und Wohnungsbestand am 31.12.2024Anzahl der Wohngebäude4.975Anteil der Gebäude mit 1 Wohnung77,0 %Anteil der Gebäude mit 2 Wohnungen11,5 %Anteil der Gebäude mit 3 oder mehr Wohnungen11,5 %Anzahl der Wohnungen in Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden7.989Durchschnitt Einwohner je Wohnung2,06Durchschnittl. Wohnfläche je Wohnung110,3 m²
Politik
Marktgemeinderat mini|Neues Rathaus Wendelstein Der Marktgemeinderat besteht aus 24 Mitgliedern. Bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 führte das Ergebnis zu folgender Sitzverteilung: Partei CSU SPD Grüne FW FDPAFDGesamt2026105321324 Sitze 2020 11 6 4 2 1–24 Sitze201411922––24 Sitze
Bürgermeister Seit Mai 2008 ist Werner Langhans (CSU) Bürgermeister. Er wurde bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 mit 57,3 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt. Auf die Mitbewerber entfielen
Maximilian Lindner (SPD) 27,5 % Carolin Töllner (Grüne) 8,7 % Stefan Stromberger (FDP) 6,5 %
Gemeindepartnerschaften Seit 2001 bestehen Gemeindepartnerschaften mit Saint-Junien, Frankreich und Żukowo, Polen.Städtepartnerschaften Wendelstein, abgerufen am 12. Januar 2015
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot.
Mittelzentrum mini|hochkant|Gedenkstein Mittelzentrum
Die Marktgemeinden Feucht und Wendelstein sowie die Gemeinde Schwarzenbruck bilden zusammen ein Mittelzentrum. Hier sind Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung, weiterführende Schulen (z. B. Gymnasien und Realschulen) sind hiernach vor allem in Mittel- und Oberzentren anzusiedeln. Auch bei der Standortwahl für staatliche Behörden gilt dieses. Am 13. Juli 2018 wurde zur Erhebungsfeier von Markus Söder ein Gedenkstein am Alten Kanal eingeweiht. Am Standort befinden sich Informationstafeln der Gemeinden.
Wirtschaft und Verkehr Wirtschaft Es gibt drei ausgewiesene Industriegebiete in den Gemeindeteilen Wendelstein und Röthenbach bei Sankt Wolfgang. Zum Gemeindegebiet gehört auch ein Teil des Gewerbeparks Nürnberg-Feucht (die anderen Teile gehören zur Stadt Nürnberg und zum Markt Feucht) und ein kleinerer Teil der Autobahnraststätte Nürnberg/Feucht (der größere Teil gehört zur Gemeinde Schwarzenbruck). Nicht zum Gemeindegebiet gehört der Forst Kleinschwarzenlohe, der gemeindefreies Gebiet ist.
Verkehr