Antonio Conte (* 31. Juli 1969 in Lecce) ist ein italienischer Fußballtrainer und ehemaliger ‑spieler.

Spielerkarriere Im Verein Antonio Conte begann seine Karriere in seiner Geburtsstadt bei der US Lecce, für die er am 6. April 1986 mit 16 Jahren beim 1:1 gegen Pisa Calcio unter Eugenio Fascetti sein Serie-A-Debüt absolvierte.

Im Jahr 1991 wechselte Conte zu Juventus Turin. Mit Juventus gewann er u. a. fünf italienische Meisterschaften und in der Saison 1995/96 unter Marcello Lippi die Champions League. Conte war jahrelang Stammspieler und Kapitän der Mannschaft. Im Jahr 2004 beendete er seine Karriere bei Juventus.

Nationalmannschaft Conte debütierte am 27. Mai 1994 beim 2:0-Sieg gegen Finnland in der italienischen Nationalmannschaft. Er nahm mit der Mannschaft an der Weltmeisterschaft 1994 in den USA und der Europameisterschaft 2000 in den Niederlanden und in Belgien teil.

Bei der WM 1994 absolvierte Conte unter Trainer Arrigo Sacchi zwei Partien und musste sich mit seiner Mannschaft im Finale Brasilien geschlagen geben, die mit 3:2 nach Elfmeterschießen gewannen.

Die EM 2000 schloss der Mittelfeldspieler mit den Azzurri nach der 1:2-Niederlage gegen Frankreich ebenfalls als Zweiter ab. Bei diesem Turnier erzielte er im Gruppenspiel gegen die Türkei ein Tor per Fallrückzieher, das von den Zuschauern der Sportschau zum Tor des Monats gewählt wurde.

Das letzte seiner insgesamt 20 Länderspiele absolvierte Conte am 24. Juni 2000 beim EM-Viertelfinale gegen Rumänien.

Titel als Spieler (alle mit Juventus Turin) International Champions-League-Sieger: 1996 UEFA-Cup-Sieger: 1993 Weltpokalsieger: 1996 UEFA-Super-Cup-Sieger: 1996

Italien Meister (5): 1995, 1997, 1998, 2002, 2003 Pokalsieger: 1995 Supercupsieger (4): 1995, 1997, 2002, 2003

Trainerkarriere Anfänge in der Heimat Nach seinem Rücktritt als aktiver Fußballer arbeitete Conte in der Saison 2005/06 als Assistenztrainer von Luigi De Canio bei der AC Siena. Im Juli 2006 wurde er Trainer der AC Arezzo in der Serie B. Der Verein startete wegen des italienischen Fußball-Skandals 2005/06 mit sechs Minuspunkten in die Saison 2006/07 und holte nur fünf Punkte aus den ersten neun Saisonspielen. Conte wurde am 31. Oktober 2006 entlassen. Am 13. März 2007 wurde er als Nachfolger von Maurizio Sarri erneut engagiert, erreichte mit 27 Zählern aus 15 Partien eine deutlich bessere Punkteausbeute als noch in seiner ersten Amtszeit und verpasste mit der Mannschaft den Klassenerhalt nur knapp. Am Saisonende verließ er den toskanischen Klub wieder.

Von dem 28. Dezember 2007 bis zum 23. Juni 2009 war er Trainer der AS Bari. Er wurde trotz des Aufstiegs 2008/09 in die Serie A entlassen, nachdem er als Kandidat für den Trainerposten bei Juventus Turin gehandelt worden war, den Ciro Ferrara übernahm. Grund für seine Entlassung waren Unstimmigkeiten zwischen Conte und der Klubführung bezüglich der Kaderplanung für die folgende Saison.

Am 21. September 2009 wurde er als Nachfolger von Angelo Gregucci Trainer von Atalanta Bergamo, die mit vier Niederlagen in die Serie A 2009/10 gestartet waren. In den ersten fünf Partien unter Conte blieb Atalanta ungeschlagen und holte neun Zähler. In den folgenden acht Partien folgten aber nur noch ein Sieg, ein Unentschieden und sechs Niederlagen. Aufgrund dieser Ergebniskrise auf den vorletzten Platz abgerutscht, trat Conte am 7. Januar 2010 nach einer 0:2-Heimniederlage gegen den SSC Neapel zurück. Am 23. Mai 2010 wurde er als Nachfolger von Alberto Malesani Cheftrainer der AC Siena. Er unterzeichnete einen auf zwei Jahre befristeten Vertrag. Mit der AC Siena stieg er als Tabellenzweiter der Serie B 2010/11 in die erste Liga auf.

Juventus Turin Am 31. Mai 2011 unterzeichnete Conte einen Vertrag bei Juventus Turin als Nachfolger von Luigi Delneri. Der Verein hatte schwierige Jahre hinter sich; er bekam aufgrund des Calciopoli-Skandals die Meisterschaften 2005 und 2006 aberkannt und musste infolgedessen zwangsabgestiegen, konnte als Zweitligameister der Saison 2006/07 direkt wiederaufsteigen und hatte sich in den darauffolgenden vier Spielzeiten mit den Platzierungen 3, 2, 7 und 7 in der oberen Tabellenhälfte etablieren können.

In Contes erster Saison, der Serie A 2011/12, wurde seine Mannschaft ungeschlagen italienischer Meister und zog ins Finale der Coppa Italia 2011/12 ein, das man gegen den SSC Neapel mit 0:2 verlor.

Im Mai 2012 wurde Contes Wohnung von der Polizei durchsucht und Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts auf Mitwisserschaft an Spielbetrug während seiner Zeit bei der AC Siena eingeleitet. Am 10. August 2012 wurde er für zehn Monate, also bis zum Ende der Spielzeit 2012/13, gesperrt, da er als Trainer von Siena Bestechungsversuche von zwei Serie-B-Spielen nicht an den Verband weitergeleitet hatte. Auch Contes Co-Trainer Angelo Alessio wurde zu einer achtmonatigen Sperre verurteilt. Am 22. August 2012 wurde das Urteil vom Bundesgericht des italienischen Verbandes bestätigt. Am 5. Oktober verfügte das Schiedsgericht des italienischen Nationalen Olympischen Komitees TNAS in Rom eine Reduzierung der Sperre für Conte von zehn auf vier Monate, die damit am 8. Dezember 2012 endete.

In der Saison 2012/13 verteidigte seine Mannschaft den Meistertitel erfolgreich. In der UEFA Champions League 2012/13 scheiterte man im Viertelfinale am FC Bayern München. In der Saison 2013/14 gelang der dritte Meistertitel in Folge, die Punktzahl von 102 stellte einen Rekord dar. In der Königsklasse als Gruppendritter in die UEFA Europa League 2013/14 abgestiegen, konnte der italienische Rekordmeister in dem Wettbewerb bis ins Halbfinale vorstoßen, unterlag jedoch Benfica Lissabon und verpasste somit das Finale im heimischen Juventus-Stadion. Contes Vertrag wurde am 15. Juli 2014 einvernehmlich aufgelöst.

Italienische Nationalmannschaft Am 14. August 2014 wurde Conte neuer Cheftrainer der italienischen Nationalmannschaft. Mit der Squadra Azzurra qualifizierte er sich durch einen 3:1-Auswärtssieg am vorletzten Spieltag gegen Aserbaidschan vorzeitig für die Fußball-Europameisterschaft 2016,Italien löst EM-Ticket. In: Sport1.de, abgerufen am 5. April 2016 bei der er mit seiner Mannschaft im Viertelfinale gegen Deutschland im Elfmeterschießen ausschied. Danach beendete er seine Arbeit als Nationaltrainer. In: fifa.com

FC Chelsea Ab der Saison 2016/17 war Conte Cheftrainer beim englischen Erstligisten FC Chelsea. Er unterschrieb im April 2016 einen bis 2019 laufenden Vertrag und löste Guus Hiddink ab.Conte appointed. In: chelseafc.com, abgerufen am 4. April 2016 Nachdem er sein neues Amt angetreten hatte, machte Conte sich daran, den Kader an seine Vorstellungen anzupassen. Dafür überzeugte er persönlich den mit Leicester City kurz zuvor zum Meister gewordenen französischen Mittelfeldspieler N’Golo Kanté, sich dem FC Chelsea anzuschließen. Auch setzte sich Conte für eine Verpflichtung des spanischen Verteidigers Marcos Alonso von der AC Florenz ein. Zudem war es Conte möglich, den bei Chelsea unzufriedenen Diego Costa zu einem Verbleib und gegen eine Rückkehr zu seinem Ex-Verein Atlético Madrid zu überzeugen. Alle drei Spieler waren im Verlauf der Saison Schlüsselspieler von Contes Mannschaft.

Die Saison startete zunächst holprig. Knappe Siege über West Ham United und den FC Watford an den ersten zwei Spieltagen sowie ein 2:2 gegen Swansea City am vierten machten Conte zu schaffen, der seine Spieler nach einer 1:2-Niederlage gegen den FC Liverpool an der Stamford Bridge am fünften Spieltag in die Pflicht nahm, an sich zu arbeiten. Trotz dieser Ansage ging auch das nächste Spiel verloren. Mit 0:3 verlor das Conte-Team auswärts gegen den FC Arsenal und Arsène Wenger. Im Anschluss an diese zweite Niederlage in Folge gelang es Conte, das Ruder herumzureißen. Aus den restlichen 32 Ligaspielen gewann Chelsea 27, zwei Partien endeten Unentschieden und drei Partien wurden verloren, sodass schlussendlich mit 93 Zählern die sechste Meisterschaft der Vereinsgeschichte erreicht wurde. Wichtigster Impuls für den überraschenden Kurswechsel war hierbei seine Entscheidung, bei den Blues auf eine Dreierkette in der Abwehr zu setzen, welche er schon erfolgreich bei Juventus Turin und der italienischen Nationalmannschaft angewendet hatte. Erstmals hinterfragt hatte Conte sein bisheriges Spielsystem mit Viererkette nach der Heimpleite gegen Liverpool, bevor die Auswärtsniederlage gegen die Gunners den Ausschlag für seine Entscheidung zur Umstellung vom 4-3-3 auf ein 3-4-3 gegeben hatte.

„Against Arsenal this game was frustrating for me – I didn't see nothing of my work, my idea of football in that moment […] I [took] the responsibility to change the system and I think it was the key moment for us. Every single player found in this system the best of themselves.“

„Die Partie gegen Arsenal war frustrierend für mich – ich habe in diesem Moment nichts von meiner Arbeit, meiner Vorstellung von Fußball gesehen […] Ich übernahm die Verantwortung dafür, das System zu verändern, und ich denke, das war der Schlüsselmoment für uns. Jeder einzelne Spieler hat in diesem System das Beste aus sich herausgeholt.“

– Antonio Conte

Auf die Niederlage gegen die Gunners und den damit einhergehenden Systemwechsel folgte eine monatelange Siegesserie – inklusive einem 4:0-Heimsieg über Manchester United und einen 3:1-Auswärtssieg über Manchester City – in deren Rahmen Chelsea am 17. Dezember nach einem 1:0-Triumph über Crystal Palace einen neuen Vereinsrekord für die meisten Ligasiege in Folge aufstellte und nach einem 4:2-Erfolg über Stoke City am 31. Dezember den Ligarekord von 13. Siegen in Folge des FC Arsenal einstellte. Im Verlauf der Siegesserie tat sich insbesondere der durch Contes System von Abwehraufgaben befreite Eden Hazard hervor, der nach einer schwachen Saison zuvor stark aufspielte. Zu ihrem Ende kam die Erfolgsserie der Mannschaft durch eine 0:2-Niederlage am 20. Spieltag gegen den von Mauricio Pochettino gecoachten Erzrivalen Tottenham Hotspur, der sich im weiteren Verlauf der Saison zum ärgsten Verfolger der Blues entwickelte. Trotz Ende der Siegesserie blieben die Leistungen weiterhin konstant gut und erst Anfang April, am 29. Spieltag, mit mittlerweile 69 Punkten und zehn Zählern mehr als die zweitplatzierten Spurs, kassierte das Conte-Team wieder eine Niederlage. Zuhause verlor man mit 1:2 gegen Crystal Palace. Darauf folgte ein 2:1-Heimsieg über Manchester City und Pep Guardiola. Die letzte Niederlage in der Meisterschaft folgte am 32. Spieltag. Mit 0:2 verlor man auswärts gegen Manchester United und José Mourinho. Nach der Enttäuschung gegen die Red Devils verkündete Conte: „Manchester United hat den Sieg verdient, weil sie mehr Willen, mehr Motivation und mehr Ehrgeiz gezeigt haben, dieses Spiel zu gewinnen. […] Die Meisterschaft ist nicht durch. Tottenham ist in großartiger Form und spielt mit großer Begeisterung, aber wir spielen eine großartige Saison und müssen versuchen, dieses Ziel zu erreichen […] Wir sind als Außenseiter gestartet und es wird nicht einfach sein.“ Auf diese Mahnung folgte eine weitere Siegesserie, durch die die Mannschaft drei Spieltage vor Saisonende im Anschluss an einen 1:0-Triumph über West Bromwich Albion als englischer Meister feststand. Neben dem Gewinn der Meisterschaft spielten Contes Schützlinge auch im FA-Cup eine erfolgreiche Kampagne. Nach Siegen über u. a. die Wolverhampton Wanderers, Manchester United und Tottenham Hotspur der Einzug ins Endspiel. Im Finale im Londoner Wembley-Stadion traf man auf den FC Arsenal. Die Partie gegen die Gunners endete enttäuschend mit 1:2, womit der Gewinn des Doubles verpasst wurde. Nach Saisonende erhielt Conte für die starken Leistungen seiner Mannschaft die Auszeichnung des Premier League Manager of the Season.