zentriert|350px|Schlacht bei Waterloo, Gemälde von William Sadler Mit der Niederlage in der Schlacht bei Waterloo endet Napoleons Herrschaft der 100 Tage. zentriert|350px|Delegierte des Wiener Kongresses in einem zeitgenössischen Kupferstich (koloriert) von Jean Godefroy nach dem Gemälde von Jean-Baptiste Isabey Auf dem Wiener Kongress wird die europäische politische Landschaft neu geordnet. zentriert|350px|Geschätzte Ascheniederschläge während des Ausbruchs 1815, die roten Bereiche zeigen die Dicke der Niederschläge an, der äußerste Bereich entspricht dabei einem Zentimeter Vulkanasche Der Ausbruch des Vulkans Tambora ist die größte aufgezeichnete Eruption in der Geschichte und löst im folgenden Jahr das „Jahr ohne Sommer“ aus. 1815 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1263/64 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1807/08 (10./11. September) Bengalischer Solarkalender 1220/21 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2358/59 (südlicher Buddhismus); 2357/58 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 75. (76.) Zyklus Jahr des Holz-Schweins 乙亥 (am Beginn des Jahres Holz-Hund 甲戌) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1177/78 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4148/49 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1193/94 Islamischer Kalender 1230/1231 (Jahreswechsel 2./3. Dezember) Jüdischer Kalender 5575/76 (4./5. Oktober) Koptischer Kalender 1531/32 (10./11. September) Malayalam-Kalender 990/991 Seleukidische Ära Babylon: 2125/26 (Jahreswechsel April) Syrien: 2126/27 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1871/72 (April)

mini|links|Napoleon Rückkehr von Elba, Gemälde von Carl von Steuben Im Jahr 1815 gelingt es Napoleon Bonaparte ein letztes Mal, die europäischen Herrscherhäuser in Unruhe zu versetzen. Nach seiner Flucht von Elba dauert seine neuerliche Herrschaft in Frankreich allerdings nur wenig mehr als 100 Tage, bevor seine Armee am Ende des Sommerfeldzuges von 1815 in der Schlacht bei Waterloo endgültig besiegt und er selbst in die Verbannung nach St. Helena im Südatlantik geschickt wird.

Auf dem Wiener Kongress bemühen sich die Großmächte inzwischen, die politische Landkarte Europas neu zu ordnen. Unter der Leitung des österreichischen Außenministers Fürst Klemens von Metternich beraten in Wien politisch bevollmächtigte Vertreter aus rund 200 europäischen Staaten, Herrschaften, Körperschaften und Städten. Die Gastgeber bemühen sich, den Aufenthalt der Kongressteilnehmer möglichst angenehm zu gestalten. Viele Teilnehmer zeigen sich von der Prachtentfaltung, der Abfolge geselliger Ereignisse, Bälle und sonstiger Vergnügungen beeindruckt, beklagen aber auch die politische Unbeweglichkeit.

mini|links|hochkant|Deutscher Bund 1815–1866 Schließlich werden mit der Unterzeichnung der abschließenden Kongressakte der Deutsche Bund gegründet, der internationale Sklavenhandel geächtet und die konservative Heilige Allianz geschlossen, ein entscheidender Bestandteil des neu entstehenden Metternich’schen Systems in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damit beginnt ein Zeit der Restauration in Europa, die Jahrzehnte später in den deutschen Ländern politisch als Vormärz bekannt wird und kulturell mit dem sogenannten Biedermeier einhergeht.

Am anderen Ende der Welt, auf der kleinen Sundainsel Sumbawa bricht in diesem Jahr der Vulkan Tambora aus und fordert insgesamt etwa 100.000 Todesopfer. Der Vulkanausbruch ist die größte in geschichtlicher Zeit beobachtete Eruption. Die Ascheniederschläge erreichen einen Radius von 1300 Kilometern, verdunkeln im Umkreis von bis zu 600 Kilometern den Himmel zwei Tage lang fast vollständig und verursachen im Folgejahr auf der Nordhalbkugel einen vulkanischen Winter, der in Europa Hungersnöte verursacht, das sogenannte „Jahr ohne Sommer“.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Napoleonische Kriege und Wiener Kongress

mini|links|Napoleon verlässt Elba, Gemälde von Joseph Beaume 26. Februar: Napoleon Bonaparte verlässt Elba. Die Herrschaft der Hundert Tage beginnt. 1. März: Der Verbannung auf Elba entflohen landet Napoleon Bonaparte mit rund 1.000 Mann bei Cannes, um sich auf den Weg nach Paris zu machen. Er beginnt die Armee der Hundert Tage um sich zu sammeln. 5. März: Marschall Michel Ney erhält den Auftrag, Napoleon zu verhaften. Beim Zusammentreffen wenige Tage später läuft er mit seinen Truppen zu Napoleon über. 16. März: König Ludwig XVIII. hält eine leidenschaftliche Rede vor der Abgeordnetenkammer im Palais Bourbon, dass er lieber an der Spitze seiner Armee sterben werde, als zu fliehen. Drei Tage später flieht er aus Paris. 20. März: Napoleon marschiert im Pariser Palais des Tuileries ein. 5. April: Preußen nimmt die besetzten Rheinlande per Erlass in Besitz. 6. April: Nach dem Ende der Herrschaft Napoleons wird Genf als 22. Kanton wieder Teil der Schweizerischen Eidgenossenschaft. 30. April: Friedrich Wilhelm III. verfügt auf dem Wiener Kongress die Einteilung Preußens in zehn Provinzen.

2./3. Mai: In der Schlacht bei Tolentino, der entscheidenden Schlacht im Österreichisch-Neapolitanischen Krieg zwischen dem napoleonischen Königreich Neapel, regiert von Joachim Murat, und dem Kaisertum Österreich, siegen die Österreicher unter Vinzenz Ferrerius von Bianchi und Johann Friedrich von Mohr. 3. Mai: Österreich, Preußen und Russland errichten vertraglich die Republik Krakau. 20. Mai: Mit dem Vertrag von Casalanza wird das Königreich beider Sizilien unter der Herrschaft von Ferdinand I. errichtet. 22. Mai: Der sächsische König Friedrich August I. verzichtet auf das Herzogtum Warschau und entbindet die polnischen Untertanen von ihrem Treueeid. Der König steht als Verbündeter Napoleon Bonapartes nach den Befreiungskriegen auf der Verliererseite. 8. Juni: Auf dem Wiener Kongress wird die Deutsche Bundesakte beschlossen. Mit der Unterzeichnung durch Bevollmächtigte von 39 Staaten am 10. Juni erfolgt die Gründung des Deutschen Bundes, deren zentrale Ziele „die Sicherheit und Unabhängigkeit Deutschlands, und die Ruhe und das Gleichgewicht Europas“ sind.

mini|links|Karte Europas nach dem Wiener Kongress 9. Juni: Der Wiener Kongress, auf dem Europa politisch neu geordnet worden ist, endet mit der Unterzeichnung der Kongressakte. Der Papst als Oberhaupt des Kirchenstaates und Spanien lehnen darin getroffene inhaltliche Festlegungen ab. Brasilien wird unabhängiges, mit Portugal nur noch durch Personalunion verbundenes Königreich. 9. Juni: In Norditalien wird durch die Wiener Kongressakte das Königreich Lombardo-Venetien geschaffen, dessen König in Personalunion der jeweilige Kaiser von Österreich wird. Es folgt auf das napoleonische Königreich Italien, dessen Gesetze fortgelten. 12. Juni: In Jena wird die Urburschenschaft, die erste deutsche Burschenschaft, gegründet. 14. Juni: Napoleon erreicht für die Alliierten überraschend die niederländische Grenze und beginnt den Sommerfeldzug von 1815.

15. Juni: Der Ball der Herzogin von Richmond in Brüssel findet am Vorabend der Schlacht bei Quatre-Bras statt 16. Juni: In Belgien gelingt Napoleon in der Schlacht bei Ligny sein letzter Sieg. 18. Juni: In der Schlacht bei Waterloo wird Napoleon endgültig geschlagen. 19. Juni: Einen Tag nach der Schlacht bei Waterloo endet mit der Schlacht bei Wavre der letzte Kampf der Napoleonischen Kriege. Zwar tragen die Franzosen einen taktischen Sieg davon, doch haben die unterlegenen preußischen Einheiten strategisch ein mögliches Eingreifen der Franzosen in Waterloo verhindert. 22. Juni: Napoleon dankt endgültig ab und wird auf die Insel St. Helena verbannt. Die Zweite Restauration in Frankreich beginnt. 7. August: In der Schweiz tritt der Bundesvertrag endgültig in Kraft.

mini|links|Das Longwood House, Napoleons Aufenthaltsort während der Verbannung 8. August: Napoleon Bonaparte besteigt mit seinen Begleitern das Schiff, das sie zum Verbannungsort St. Helena bringen wird. 12.–22. August: Bei den Parlamentswahlen in Frankreich erhalten die Royalisten 75 % aller Mandate. Die Wahl bedeutet eine neue Welle des sogenannten Weißen Terrors gegen Anhänger Napoleons. 26. September: Gründung der Heiligen Allianz. 13. Oktober: Der Bourbonenherrscher Ferdinand IV. von Sizilien lässt Joachim Murat, seinen Vorgänger als König von Neapel, Napoleon Bonapartes Schwager, standrechtlich erschießen. 20. November: Zweiter Pariser Frieden mit Preußen, Kaisertum Österreich, Russland und Großbritannien. 7. Dezember: Der wegen Hochverrats zum Tode verurteilte französische Marschall Michel Ney erteilt seinem Erschießungskommando den Feuerbefehl. Luxemburg wird zum Großherzogtum erhoben. Anerkennung der immerwährenden Neutralität der Schweiz und Eintritt der Kantone Genf, Neuenburg und Wallis in die Schweizerische Eidgenossenschaft. Das Herzogtum Lauenburg wird in Personalunion mit Dänemark verbunden.

Britisch-Amerikanischer Krieg

8. Januar: US-Milizionäre unter Andrew Jackson bezwingen in der Schlacht von New Orleans ein britisches Invasionsheer unter Sir Edward Michael Pakenham. Damit endet der so genannte „Krieg von 1812“. 15. Januar: Vier britische Kampfschiffe erbeuten die President, eine schwere Fregatte der United States Navy.

Weitere Ereignisse weltweit

23. April: Der zweite serbische Aufstand mit Miloš Obrenović gegen die Türken beginnt. 16. Dezember: Die bisherige portugiesische Kolonie Brasilien wird zum Königreich erklärt und damit dem Mutterland Portugal gleichgestellt und das Vereinigte Königreich von Portugal, Brasilien und den Algarven gegründet. Die brasilianische Unabhängigkeitsbewegung erreicht damit einen wichtigen Meilenstein. Der Statthalter von Algier erklärt den USA den Krieg. Der zweite Barbareskenkrieg beginnt. Abschaffung der Leibeigenschaft in Estland

Wirtschaft

3. Februar: In der Schweiz beginnt die kommerzielle Käseverwertung durch die neu gegründete genossenschaftliche Dorfkäserei in Kiesen.

Wissenschaft und Technik Rurik-Expedition

30. Juli: Die russische Brigg Rurik verlässt Kronstadt zu einer dreijährigen Weltumsegelung unter dem Kommando Otto von Kotzebues. An Bord sind unter anderem auch der Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso und der Zeichner Ludwig Choris sowie die Naturforscher Johann Friedrich Eschscholtz und Morten Wormskjold. Ziel der mit wohlwollender Unterstützung des Zaren Alexander I. durch den russischen Grafen Nikolai Petrowitsch Rumjanzew ausgerüsteten und finanzierten Expedition ist vor allem Entdeckung und Erkundung der Nordwestpassage. Nach einem ersten kurzen Aufenthalt in Kopenhagen geht es weiter nach Plymouth, um sich dort für die lange Atlantiküberquerung zu rüsten. Ein mehrtägiger Aufenthalt auf Teneriffa ermöglicht den Naturforschern erste Erkundungstouren in einer ihnen neuen Welt. Schließlich erreicht die Rurik am 12. Dezember die Insel Santa Catarina vor Brasilien und legt bei Florianópolis an. Über das Kap Hoorn soll die Expedition schließlich den Pazifik erreichen.

Sonstiges

6. November: In Wien wird das k. k. Polytechnische Institut, die heutige Technische Universität Wien, eröffnet. Erster Direktor wird Johann Joseph von Prechtl.

Kultur

2. März: Die Uraufführung der komischen Oper Die Prinzessin von Cacambo von Peter Joseph von Lindpaintner erfolgt in München.

mini|Giacomo Pregliasco: Isabella Colbran als Elisabetta 4. Oktober: Die Oper Elisabetta regina d’Inghilterra von Gioachino Rossini wird am Teatro San Carlo in Neapel mit großem Erfolg uraufgeführt. Das Libretto stammt von Giovanni Schmidt und basiert auf dem Theaterstück Il paggio di Leicester von Carlo Federici nach dem Roman The Recess von Sophia Lee. Isabella Colbran singt die Titelrolle. 30. November: Die Uraufführung der Oper Der Herr und sein Diener von Conradin Kreutzer findet in Stuttgart statt.