mini|links|hochkant|Der Deutsche Bund 1815–1866
zentriert|350px|Szene aus der kriegsentscheidenden Schlacht von Königgrätz; von Georg Bleibtreu Die Schlacht bei Königgrätzentscheidet den Deutschen Krieg zugunsten Preußens. zentriert|162px|Anton Romako: Admiral Tegetthoff in der Seeschlacht von Lissa Admiral Wilhelm von Tegetthoff besiegt die Regia Marina in der Seeschlacht von Lissa. zentriert|178px|Carol I. von Rumänien Karl von Hohenzollern-Sigmaringen wird Fürstvon Rumänien. 1866 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1314/15 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1858/59 (10./11. September) Baha'i-Kalender 22/23 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1271/72 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2409/10 (südlicher Buddhismus); 2408/09 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr des Feuer-Tigers 丙寅 (am Beginn des Jahres Holz-Büffel 乙丑) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1228/29 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4199/4200 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1244/45 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1282/83 (15./16. Mai) Jüdischer Kalender 5626/27 (9./10. September) Koptischer Kalender 1582/83 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1041/42 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1281/82 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2176/77 (Jahreswechsel April) Syrien: 2177/78 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1922/23 (April) Im Jahr 1866 wird die seit dem Wiener Kongress im Großen und Ganzen unveränderte politische Landkarte in Deutschland neu geordnet. Nach dem Sieg Preußens im Deutschen Krieg werden einige seiner Kriegsgegner annektiert, andere werden zu Bündnissen gezwungen. Der seit 1815 bestehende Deutsche Bund wird aufgelöst und stattdessen der Norddeutsche Bund unter preußischer Führung gegründet. Das in der Schlacht bei Königgrätz vernichtend geschlagene Kaisertum Österreich muss trotz des Sieges in der Seeschlacht bei Lissa Gebiete an das mit Preußen verbündete Italien abtreten.
Im Fürstentum Rumänien wird der erste Fürst Alexandru Ioan Cuza gestürzt und durch den Deutschen Karl Eitel Friedrich, den Sohn des Fürsten Karl Anton zu Hohenzollern-Sigmaringen ersetzt, der als Carol I. den rumänischen Thron besteigt.
Nach dem Ende des Sezessionskrieges greifen die Vereinigten Staaten unter Präsident Andrew Johnson im Sinne der Monroe-Doktrin intensiver in den Konflikt zwischen dem von französischen Truppen unterstützten Kaiserreich Mexiko unter Maximilian I. und der republikanischen Opposition unter Benito Juárez ein. Frankreich und Österreich werden aufgefordert, die Interventionstruppen aus Mexiko abzuziehen. Bis auf einige wenige Freiwilligenkorps verlassen daraufhin die ausländischen Einheiten das Land, was die Situation für Maximilian und seine Gattin Charlotte von Belgien bis zum Jahresende hoffnungslos macht.
ChronologieAndauernde Ereignisse Französische Intervention in Mexiko (seit 1861) Rotativismo in Portugal (seit 1856) Nian-Aufstand (seit 1853) gegen die Qing-Dynastie in China (seit 1644) Bakumatsu (seit 1853) der Edo-Zeit in Japan (seit 1603) Zweites Kaiserreich in Frankreich (seit 1852) Gründerzeit in Deutschland und Österreich (seit etwa 1840) Tanzimat-Reformen im Osmanischen Reich (seit 1839) Viktorianisches Zeitalter in Großbritannien (seit 1837)
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Rumänien
mini|links|hochkant|Französische Karikatur zur Thronbesteigung des Ausländers Karl von Hohenzollern 23. Februar: Eine konspirative Gruppe von Militärs dringt in den Palast des reformorientierten ersten Fürsten von Rumänien Alexandru Ioan Cuza ein und zwingt diesen zur Abdankung. In den folgenden Tagen wird er über die Grenze außer Landes geschafft. Ion Ghica löst mit einer provisorischen Regierung Nicolae Crețulescu als Ministerpräsident ab. Dieser versucht zunächst, den Bruder des belgischen Königs Leopold II., Philipp von Flandern, zum Fürsten einzusetzen, der jedoch ablehnt. Die Wahl fällt daraufhin nach einer Empfehlung Napoleons III. auf Karl Eitel Friedrich, den Sohn des Fürsten Karl Anton zu Hohenzollern-Sigmaringen. 20. April: Nach einer positiven Volksabstimmung wird Karl Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen zum neuen Fürsten von Rumänien gewählt.
22. Mai: Carol I. zieht in Bukarest ein. Rumänien befindet sich zu diesem Zeitpunkt nach wie vor unter der Oberhoheit des Osmanischen Reichs.
Deutscher Bund und Italien
8. April: Preußen und Italien schließen auf drei Monate befristet den Preußisch-Italienischen Allianzvertrag. Mit diesem Offensiv- und Defensivbündnis für den Fall eines Krieges gegen das Kaisertum Österreich verstößt Preußen gegen Artikel XI der Deutschen Bundesakte, der die Bundesstaaten verpflichtet, keine Verbindungen einzugehen, die gegen die Sicherheit des Deutschen Bundes bzw. einzelner Bundesstaaten gerichtet ist. 9. April: Preußen beantragt beim Bundestag die Wahl eines Nationalparlaments. Die deutschen Einzelstaaten reagieren ablehnend. Der Antrag wird in einen neunköpfigen Ausschuss geschoben, der überwiegend aus Gegnern des Antrags besteht.
mini|links|Cohen-Blind verübt das Attentat auf Bismarck 7. Mai: Ferdinand Cohen-Blind verübt Unter den Linden ein Attentat auf den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck, um den drohenden „Bruderkrieg“ zwischen Preußen und Österreich abzuwenden. Bismarck wird nur leicht verletzt, der Attentäter begeht noch in der Nacht in Polizeigewahrsam Suizid. 1. Juni: Österreich wendet sich an den Bundestag des Deutschen Bundes und stellt ihm im Einklang mit der Bevölkerung die Entscheidung über die Zukunft Holsteins anheim. Das Elbherzogtum steht zwar unter österreichischer Verwaltung, Österreich duldet aber zum Verdruss Preußens die Nebenregierung des Herzogs Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein aus dem Hause Oldenburg und entschließt sich in Übereinstimmung mit ihm zur Einberufung der holsteinischen Ständeversammlung. Preußen betrachtet dieses Vorgehen als Bruch der Gasteiner Konvention von 1865. 9. Juni: Preußische Truppen marschieren in Holstein ein, woraufhin Österreich beim Bundestag die Mobilisierung von Bundestruppen zwecks einer Bundesexekution wegen verbotener Selbsthilfe Preußens beantragt.
mini|hochkant|Verfassungsdiagramm für einen reformierten Deutschen Bund nach den preußischen Vorschlägen vom 10. Juni 1866 10. Juni: Preußen legt der Bundesversammlung einen Reformplan zur Umgestaltung des Deutschen Bundes ohne Österreich, der sogenannten kleindeutschen Lösung, vor. 12. Juni: Zwischen dem französischen Kaiser Napoleon III. und dem Kaisertum Österreich kommt ein Geheimvertrag zustande, der im Falle eines österreichischen Sieges Venetien um den Preis der Neutralität Frankreichs im drohenden Deutschen Krieg verspricht. Auch Österreich verstößt damit gegen die Deutsche Bundesakte. 14. Juni: Der Bundestag stimmt dem Antrag Österreichs auf Bundesexekution gegen Preußen zu und ernennt Karl von Bayern zum Bundesfeldherrn. Der Deutsche Krieg beginnt. Preußen tritt nach dem Mehrheitsbeschluss aus dem Deutschen Bund aus. 15. Juni: Preußen stellt den Königreichen Hannover und Sachsen sowie Kurhessen ein Ultimatum, nachdem diese einer Bundesexekution im Deutschen Bund gegen Preußen zugestimmt haben. Die Ablehnung dieser Forderung führt am selben bzw. am folgenden Tag zur Kriegserklärung und dem Einmarsch preußischer Truppen. 16. Juni: Preußen wendet sich an 19 nord- und mitteldeutsche Staaten und bietet ihnen an, auf der Grundlage des Reformplans vom 10. Juni ein Bündnis abzuschließen und ihnen die Unabhängigkeit und territoriale Integrität zu versprechen. Dafür müssen sie allerdings ihre Armeen Preußen unterstellen. Siebzehn nehmen das Angebot zum Teil unter Druck an. Das Herzogtum Sachsen-Meiningen und Reuß älterer Linie verweigern sich. 20. Juni: Mit der Kriegserklärung Italiens an das Kaisertum Österreich beginnt der Dritte Italienische Unabhängigkeitskrieg.
mini|links|Schlacht bei Custozza, Juliusz Kossak 24. Juni: In der Schlacht bei Custozza scheitert der Versuch Italiens, Venetien und das Trentino vom Kaisertum Österreich zu erobern. Albrecht Friedrich von Österreich besiegt mit seinen Truppen den italienischen General Alfonso La Marmora. 26. Juni: Das Gefecht bei Hühnerwasser ist das erste Gefecht des Deutschen Krieges und endet mit einem Sieg der preußischen Armee unter Eberhard Herwarth von Bittenfeld. Österreich verliert unter dem Befehl von Eduard Clam-Gallas fast 20 % der eingesetzten Truppen. 27. Juni: In der Schlacht bei Podol erleiden die österreichischen Truppen neuerlich schwere Verluste gegen die mit Zündnadelgewehren ausgestatteten preußischen Einheiten.
mini|Preußische Artillerie bei Langensalza, Gemälde von Georg von Boddien 27. Juni: Die Schlacht bei Langensalza zwischen den mit dem Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha verbündeten Preußen und dem Königreich Hannover im Deutschen Krieg gewinnen die Hannoveraner, erleiden dabei aber schwere Verluste. 27. Juni: In der Schlacht bei Trautenau erringen die Österreicher unter Ludwig Karl Wilhelm von Gablenz einen verlustreichen Sieg. Sie findet zeitgleich mit der Schlacht bei Nachod statt, die die Preußen unter Karl Friedrich von Steinmetz für sich entscheiden. 28. Juni: Im Deutschen Krieg erzielen die Preußen Erfolge über die Österreicher. Sie gewinnen die Schlachten von Skalitz und Münchengrätz. 29. Juni: Trotz gewonnener Schlacht bei Langensalza am 27. Juni muss das Königreich Hannover aus militärischer Erschöpfung im Deutschen Krieg gegenüber Preußen kapitulieren. 29. Juni: In der Schlacht bei Gitschin siegt im Deutschen Krieg die preußische Armee über verbündete österreichisch-sächsische Truppen. Am gleichen Tag siegt Preußen auch im Gefecht bei Schweinschädel und im Gefecht bei Königinhof. 1. bis 27. Juli: Die preußische Main-Armee führt den Mainfeldzug durch. 3. Juli: Die Schlacht bei Königgrätz ist die kriegsentscheidende Schlacht des Deutschen Krieges. In der Nähe des Dorfes Sadowa treffen die Truppen Preußens unter dem Befehl von Helmuth von Moltke auf die von Ludwig von Benedek geführten Armeen Österreichs und Sachsens und schlagen diese vernichtend. Die preußische 1. Armee unter Friedrich Karl verfolgt im Anschluss die Österreicher nach Brünn; die 2. Armee unter dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen marschiert auf Olmütz und die Elbarmee folgt den Österreichern über Iglau nach Znaim. Die Preußen erreichen Mitte Juli den Donauraum und gehen ohne größeren Widerstand auf die Linie Stockerau und Gänserndorf im nördlichen Vorfeld von Wien vor. 4. Juli: Das Gefecht bei Dermbach ist das erste Aufeinandertreffen preußischer und bayerischer Truppen im Deutschen Krieg, das erstere für sich entscheiden. 8. Juli: Prag wird kampflos von den Preußen besetzt. 10. Juli: In der Schlacht bei Kissingen besiegen preußische Korps Einheiten der zur deutschen Bundesarmee gehörenden bayerischen Truppen. 12. Juli: In der Schlacht bei Zorn, einem Scharmützel zwischen nassauischen und preußischen Truppen in dem Ort Zorn, heute ein Ortsteil von Heidenrod im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen, wird ein nassauischer Soldat getötet. 13. Juli: Preußen besiegt das Großherzogtum Hessen im Gefecht bei Frohnhofen und sichert sich damit die Spessartübergänge. 14. Juli: Preußische Truppen erobern Aschaffenburg in heftigen Straßenkämpfen gegen österreichischen Truppen unter Feldmarschallleutnant Erwin von Neipperg. Die Bundestruppen müssen über den Main nach Westen ausweichen. 15. Juli: In einem vom italienischen Marineminister Agostino Depretis in Ancona vorgelegten Kriegsplan wird Flottenadmiral Carlo Pellion di Persano befohlen, die österreichische Flotte in der Adria anzugreifen. Der Plan sieht auch einen Angriff auf den österreichischen Stützpunkt auf der Insel Lissa vor. Persano läuft am nächsten Tag von Ancona aus. 16. Juli: Preußen besetzt kampflos die Stadt Frankfurt am Main.