miniatur|Edward Wood, 1. Earl of Halifax (1947) Edward Frederick Lindley Wood, 1. Earl of Halifax KG, OM, GCSI, GCMG, GCIE, PC (* 16. April 1881 in Powderham Castle, Devon, England; † 23. Dezember 1959 in Garrowby Hall, Yorkshire, England), zwischen 1925 und 1934 auch bekannt als Lord Irwin und von 1934 bis 1944 als Viscount Halifax, war ein britischer Politiker der Konservativen Partei. Er bekleidete seit 1922 verschiedene Ministerämter, war von 1926 bis 1931 Vizekönig von Indien. In den 1930er Jahren wurde er zu einem der entschiedenen Verfechter der Appeasement-Politik gegenüber dem NS-Staat Deutschland, für die er ab 1938 als Außenminister verantwortlich war. Sein innerparteilicher Rivale Winston Churchill schob ihn Ende 1940 für die Dauer des Zweiten Weltkriegs auf den Botschafterposten nach Washington ab.
Leben Herkunft und frühe Karriere Edward Wood war der vierte Sohn des Charles Wood, 2. Viscount Halifax, aus dessen Ehe mit Lady Agnes Courtenay, Tochter des William Courtenay, 11. Earl of Devon. Seine drei älteren Brüder starben, bevor sie das Erwachsenenalter erreichten, so dass er ab 1899 der Heir apparent seines Vaters war. Wood selbst wurde mit einem verkrüppelten linken Arm ohne Hand geboren. Dank einer Prothese, die er sehr geschickt zu benutzen lernte, hatte diese Behinderung keinen Einfluss auf seine Fähigkeit, zu reiten, zu jagen oder zu schießen. Winston Churchill verlieh ihm später den Spitznamen „Holy Fox“ („Heiliger Fuchs“), eine Anspielung auf seinen Namen, seine Jagdleidenschaft und seine Religiosität, da Wood wie sein Vater ein gläubiger Anglo-Katholik war.
Am Eton College und am Christ Church College der Universität Oxford ausgebildet, gehörte Wood von 1910 bis 1925 als Abgeordneter des Wahlkreises Ripon dem House of Commons an. Als Offizier der Queen's Own Yorkshire Dragoon Yeomanry kämpfte er trotz seiner Behinderung im Ersten Weltkrieg, wurde mentioned in despatches und stieg 1915 in den Rang eines Lieutenant-Colonel auf. Ab 1917 übernahm er eine Schreibtischtätigkeit als Assistant Secretary des Minister of National Service. 1918 schrieb er zusammen mit George Ambrose Lloyd, dem späteren Baron Lloyd, das Buch The Great Opportunity („Die große Gelegenheit“). Er verfocht darin das Programm einer reformierten Konservativen Partei für die Zeit nach der von dem Liberalen David Lloyd George geführten Kriegskoalition.
Die Koalitionsregierung plante zwar, Wood zum Generalgouverneur in Südafrika zu ernennen, aber die führenden Politiker des Dominions lehnten ihn ab, da sie sich einen Minister im Kabinettsrang oder ein Mitglied der Königlichen Familie wünschten. Zugleich rügte Winston Churchill, damals noch Mitglied der Liberalen und ein Freund Lloyd Georges, Wood wegen seiner Ambitionen auf den Posten eines Staatssekretärs für die Kolonien. Der verstimmte Wood votierte daher beim Carlton-Club-Treffen im Oktober 1922 für den Sturz des Kabinetts Lloyd George und wurde 1922 Bildungsminister im Kabinett des Konservativen Andrew Bonar Law. Obwohl er an diesem Posten nicht interessiert war, behielt er ihn bis 1924. Seit 1922 war er auch Mitglied des Privy Council. Von 1924 bekleidete er bis 1925 mit ebenso wenig Engagement das Amt des Agrarministers im konservativen Kabinett Stanley Baldwin. Seine Karriere schien an einem Tiefpunkt angekommen.
Vizekönig von Indien Im Oktober 1925 wurde ihm das Amt des Vizekönigs von Indien als Nachfolger von Rufus Isaacs, 1. Marquess of Reading, vorgeschlagen. König Georg V. hatte ihn für dieses Amt vorgeschlagen, wohl wegen seines familiären Hintergrundes (sein Großvater war Indienminister) und seiner aristokratischen Herkunft. Nach einigem Zögern nahm er an. Ihm wurde dazu am 22. Dezember 1925 die erbliche Peerwürde eines Baron Irwin, of Kirby Underdale in the County of York, verliehen, weshalb er fortan als Lord Irwin bekannt war. Er erhielt dadurch einen Sitz im House of Lords und schied aus dem House of Commons aus. Er reiste am 17. März 1926 nach Indien ab und kam am 1. April 1926 in Bombay an. Er trat das Amt des Vizekönigs mit der Hoffnung an, die britisch-indischen Beziehungen zu verbessern und die Spannungen zwischen den verschiedenen Religionsgruppen im Lande zu beruhigen. Als tief religiöser Mensch schien er die richtige Wahl, um mit Mahatma Gandhi umzugehen. In den ersten 19 Monaten nach seiner Berufung ignorierte er Gandhi jedoch. Als Vizekönig von Indien wurde er 1926 auch Knight Grand Commander und Großmeister des Order of the Star of India und des Order of the Indian Empire.
Seine Regierungszeit war durch eine Periode großer politischer Unruhe gekennzeichnet. Der Ausschluss von Indern aus der Simon-Kommission, die die Reife des Landes für die Selbstregierung zu prüfen hatte, provozierte ernste Gewalt und so war Wood zu Konzessionen gezwungen, die in London als zu weitgehend und in Indien als halbherzig empfunden wurden. Während seiner Regierungszeit musste er mit verschiedenen Ereignissen fertigwerden, zum Beispiel mit dem Protest gegen den Bericht der Simon-Kommission, dem Nehru-Bericht, der Allparteienkonferenz, den 14 Punkten des Leiters der Muslimliga Mohammed Ali Jinnah, der vom Indischen Nationalkongress geleiteten zweiten Kampagne Zivilen Ungehorsams unter der Führung von Mahatma Gandhi und den Konferenzen am Runden Tisch zur Zukunft Britisch-Indiens.
Als Strategie ließ Wood alle Leiter des Kongresses inhaftieren und eröffnete daraufhin die Verhandlungen mit Gandhi. Die Kritik an Wood war nicht eben fair, aber er hatte einen Fehler gemacht, dessen Konsequenzen ernst waren, und die Unruhe wuchs. Wood versuchte, mit den indischen Politikern zu einem Modus Vivendi zu kommen; dies gipfelte in seinem Eintreten für den Status eines Dominions. London verweigerte jedwede Konzessionen.
Mit wenig Manövrierraum flüchtete Wood in Repression; seine Notstandsbefugnisse zur Verhaftung Gandhis nutzend, verbot er öffentliche Veranstaltungen und unterdrückte die rebellierende Opposition. Gandhis Verhaftung verschlechterte die Lage weiter. Letztlich entschied sich Wood (durch die Unterschrift unter den Delhi-Pakt) im Januar 1931 zu Verhandlungen, bei denen alle Interessen bei der Konferenz am Runden Tisch repräsentiert waren, um den zivilen Ungehorsam und den Boykott britischer Güter zu beenden. Die zwei Wochen dauernden Diskussionen gipfelten in einem Vertrag, der als Gandhi-Irwin-Pakt bezeichnet wurde, nach dem die Kampagne des Zivilen Ungehorsams ausgesetzt wurde.
Der Vertrag zwischen Gandhi und Wood wurde am 5. März 1931 unterzeichnet. Entscheidende Punkte waren: Der Kongress setzt die Bewegung des Zivilen Ungehorsams nicht mehr fort. Der Kongress nimmt an der Konferenz des Runden Tischs teil. Die Regierung zieht alle Befehle zur Zügelung des Kongresses zurück. Die Regierung beendet alle Strafverfolgungen wegen Delikten ohne Gewaltanwendung. Die Regierung lässt alle Personen frei, die zu Haftstrafen im Zusammenhang mit ihrer Beteiligung an der Kampagne für Zivilen Ungehorsam verurteilt wurden.
Es wurde ferner anerkannt, dass Gandhi an der zweiten Konferenz des Runden Tischs als einziger Repräsentant des Kongresses teilnahm.
Lord Irwin zollte am 20. März 1931 (bei einem Dinner, das die regierenden Prinzen gaben) Gandhis Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Patriotismus Respekt. Einen Monat nach dem Gandhi-Irwin-Pakt trat er zurück und verließ Indien. Bei Lord Irwins Rückkehr nach England im April 1931 war die Situation ruhig, aber binnen eines Jahres kollabierte die Konferenz und Gandhi wurde wieder verhaftet. In England wurde Lord Irwin 1931 als Knight Companion in den Hosenbandorden aufgenommen.
Vertreter der Appeasement-Politik 1931 lehnte Wood das ihm angebotene Amt des Außenministers ab, um einige Zeit zu Hause zu verbringen, aber unerklärlicherweise folgte dem 1932 sein Wiederaufstieg zum Bildungsminister im Kabinett des Vorsitzenden der Labour Party Ramsay MacDonald, ein Amt, das er belebte durch seine fortgesetzte Rolle (jetzt im Hintergrund) in indischer Politik und Gesetzgebung, die Erlangung des Amts des Master of the Middleton Hunt im gleichen Jahr und seine Wahl zum Kanzler der Universität Oxford 1933.
1934 erbte er beim Tod seines Vaters dessen Adelstitel als 3. Viscount Halifax und 5. Baronet, of Barnsley. In der Folgezeit gehörte er dem Kabinett in verschiedenen Ämtern an: Fünf Monate 1935 Kriegsminister, von 1935 bis 1937 Lordsiegelbewahrer – gleichzeitig fungierte er als Präsident des Oberhauses – von 1937 bis 1938 Lord President of the Council (dem protokollarisch vierthöchsten Amt unterhalb der Monarchie) im Kabinett Baldwin und nach 1937 im Kabinett Chamberlain. 1937 wurde er zudem als Knight Grand Cross des Order of St Michael and St George ausgezeichnet.
Die Berufung von Anthony Eden als Außenminister 1935 schien anfangs gut zu Halifax’ Ansichten über die zukünftige Richtung der britischen Außenpolitik zu passen, in die er sich zunehmend mit Ratschlägen einmischte. Die beiden befanden sich in bestem Einvernehmen (auch mit der vorherrschenden öffentlichen Meinung in Großbritannien), dass die deutsche Remilitarisierung des Rheinlands im März 1936 – „ihrem eigenen Hinterhof“ – keine ernste Bedrohung darstelle und insoweit begrüßt werde, als es Deutschlands scheinbaren Fortschritt in Richtung Normalität nach der Trübsal infolge des Versailler Friedensvertrags darstelle. Dennoch benutzte Chamberlain, nachdem er 1937 Baldwin als neuer Premierminister folgte, zunehmend verdeckte Kanäle inklusive Halifax selbst, um diplomatisch tätig zu werden.
Halifax’ Freund Henry „Chips“ Channon berichtete später von Halifax’ erstem Besuch in Nazi-Deutschland 1936: „Er erzählte mir, dass er all die Nazi-Führer, selbst Goebbels, mochte, und er war sehr beeindruckt, interessiert und amüsiert durch den Besuch. Er denkt, das Regime ist absolut fantastisch.“ In seinem Tagebuch notierte Halifax, dass er Hitler gesagt habe: „Obwohl es viel am Nazi-System gab, das die britische Meinung tief verletzte, war ich nicht blind, was er (Hitler) für Deutschland getan hatte und was er von diesem Standpunkt aus mit dem Hinausfegen des Kommunismus aus seinem Land erreicht hatte.“ mini|Fahrt mit Göring durch die Schorfheide Auf Einladung von Hermann Göring kam Halifax im November 1937 nach Deutschland. Der Vorwand war eine Jagdausstellung, aber Halifax waren strikte Instruktionen des Foreign Office mitgegeben worden, falls es zu einem Treffen mit Adolf Hitler kommen sollte. Einigen Augenzeugen zufolge soll Halifax beinahe einen internationalen Zwischenfall bewirkt haben, als er dem Diktator seinen Mantel übergab in der Annahme, es handele sich um einen Diener. Hitler beurteilte seinen Besucher später in seinen „Dialogen im Führerhauptquartier“ als „einen Heuchler schlimmster Art und verlogen“. Bei den folgenden Diskussionen missachtete Halifax Edens Direktive, den Deutschen Warnungen bei Schritten gegenüber Österreich und der Tschechoslowakei zukommen zu lassen. Er deutete im Gegenteil an, Großbritannien würde einer Klärung der deutschen Gebietsforderungen, auch in Bezug auf Danzig, nicht im Wege stehen, sofern diese auf friedlichem Wege erreicht würden. Er war außerdem gezwungen, Hitlers haarsträubenden Ratschlägen bezüglich des Umgangs mit den Problemen in Indien („Erschießen Sie Gandhi“) freundlich zuzuhören. Die Treffen waren generell unangenehm. Von Göring, einem passionierten Jäger, der sich selbst zum „Reichsjägermeister“ befördert hatte, erhielt er den Spitznamen „Halalifax“ in Anspielung auf das Halali der Jäger.
Scheitern als Außenminister