Schortens ist eine Stadt und selbständige Gemeinde im Landkreis Friesland in Niedersachsen. Die Gemeinde wurde 2005 zur Stadt ernannt und ist seitdem nach Varel die zweitgrößte Stadt im Landkreis Friesland. Seit dem 6. Dezember 2011 ist die Stadt ein staatlich anerkannter Erholungsort., abgerufen am 7. Dezember 2011.
Name Schortens wurde erstmals 1158 als Scortinh erwähnt. Aus dem Jahre 1190 ist die Bezeichnung Scortinghe überliefert. 1354 wird das Dorf Scortinze genannt und 1420 Schortensze. Der Name ist eine Ableitung des Rufnamens Scroet oder Scoto mit dem affrikativen Kollektivsuffix -ingi, aus dem später das -ens wurde.
Geographie Schortens liegt im Jeverland auf der ostfriesischen Halbinsel, am Rand der Marsch. Zahlreiche Dörfer, etwa die heutigen Stadtteile Accum und Schoost liegen auf in die Marsch hereinragenden Geestzungen, zwischen denen es früher ausgedehnte Moor- und Heidegebiete gab.
Nachbargemeinden Schortens grenzt im Nordwesten an die Stadt Jever, im Norden an die Gemeinde Wangerland, im Osten an die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven, im Süden an die Gemeinde Sande und im Südwesten an die Gemeinde Friedeburg, welche zum Landkreis Wittmund gehört.
Stadtgliederung Die Stadt umfasst die zwölf Stadtteile Schortens, Heidmühle, Grafschaft, Accum, Sillenstede, Schoost, Roffhausen, Middelsfähr, Addernhausen, Oestringfelde, Ostiem und Upjever.
Während Schortens, Heidmühle, Oestringfelde und Ostiem zusammen einen geschlossenen Ortskern mit circa 13.000 Einwohnern bilden, handelt es sich bei den anderen Stadtteilen um einzeln gelegene kleinere Orte mit Einwohnerzahlen von etwa 150 (Schoost) bis zu 2100 (Sillenstede).
Zudem ist der Wohnplatz Weißenfloh mit einem Ortseingangsschild versehen.
Klima Schortens liegt in einer gemäßigten Klimazone, die dem direkten Einfluss der Nordsee untersteht. Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich die Stadt in der Einteilung Cfb. C steht für ein warm-gemäßigtes Klima, fb für ein feucht-gemäßigtes Klima mit Sommern, in denen die Tagestemperaturen tiefer sind und Wintern, in denen die Tagestemperaturen häufig höher sind als im weiteren Inland. Insgesamt wird das Klima von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt.
Geschichte mini|Turm des abgebrochenen Klosters Östringsfelde, Gemälde von 1789 mini|Das Bürgerhaus Schortens Erste Spuren der Besiedlung im heutigen Stadtgebiet reichen bis ins 5. Jahrhundert zurück. Damals gab es Schortens als Einheit noch nicht, sondern an seiner Stelle lagen verschiedene Bauerschaften und kleinere Dörfer. Die Verwaltungseinheiten waren die Kirchspiele, deren Grenzen im Wesentlichen durch die geographischen Gegebenheiten (beispielsweise Flüsse und andere Hindernisse) abgesteckt waren. Nach dem Bau der St.-Stephanus-Kirche und einer damit verbundenen Neueinteilung der Kirchspiele entwickelte sich der heutige Ortskern zum geistigen Zentrum des näheren Umkreises, wozu auch das nahe gelegene Kloster Oestringfelde beitrug, das im Mittelalter in der ganzen Region bekannt war. Geschichtlicher Überblick mini|St.-Stephanus-Kirche 1153 gelobten die durch Rindermast und Handel wohlhabenden Oestringer Friesen vor einer Schlacht gegen ein sächsisches Heer, im Falle eines Sieges eine Kirche zu bauen „in de Ehre Sunte Steffan tho Schortense“.Friedrich Wilhelm Riemann: Geschichte des Jeverlands, Band 1. Wittmund 1896. S. 161. Diese erste, sicher datierbare Steinkirche auf der ostfriesischen Halbinsel hatte keinen hölzernen Vorgängerbau. Die St.-Stephanus-Kirche wurde aus – hier erstmals verwendeten – Granitquadern und aus Tuffstein erbaut, den die Händler aus der Eifel mitbrachten, wenn sie ihre Waren zu Schiff in Köln verkauft hatten. Die Kirche ist ein Apsissaal aus ungegliedertem Schiff und Chorapsis.
1361 ließ der Häuptling Keno tom Brook im Verlaufe einer Fehde die Nordwand unterminieren, die daraufhin einstürzte. Außerdem wurde das Reetdach angezündet. In einer Chronik heißt es: „Anno 1361 was Schortenser Kerke gebrennt van Juncker Keno uth Brockmerland unnd sinenn volcke.“Eilert Springer, Fr. W. Riemann: Die Chronica Jeverensis, geschreven tho Varel Anno 1592. Jever 1896. S. 34 Tom Brook hat sie aber nur angezündet, nicht verbrannt, denn die Südseite ist in der alten Gestalt aus Granit und Tuff weitgehend erhalten geblieben.
Mit dem Ende der Friesischen Freiheit ging das Stammesgebiet der Oestringer, zu dem auch Schortens gehörte, in der Herrschaft Jever auf, das von der Häuptlingsfamilie Wiemken regiert wurde. 1548 wurde die Herrschaft Jever auf dem Reichstag in Augsburg als Lehen Brabants dem Burgundischen Reichskreis angeschlossen. Nach dem Tod Marias im Jahre 1575 wurden Schortens und Jever oldenburgisch. Am 12. August 1588 bestätigte der Brüsseler Hof den oldenburgischen Herrschaftsanspruch gegenüber der Grafschaft Ostfriesland. Das Dorf Accum gehörte von 1465 bis 1858 zur Herrschaft Kniphausen.
Um 1600 entstand als Anbau an die Kirche die erste Schule auf dem heutigen Stadtgebiet und später tagte im Gasthof neben der Kirche der Kirchen- und Gemeinderat. Als 1667 der letzte männliche Erbe des Hauses Oldenburg starb, fiel Schortens im Jahre 1675 unter dänische Besatzung. Nach einer Einigung mit Dänemark gehörte Schortens ab 1689 zum Fürstentum Anhalt-Zerbst, wie es von dem letzten Oldenburger Regenten Anton Günther vor seinem Tod verfügt worden war.
Bei der Weihnachtsflut 1717 starben in der Herrschaft Jever 1.294 Menschen, davon 17 im Kirchspiel Schortens, 24 im Kirchspiel Sillenstede und 25 im Kirchspiel Accum.
Als ab 1786 die ersten bürgerlichen Verwaltungsorgane entstanden, wählte man zur Gliederung die Kirchspielgrenzen. Somit bildete das Schortenser Kirchspiel auch eine politische Einheit und entwickelte sich zur Gemeinde und heutigen Stadt Schortens.
Im Jahr 1793 starb die Linie Anhalt-Zerbst aus und Schortens wurde nach der Zerbster Teilung unter Katharina II. russisch. Im Frieden von Tilsit wurde die Herrschaft Jever an das Königreich Holland abgetreten, sodass Schortens im Jahr 1807 holländisch und nach der Eroberung durch Napoleon I. im Jahr 1810 französisch wurde. Es gehörte bis 1813 zum Arrondissement Jever im Département Ems-Oriental, das auch große Teile des Fürstentums Ostfriesland umfasste. Nach dem Rückzug der napoleonischen Truppen fiel Schortens wieder an Russland, wurde aber 1818 an das Großherzogtum Oldenburg abgegeben. Schortens gehörte mit Ausnahme von Accum zum oldenburgischen Amt Jever. 1854 wurde auch die vorher selbstständige Herrschaft Kniphausen, zu der Accum gehörte, ein oldenburgisches Amt, das 1858 schließlich im Amt Jever aufging.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann in Schortens eine regere Besiedlung, deren Auslöser vor allem die Fertigstellung der Straßenverbindung Oldenburg–Jever im Jahre 1837 und ab 1871 die Schaffung einer Eisenbahnverbindung von Sande über Heidmühle nach Jever waren. Zudem profitierte Schortens stark von der Entwicklung des neu angelegten preußischen Marinestützpunktes Wilhelmshaven. Viele Arbeiter siedelten sich im heutigen Stadtgebiet an. Durch die Eisenbahnanbindung verlagerte sich das Ortszentrum von der St.-Stephanus-Kirche hin zum Bahnhof im Ortsteil Heidmühle.
Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Produktion von Kriegsschiffen in Wilhelmshaven stark zurück und Schortens hatte mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen.
Schon im Mai 1924 erreichte der Völkisch-Soziale Block, ein rechtsextremes Wahlbündnis, das das Wählerpotenzial der verbotenen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei auffing, bei den Reichstagswahlen 27,6 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen in Schortens, während er im Reichsdurchschnitt bei 6,6 Prozent verblieb. Die Deutschnationale Volkspartei erhielt weitere 17,8 Prozent, sodass die spätere „Hitler-Koalition“ von 1933 bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in Schortens 45,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Im damals noch eigenständigen Sillenstede erreichten VSB und NSDAP zusammen sogar 69,6 Prozent.
Zur Zeit der Weimarer Republik lebte die siebenköpfige jüdische Familie Solmitz in Heidmühle. Während die Eltern in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz ermordet wurden, konnten sich die Kinder der Verfolgung durch die Nazis entziehen. Zwei Töchter starben während des Zweiten Weltkrieges, während die zwei Söhne untertauchen bzw. ins Ausland fliehen konnten. Eine weitere Tochter kehrte nach Kriegsende nach Schortens zurück. Eine Gedenktafel an dem Wohnhaus der Schlachter- und Viehhändlerfamilie in der Jeverschen Straße 16 erinnert seit Mai 2018 an Max und Paula Solmitz.
Bei den Reichstagswahlen im März 1933 erreichten die rechtsextremen NSDAP und DNVP in Schortens zusammen 58,9 Prozent, in Sillenstede sogar 82,2 Prozent der Wählerstimmen. Die Mehrheit der Parteien fiel in Schortens also noch um sieben Prozent deutlicher aus als auf Reichsebene. Gleichzeitig erreichte die SPD in Schortens mit 30,2 Prozent ihr bestes Ergebnis im Jeverland und ein fast doppelt so hohes Ergebnis wie die 18,3 Prozent im gesamten Reich.
1933 wurde Schortens dann mit Cleverns, Sandel und Sande zur Gemeinde Oestringen zusammengeschlossen. Dieser Zusammenschluss wurde allerdings kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1948 wieder aufgehoben. Die Ämter Jever und Varel wurden 1933 zum Amt Friesland mit Sitz in Jever vereinigt, ab 1939 als Landkreis Friesland. 1936 wurde der Fliegerhorst Jever eröffnet, der bis heute existiert und von der Luftwaffe genutzt wird. Zwischen 1945 und 1951 waren auf dem Gelände bis zu 1.500 Displaced Persons untergebracht: überwiegend Juden aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen, die auf ihre Auswanderung warteten.
Am 6. Mai 1945 befreiten polnische Panzertruppen des 2. Kanadischen Korps das Jeverland und Schortens gehörte fortan zur britischen Besatzungszone. 1946 wurde Schortens in das neu gegründete Land Niedersachsen einbezogen. Im selben Jahr kamen im Zuge der Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa mehr als 4.000 Heimatvertriebene nach Schortens, sodass die Einwohnerzahl stark anstieg. Auch die Ansiedlung der Olympia-Werke in Roffhausen förderte die Schortenser Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1961 wurde die Einwohnerzahl von 10.000 überschritten. Durch die Gebietsreform in Niedersachsen und die damit einhergehende Eingemeindung der bis dahin selbstständigen Gemeinde Sillenstede im Jahr 1972, erreichte Schortens erstmals im Jahr 1974 die Marke von 20.000 Einwohnern. Außerdem trat am 1. August 1977 die Auflösung des Landkreises Friesland in Kraft und Schortens gehörte bis zur Rücknahme der Neugliederung am 1. Januar 1980 zu einem um den ehemaligen Landkreis Wittmund erweiterten Landkreis Friesland mit Sitz im ostfriesischen Wittmund.
1987 wurde das Bürgerhaus Schortens an der Rheinstraße gebaut, in dessen Räumlichkeiten nun auch die Bücherei Platz fand, die es an anderer Stelle bereits seit den 1950er Jahren gab. Das Bürgerhaus entwickelte sich in den darauffolgenden Jahrzehnten zum kulturellen Mittelpunkt der Gemeinde. Die Stadtrechte erhielt Schortens am 21. Januar 2005.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2005 Seit dem 1. Juni 2005 ist die Stadt Schortens selbständige Gemeinde.
Am 6. Dezember 2011 wurde der Stadt für die Ortsteile Schortens, Heidmühle, Ostiem, Oestringfelde und Grafschaft offiziell das Prädikat „Staatlich anerkannter Erholungsort“ verliehen. (PDF; 44 kB), abgerufen am 13. Januar 2013.
Während der Corona-Pandemie geriet Schortens bundesweit in die Schlagzeilen, weil eine Krankenschwester im April 2021 im Impfzentrum Schortens Kochsalzlösung anstelle von Impfstoffen auf für die Impfung vorgesehene Spritzen zog. Mehr als 8.000 Personen mussten sich erneut impfen lassen. Die Frau wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung in sechs Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten auf Bewährung verurteilt.NDR Hallo Niedersachsen: Bewährungsstrafe im Prozess um unwirksame Corona-Impfungen, 30.11.2022
Eingemeindungen