Ferrari 250 GTO ist die Bezeichnung eines Homologationsmodells von Ferrari für Rennen in der GT-Klasse. Das charakteristische Fahrzeug mit halbrunden Lufteinlässen gilt als einer der schönsten Ferraris. Alle 36 gebauten Exemplare des Sportwagens sind bis heute erhalten und zählen zu den wertvollsten Automobilen. Im Jahr 2012 wurden Fahrzeuge für 32 und 35 Mio. US-Dollar verkauft. 2013 wurde der Ferrari 250 GTO mit der Fahrgestellnummer 5111GT für 52 Mio. US-Dollar (2012 etwa 41,07 Mio. Euro) verkauft. 2014 wurde dann der Ferrari mit der Chassisnummer 3851GT von 1962, ein Unfallwagen, für 38,12 Mio. US-Dollar versteigert. Der 250 GTO mit der Fahrgestellnummer 4153, der 1964 die Tour de France gewann, wurde 2018 für 70 Mio. US-Dollar versteigert. Ausgehend vom ehemaligen Verkaufspreis im Jahr 1962 in den Vereinigten Staaten von 18.000 US-Dollar (etwa 72.000 DM, kaufkraftbereinigt in heutiger Währung etwa Euro) hat dieser Ferrari-Typ also eine extreme Wertsteigerung erfahren.

Entwicklungsgeschichte (1961–1964) mini|links|Ferrari 250 GTO Der 250 GTO war die Weiterentwicklung der 250 GT-Serie zu einem Wettbewerbsfahrzeug in der Gran-Turismo-Kategorie. Es entstand ein Rennwagen mit Straßenzulassung, mit dem die Fahrer oft zu ihren Rennen auf eigener Achse anreisten. Die Basis für den 250 GTO bildete das Modell Ferrari 250 GT Berlinetta SWB. SWB bedeutet short wheelbase (kurzer Radstand). GTO ist die Abkürzung für Gran Turismo Omologato, worunter ein Homologationsmodell zu verstehen ist. Die 250 in der Typbezeichnung steht für den Hubraum in Kubikzentimeter pro Zylinder. Ferrari präsentierte das Fahrzeug erstmals im Rahmen der alljährlichen Vorsaison-Pressekonferenz im Januar 1962 in Maranello.

mini|hochkant=1.1|Ferrari 250 GTO mit Kalman von Csazy beim 1000-km-Rennen 1963 auf dem Nürburgring Die Entwicklung des GTO unterstand ursprünglich dem damaligen Ferrari-Chefingenieur Giotto Bizzarrini und wurde bei Scaglietti durchgeführt, wo fast alle Fahrzeuge später auch gebaut wurden. Nachdem Bizzarrini Ferrari 1962 verlassen hatte, entwickelten sein Nachfolger Mauro Forghieri und Scaglietti das 1963er Modell weiter. Die auffälligste Änderung im Vergleich zur Ausgangsbasis 250 GT Berlinetta „SWB“ war die völlig neu gestaltete Front. Die hinteren Kotflügel wurden breiter und länger, ebenso der hintere Überhang. Im Gegensatz zum ersten Prototyp erhielten alle späteren Exemplare eine aufgenietete Abrisskante am Heck, damals eine aerodynamische Neuerung. All diese Änderungen waren das Ergebnis zahlreicher Versuche, die unter anderem im Windkanal der Universität von Pisa durchgeführt wurden. Nie zuvor wurde bei einem GT-Rennwagen so viel Aufwand in die aerodynamische Gestaltung investiert.

Die hintere Starrachse des 250 GT Berlinetta „SWB“ musste beibehalten werden, sie wurde jedoch nicht mehr von den Blattfedern, sondern an parallelen Längslenkern und einem Watt-Gestänge geführt. Als Motor diente der bewährte Tipo 168/62 3.0 L V12 aus dem 250 Testa Rossa. Der Innenraum des 250 GTO ist äußerst spartanisch ausgestattet – ein Tribut an geringes Gewicht, das in Verbindung mit fast 300 PS (221 kW) Leistung und geringem Luftwiderstand auf langen Geraden den GTO bis zu 280 km/h schnell machte.

Die Erfolge des 250 GTO waren beeindruckend, es gab Siege bei den 12 Stunden von Sebring, der Targa-Florio, den 1000 km von Spa-Francorchamps und in Le Mans, wo man 1962 und 1963 zusätzlich Zweiter wurde und die GT-Wertung gewann.

Versionen des Fahrzeuges Ferrari 250 GTO Serie I und Ferrari 330 GTO

mini|links|Unterschiede in den Karosseriekonturen der beiden Versionen In den Jahren 1962 und 1963 wurden 32 Exemplare der sogenannten Serie I hergestellt, deren Karosserie-Ursprung dem 250 GT Berlinetta „SWB“ entstammte. 29 davon waren 250 GTO mit 3 Liter Hubraum. Drei jedoch hatten einen 4-Liter-Motor mit 3967 cm³ Hubraum und 390 PS (287 kW) bei 7000/min. Man erkannte sie an der großen, geschlossenen Auswölbung auf der Motorhaube.

Ferrari 250 GTO Serie II (GTO ’64) mini|Ferrari 250 GTO Serie II Für die Saison 1964 wurden drei völlig neue Fahrzeuge gebaut. Sie erhielten ein neu gestaltetes Dach, die Nase und das Heck wurden stark überarbeitet und sie erhielten breitere Felgen und Reifen. Vier weitere Serie-I-Fahrzeuge wurde auf Serie II rekarossiert.

Fahrgestellnummern Zwischen 3223GT und 5575GT; davon 330 GTO: 4561GT, 3765GT, 3673GT; GTO ’64: 3729GT, 3589GT, 3869GT, 3647GT, 4399GT, 3505GT, 4491GT (nur die drei letzten sind „echte“ 64-er).

Technische Daten mini|Der charakteristische 250-GTO-Luftauslass mini|Heckansicht mini|Interior des Automobils mini|Der Tipo 168/62 V12-Motor Ferrari 250 GTO Daten In: ferrari.com.Enzyklopädie des Automobils. Weltbild Verlag, Augsburg 1995, ISBN 3-89350-534-2, S. 167.Hartmut Lehbring, Rainer W. Schlegelmilch: Ferrari. Könemann, Köln 1995, ISBN 3-89508-076-4, S. 369. Motor V12 60°, vorne längs, Trockensumpfschmierung,Motorblock aus Aluguss mit Grauguss-Zylinderlaufbuchsen Verdichtung 9,8 : 1 Bohrung/Hub 73 mm × 58,8 mm Hubraum 2953 cm³ Leistung 217 kW (297 PS) bei 7400/min Max. Drehmoment 343 Nm bei 5500/min Ventilsteuerung 1 obenliegende Nockenwelle je Zylinderreihe,durch Kette angetrieben Vergaser 6 Weber-Doppelvergaser 38 DCN Kraftübertragung Fünfgangschaltgetriebe, synchronisiert,Einscheibenkupplung (Hinterradantrieb) Chassis Rohrrahmen aus Stahl Karosserie Aluminiumaufbau (Coupé) Radaufhängung doppelte Dreiecklenker und Schraubenfedern vorn,Starrachse mit Halbelliptikfedern, Watt-Gestänge und Längslenkern hinten Lenkung Schnecke und Rolle Radstand 2400 mm Abmessungen (L × B × H) 4325 mm × 1600 mm × 1210 mm Trockengewicht 900 kg Räder Borrani-Speichenräder 15″ Bereifung 6,00 × 15 vorn, 7,00 × 15 hinten Bremsen hydraulisch betätigte Scheibenbremsen vorn und hinten Höchstgeschwindigkeit 250 km/h Beschleunigung 0–100 km/h 5,6 s

Liste der Automobile + Liste der Automobile (unter Vorbehalt) Nummer Farbe Eigentümer Ort Letzter Preis Bemerkungen 3223GT rot Joseph M. Barone and Vanessa Wong PA, USA 10,6 Mio. US$ (2004) 3387GT blau Bernard Carl Washington DC, USA 3413GT rot Gregory Whitten Medina WA, USA 7,0 Mio. US$ (2000) 3445GT blau/gelb Christopher E. Cox Chapel Hill, NC, USA verunfallt 2012 3451GT rot Lawrence Stroll Montreal, CDN 3505GT grün Craig McCaw Santa Barbara, CA, USA 35 Mio. US$ (2012) 3527GT rot Baron Irvine Laidlaw Manchester, GBR 3589GT d’blau/weiß Engelbert Stieger Teufen, CH 4,2 Mio. US$ (1988) 1999 verunfallt in Spa; siehe auch Trivia 3607GT rot S. Robson Walton Bentonville, AR, USA 3647GT rot James McNeil Jr. Staten Island, NY, USA 3705GT rot Ed Davies Coral Gables, FL, USA 3729GT weiß/rot Jon Shirley Medina, WA, USA 6 Mio. US$ (1998) 3757GT rot Nick Mason London, GBR 35.000 £ (1977) Vorbesitzer Jacques Swaters, 3. Platz in Le Mans 1962. 3765LM rot 51,705 Mio. US$ (2023) Einziger 1962er, von der Scuderia Ferrari eingesetzter 250er GTO u. einziger mit Vier-Liter-Motor; Vorbesitzer waren Jim Jaeger, ein bekannter Sammler aus Ohio (1985–2023) und der ehem. Vorsitzende des Ferrari Club of America (FCA), Fred Leydorf (1974–1985) 3767GT grün Anthony Bamford Oakamoor, GBR 3769GT grau/blau Anthony Wang NY, USA 3809GT rot Ernesto Bertarelli Vorbesitzer Hartmut Ibing; Pierre Sudan; Kalman von Csazy 3851GT rot unbekannt unbekannt 38,1 Mio. US$ (14. August 2014) 3869GT rot Giorgio Perfetti Lainate, ITA 3909GT grau John Mozart Palo Alto, CA, USA 4,0–4,5 Mio. US$ (1998) 3943GT rot Charles E. Nearburg Dallas, TX, USA 26 Mio. US$ 3987GT rot Ralph Lauren Long Island, NY, USA 650.000 US$ (1985) 4091GT rot Peter G. Sachs Stamford, CT, USA 4115GT rot Paul Vestey Alresford, Hants, GBR 4153GT silber/gelb David MacNeil Illinois, USA 70 Mio. US$ (2018) 4219GT schwarz Brandon Wang London, GBR 3,0–3,5 Mio. US$ (1993) 4293GT rot William E. „Chip“ Connor Incline Village, NV, USA 4399GT rot Anthony Bamford Oakamoor, GBR 4491GT grün Giuseppe Lucchini Brescia, ITA 4675GT rot Lionshead West Collection USA 42 Mio. US$ (2013) 4713GT rot Lulu Wang Ronkonkoma, NY, USA 4757GT rot Tom Price San Francisco, CA, USA 5095GT rot Carlos Hank Rhon Cuauhtemoc, MEX 32 Mio. US$ (2012) 5111GT rot Torrota Collection ESP 52 Mio. US$ (2013)

Trivia mini|Modellauto vom Ferrari 250 GTO (CMC, Maßstab 1:18) mini|Ferrari 250 GTO (CMC-Modellauto, Maßstab 1:18) mini|1962er Ferrari 250 GTO (CMC-Modellauto, Maßstab 1:18) Ein besonderes Schicksal traf das Fahrzeug mit der Chassis-Nummer 3589GT. Ausgeliefert als Rechtslenker, debütierte der Wagen 1962 auf der Rennstrecke von Goodwood in Südengland. Die Erstbesitzer waren Tommy Sopwith und Ronnie Hoare. In Goodwood und bei weiteren Rennen in England, auf den Bahamas, beim 24-Stunden-Rennen in Daytona und dem 12-Stunden-Rennen in Sebring konnten verschiedene Piloten vordere Plätze mit „3589GT“ einfahren. Die letzten fünf der insgesamt 13 Rennen bestritt der Rennfahrer Innes Ireland bis März 1963 mit dem Wagen für Tom O’Connors Rosebud Racing Team.

Im darauf folgenden Jahr schenkte Teambesitzer Tom O’Connor den Wagen der High School in seinem Heimatort Victoria (Texas). Die Schule verwendete den Wagen acht Jahre bei Paraden und Shows sowie für Fahrübungen. Wegen der hohen Unterhaltskosten wurde der Wagen 1972 von der Schulleitung für 6500 US-Dollar an Joe E. Kortan verkauft. Der neue Besitzer, der damals eine Vermietung exotischer Sportwagen betrieb, holte „3589GT“ auf einem Trailer ab und brachte ihn auf sein Grundstück in Cleveland (Ohio), wo er den Trailer samt Ferrari auf einer Wiese abstellte. Obwohl bald von hohem Gras umgeben, war das Auto von außerhalb des Grundstücks zu sehen und nach ein paar Jahren wurde in Ferrari-Fankreisen bekannt, dass auf einer Wiese in Ohio ein 250 GTO stehe. Man vermutete zwar, dass es „3589GT“ sei, sicher wusste das aber niemand.

Mehrmals besuchten verschiedene Kaufinteressenten Joe Kortan, der sich aber stets weigerte, den Wagen zu verkaufen. 1982 veranstaltete der French Ferrari Owners Club ein Fest zum 20. Geburtstag des 250 GTO. Ehrengast war Innes Ireland, der den Wagen 1963 mehrfach bei Rennen pilotiert hatte. Man erzählte ihm dort, „3589GT“ stehe seit zehn Jahren auf einer Wiese in Ohio und verrotte.

Innes Ireland fuhr noch im selben Jahr zu Joe Kortan nach Cleveland. An Ort und Stelle konnte er den Wagen leicht als „3589GT“ identifizieren, obwohl das Auto in erbärmlichem Zustand war: von Hand rot angestrichen, ohne Fenster in den Türen, der Innenraum voller Laub und Müll. Viele Teile fehlten, aber die platten Reifen stellten sich als die 19 Jahre alten originalen Dunlop-Rennreifen heraus, auf denen Ireland sein letztes Rennen mit dem 250 GTO in Daytona gefahren war. Ireland versuchte vergeblich das Fahrzeug zu kaufen; zwei Zugeständnisse von Kortan erhielt er jedoch: den Wagen unterzustellen, um den weiteren Verfall zu verzögern, und ihn als ersten anzurufen, wenn er den Wagen doch verkaufen wollte. An das erste Versprechen hielt sich Joe Kortan, verkaufte den 250 GTO jedoch 1986 an Frank Gallogley aus Englewood Cliffs, New Jersey für eine nicht bekannte Summe. Gallogley zerlegte das Auto und verkaufte es nach etwa zwei Jahren für 4,2 Millionen US-Dollar an Engelbert Stieger in die Schweiz.